Sony WF-1000XM6: die neuen Top-In-Ears im Test

Die WF-1000XM6 führen Sonys populäre In-Ear-Serie in die nächste Generation und versprechen ein Plus bei Klang und ANC. Wir testen, ob die neuen Flaggschiffe das einlösen.

Black Sony wireless earbuds in charging case, with one earbud outside the case on a light surface.

Testfazit: Sony WF-1000XM6

Funktionsstarke In-Ears mit gutem ANC und sehr guten Headset-Qualitäten, deren Klang allerdings etwas EQ-Nachjustage verlangt. Im Premium-Segment positioniert, sind sie eher vielseitige Alltagsbegleiter als audiophile Puristen.
Praxisnote: gut 1,7
Klangpunkte: 94 / 100

Pro

  • Gutes ANC
  • Sehr gute Headset-Funktion
  • Viele App-Einstellungen

Contra

  • Klobige Form
  • Linear etwas blasser Klang
  • Eingeschränkte Touchbedienung

Was das Thema Noise Cancelling angeht, hat sich Sony bei Kopfhörern einen Namen gemacht – und das sowohl bei Over-Ear- als auch bei In-Ear-Modellen. In letzterer Kategorie hatten wir die Sony WF-1000XM5 vor nicht allzu langer Zeit im Vergleichstest zum Praxis-Sieger erkoren. Sie boten mit sehr gutem Klang und gutem ANC das beste Gesamtpaket fürs Geld.

Nach dem Update für sein Over-Ear-Modell WH-1000XM6, das wir vor einigen Monaten getestet haben, lässt der japanische Tech-Riese nun mit dem WF-1000XM6 auch bei den True-Wireless-In-Ears eine neue Modell-Generation folgen. Wir haben die Hörer, die alle Fans der Marke heiß herbeigesehnt haben dürften, zum Testen bekommen.

Sony WF-1000XM6: Premium-Preis trifft auf starke Konkurrenz

Mit 299 Euro bietet Sony sie zwar zu einem günstigeren Einstiegspreis an als die Vorgänger, die bei 319 Euro lagen. Gleichwohl rangieren sie damit nicht mehr in der günstigen Preiskategorie, sondern konkurrieren mit Modellen wie Denons PerL Pro, Boses QuietComfort Ultra Earbuds, Technics‘ EAH-AZ100 oder auch Apples AirPods Pro.

Im Test des Vorgängers hatten wir den etwas unkomfortablen Tragekomfort moniert. Der XM6 ist laut Sony um elf Prozent kleiner, um sich – so der Hersteller – besser an die Ergonomie der Hörmuschel anzupassen. So richtig handlich sind sie allerdings auch in geschrumpfter Version nicht, sondern immer noch etwas klobig. Nicht nur, dass die XM6 beim Tragen ein Stück weit aus dem Ohr ragen, was Fans von eher dezenter Optik eher abschrecken dürfte. Wegen der etwas unhandlichen Form geht darüber hinaus das Entnehmen oder Zurücklegen ins mitgelieferte Case nicht immer ganz schnell und einfach.

Das Case selbst wirkt robust und lässt sich mit seinem magnetischen Klappdeckel leicht öffnen. Es lässt sich per USB-C-Anschluss oder auch kabellos laden. In unserem Falltest war das Ergebnis ziemlich uneindeutig: Fiel das Case etwa aus Schreibtischhöhe auf Teppichboden, blieb es so gut wie immer geschlossen. Fiel es hingegen aus der Hosentasche, sprangen die Earbuds beim Aufprall auf dem Boden beide heraus. Die Optik betreffend, ist die Schatulle zwar schön anzusehen, aber auch eine ganz schöne Wuchtbrumme in der Hosentasche, wenn man sie dort verstaut. Für unseren Geschmack wären abgerundete Kanten und eine schlankere Form weitaus „mobilitätsfreundlicher“.

Neue Prozessoren und Mikros für besseres ANC

So viel zu den Äußerlichkeiten. Viel mehr hat Sony nach eigenen Angaben allerdings am Innenleben der neuen In-Ears gearbeitet. So sind in den WF-1000XM6 zwei Prozessoren verbaut. Der bereits bekannte „Integrated Processor V2″ wird nun durch den neuen „HD-Noise-Cancelling-Prozessor QN3e“ ergänzt. Der wesentliche Unterschied: Anstelle einer automatischen Noise-Cancelling-Optimierung arbeiten die WF-1000XM6 mit adaptivem Noise-Cancelling. Dazu hat Sony den Hörern je zwei Mikros mehr spendiert als beim Vorgänger, also insgesamt acht.

Zu den wesentlichen Verbesserungen gehört Sony zufolge auch die neue Antenne, die die Verbindungsqualität der WF-1000XM6 konstant stabil halten soll. Tatsächlich konnten wir im Testbetrieb keine Aussetzer feststellen. Das Pairing ging zudem einfach und problemlos.

In Sachen Bedienung fallen einige Besonderheiten auf. Durch Antippen der Touchsensoren kann man zwischen den Modi „Rauschunterdrückung“ (ANC) und „Umgebungsgeräusch“ wählen – anders als sonst vielfach üblich, ertönt hierbei nur ein Signalton, ohne dass eine Info erfolgt, in welchen Modus man geschaltet hat. Das irritiert, auch wenn man in der Regel hört, ob Geräusche durchgestellt werden oder nicht. Hier erweisen sich die Mikros insbesondere bei Stimmen als sehr gut, auch wenn man die Earbuds als Headsets zum Telefonieren benutzt. Sprache wird sehr gut übertragen. Seltsam ist bei Touchbedienung allerdings auch, dass man in der Werkseinstellung den Modus „Aus“, also weder ANC noch Umgebungsgeräusche, nicht aktivieren kann.

Sound Connect App und Klang im Test

Sony scheint darauf zu setzen, dass man die hauseigene App Sound Connect installiert und stetig nutzt – schon die schiere Anzahl der Funktionen legt das nahe. Wer eher der „Plug & Play“-Typ ist, dürfte mit den WF-1000XM6 nicht so gut beraten sein. Wer es hingegen liebt, viele Einstellungen vornehmen zu können, wird an der Sony-App seine Freude haben. Neben essenziellen Features wie einem 10-Band-Equalizer und verschiedenen Sound-Presets bietet sie auch den bei oben erwähnten WH-1000XM6 eingeführten Hintergrundmusik-Modus, der sich für unseren Geschmack eher zur Berieselung eignet oder wenn man allzu hohe Lautstärken beim Hören vermeiden will – ansonsten hält man sich besser an den „Standard“-Modus. Das ANC funktioniert erwartbar gut, auch wenn es zum selben Preis vergleichbar Gutes gibt, etwa bei Technics‘ EAH-AZ100. Neu ist bei Sonys Modell-Update die Möglichkeit, statt automatischem auf adaptives Noise-Cancelling umzustellen; die hörbaren Effekte hielten sich beim Test in Grenzen. Praktisch fanden wir, dass man bei eingebundenen Diensten – wie Spotify, YouTube, Apple oder Amazon Music – Titel direkt aus Sound Connect starten, stoppen oder skippen kann.

Bei der Produktvorstellung, der wir in Berlin beiwohnten, pries Sony auch die speziell für die WF-1000XM6 entwickelte 8,4-mm-Treibereinheit, die den Klang verbessern soll. Dazu braucht es unseres Erachtens Unterstützung durch EQ, linear klingen die In-Ears sonst etwas blass. Erst als wir Höhen und Bässe ordentlich anhoben, stand etwa das Schlagzeug von Jost Nickel in dessen filigranen Solo-Passagen auf seinem Album „The Check In“ plastisch und brillant vor einem. Dieser Eindruck zog sich durch alle Musiksparten, die wir gehört haben. Was Android-Nutzer freuen dürfte: Die Hörer unterstützen Hi-Res Audio Wireless via Sonys LDAC-Codec und daneben auch DSEE Extreme; Letzteres wird von Sony als Upscaler-Technologie für komprimierte Musikdateien bezeichnet. Immersiv hören lässt sich via Amazon Music Unlimited, nugs, PeerTracks sowie 360 Reality Audio Live.

Hervorzuheben ist der sehr gute Eindruck, den diese In-Ears als Headset machen, mit guter Stimmisolierung und -wiedergabe. Zudem kann man per Kopfnicken oder -schütteln Anrufe annehmen oder ablehnen. Von der Klobigkeit abgesehen, bieten sich die WF-1000XM6 so als Allround-taugliche Alltagsbegleiter an.

Sony
WF-1000XM6
Produktart/GruppeIn-Ear-Kopfhörer
Internetadressewww.sony.de
Preis in Euro299
Gewicht (mit / ohne Ladeschale in Gramm)58 / 13 (beide)
Bedienung 30 %gut 1,7
Koppelnsehr gut
Bedienung Ohrhörergut
App: Funktionen und Bedienungsehr viele, einfach
Tragekomfortnoch gut
Ausstattung & Funktionen 55, %gut 1,6
Qualität der Ladeschalegut
Akkulaufzeitgut (8 h mit ANC, 12 h ohne ANC)
Wasser- und Schmutzfestigkeit IPX4
Gleichzeitige Verbindung mit mehreren Gerätenja
Bluetooth-Reichweite (in Meter)≥15
Equalizerja
Auto-Pauseja
Sprachassistentenja
3D-Soundja
Nur einen Ohrhörer nutzenja
Enthaltenes ZubehörCase
Mikrofon-Qualitätsehr gut
Noise Cancellationgut
Ambient Modeja
Service & Umwelt 15 %gut 2,4
Verpackungkompakt, Pappe
Garantie (in Jahren)2
Testergebnisgut 1,7
KlangbeschreibungDetailliert, breite Bühne, moderater Bass
Klangqualität94/100


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