Londoner Audio Lounge und STEREO

Ein faszinierender High End-Abend

Als Dankeschön an seine Kunden und alle High End-Liebhaber veranstaltete die Audio Lounge in London vor kurzem einen faszinierenden Abend voller Überraschungen und Sensationen. Ort des Geschehens war die ebenso festliche wie akustisch überzeugende „Library Suite“ im nahe der Audio Lounge im Stadtteil Marylebone gelegenen Hotel Hyatt Regency.

Dort erwartete die Gäste eine Anlage der Superlative: Zum ultimativen D/A-Wandler DAC X und HD PREAMP von Nagra gesellten sich die Phono-Vorstufe VPS sowie der CD-Spieler CDC des schweizerischen Herstellers. Ein Paar der riesigen Mono-Endstufen Nagra HD AMP versorgten ein Paar YG Sonja, deren Gehäuse aus hartem Flugzeugaluminium bestehen. Stargast unter den Quellen war der brandneue Plattenspieler Garrard Model 301, mit dem die große Historie dieses legendären Herstellers wiederbelebt wird.

Ein „Klassiker“ ist auch die Studer-Bandmaschine 810, die hier in hervorragendem Zustand aufspielte und für die HiFi-Enthusiasten die seltene Gelegenheit bot, die Qualität von Masterbandkopien zu erleben.

Den Abend eröffnete Stuart McNeilis, CEO beim südenglischen Analogspezialisten SME, wo viele der Teile des neuen Garrard 301 mit der Präzision, für die das Unternehmen bekannt ist, gefertigt werden. Dann gelangen sie in die Fabrik in Swindon, wo die Endmontage erfolgt. Dabei wird auch ein 12-Zoll-SME-Tonarm montiert, an dessen Spitze Ortofons A95 – ein MC-Tonabnehmer der Luxusklasse – präzise montiert war.

Stuart berichtete über die Anstrengungen und Herausforderungen bei der Wiederbelebung des berühmten Garrard 301, um diesen in weitestmöglicher Originalform, aber zuvor ungeahnter Qualität in Klang und Verarbeitung zu präsentieren. Dabei ging er insbesondere auf den ungewöhnlichen Reibradantrieb ein, den natürlich auch die moderne Version bietet.

 

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Doch nun sollte es endlich richtig losgehen. Als Präsentator und „Gastgeber des Abends“ war Matthias Böde aus Deutschland angereist. Der Redakteur des deutschen HiFi-Magazins STEREO ist ein echter Profi auf diesem Gebiet und führt seit mehr als 25 Jahren Workshops und Vorführungen durch. Im Hyatt gestand er gleich anfangs, dass er lange überlegt habe, wie man das anspruchsvolle Model 301 angemessen vorstellt. Anstelle eines Krachers entschied er sich für die ruhige, fast intime Solonummer „Smoke Gets In Your Eyes“ des amerikanischen Gitarristen Earl Klugh von dessen Album „Late Night Guitar“ vom Anfang der Achtziger. Zugegeben, ein bei aller Perfektion in puncto Komposition und Arrangement eher banales Werk aus dem Easy Listening-Bereich, doch so hervorragend aufgenommen, dass es immer aufs Neue fasziniert. „Das ist, als ob man belgische Pralinen nascht“, erklärte Böde: „Davon wird man nicht satt, aber von Zeit zu Zeit bekommt man einfach Heißhunger drauf.“

So war es denn auch. Dem Garrard 301 gelang das Kunststück, das Instrument farbig und dynamisch zwischen den Lautsprechern abzubilden. Die Natürlichkeit war atemberaubend, und als danach in „Nice To Be Around“ ein perfekt gestaffeltes, beschwingt aufspielendes Orchester Earl Klughs Gitarre einrahmte, war den Zuhörern klar, dass sie es hier mit einem Plattenspieler, ja einer ganzen High End-Anlage der Sonderklasse zu tun hatten, die ihre hohen Erwartungen mühelos erfüllte – und überbot. Als der letzte Ton verklungen war, brach spontaner Applaus los.

Highlights aus dem Plattenkoffer

Nach diesem gelungenen Auftakt folgten weiter Highlights aus dem Plattenkoffer des STEREO-Mannes. So zum Beispiel das aktuelle AudioNautes-Reissue des audiophilen Albums „Antiphone Blues“, das Orgel und Saxofon im feierlichen akustischen Umfeld einer Kirche präsentiert. Kein Problem für das auf dem Punkt spielende System, das vom Team der Audio Lounge zuvor penibel eingerichtet wurde. Weiträumig und mit heiligem Odem kam „Sometimes I Feel Like A Motherless Child“ rüber. Wieder Applaus. Und auch nachdem Cheryl Porter ihre Version von „I Look To You“ gesungen hatte und sich dabei nicht vor dem Original von Whitney Houston zu verstecken brauchte. Die Anlage offenbarte mit dieser vollanalogen, im „Conservatorio“ zu Padua aufgenommenen Titel so viel Energie und Strahlkraft, blieb selbst während der lauten Passagen so stabil in der Abbildung und sauber, dass es bei vielen der Zuhörer Gänsehaut erzeugte. Einhellige Meinung: So muss das kommen.

Steile Impulse gab’s von „Lincoln Mayorga and his distinguished colleagues“ mit ihrem herzhaft zulangenden „America“. Der Direktschnitt vom für dieses qualitätsorientierte Aufnahmeverfahren bekannten Label Sheffield Lab, bei dem die Band unmittelbar auf die Schneidefolie gespielt hatte, besticht mit frappierender Dynamik und Lebendigkeit. Unglaublich, wie locker die Anlage die heftigen Impulse bewältigte. Und, Leute, es war ganz schön laut!

 

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Nun waren die Besucher warmgehört, und der Wunsch nach weiteren Kostbarkeiten stand im Raum. Dafür wechselte die Präsentation zur Studer-Bandmaschine. Diese war bereits mit einer Spule bestückt, die Masterbandkopien aus dem Repertoire des Meistertenors Luciano Pavarotti bot. Die stammen vom italienischen Anbieter Hemiolia, laufen als Halbspurbänder mit 38 Zentimetern pro Sekunde und sind direkte Kopien der vom Pavarotti-Trust verwalteten Mastertapes.

Studer vs. Garrard – Masterbandkopie vs. Schallplatte

Mit sanftem Klacken startete die Studio-Studer und ließ die großen Spulen rotieren. Schon erklang „Che gelida manina“ aus der Puccini-Oper „La Bohème“. Schier unglaublich war die Intensität, mit der der 2007 verstorbene Sänger vor dem Publikum erschien. Diese verlangte der Anlage alles ab, sodass die Pegelmeter der kräftigen Mono-Endstufen bedrohlich weit nach rechts schwangen. Doch kein Misston zeigte die Anstrengung, sodass Pavarotti post mortem im Churchill Hyatt noch einmal einen großen Auftritt hatte und für schiere Begeisterung sorgte.

Die Frage kam auf, ob der fantastische Garrard dieser Performance würde Paroli bieten können. Um dies zu klären, hatte Matthias Böde Masterbandkopien weiterer Alben mitgebracht. Darunter ein Konzertmitschnitt der Jazzkönigin Ella Fitzgerald aus dem Jahr 1969. Flugs war die Spule auf der Studer montiert. Diese spielte gleich darauf „Hey Jude“, das mit Kraft und musikalischem Ausdruck aus den ungerührt wirkenden YG-Lautsprechern ertönte. Danach legten wir die Schallplatte auf das Model 301. Und siehe da: Die Unterschiede fielen sehr gering aus. Das alte Vorurteil, dass das Tape eine Klasse für sich sei, wurde damit widerlegt. Allerdings braucht es dafür wohl einen Plattenspieler vom Schlage des neuen Garrard.

Ein weiteres Beispiel gefällig? Eine Preziose unter den audiophilen Kostbarkeiten ist Cyndee Peters’ Version „House Of The Rising Sun“, eingespielt vom schwedischen Edel-Label Opus3. Mit spärlicher Begleitung intoniert die Sängerin den Blues-Klassiker, wobei die gebotene Natürlichkeit und Spontanität fasziniert und das Schlagwerk eindrückliche Akzente setzt. Ein Erlebnis vom Tape.
Doch kaum minder von der identisch gemasterten Schallplatte, die dem Band in Sachen Authentizität kaum nachsteht.

Ein Meisterstück liefert der Garrard mit „Summer Me, Winter Me“ ab, einer aufwendigst produzierten Nummer der kanadischen Sängerin und Pianistin Anne Bisson und ihrem Trio vom Album „Four Seasons In Jazz“, das unlängst im Studio der Mastering-Koryphäe Bernie Grundman im Direktschnittverfahren eingespielt wurde. Diesmal dient die vom parallel laufenden digitalen Aufnahmesystem stammende CD als Vergleich. Doch die Silberdisc kommt nicht mal in die Nähe der schwarzen Scheibe, die leider längst vergriffen ist und deutlich mehr Zauber und Atmosphäre bietet. Das ist aber nicht die Schuld des CD-Spielers, der zu den feinsten seiner Art zählt. Die Direktschnitt-LP ist einfach überlegen.

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„Wollt ihr eine Pause oder seid ihr heiß auf weitere Sensationen?“ fragte Matthias Böde nach diesem Feuerwerk an Besonderem das enthusiasmierte Publikum. Die Antwort lautete: „Go on!“ Nun übernahm der Nagra CDC das Zepter und spielte zunächst „You Look Good To Me“ aus dem innerhalb der audiophilen Gemeinde höchst geschätzten Album „We Get Requests“ des Oscar Peterson Trios. Es handelte sich um eine ganz spezielle CD, nämlich das „K2HD“-Reissue des US-Labels First Impression Music. Dort achtete man auf allerhöchste Qualität bei Mastering und Produktion, um der Vorlage so dicht wie möglich zu kommen. Und die K2HD-CD ließ keine Wünsche offen.

Allerdings fanden FIMs Klangspezialisten heraus, dass es viel besser tönt, wenn sie das digitale Master in Echtzeit sowie mit einem Präzisionsbrenner auf einen zuvor speziell behandelten CD-Gold-Rohling von  MFSL spielen. In dieser Version stellten sie das Werk als „Master Edition“ für rund 500 Dollar vor. Matthias Böde besitzt eines der in Europa extrem seltenen Exemplare und legte es nach einer kurzen Sequenz von der K2HD-CD in die Lade des Nagra.

Der ultimative High End-Kick

Und von diesem – glaubt es oder nicht – klang der Titel noch räumlicher, in den Klangfarben natürlicher sowie beweglicher als von der superben K2HD-CD. Und das, obwohl die Information zu dieser Bit-identisch ist. Die HiFi-Welt ist eben voller Wunder!

Doch damit war Böde noch nicht am Ende, sondern versprach den ultimativen High End-Kick mit einem der exklusivsten Tonträger der Welt: der einmaligen, aus purem Glas gefertigten „Crystal Disc“. Die stammt von einem auf optische Produkte höchster Güte spezialisierten Unternehmen und zeichnet sich durch höchste Laufruhe und Datensicherheit aus.

Als Vergleich diente die „Ultimate High Quality-CD“, bei der spezielle Materialien in der Fertigung für eine im CD-Bereich unübertroffene Klangwiedergabe sorgen sollen. In diesem Format wurde Scotty Wrights „Saint Mic“-Album produziert, und seine Coverversion von „Sound Of Silence“ besticht mit überragendem Klang. Nach dem perkussiven Intro und einem hell aufblitzenden Glöckchen erscheint die samtige, ausdrucksvolle und in perfekt arrangierten Orchesterklang eingebettete Stimme. Das geht so richtig unter die Haut.

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Dann ist der große Moment gekommen: Der STEREO-Frontmann legt gleichfalls die Bit-identische Glas-CD ein. Bereits im leisen Intro werden die Unterschiede deutlich: Der abgebildete Raum öffnet sich weiter, jeder winzige artifizielle Touch der zuvor gehörten UHQCD ist verschwunden. Die Stimme klingt voll und rund. Ein seltener Genuss, der nur wenigen vergönnt ist. Die Crystal Disc aus Matthias Sammlung könnte sogar einmalig in England sein. Aber die Audio Lounge hat Sensationen versprochen – und hält sich daran.

 Dieses Klangerlebnis lässt sich kaum noch steigern, weshalb es jetzt zu Häppchen, Drinks und Diskussionen rund ums gerade Gehörte in den Vorraum geht. Doch als Pavarotti erneut aus dem Saal erklingt, sind viele der Zuhörer wieder zurück. Zum Ausklang des wunderschönen Abends lassen wir den Meister den Gassenhauer „O sole mio“ und natürlich „Nessun dorma!“ aus Puccinis „Turandot“ schmettern. Schöner kann man nicht aufhören!

Doch das allerletzte Wort gehört dem Garrard Model 301, das „Two For The Road“ aus Earl Klughs anfänglich gehörtem „Late Night Guitar“-Album den glücklichen Hörern mit auf den Weg gibt, womit sich auch musikalisch der Reigen schließt.

Die Audio Lounge und STEREO bedanken sich bei allen Gästen für ihr Kommen und wünschen weiterhin besten Klang und tolle Musikerlebnisse.

Im März 2019 war Matthias Böde außerdem zu Gast bei der Audio Lounge India und hat dort eine Reihe unterhaltsamer und informativer Workshops gegeben. Weitere Informationen dazu finden die hier.

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