Shokz OpenFit Pro im Test: Open-Ear wagt ANC

Der Name Shokz steht für Open-Ear-Hörer mit gutem Klang. Das neue Flaggschiff OpenFit Pro wirbt nun gar mit ANC. Wir haben getestet, wie wirksam es ist.

Shokz_OpenFitPro

Testfazit: Shokz OpenFit 2

Die Shokz OpenFit Pro punkten mit ihrem lebendigem, räumlichem Klang, einer guten App und gutem Tragekomfort – auch bei längeren Hörsessions. Das ANC wirkt bauartbedingt nur eingeschränkt – je lauter die Umgebungsgeräusche, desto machtloser ist es. Dolby Atmos, Headtracking und IP55-Schutz komplettieren bei den OpenFit Pro ein gutes Gesamtpaket. Mit einem Preis von 249 Euro (UVP) ist es jedoch relativ teuer.
Praxisnote: gut 1,9
Klangpunkte: 94 / 100

Pro

  • Voller und präsenter Klang
  • guter Bass
  • guter Tragekomfort
  • sicherer Halt.

Contra

  • Fummeliges Anlegen
  • mäßige Akkulaufzeit mit ANC
  • ANC schnell überfordert.

Shokz war beim jetzigen Open-Ear-Hörer-Trend von Anfang an als Trendsetter dabei. Der chinesisch/US-amerikanische Hersteller hat im STEREO-Test zuletzt mit seinem OpenFit-2-Modell eine Marke gesetzt. Mit zwei getrennten Treibern für Bass und Höhenwiedergabe entfalteten sie einen ungewohnt vollen und präsenten Klang, der ihnen eine Empfehlung einbrachte.

„Ungewohnt“ deshalb, weil der Klang von Open-Ear-Hörern bauartbedingt oft etwas dünn ist, da die Schallwandler eben vor dem Gehörgang sitzen und ihn offen lassen – als elementarer Teil des Prinzips. Was für die Wahrnehmung von Umgebungsgeräuschen und Gesprächspartnern gut ist, kann sich beim Musikgenuss, Podcast- oder Hörbuchhören als Problem entpuppen, weil der Umgebungslärm den Ton aus dem Ohrhörer übertönt, wie wir in der Praxis schon öfter feststellten.

OpenFit Pro: neue „Dual-Diaphragma“-Treiber

Umso hellhöriger ließ uns die Ankündigung des Herstellers werden, dass sein neues Flaggschiff OpenFit Pro, neben neuen „Dual-Diaphragma“-Treibern, mit einer Geräuschreduzierung aufwartet. Kann das bei Open-Ear-Hörern funktionieren? Um das herauszufinden, mussten wir die Bügel-Hörer erst einmal auspacken.

Was sogleich auffällt, ist ihre schiere Größe. Die OpenFit Pro sind nicht wesentlich, aber doch merklich größer als die OpenFit 2. Hierfür dürfte die neue Treiber-Technologie verantwortlich sein, bei der sich großdimensionierte Silikon-Membranen laut Hersteller vollkommen synchron bewegen.

Genauso auffällig ist die sehr kleine Domkappe aus Aluminium, die auf der Innenseite des Hörers sitzt. Ihr Material soll eine hohe Vibrationsstabilität gewährleisten. Mit 12,3 Gramm Gewicht sind die OpenFit Pro rund drei Gramm schwerer als die OpenFit 2, lassen sich dabei aber auch über längere Zeit angenehm tragen, ohne zu drücken.

Einzig das „Anbringen“ am Ohr, wobei der Bügel hinter die Ohrmuschel gehakt wird, bleibt fummelig und erfordert, wenn’s schnell gehen soll, beide Hände. Auch das Ladecase ist im Vergleich zu dem der OpenFit 2 ausladend, dabei aber flach und edel anmutend. Im Falltest flogen die Earbuds oft heraus.

Shokz OpenFit Pro: koppeln problemlos

Einmal am Ohr, bleiben die Open-Ears rutschfrei in Position, auch bei intensiverer Bewegung, wenn man sie etwa beim Sport trägt. Zum Bluetooth-Pairing müssen die Earbuds im geöffneten Ladecase liegen, wie uns der Quick-Start-Guide verriet. Befolgt man das, klappt das drahtlose Koppeln problemlos.

Multi-Point-Pairing ist möglich – und bei Nutzung der App auch notwendig, da die OpenFit Pro zwecks Steuerung mit dieser per Bluetooth verbunden bleiben müssen, auch wenn man von einer anderen Quelle aus zuspielt. Die App erfordert eine Registrierung. Auch war vor Inbetriebnahme bei unserem Test-Smartphone, einem iPhone SE (2020), noch ein Firmware-Update notwendig..

Das ANC der Shokz OpenFit Pro

Über die App lässt sich schließlich auch das groß angekündigte ANC regeln, hier „Geräuschreduzierungsmodus“ genannt. Mittels Schieberegler lässt es sich zwischen „Reduzieren“ und „Verbessern“ auf einer Skala stufenlos einstellen; mittig befindet sich die „Standard“-Position. Das Gegenteil zu ANC heißt in der Shokz-App „Offener Modus“ – bei Open Ears ist er selbstverständlicher Teil des Funktionsprinzips.

Unsere erste Prüfung für das ANC der OpenFit Pro: die Dunstabzugshaube in der Küche. Tatsächlich ist der Unterschied ohne und mit ANC signifikant. Vergleichsweise haben wir mit den Cambridge Audio Melomania-A100-In-Ear-Hörern gehört, deren ANC wir mit „gut“ bewertet haben. Natürlich lässt sich das Dunstabzugshauben-Geräusch mit den Melomania-Earbuds, je fester man sie ins Ohr drückt, besser abschirmen.


Aber gemessen an der Tatsache, dass die OpenFit Pro den Gehörgang offen lassen, ist die Geräuschreduzierung in ihrem Fall tatsächlich erstaunlich wirksam. Ein Surren der Abzugshaube bleibt im Hintergrund wahrnehmbar, aber deren rumpeliges Rauschen wird nahezu ausgeblendet, sodass Musik auch in nicht allzu hoher Lautstärke hörbar bleibt.

Die Grenzen des Open-Ear-ANC

Nicht so gut funktioniert das bei schwerer zu filternden Gesprächsgeräuschen. Auf Maximum gestellt nimmt es den Stimmen etwas an Volumen; doch sie wirklich wirksam herunterzudimmen vermag das ANC der OpenFit Pro nicht. Es ist wie so oft eine Frage der Verhältnismäßigkeit: Wenn irgendwo leise im Hintergrund etwa ein Alarmton piept, kann die OpenFit Pro-Geräuschunterdrückung dies wirksam ausblenden.

Je lauter die Geräuschquelle – Stichwort Staubsauger oder einfahrende U-Bahn –, desto machtloser ist das Open-Ear-ANC. Die drei eingebauten Mikros tun sicher ihr Bestes, aber die Gesetze der Physik vermögen sie nicht auszuhebeln: Ein offenes Ohr bleibt ein offenes Ohr. Natürlich spielt bei alldem auch die Hörlautstärke eine Rolle: je niedriger, desto eher sind eben lautere „Störgeräusche“ hörbar – und umgekehrt.


Wenn man vom Open-Ear-ANC keine Wunder erwartet, stellt es als Zusatz-Option bei den OpenFit Pro durchaus einen Mehrwert dar. Ob dies den Aufpreis gegenüber den OpenFit 2 lohnt, will überlegt sein. Was uns noch auffiel: Will man die Earbuds beim Hören zurechtrücken, gibt es – bei aktivem ANC – mitunter ein kurzes Pfeifen, eine Art Rückkopplung. Nicht wirklich schlimm, aber etwas irritierend.

Funktionsvielfalt bei der Shokz-App

Die Shokz-App bietet noch weitere Funktionen: Die Klangeinstellungen etwa beinhalten einen 10-Band-Equalizer sowie mehrere Presets („Standard“, „Gespräch“, „Bässe“, „Höhen“ sowie „Privat“), neben zwei individuell einstellbaren Profilen, die sich abspeichern lassen. Ebenso lässt sich über die App Dolby Atmos aktivieren oder deaktivieren.

Auch eine Kopftracking-Funktion ist zuschaltbar. Ein paar Sekunden dauern die drei Kalibrierungsschritte – und tatsächlich wandert dann bei Kopfbewegungen die Richtung der Klangquelle. Beim Musikhören nicht unbedingt nützlich, aber sicherlich, wenn man die OpenFit Pro zum Film- und Fernsehschauen nutzt. Nicht zuletzt kann man die Funktionen der Knöpfe an den Earbuds über die App verändern.

OpenFit Pro: Der Klang kann sich hören lassen

Was die klangliche Einordnung angeht, so konnten im STEREO-Test schon die OpenFit 2 gute Noten einfahren. Sie überzeugten klanglich durch starken Bass und eine breite, räumliche Bühne sowie gute Darstellung von Details. Wir haben beide Modelle im Wechsel gehört. Die OpenFit Pro können hier jeweils noch ein Schippchen drauflegen, wie wir beim Musikhören via Apple Music feststellen.

Shokz
OpenFit Pro
ProduktartOpen-Ear-Kopfhörer
Internetadressede.shokz.com
Preis in Euro249
Gewicht (mit / ohne Ladeschale in Gramm)100 / 25
Bedienung 30 %gut 1,8
Koppelnsehr gut
Bedienung Ohrhörergut; nicht alle Funktionen gleichzeitig verfügbar
App: Funktionen und Bedienungviele / sehr einfach
Tragekomfortgut; leicht, bequem und dabei stabil.
Ausstattung & Funktionen 55, %gut 1,8
Qualität der Ladeschalegut
Akkulaufzeitetwas kurz
Wasser- und Schmutzfestigkeitgut (IP55)
Gleichzeitige Verbindung mit mehreren Gerätenja
Bluetooth-Reichweite (in Meter)> 15 Meter
Equalizerja (10-Band)
Auto-Pauseja
Sprachassistentenja (Google, Siri)
Nur einen Ohrhörer nutzenja
Enthaltenes ZubehörCase, USB-C-Kabel, 2 Anpassungs-Stücke für Bügel
Mikrofon-Qualitätgut
Umgebungswahrnehmungsehr gut
Service & Umwelt 15 %gut 2,4
Verpackungkompakt, nur Pappe
Garantie (in Jahren)2
Praxis-Notegut 1,9
KlangbeschreibungPlastisch, präsent, deutlicher Bass, breite Bühne, gute Frequenzentrennung
Klangqualität94/100

Sie klingen im direkten Vergleich noch eine Spur lebendiger, präsenter, natürlicher und brillanter. Zudemkönnen sie die Bühne noch breiter ziehen. Das fiel uns selbst auf, als wir probeweise mit einem alten Android-Smartphone „Spain“ von Return to Forever via YouTube angehört haben. Bass, Flöte oder Chick Coreas Orgelklänge waren plastisch dargestellt und voneinander abgesetzt. Auch sonst machte sich die sehr gute Trennung der Frequenzen positiv bemerkbar. Einzig bei Klassik, die wir ebenfalls probehalber angespielt haben, waren die Unterschiede nicht so groß. Das zuschaltbare Dolby Atmos unterstützt eine räumliche Klangwirkung zusätzlich.


Die OpenFit Pro können zudem als Headset genutzt werden. Anrufe können auch direkt über Knopfdruck an den Earbuds angenommen oder beendet werden. Shokz wirbt mit einer „KI-Spracherkennung für klarere Anrufe“, was wir bestätigen können: Die Qualität der Open-Ears unterschied sich nicht wesentlich von den integrierten iPhone-Mikros von Apple, Sprache wurde in guter Qualität übertragen und kam ebenso an.

Shokz OpenFit Pro Akkulaufzeit

Letztes und wichtiges Kriterium ist die Akkulaufzeit. Wenn das ANC aktiviert ist, kommen die OpenFit Pro hier auf etwas magere 6 Stunden. Per Nachladen im Case lässt sich die Wiedergabezeit auf bis zu 50 Stunden strecken. Wenn man länger unterwegs ist, sollte man es besser dabeihaben. Die OpenFit Pro sind in den Farben Schwarz oder Weiß erhältlich.



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