Triangle Solstice 3 im Test: Einsteiger-Boxen für 999 Euro das Paar

Oh, là, là! Was da aus Frankreich kommt, hat das Zeug,HiFi-Fans den Kopf zu verdrehen. Hält ihr Klang, was ­Triangles neue Solstice 3 in Auftritt und Technik verspricht?

Testfazit: Triangle Solstice 3

Die Solstice 3 verbindet hohen Wirkungsgrad mit einem für Kompaktboxen erstaunlich substanziellen, konturierten Bass und einer geschmeidig-präsenten Wiedergabe. Für 999 Euro pro Paar ein ungewöhnlich erwachsen klingender Lautsprecher.
Praxisnote: gut 2,4
Klangpunkte: 69 / 100

Pro

  • Konturierter Bass
  • Hoher Wirkungsgrad
  • Präzise Abbildung

Contra

  • Anleitung nur englisch/französisch Braucht stabile Ständer
  • Starke Einwinkelung nötig

Stellt uns heute jemand Lautsprecher auf den Tisch und sagt „999 Euro!“, müssen wir fragen: „Pro Stück oder im Paar?“ Äußerlich zu erkennen ist dies nicht unbedingt, und wer nicht fragt, erlebt oft eine, und dann meist böse Überraschung. Doch im Fall der neuen Kompaktbox Solstice 3 des französischen Herstellers Triangle sind wir angenehm angetan. Der Preis gilt tatsächlich fürs Stereo-Set. Darauf gewettet hätten wir nicht, denn vor uns stehen mit 40 Zentimetern Höhe durchaus ausgewachsene und obendrein picobello verarbeitete Exemplare ihrer Gattung, die mit knapp 13 Kilogramm Gewicht – das Stück – einen properen, grundsoliden Eindruck machen.

Und in zumindest einem weiteren Punkt laufen bei der in vier Ausführungen mit jeweils farblich angepasster, magnetisch gehaltener Stoffabdeckung erhältlichen Französin Schein und Sein auseinander: Wer das Frequenzdiagramm der Solstice 3 betrachtet, mag einen relativ schlanken oder gar bassschwachen Lautsprecher erwarten, den man wandnah aufstellen muss, damit sein Tieftonanteil wortwörtlich „Rückhalt“ bekommt.

Die optimale Aufstellung der Triangle-Boxen

Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Triangle, die im Programm des Herstellers die Comete EZ ersetzt, tönt in den unteren Lagen nicht nur griffig-konturiert, sondern liefert obendrein echte Substanz. Und dies sogar bei freier Aufstellung auf geeigneten Ständern. Mit den S05 bieten die Franzosen passende an, deren üppige Stellfläche dennoch vom gusseisernen, mit dämpfendem Silikon überzogenen Sockel knapp überragt wird.

Dieser sorgt natürlich auch auf einem Sideboard für sicheren Stand, und man hat auch keine Staueffekte aufgrund der Bassreflexöffnung zu befürchten, da diese – als schmaler Schlitz ausgeführt – ihren Luftzug nach vorne richtet. Doch erscheint uns die Solstice 3 auf einem stabilen Ständer allemal besser platziert als auf einem resonierenden Regal. Ein solches lässt oft ohnehin nicht die für eine aufgefächerte, gelöste Wiedergabe erforderliche Basisbreite zu. Jene sollte, wie unsere ausführlichen Versuche schnell ergaben, angesichts der erstaunlichen Strahlungsenergie der kompakten Triangle nicht zu knapp ausfallen.

Bassreflex im Fußteil: Wie bekommt die Solstice 3 Luft?

Schon aus Platzgründen haben viele Kompaktlautsprecher die Bassreflexöffnung auf der Rückseite. Auch die Schallwand der Triangle böte kaum Platz dafür. Bei wandnaher Aufstellung kann dies zu Überhöhungen und Überlagerungen führen. Verzicht ist keine Alternative, schließlich sind Kompaktboxen aufgrund kleiner Tieftöner und geringer Volumen noch stärker auf die Reflexunterstützung angewiesen als Standlautsprecher.

Deshalb ist die Lösung, das Böxchen mittels eines Schlitzes im Fußteil zu „beatmen“, so elegant wie pfiffig. Wer sich gefragt hat, warum das Stützbrett zwischen Basschassis und Rückwand durchbrochen ist: damit die Luft beinahe ungehindert durchströmen kann. Ein hochdichter Schaumstoff, sogenannter „EVA Foam“, sorgt dabei für definierten Fluss.

Triangle hat das Reflexsystem auf die untere Grenzfrequenz von 50 Hertz abgestimmt, was uns praxisgerecht erscheint. Jedenfalls spürt man bei vorgehaltener Hand bereits bei mittlerem Pegel einen Luftzug im Bassrhythmus oder etwa beim Anreißen tiefer Gitarrensaiten. An der Attraktivität der energetischen, dichten Bass-Performance der Solstice 3 hat deren Schlitz seinen Anteil.

Zwei Treiber, ein neuer Horn-Tweeter: die Technik der Solstice 3

Die Solstice 3 verfügt über zwei Treiber. Der Bereich bis hinauf zu 2,6 Kilohertz obliegt dem samt Sicke 15 Zentimeter durchmessenden Tieftöner mit – Triangle-typisch – weißer Membran aus Zellulose. Deren Fasern bieten laut den Franzosen ein optimales Verhältnis von Steifheit und Leichtigkeit. Das Übrige soll eine feine Abstimmung mit dem System aus Schwingspule und Aufhängung richten. Um Kompressionseffekten bei stärkeren Auslenkungen der Membran vorzubeugen, sind die Streben des Korbs aus Aluminiumdruckguss schmal gehalten.

Und wer jetzt noch nicht überzeugt ist, dass eine 1.000-Euro-Kompaktbox kein aus 08/15-Teilen gebautes Produkt von der Stange sein muss, den dürfte der in der Solstice 3 eingesetzte Tweeter vom Gegenteil überzeugen. Ist Triangle für seine Druckkammerhochtöner mit Hornvorsatz bekannt, die beste Lebendigkeit und präsente Dynamik liefern sollen, wurde der für die Solstice-Serie – es gibt noch den Standlautsprecher Solstice 8 sowie den Center-Speaker C3 (um 2.000 Euro/P., 575 Euro) – vollständig überarbeitet.

Die flache, aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung gefertigte 25-Millimeter-Kalotte, die von einem kräftigen Neodymmagneten angetrieben wird, sitzt in einer neu berechneten Schallführung. In deren Mitte verhindert ein spitz zulaufender Phase-Plug unerwünschte Reflexionen respektive Beugungseffekte. Auch das mit rückwärtigen Schall absorbierendem Schaumstoff befüllte hintere Gehäuseteil und der ebenfalls Störungen vermeidende, geriffelte „Diffraction Ring“ vorne sind aktuelle Innovationen.

Damit die Schwingungsenergie des Tieftöners möglichst ungeschmälert in Schall umgesetzt wird, verblockt diesen im Innern ein perforiertes Brett mit der Rückwand. Durch diese Versteifung der Baugruppe aus Treiber und Gehäuse erhält das Chassis zusätzlichen Rückhalt und führt weniger Eigenleben. Tatsächlich beeindruckt der rubbelig-kantige Tieftonsektor der Solstice 3, der dessen Klangbild etwa mittels des akustischen Basses in Thérèse Juels Opus-3-Klassiker „Tiden bara går“ körperhafte Prägnanz verlieh.

Wie stellt man die Triangle Solstice 3 richtig auf?

Die Aufstellung der Triangle bereitete uns mehr Freude als Mühe, da die Französin bereits auf geringe Veränderungen klanglich deutlich reagierte, was als Indikator ihres hohen Entwicklungsstandards gelten darf. Aufgrund der zu den oberen Lagen zunehmenden Richtwirkung ihres Horn-Tweeters sollte sie relativ stark auf den Hörplatz eingewinkelt werden, so dass von diesem aus nur noch wenig von ihren Innenseiten sichtbar ist.

Nicht nur für eine Kompaktbox ist die Solstice 3 ungewöhnlich „laut“, verfügt also über einen hohen Wirkungsgrad. Im Umkehrschluss benötigt sie selbst für höhere Pegel vergleichsweise wenig Verstärkerleistung, wodurch sie den Amp kaum belastet. Dafür spricht auch ihr absolut unkritisches Impedanzminimum im zudem „sicheren Bereich“ (siehe Messwerte). Doch der Verstärker sollte wie die Quellgeräte und Kabel möglichst hochwertig sein, denn die kleine Französin ist beileibe keine egalisierende Kostverächterin, sondern zeigt das Qualitätsniveau des angeschlossenen Equipments mühelos auf.

Hörtest: Ist die Solstice 3 die perfekte HiFi-Einstiegsdroge?

Beim Hörtest mit der Solstice 3 hatten wir zwei Dinge im Hinterkopf: Erstens muss sie in dieser Preisklasse problemfrei an günstigen, gut klingenden Komponenten funktionieren, was hier zutrifft. Zweitens kommt Kompaktboxen nicht selten eine wichtige Aufgabe als „Initialzünder“ von HiFi-Karrieren zu. Denn oft sind sie der Einstieg in den Kosmos verführerischen Klangs und müssen ihrem Hörer in der Rolle einer hifidelen Einstiegsdroge dessen Faszination bewusst machen und seine Lust an der audiophilen Sache wecken.

Dass die Solstice 3 das Potenzial dafür mitbringt, ist vielleicht ihre größte Stärke. Der im Interesse des Ausgleichs von Laufzeitunterschieden zwischen Tief- und Hochtöner auf seinem Sockel um zwei Grad nach hinten geneigte Lautsprecher – auch daran wurde gedacht – legt dem Hörgenuss keine Steine in den Weg.

Konnten frühere Triangles aufgrund ihrer auf virile Lebendigkeit und strahlende Obertöne abzielenden Diktion gerade bei unpassender Elektronik schon mal leicht drahtig und streng rüberkommen, mochten wir kaum glauben, wie zahm und zivil sich diesbezüglich die kleine Solstice präsentiert. Selbst bei kritischen Passagen wie der hellen Fiedel in der irischen Volksweise „I’ll Tell Me Ma“ im Vortrag der Angels Company blieb die Triangle trotz aller Präsenz geschmeidig.

Wie klingt die Solstice 3 mit Stimmen, Chor und Orchester?

Erstaunlich auch, mit welcher Grundtonfülle „Var nära mig“ der Göteborgs Kammarkör Sjunger rüberkam. Der dunkle Raumhall, vor dem sich so homogen wie glockenklar die Solosängerin absetzt und aus dessen Tiefe heraus anschließend der Chor wohlig-warm herüberweht, machte die Dimensionen der Kirche erfahrbar, in der das Kult-Label Proprius einst die Aufnahme gemacht hatte.

Auch bei Maurice Ravels großorchestralem „Alborada del gracioso“ erschien die Darbietung erwachsener und fulminanter, als man aufgrund der Größe wie Preisklasse der Triangle erwarten würde. Üblichweise reichen Kompaktboxen dieser Liga weniger weit hinab, wodurch es ihnen an Souveränität und Atmosphäre mangelt. Hier präsentierte sich die Solstice 3 überraschend „komplett“.

Einen Hinweis auf deren Abbildungspräzision lieferte Beat Kästlis jazziges „Day In Day Out“. Nicht nur, dass dessen Stimme sauber umrissen im duftig-zart akzentuierten Umfeld erschien, standen die begleitende Gitarre sowie im Zwischenspiel das hinzukommende Kornett links außerhalb der Basis. Diese Abbildung gelingt nur phasentreu arbeitenden Lautsprechern.

Warum die Triangle Solstice 3 kein Bi-Wiring braucht

In diesem Punkt hat die nur mit zwei Chassis abstrahlende Französin einen Vorteil. Und dieser wird auch nicht durch ein etwaig falsch beschicktes Bi-Wiring-Anschluss-Terminal gefährdet, da die Solstice 3 erfreulicherweise darauf verzichtet und nur je eine solide Plus- wie Minusklemme für Gabelschuhe oder Bananenstecker bietet. Gut so, denn ein Bi-Set braucht hier wohl niemand, wird aber oft aus Marketing-Gründen eingesetzt – mit negativen Folgen im gängigen Ein-Kabel-Betrieb. Also: Der Triangle fehlt da nichts!

So wie sie ist, ist sie richtig, was eins ums andere unserer beliebten Test-Stücke bestätigte: Maria Pihls „Malvina“ klang ganzheitlich geschlossen, räumlich gelöst und nicht zu schlank, die Vibraphonanschläge in „Saturday Night“ des Red Norvo Quintets ploppten charakteristisch auf.

Dabei vermittelte Triangle Solstice 3 neben ihrem hohen, die Agilität fördernden Wirkungsgrad auch die Überzeugung, dass man mit ihr etwas wirklich Besonderes bekommt, ohne dafür besonders tief in die Tasche greifen zu müssen.

Triangle
Solstice 3
Produktart Kompaktlautsprecher
Internetadressewww.trianglehifi.de
Preis in Euro (Paar)999
Abmessungen (BxHxT) in cm22 x 40 x 37
Gewicht in kg12.9
DeutschlandvertriebFirma XYZ
Kontakttelefonnummer
Prinzipdynamisch, zwei Wege, Bassreflex
TerminalSingle Wire
Infos zur Empfohlenen Aufstellungfrei mit Hochtöner auf Ohrhöhe
Messwerte 40 %sehr gut 1,4
Frequenzgang sehr gut
Kennschalldruck (in Dezibel)sehr gut (92)
Impulsantwortgut
minimale Impedanz sehr gut (3,8 Ω bei 220 Hz)
Verzerrungen bei 63/3k/10k Hz (in Prozent)gut (0,62/0,067/0,14)
Kombinationsfähigkeitsehr gut
Ausstattung & Handhabung 60 %gut 2,4
Aufstellungsehr gut
Qualität der Anleitungsehr ausführlich und bebildert, aber nur in Englisch und Französisch
Erste Inbetriebnahmesehr gut
Klangkorrektur möglichnein
Gehäuseausführungensehr gut (vier)
LieferumfangBlende, Gummifüße
Haptik & Verarbeitungsehr gut
Garantie (in Jahren)gut (5 bei Registrierung)
Praxis-Notegut 2,0
Klangbeschreibungtonal sehr ausgewogen mit respektablem Bassfundament, räumlich und lebendig, erscheint „größer“, als der Preis vermuten lässt
Klangqualität69/100



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