Japan setzt sich auf Sparflamme

Über Erdbeben, Tsunami und geborstene Kernkraftwerke berichten die Medien rund um die Uhr – aber wie wirkt sich die Katastrophe auf Japans Elektronik-Industrie aus? Sind Fabriken zerstört, Mitarbeiter zu Schaden gekommen? Gerät der Bauteile-Nachschub ins Stocken? Wir haben bei den japanischen HiFi-Herstellern nachgefragt – eine Momentaufnahme.

Die gute Nachricht ist: Tote hat es in den Fabriken nicht gegeben, und auch die Verletzungen sind gering. Dagegen ist der Sachschaden mitunter erheblich. Insbesondere die beiden Großen der Branche, Sony und Panasonic, die Produktionsstandorte im ganzen Land unterhalten, sind betroffen. So hat Sony den Betrieb in nicht weniger als acht Fabriken eingestellt, und das Sony-Technologie-Center in Sendai wurde wegen Erdbebenschäden stillgelegt. Panasonic berichtet von vier Fabriken, die geschlossen werden mussten, darunter eine Produktionsstätte für Digitalkameras in der Gegend des havarierten Kernkraftwerks Fukushima und ein Werk für optische Abtaster in Sendai.

Neben den unmittelbaren Schäden durch Erdbeben und Tsunami macht der japanischen Industrie aber vor allem die mangelnde Stromversorgung zu schaffen. So berichtet uns Pioneer, dass im Headquarter (Foto) in Kawasaki nahe Tokio an einem Tag acht Stunden lang der Strom abgeschaltet war. Nicht mal die Server konnten in Betrieb bleiben, so dass auch die elektronische Kommunikation weitgehend zum Erliegen kam. Man habe deshalb die Mitarbeiter nach Hause geschickt – nicht zuletzt auch wegen der nuklearen Bedrohung der Region. Auch Toshiba hat, um Strom zu sparen, vorübergehend sämtliche Standorte außer dem Hauptsitz und solchen, die für das soziale und wirtschaftliche Leben unentbehrlich sind, geschlossen. Ein besonderes Problem ist, dass die japanische Eisenbahn den Zugverkehr stark eingeschränkt hat, ebenfalls um Strom zu sparen. Die meisten Japaner sind aber, vor allem im Großraum Tokio, auf die Bahn angewiesen, um zur Arbeit zu kommen. Schon aus diesem Grund läuft vielerorts der Betrieb auf Sparflamme.

Was die Geräteproduktion angeht, so dürfte der Nachschub fürs Erste gesichert sein. Man habe in Europa Lagerbestände für rund zwei Wochen, und Ware für weitere sechs Wochen sei auf den Schiffen unterwegs, sagt man uns in der Deutschland-Zentrale eines namhaften japanischen Herstellers. Im Übrigen lassen die meisten japanischen HiFi-Firmen in China produzieren – lediglich absolute Highend-Geräte werden noch in Japan zusammengebaut. Bei denen wird es tatsächlich hier und da zu Engpässen kommen. Betroffen ist zum Beispiel die Fertigung von Denon und Marantz in Shirakawa. Entwarnung gibt der deutsche Branchenverband Bitkom, bei dem auch viele japanische Firmen Mitglieder sind: Mit Lieferengpässen bei Geräten in Deutschland sei vorerst nicht zu rechnen, sagte Bitkom-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer.

Kritischer dürfte die Situation bei Zulieferteilen sein. Denn neben Endgeräten werden in Japan Komponenten wie Chips, Sensoren oder LCD-Glas gefertigt, oder eben optische Abtaster – siehe Panasonic. Hier könne es bei einzelnen Herstellern zu Lieferengpässen kommen, so der Bitkom, aber im weltweiten Maßstab sei die Versorgung nicht gefährdet. Deutschland importiere aus Japan jährlich Hightech-Produkte im Wert von 1,8 Mrd. Euro und liefere umgekehrt Elektronik für 167 Mio. Euro nach Japan.

Unterdessen laufen in den japanischen Betrieben große Spendenaktionen an. Pioneer hat die Mitarbeiter zu Spenden aufgerufen und versprochen, selbst noch einmal die gleiche Summe oben drauf zu legen. Sony hat 300 Mio. Yen (2,7 Mio. Euro) locker gemacht, um den Erdbeben- und Tsunami-Opfern zu helfen. Derselbe Betrag kommt auch von Panasonic – außerdem Sachspenden in Form von 10000 Radiogeräten, 4000 Solarlampen, 10000 Taschenlampen und 500000 Batterien.

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