Velodyne-Subwoofer Deep Waves DW-12 & Deep Blue DB-12 Test

Velodyne bringt neue ­Subwoofer mit 30er-Tieftöner auf den Markt. Einer kompakt und günstig, der andere mit innovativer Raumkorrektur per App. STEREO vergleicht beide

Velodyne Subwoofer Duell

Club der 30er-Bass-Fans sind sich einig, die Königsklasse der Tieftöner beginnt bei einem Membrandurchmesser von 30 Zentimetern. Denn hier kommt es tatsächlich auch mal auf die Größe an, da gerade für tiefe Töne und lange Wellenlängen Luft in Bewegung versetzt werden muss, vor allem bei hohen Pegeln. Nicht von ungefähr haben die PA-Anlagen, erst recht im Freien, enorme Durchmesser und Hübe.

Daheim ist zweifellos weniger nötig, aber Reserven schaden selbstverständlich auch hier nicht – es müssen nicht unbedingt zwei 38er in einem 10-Quadratmeter-Kino sein, aber so etwas „liefert“. Beim 30er ist freilich das Verhältnis von Masse und Beweglichkeit, sprich Antrittsgeschwindigkeit, günstiger als beim 38er, sodass der meist schnellere 30er ein paar Hertz in die Tiefe schuldig bleiben mag, aber in den meisten Praxisfällen besser anzukoppeln und zudem im Kickbass überlegen ist.

Dankenswerterweise bietet der seit über 40 Jahren Subwoofer weiterentwickelnde Spezialist Velodyne gleich zwei brandneue Baureihen, die mit verschiedenen Technologieansätzen in unterschiedlichen Preisklassen als Gemeinsamkeit im jeweiligen Flaggschiffmodell beide einen satten 30er in Stellung bringen.

Bestückung des Velodyne Deep Waves DW-12 & Deep im Test

Im Fall des Deep Waves 12 handelt es sich dabei freilich um einen aktiven Treiber und zwei flankierende passive Exem­plare, die anstelle einer Bassreflexöffnung für einen gewissen Druckausgleich und Unterstützung im Basskeller sorgen. Das Prinzip ist einer Bassreflexkonstruktion mit Ventilationsöffnung (Tunnel) ähnlich und sogar stark verwandt, technisch etwas komplexer und durch die die Resonanzfrequenz bestimmende Membranmasse und Aufhängung feiner austarierbar. Zudem hat es den Vorteil, selbst bei hohen Pegeln keine Strömungsgeräusche zu erzeugen. Beim Velodyne sind alle drei Treiber gleich groß, was nicht immer so ist.

Das Prinzip hat sich aber beim Velo­dyne MicroVee X bewährt, weswegen Velodyne es hier gegenüber dem Liliput-Modell deutlich hochskaliert hat. Im DW-12 schlägt als „Herz“ ein 30er mit 2,5-Zoll-Schwingspule (65 mm), vierlagiger Wicklung und Nitrilgummi-Hightech-Sicke, wobei als Membran ein leichtes, aber rigides Papier-Verbundmaterial dient. Beinahe drei Zentimeter Maximalhub samt entsprechend brachialem Pegel sind dank adäquat führender 6-Zoll-Zentrierspinne möglich.

Testfazit: Velodyne Deep Waves DW-12

Der Velodyne Deep Waves DW-12 beeindruckt dank aktiven 30-cm-Tieftöner und zwei passiven Membranen, die kraftvollen und präzisen Bass bieten. Dank iWoofer-App inklusive Raumkorrektur kann er zudem entspannt, wenn auch nicht perfekt, gesteuert und eingestellt werden.

Pro

  • Kraftvoller
  • präziser Bass
  • Raumkorrektur per App
  • Gute Anschlüsse

Contra

  • Relativ hoher Preis
  • App mit kleinen Problemen
  • wenig Lieferumfang

Etwas „konventioneller“ geht es beim DB-12 zu, wo der ebenfalls langhubige Woofer mit vierlagiger Kupferschwingspule von 5,2 Zentimetern Durchmesser und verstärkter, polypropylenbeschichteter Fasermembran auf ein geschlossenes Kabinett mit entsprechend hoher Luftpolstersteife arbeitet, also gewissermaßen wie auf einen Stoßdämpfer. Man sagt diesem „Acoustic Suspension“-System eine hohe Präzision, aber weniger Tiefgang und Druck nach als einem bassreflexverstärkten Prinzip. Beide Treiber sind mit schon äußerlich beeindruckenden Ferrit-Magnetantrieben ausgestattet.

Vergleich der beiden 12-Zoll-Subwoofer

STEREO hat sich selbstverständlich im vergleichenden Test angesehen und angehört, worin sich die beiden „nominell ähnlich“ bestückten Kellergeister prinzipiell unterscheiden und für wen sie gegebenenfalls besonders gedacht und gemacht sind.

Richtig klein sind beide Exemplare nicht, das liegt in der Natur der Sache, sobald sich ein „30er“ oder im amerikanischen Sprachraum geläufigerer „12-Zöller“, was natürlich dasselbe ist, im Spiel befindet. Dennoch muss man dem dem geschlossenen Gehäuseprinzip huldigenden DB-12 attestieren, dass er mit einem fast würfelförmigen Gehäuse von rund 38 Zentimetern Kantenlänge gerade für den verbauten 30er relativ kompakt ist. Das ist ja kaum wesentlich mehr als eine Langspielplatte.

Die Verstärker von Velodyne Deep Waves DW-12 und Deep Blue DB-12

Schauen wir uns erst mal die Bestückung einschließlich des Verstärker-­Aggregats näher an: Auf der einen Seite haben wir es beim kostspieligen Modell der Deep Waves-Serie, der mit 1.900 Euro zu Buche schlägt und samt Grill 25 Kilogramm wiegt, mit einem Class-D-Verstärker zu tun, der 400 Watt Ausgangs- sowie bis zu 800 Watt dynamische Spitzenleistung bereitstellt.

Testfazit: Deep Blue DB-12

Der Velodyne Deep Blue DB-12 ist ein kompakter Subwoofer, der präzisen und konturierten Bass bietet. Er ist günstiger als der DW-12, bietet dafür eine gute Leistung, jedoch weniger Volumen und aktuell auch keine App-Unterstützung.

Pro

  • Präziser
  • integrierter Bass
  • Kompakt
  • Relativ günstig

Contra

  • Keine App-Steuerung
  • Geringere Lautstärke im Vergleich zum DW-12
  • wenig Lieferumfang

Das Verstärkermodul des mit 1.350 Euro deutlich günstigeren Deep Blue DB-12 ist ein Class-AB-Aggregat auf MOS-FET-Basis mit bis zu 880 Watt Spitzenleistung, also ähnlich stark. Das ist interessant, weil wir die als „edler“ geltende Verstärkertechnologie Class-AB eher beim teureren Modell erwartet hätten, allerdings ist Class-D insbesondere bei Subwoofer-Anwendungen wohl längst salonfähig.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten beim Gehäuse

Aber das geschlossene Gehäuse des DB-12 braucht womöglich als Ausgleich für die erforderliche Bassanhebung (EQ) in der Tiefe der Register ein paar Watt zusätzliche Kraft. Typisch für Velodyne sind beide ausgestattet mit Soft Clipping, also einer sanften Begrenzung, die Verzerrungen und Übersteuerung verhindert. Überhaupt scheint die Elektronik, sprich die Steuerung mit Ausnahme der Verstärkung, recht ähnlich zu sein.

Äußerlich sind sich beide Subwoofer, die ja auch Geschwister sind, durchaus etwas ähnlich, auch wenn das MDF beim kompakteren und aufgrund des geschlossenen Prinzips hohem Druck ausgesetzten DB-12 in der Schallwand eine Wandstärke oberhalb von fünf Zentimetern erreicht. Der DW-12 ist dagegen konstruktiv stärker versteift. Beide Modelle sind mattschwarz ausgeführt und verfügen über abnehm­bare MDF-Bespannungen.

Anschlüsse der Velodyne-Subwoofer sind gut

Anschlussseitig geben sich beide Subwoofer keine echte Blöße, beide lassen sich sowohl via Cinch (Line In rechts/links und LFE) als auch per Hochpegel-Lautsprecherklemmen ansteuern, und die Übernahme- respektive Trennfrequenz kann zwischen 50 und 200 Hertz stufenlos gewählt werden, was für kleine bis mittlere Standboxen und sogar kleine Kompaktboxen allemal ausreicht. Wie wir noch sehen werden, greift die App beim DW-12 in Sachen Pegel, Übernahmefrequenz und Flankensteilheit noch massiver ein.

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Cinch-Ausgänge lassen bei beiden Modellen eine Verlinkung weiterer Subwoofer zu. Auffällig ist allenfalls, dass bei aller Ähnlichkeit der rückseitigen „Cockpits“ die Phase beim Deep Blue-Modell stufenlos zwischen 0 und 180 Grad, beim Deep Waves dagegen nur in den Extrempositionen 0 und 180 Grad geschaltet werden kann – was in der Praxis ebenfalls ausreicht. Zudem greift auch hier die App ein.

App-unterstützte Subwoofer-Platzierung

Bei der Aufstellung gilt wie immer, dass eine Aufstellung in Wandnähe oder gar Ecke Verstärkerleistung spart, da diese Aufstellung durch die Bassverstärkung an den Begrenzungsflächen (um je 3 Dezibel) den Schalldruck verbessert. In Sachen Komfort spielt natürlich die für den Deep Waves-Sub verfügbare App ein paar zusätzliche Trümpfe aus, zumal das Smartphone hier als willkommene Fernbedienung dient und den oftmals sinnvollen bis notwendigen zweiten Mann erspart. Die für iOS und Android als kostenlose Standard-, aber auch als Pro-Version für 5,99 Euro erhältliche iWoofer-App stammt offenbar vom armenischen Entwickler Artem Khlyupin. Die Raumkorrekturfunktion bietet nur die Pro-Version. Interessanterweise lassen sich – ohne dass wir das hätten ausprobieren können – mehrere dafür vorgesehene Subwoofer simultan steuern und werden gegebenenfalls getrennt angezeigt, was wir bemerkenswert finden.

Denn mit gleich mehreren Schallentstehungszentren im Raum, die an unterschiedlichen Standorten und zudem womöglich mit geringerer Intensität „gefahren“ werden können als eines, ist es wesentlich einfacher, mit Raummoden umzugehen. Äußerst nützlich ist dabei selbstverständlich die automatische EQ-Funktion, sprich die Raumkorrektur, die den Bassbereich linearisieren hilft, wie es sonst kaum möglich ist. Velodyne war einer der ersten Anbieter, der Messungen und EQ-Funktionalität bei Subwoofern bot, und hievt diese Möglichkeiten per App jetzt tatsächlich auf ein neues und zudem einfach zu handhabendes Level.

Einstellungen für Velodyne Deep Waves DW-12 und Deep Blue DB-12 im Test

Mit der App einher geht die Möglichkeit, steilflankigere Filter mit bis zu 48 dB/Oktave einzusetzen. Sie steuert zudem die Trennfrequenz, Verzögerung (Delay), Phase sowie Feinheiten wie Gain oder Q-Faktor. Ein parametrischer 25-Band-Equalizer sowie ein „Subharmonic Synthesizer“ sollen klanglich mächtige und fein einstellbare Werkzeuge darstellen, um den Subwoofer zu optimieren.

Die Einstellung eines Subwoofers für Musikwiedergabe ist im Allgemeinen schwieriger zu bewerkstelligen als fürs Heimkino. Das liegt daran, dass Effekte wie Explosionen im Film möglichst druckvoll, Musik dagegen möglichst ausgewogen reproduziert werden soll. Effektvoll auf der einen, unauffällig integriert auf der anderen Seite. Ein gewisser Zielkonflikt. Der Autor löst diesen für sich so, dass er in seinem Heimkino die jeweiligen Kellergeister so einstellt, dass sie für Live-Konzerte, also Musik, integrativ optimal zu den verwendeten Satelliten-Lautsprechern „passen“, und regelt bei Bedarf nur noch den Pegel leicht nach, beispielsweise um die Seeschlachten in „Master & Commander“ authentischer, womöglich auch vordergründiger oder schlichtweg noch effektvoller zu machen. Dann sollte man sich allerdings die beiden Einstellungen „Standard/Musik“ und „Effekt“ merken.

Denn die Faustregel, dass der Profi den Subwoofer um 5 und der Laie um 10 Dezibel zu laut einstellt, ist in Wahrheit eine aus der gelebten Erfahrung gewonnene Erkenntnis und somit eine Tatsache. Der richtige Pegel, bei dem der Basswürfel sich nahtlos und unauffällig in die Musik einfügt, wird meist erst innerhalb der ersten Wochen regelmäßiger Nutzung gefunden.

Velodyne Deep Waves 12 vs. Deep Blue 12: wer klingt besser?

Im Betrieb vermochte schon der DB-12 ohne Wenn und Aber zu überzeugen, wobei er sowohl mit Musik als auch Film mit trocken-konturiertem Auftritt für vortreffliche Unterhaltung sorgte. Dennoch sei gesagt, dass es hier noch ein größeres Modell DB-15 mit 38er-Woofer und 1.000 Watt Spitzenleistung gibt. Freilich ließ der Deep Waves seinen kleineren Bruder dann doch hier und da blasser aussehen. Der kleinere konnte gegen diesen auch nicht mit der geschlossenen Subs nachgesagten höheren Präzision glänzen. Vielmehr blieb er gegenüber dem autoritärer auftretenden DW-12 spürbar im Pegel zurück, während die tatsächliche Tiefe, also der Abstieg in die unteren Register recht ähnlich war.

Die Subwooferkontrolle via App empfanden wir als sensationelles Werkzeug, geradezu Zukunftsmusik im praktischen Einsatz! Damit erschließt Hersteller Velodyne nach seiner schon vor Jahrzehnten realisierten Steuerung einen weiteren, spürbaren Fortschritt zur perfekten Inte­gration externer Subwoofer in vorhandene Wiedergabeketten.

Bei aller Euphorie und Bewunderung des DW-12 sei angemerkt, dass sich die wenigsten Subwoofer im deutlich vierstelligen Euro-Bereich leisten werden. Die seien auf die ebenfalls sehr leistungsfähigen kleineren Modelle hingewiesen. Zudem hoffen wir, dass sich die App bald auch für diese günstigeren Typen öffnet.

Einmessung von Velodyne-Subwoofer per iWoofer-App

Seit jeher Pionier der Subwoofer-Einmessungen geht Velodyne jetzt per App noch einen Schritt weiter. Im Grunde genommen ist die Einstellung und Einmessung via App geradezu ideal. Denn man hat nicht nur gleich eine Fernbedienung zur Hand und kann bequem vom Hörplatz aus agieren, sondern auch das Messmikrofon ist gleich eingebaut und somit Interaktion möglich. Zumindest bei den iPhones ist dieses Mikrofon zudem von recht guter und konstanter Qualität.

Als Autor/Rechteinhaber wird ein Artem Khlyupin genannt, uns ist momentan aber noch kein anderer Subwoofer als die DW-Baureihe von Velodyne bekannt, der mit iWoofer kooperiert. Und das ist ein echtes „Pfund“ im Wettbewerb.

Schon die „normale“ kostenlose iWoofer-App ist ein äußerst hilfreiches, mächtiges Werkzeug mit zahlreichen Mess- und Einstellmöglichkeiten, und sie gestattet zudem Presets, etwa für Musik und Heimkino, was wir sehr begrüßen. Die Pro-Version (iOS) für 5,99 Euro legt noch einen drauf, denn sie gestattet die automatische Raumeinmessung. Verglichen mit früheren Einmesssystemen samt dem notwendigen Aufwand mit Messmikrofon sowie der unabdingbaren Expertise und Erfahrung des Bedieners ist zudem die Handhabung simpel. Allerdings erkannte die iWoofer-App den DW-12 problemlos, die Pro-Version nicht immer. Zudem reagierte die App empfindlich auf die Pegeleinstellung des Subs, die man sehr feinfühlig – und geduldig – justieren musste, damit sie für die Messungen nicht zu stark oder schwach war. Es scheint in der Anfangsphase also noch kleine Kinderkrankheiten zu geben, die sicherlich noch behoben werden können.



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