Shanling EC Zero T im Test: Mobiler CD-Spieler mit Röhren?
Ein mobiler CD-Player ist Nostalgie pur. Man wird garantiert angesprochen – und hat etwas zu erzählen: Denn der Shanling EC Zero T hat sogar DAC und Röhren an Bord.

Sind Sie in den 70ern/80ern gejoggt? Und besaßen Sie einen Walkman mit der guten, alten Compact Cassette? Und rund ein Jahrzehnt später womöglich einen Discman für CDs? Aber jede Wette, mit dem CD-Porti sind auch Sie eher nicht wirklich gelaufen. Nun wird im Zeitalter des Streaming die CD allerorts schon abgekündigt und sogar für tot erklärt, da kommt Shanling auf die Idee, die Gattung des CD-Portis neu zu starten. Das könnte durchaus ein schlauer Schachzug werden, denn so unbeliebt, wie man ihr nachsagt, scheint die CD real gar nicht zu sein. Allein die in den Haushalten vorhandenen Bestände sind ja üppigst.
Der Shanling EC Zero T ist ein kompakter Toplader mit einem fortschrittlichen 24-Bit-R2R-Wandler und Akkubetrieb. Unter einem R2R-DAC versteht man übrigens eine elektronische Schaltung aus Einzelwiderständen, um Digitalwerte in Analogspannungen umzusetzen und einen herkömmlichen Wandler zu erübrigen. Diese analoge 24-Bit-Dekodierung über 192 Präzisionswiderstände soll dank großer Reserven zu einem besonders naturgetreuen, weichen Klangcharakter mit sehr hoher Dynamik beitragen.

Eine aufwendige Bauweise mit Anti-Skip-System soll für Schutz vor Erschütterungen sorgen und Aussetzer während der CD-Wiedergabe verhindern, selbst wenn man mit dem Gerät aktiv bewegt. Dafür bürgen ein aufwendiger Anti-Shake-Rahmen sowie eine aktive Magnetklammer, die die Disc stramm festhält, die Laufwerk-/Servo-/Lasereinheit wird extrem präzise im Werk justiert.
Der Shanling EC Zero T ist äußerst stabil
Selbst heftigste Bewegungen mit dem laufenden Player, die eher an „Cocktail-Mixen“ erinnerten, brachten den Laser nicht vom rechten Weg ab. Da wackelt absolut nichts. Wir waren etwas ungläubig, dass hier kein Pufferspeicher zum Einsatz kommen soll, aber der Hersteller bestätigt das.
Was den Neuling darüber hinaus besonders auszeichnen soll, sind die beiden Verstärkerröhren JAN6418 in der Kopfhörerstufe, die für starke Klangfarben und durch charakteristische Verarbeitung von Mitten und Höhen eine typische Röhrenwärme sorgen sollen. Dieser Typ Mikrotriode kommt bei Shanling auch im Flaggschiff M8T zum Einsatz, hat sich also bewährt. Man kann die Röhrenstufe zugunsten einer Halbleiter-Ausgangsstufe abschalten. Zudem geht es per USB-C in den DAC hinein und per S/PDIF optisch hinaus.
Je nach Benutzung guter bis sehr guter Akku
Der per USB aufladbare Akku ist mit 5.500 mAh großzügig dimensioniert und soll im Bluetooth-Modus bis zu 20, bei Nutzung der Kopfhörer-Röhrenausgangsstufe 3,5er Klinke 8 und via 4.4er Klinke (symmetrisch) 7,5 Stunden durchhalten, natürlich immer auch in Abhängigkeit von Bedienung und Lautstärke.

Es wird eine USB-Ladestation erwähnt, doch im Lieferumfang war keine zu finden. Kein Beinbruch, so etwas hat ja jeder Smartphone-Besitzer daheim, über USB-C und einen iPad-Lader aufgeladen ist das Gerät sehr schnell. Trotzdem fällt an solchen Dingen auf, wenn zwischen Produktplanung und Vermarktung der Rotstift kreist. Als sinnvoll begrüßt hätten wir auch besonders eine Buchse für musikbeladene USB-Sticks.
Auch Bluetooth und USB kann der Shanling EC Zero T
Bluetooth ist in hochauflösender Form (aptX) an Bord, die Line-Ausgänge und Kopfhörerbuchsen laufen alle über die Lautstärkeregelung, angeschlossen an eine Anlage sollte man den Shanling als Quelle „voll aufziehen“.
[table “46” not found /]Der USB-DAC unterstützt PCM-Auflösungen bis 32 Bit / 768 Kilohertz respektive DSD512. Umgeschaltet wird zwischen USB-DAC und Disc-Betrieb mit einer einfachen Taste, auch die Wahl zwischen Abspielen mit und ohne Oversampling ist möglich. Oversampling bedeutet dabei „Überabtastung“, wobei das Signal mit dem Mehrfachen der notwendigen Frequenz und Abstufung abgetastet wird, um eine feinere und präzisere Rekonstruktion des Analogsignals zu erreichen. Diesen Filtermodus haben wir klanglich bevorzugt.
Sonderfeature CD-Ripping
Tatsächlich kann der Shanling sogar über die USB-Schnittstelle CDs 1:1 beispielsweise auf einen PC oder direkt auf ein FAT32-formatiertes Laufwerk rippen. Das ist aufgrund der Echtzeitübertragung eher etwas für den Einzelfall und umständlich, aber durchaus eine interessante und sehr seltene Funktion.

Die Stärke eines dezidiert für den mobilen Einsatz konzipierten Players dürfte sich kaum im Duell mit stationierten Artgenossen, sondern eher draußen beweisen. Das mit dem Laufen haben wir mit jemandem getestet, der in seiner Altersklasse (16) schon Kreismeister im Crosslauf war und bei der 16,5-km-Strecke des Rursee-Marathon von 750 Läufern die beste Zeit der Altersklasse unter 18 Jahren lief. Das ist letztlich aussagekräftiger, als wenn sein Vater, der Redakteur, dessen gute Laufzeiten Jahrzehnte zurückliegen, das versucht.
Shanling EC Zero T im Lauf- und Hörtest
Nicholas’ Fazit zum Mobilbetrieb: „Unfassbar, was dieser Player einsteckt, ohne zu springen. Da geht sogar querfeldein einiges.“ Er fand es zwar etwas absurd, im Streaming-Zeitalter heutzutage mit CD-Player draußen herumzulaufen – und mit dem großen, kantigen Gehäuse möchte das mutmaßlich auch keiner –, aber es geht, und den Klang empfand er als „toll“!

Wir haben nicht das Gefühl, dass dem Shanling unser Hörvermögen besonders am Herzen liegt, die Maximallautstärke ist sowohl mit unserem 80-Ohm-Testhörer DT 770 M von Beyerdynamic als auch mit dem kabellosen Koss Porta Pro subjektiv enorm.
Der Röhren-CD-Player klingt transparent und plastisch
Das Klangbild jedoch ist, vor allem, aber nicht nur über die Röhren, differenziert, transparent, verblüffend plastisch und energiegeladen, sonor und farbenprächtig. Das gilt mobil über Kopfhörer genauso wie an der Test-Anlage.

Der gesamte Player ist sehr hochwertig verarbeitet, aber derart glatt gestaltet, dass man tatsächlich nicht viel Halt findet, Fingerabdrücke mag er auch nicht. Zudem ist das Design sehr kantig, was bei einem tatsächlichen Sturz eher zu einem Schaden führen dürfte als etwa ein abgerundetes Gehäuse mit Gummistoßkanten wie seinerzeit beim Sony Discman, der allerdings schlechter klingt. Das haben wir ausprobiert. Hier besteht aus unserer Sicht wirklich Verbesserungsbedarf, Freilich ist der Shanling sehr chic.
Vorteile und Nachteile des Shanling CD-Players
Dennoch fällt unangenehm auf, dass für knapp 600 Euro nicht wenigstens eine einfache Tragetasche im Lieferumfang enthalten ist. Einen beiliegenden Einfach-Kopfhörer wie früher verlangen wir ja gar nicht. Wir haben uns pragmatisch mit einer Handtasche von „Küstenkind“ und einer kleinen „Kampftasche” aus Bundeswehrbeständen beholfen, die es nicht nur in Oliv, sondern auch in Schwarz gibt. Das dicke Leinen schützt schon ein wenig.

Kurz vor Redaktionsschluss erfuhren wir, dass es eine optionale Ledertasche in konservativem Braun oder frechem Orange gibt, die allerdings mit knapp 100 Euro zu Buche schlägt. Etwas „kniepig” finden wir auch, keinen für den Betrieb womöglich wichtigen Adapter (Klinke optisch und Klinke-Cinch) beizulegen, im Lieferumfang findet sich nur ein USB-Kabel.
Alles in allem ist der Shanling ein interessantes Gerät für eine recht kleine Zielgruppe, er ist robust, hält lange durch und klingt richtig gut. Somit eignet er sich prima für den Mobilbetrieb und auch als Mitnahmeartikel für Partys etc. Als DAC ist er eher daheim interessant als unterwegs. Den Preis finden wir angemessen, den Klang richtig gut, übrigens auch „immobil“ an der Cyrus-Testanlage im Homeoffice.
