Pro-Ject Head Box S3 B vs. DS3 B: Kopfhörerverstärker im Test

Im süßen Metallgehäuse von Pro-Jects „Box“-Reihe wollen die Head Box S3 B und DS3 B im Test mit symmetrischer Schaltung beweisen, wie man Kopfhörern ein hochwertiges Signal zuführt.

Two stacked audio interfaces on a reflective surface against a green gradient background; front panels show balanced and unbalanced outputs, input jacks, and power/LED indicators (Head Box S3 B on top, DS3 B below).

Testfazit: Pro-Ject Head Box S3 B

Kompakter, vollsymmetrischer und nicht zu teurer Kopfhörerverstärker mit sauberem, kräftigem und agilem Klang sowie hohen Leistungsreserven und vielen Ausgängen, aber sonst etwas spartanischer Ausstattung.
Praxisnote: befriedigend 2,8
Klangpunkte: 68 / 100

Pro

  • Sauberer
  • kräftiger Klang
  • Vollsymmetrischer Aufbau
  • Viele Kopfhörerausgänge

Contra

  • Kein D/A-Wandler integriert
  • Keine Klangregelung
  • Kein Pre-Out

Testfazit: Pro-Ject Head Box DS3 B

Diskret aufgebauter, vollsymmetrischer Kopfhörerverstärker mit sauberem, kräftigem Klang, hervorragender Räumlichkeit und feiner Detailzeichnung. Viele Ausgänge und viel Power, aber sonst wenig Optionen.
Praxisnote: befriedigend 2,7
Klangpunkte: 73 / 100

Pro

  • Hervorragend räumlicher Klang
  • Einwandfreie Messwerte Riesige Leistungsreserven

Contra

  • Kein D/A-Wandler integriert
  • Keine Klangregelung
  • Kein Pre-Out

Pro-Ject ist im HiFi und mutmaßlich auch darüber hinaus wohlbekannt, natürlich aufgrund der riesigen Menge an Plattenspielern aus dem österreichischen Hause, die vor allem im Einsteiger- und Aufsteiger-Segment konstant hohe Qualität zum fairen Preis anbieten. Dass sich drum herum inzwischen ein Quasi-Vollausstatter im HiFi-Kosmos entwickelt hat, ist vielleicht nicht jedem so bewusst. Diese Rolle wird primär von den „Box“-Komponenten der Firma ausgefüllt, die es im schicken Mini-Format zu so ziemlich jeder audiophilen Aufgabe gibt: Phono-Vorverstärker, Vollverstärker und sogar Streamer bis hin zu dedizierten Kopfhörer-Amps.

Zwei von Letzteren haben wir auf dem Testtisch stehen, die auf den ersten – und sogar den zweiten – Blick einiges gemeinsam haben: die Head Box S3 B und DS3 B. In Anbetracht des Versprechens, hier High End anzubieten, ist das Preisschild dabei Pro-Ject-typisch noch relativ gemäßigt, die kleinere S3 B ist für 400 Euro erhältlich, die DS3 B fordert 700 Euro Investition.

Zwei Kopfhörerverstärker im Box-Design

Die Namen sind dabei leicht aufzuschlüsseln und geben direkt einen Hinweis darauf, was die beiden jeweils in Silber und Schwarz erhältlichen Kästen unterscheidet. „Head Box“ steht für die Gerätegattung, also Kopfhörerverstärker, „S3″ ist die Generation, und das „B“ sagt potenziellen Kunden, dass sie hier ein „Balanced“, also symmetrisch aufgebautes Gerät vor sich haben – im unteren Preisbereich eine Seltenheit, da ein solcher Aufbau aufwendiger und teileintensiver ist.

Andere gängige Namen für das Konzept sind etwa „Doppel-Mono“ oder ganz sachlich „komplett kanalgetrennt“. Sprich in beiden Pro-Ject-Headphone-Amps ist die Verstärkerschaltung zweimal identisch vorhanden, einmal für den linken und einmal für den rechten Kanal. Und diese komplette Trennung der Kanäle soll unter anderem Rauschen sowie Übersprechen, also unerwünschte Signalartefakte eines Kanals im anderen reduzieren.

Symmetrisch und diskret: was bedeutet das?

Bleibt nur das „D“ im Namen, welches im Falle des um 300 Euro teureren großen Bruders für „Discrete“, also einen diskreten Aufbau steht. Das bezeichnet ebenfalls einen Aspekt des Verstärkeraufbaus bzw. dessen Konzept im Gegensatz zum S3 B. Dieser arbeitet mit zugekauften Verstärker-Chips, also fertigen Bauteilen. Das ist keineswegs eine schlechte Lösung, platzsparend und kann ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis gewährleisten. Letzteres umso mehr, wenn man wie Pro-Ject auf hochwertige Zulieferer setzt, in diesem Falle Texas Instruments.

Ein diskreter Aufbau hingegen beschreibt das Konzept, den kompletten Verstärker selbst zu bauen, also eine Platine mit Transistoren, Widerständen und so weiter zu bestücken. Vorteil ist, dass man diesen Schaltkreis komplett so bauen kann, wie man es selbst wünscht und wie es zum Gerät passt, anstatt einen fertigen Chip zu nutzen und um diesen herum zu konstruieren. Das diskrete Konzept kann also klangliche Optimierungen versprechen, ist aber ungleich aufwendiger. Ein Blick in das sauber gebaute Innere des mit mehr Volumen ausgestatteten DS3 B zeigt den Unterschied deutlich.

Was bringt der Aufwand in der Praxis?

Soweit die vielleicht ja bereits bekannte Theorie. Die Frage ist dann in der Praxis: Macht das unterschiedliche Verstärker-Design auch einen Unterschied? Messtechnisch zitiert Pro-Ject selbst bei der größeren Head Box DS3 B etwa ein Plus an Leistung.

Und auch in unserer Messung übertrumpft der DS3 B den S3 B etwa beim Rauschabstand und der Leistung. Wobei bei beiden Geräten so ziemlich alle Werte hervorragend sind, vor allem die Leistung: Egal, mit welcher Kopfhörer-Impedanz, beide liefern auf dem Messtisch wenn gewünscht mehrere Volt Spannung.

Zur Relation sei nur gesagt, dass die Leistung von Kopfhörer-Amps sonst eher im Millivolt-Bereich angegeben und verglichen wird.

Die technische Verwandtschaft der beiden Amps ist auch optisch unschwer zu erkennen. Einerseits natürlich über das zur „Box“-Serie von Pro-Ject passende Design, andererseits dank identischer Anschlüsse und Steuerung der beiden Geräte. Letztere ist simpel, aber mehr braucht es auch nicht wirklich: ein Knopf für An/Aus, einer für die Wahl Cinch/XLR und ein Regler für die Lautstärke.

Anschlüsse und Ausgänge im Überblick

Bei den Kopfhörerausgängen bietet Pro-Ject alles, was Fans sich wünschen könnten, wie zum „Balanced“-Konzept passende symmetrische Ausgänge in XLR und 4,4 mm. Aber auch unsymmetrische Outputs in 3,5 mm (Miniklinke) und 6,35 mm haben beide Amps. Analoge Signale für die Amps werden per Cinch oder auch hier symmetrisch per XLR empfangen.

Während es für diese Inputs logischerweise einen Knopf auf der Front zum Umschalten gibt, können alle Ausgänge gleichzeitig benutzt werden – und plötzlich wird der eigentlich private Kopfhörergenuss mit anderen Menschen geteilt. Denn ohne wirklichen Verlust bei Power können die Pro-Jects auch mehrere Hörer gleichzeitig befeuern. Beim kleineren S3 B muss man ab dem dritten Modell vielleicht etwas die Lautstärke erhöhen, beim DS3 B vielleicht ab dem vierten – solange man halbwegs gutmütige Hörer einspannt. Was aber in keinem Fall, den wir in der Praxis ausprobierten, zum Problem wurde, es war immer mehr als genug Spielraum.

Generell verfolgen die kleinen Verstärker eine Philosophie des vollen Fokus auf ihre Hauptaufgabe ohne Schnörkel. Das macht sie zu Spezialisten respektive Minimalisten, je nach Interpretation. So steht die große Auswahl an Kopfhörerausgängen im Kontrast zu den wenigen weiteren Optionen. Einen D/A-Wandler bieten beide Geräte nicht, ebenso Optionen zur manuellen Anpassung an Kopfhörer oder eine Klangregelung. Auch Preamp-Ausgänge zur Nutzung als Vorverstärker sind nicht zu entdecken.

Die praktische Bypass-Funktion

Wofür ist dann das zweite Paar Cinch-Buchsen auf den Rückseiten da? Wie die Anleitung erklärt, sind das zwar Ausgänge, aber reine Bypass-Ausgänge, die also das eingegebene Signal unverändert weitergeben. Auch wenn so keine Vorverstärkerfunktion möglich ist, ist das doch praktischer als zuerst gedacht. Denn man kann so den Kopfhörer-Amp zwischen Quelle und Anlage einschleifen.

Heißt für die Praxis, man kann eine Quelle per Kopfhörer und über die Anlage hören und das ohne Umstecken; die Weiterleitung funktioniert zudem auch, wenn die Pro-Jects ausgeschaltet sind. So können auch mehrere Kopfhörer-Amps in Reihe geschaltet werden, was für geteilten Kopfhörergenuss sowie einen A/B-Vergleich äußerst hilfreich ist.

Das ist übrigens nur für die Cinch-Inputs möglich, die XLR-Eingänge können nicht durchgefüttert werden – aus technischer Sicht die einzig sinnvolle Option. Sonst müsste deren symmetrisches Signal in ein unsymmetrisches gewandelt werden, was dem Konzept „Bypass ohne Bearbeitung“ widerspricht.

Das legt zudem nahe, die Pro-Jects explizit als Teil einer klassischen HiFi-Kette zu sehen, wie auch der Fakt, dass sie keinen eingebauten DAC haben, also entweder diesen benötigen oder analoge Quellen verstärken. Am beliebten Spielplatz Desktop-HiFi können sie aber natürlich trotzdem arbeiten. Gute kompakte DACs, welche diese Lücke in der Signalverarbeitung schließen, finden sich ja schon ab 100 Euro, auch von Pro-Ject. Den möglicherweise vorhandenen AUX-Ausgang eines Computers zu nutzen, ist theoretisch möglich, aber nicht empfehlenswert.

Wie klingen die Pro-Ject-Kopfhörerverstärker?

Klanglich zielen die beiden Geschwister erwartbar in eine ähnliche Richtung, wobei es nicht überraschen sollte, dass der DS3 B die Nase vorn hat; immerhin kostet er fast das Doppelte. Dass beide mit einem sauberen, verzerrungsfreien und damit natürlichen Stil ansetzen, zeigt sich schnell.

Ein großer Unterschied zu kleineren Kopfhörerverstärkern oder integrierten Lösungen liegt bei beiden Modellen eindeutig in ihrer Leistung. Bei einem günstigen, aber dennoch guten Gerät, wie iFis Zen DAC – Kopfhörer-Amp und DAC in einem –, hören wir die gemächlichen Beats und Bassline zu Beginn von „Do I Wanna Know?“ der Arctic Monkeys klar, merken und wissen, dass sie da sind.

Räumlichkeit und Feinzeichnung für Kopfhörer

Mit den Pro-Jects hingegen ist es aber viel mehr als das, man fühlt sie, merkt, welche Präsenz sie im Song einnehmen sollen; die trockene und tiefe Vehemenz, mit welcher der S3 B und noch mal mehr der DS3 B diese tiefen Töne an die Ohren wirft, ist hervorragend unterhaltsam. Und das in Verbindung mit Kopfhörern einer preislich passenden Klasse und auch darüber, ohne dass der Lautstärkeregler weit Richtung Maximum tendiert.

Pro-JectPro-Ject
Head Box S3 BHead Box DS 3B
Produktart KopfhörerverstärkerKopfhörerverstärker
Internetadresseproject-audio.comproject-audio.com
Preis in Euro399699
Abmessungen (BxHxT) in cm20,6 x 5,5 x 15,3 20,6 x 7 x 19,4
Gewicht in kg0.951.4
DeutschlandvertriebATR – Audio TradeATR – Audio Trade
Kontakttelefonnummer+49 208 882660+49 208 882660
Messwerte 30 %sehr gut 1,5sehr gut 1,0
Aussgangsspannung (in Millivolt bei 32 / 100 / 200 / 600 Ohm)sehr gut (5,04 / 7,94 / 9,14 / 10,21)sehr gut (6,94 / 10,76 / 12,33 / 13,67)
Intermodulation bei 300mV ( in Prozent)sehr gut (0,00069)sehr gut (0,00086)
Gleichlauf-Lautstärkesteller (in Dezibel)ausreichend (2,2)sehr gut (0,26)
Obere Grenzfrequenz (in kHz)sehr gut (>80)sehr gut (>80)
Klirrfaktor bei 300 mV (in Prozent)sehr gut (0,003)sehr gut (0,003)
Rauschabstand bei 300 mV (in Dezibel)gut (94)sehr gut (96)
FFT-Spektrumsehr gutsehr gut
Stromverbrauch Leerlauf (in Watt)sehr gut (2,1)sehr gut (4,9)
Ausstattung 50 %ausreichend 3,8ausreichend 3,8
Haptik & Verarbeitunggutgut
Anzahl analoger Eingänge (Cinch/XLR)1xCinch, 1xXLR1xCinch, 1xXLR
Besondere Schnittstellenkeinekeine
Klangregelungneinnein
Pre-Outnein (aber Bypass)nein (aber Bypass)
Farbvarianten/Ausführungen2 (silber / schwarz)2 (silber / schwarz)
Harter Netzschalterjaja
Verstärkung wählbarneinnein
Widerstand wählbarneinnein
Lautsprecherendstufeneinnein
Kopfhörer-AusgängeXLR, 4,4mm, 3,5mm, 6,3mmXLR, 4,4mm, 3,5mm, 6,3mm
Handhabung & Bedienung 20 %gut 2,4gut 2,4
Qualität der Fernbedienungkeine Fernbedienungkeine Fernbedienung
Bedienung am Gerät / Anzeige & Displaygutgut
Qualität der Anleitunggutgut
Garantie in Jahren22
Praxis-Note2.82.7
Klangbeschreibungsauber, kräftig, agil, könnte im Vergleich zum DS3 B räumlicher seinsauber, kräftig, hervorragend Räumlich und frei mit guter Feinzeichnung
Klangqualität68/10073/100

Selbst mit einem Referenz-Modell wie Sennheisers HD 800 schlägt sich bereits der S3 B gut, liefert genug Leistung und verleiht den offenen Hörern ein sauberes, präzises Klangbild. Auch hier beweist der DS3 B jedoch seine Vorteile, nimmt jegliche artifizielle Schärfe aus Shawn James‘ Stimme in „Burn The Witch“. Und behält dabei eine wunderbar detaillierte Feinzeichnung in die Tiefe, sodass auch die subtilen Trommeln auf der imaginären Bühne mit audiophiler Präzision herumwandern, anstatt nur akustisch in einer Ecke zu stecken. Beim Wechsel zurück scheint das der größte Schritt zu sein, die tiefere und ausdefinierte Räumlichkeit des großen Bruders gegen ein kompakteres, aber keineswegs eingeengtes Klangbild.

Ja, manche Optionen fehlen auf dem Papier, aber vermisst haben wir sie nicht wirklich – selbst ohne Anpassungen holen beide Pro-Jects auch dank riesiger Leistungsreserven vieles aus allen möglichen Kopfhörern heraus. Das schaffen beide, genauso wie einen sauberen und kräftigen Klang. Wer aber zum größeren DS3 B greift, wird klar belohnt: mit mehr Tiefgang, einem größeren, freieren und differenzierteren Klang mit noch mal mehr Power. Und das alles aus einer kleinen unscheinbaren Box!



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