Pro-Ject Debut Reference 10 im Test: die neue Referenz in seiner Klasse?
Mit dem Debut Reference 10 will Pro-Ject einmal mehr Qualität zum günstigen Preis bieten. Die hochwertigen Teile dafür hat der neue Vinyl-Dreher an Bord. Spielen diese auch perfekt zusammen?

Eines muss man der österreichischen Marke Pro-Ject lassen: Sie erlangte seit der Vorstellung des ersten Pro-Ject 1 im Jahr 1986 den Status einer Art Synonym für den Qualitätsplattenspieler zum geringen Preis. Und das nicht erst seit gestern. Dank der Konzentration aufs Wesentliche sowie klanglicher Aspekte plus eines eigenen Werks im tschechischen Litovel gelang es immer wieder, ein erstaunliches Niveau für wenig Geld zu bieten. Heute verfügt man über ein großes Portfolio unterschiedlicher Plattenspieler im ambitionierten „Vernunftsegment“ und behält dabei den Kostenfaktor im Fokus. Ja, selbst Pro-Jects highendiger, von uns 2025 getesteter Traumdreher Signature 12.2 folgt letztlich, wenn auch auf ultimativem Level, diesem Erfolgsrezept.
Aber es gibt ja nicht nur absolute Referenzen, sondern vor allem auch jene Geräte, die in ihrer jeweiligen Preisklasse den Maßstab setzen. Und genau diese Position peilen die Österreicher für ihren neuen Debut Reference 10 an, der seinen Anspruch bereits im Namen trägt und – logisch – der beste der Debut-Dreher ist, die mal bei 330 Euro starteten, wobei Pro-Ject diese mittlerweile durch Modelle der „E1“-Serie ersetzt hat, die freilich denselben Prämissen folgen.

Schon auf den ersten Blick erkennt man die typische puristische Handschrift am Referenz-Debut, der ohne jeden optischen wie technischen Schnickschnack auskommt. Dafür ist er mit Pro-Jects zwecks Förderung der Klangqualität vor einiger Zeit gestarteten „True Balanced Connection“-Offensive für die symmetrische Übermittlung von Phono-Signalen kompatibel (siehe Kasten).
Und dies nicht allein dadurch, dass sich neben den üblichen Cinch-Buchsen unterhalb des Tonarms noch eine zweite, fünfpolige für diesen Modus befindet. Auch der ab Werk eingesetzte MM-Abtaster Pick it Pro Balanced ist durch die fehlende Masseverbindung zum Tonarm hin, was andernfalls lästige Brummschleifen hervorrufen könnte, entsprechend ausgelegt.
Puristischer Aufbau mit präzisem Riemenantrieb
So klar und puristisch wie seine Mission ist der Auftritt des Debut Reference 10. Neben dem Tonarmlift ist ein aufs 30 Millimeter dicke, grau lackierte MDF-Chassis gesetzter Schalter das einzige Bedienelement. Dieser hat drei Positionen – links: 33 Touren, rechts: 45 und Mitte: aus. Das war’s! Auf eine Möglichkeit zur Feinregulierung der Geschwindigkeiten verzichtet das Gerät. Diese haben wir während des Tests auch nicht vermisst, da beide Drehzahlen genau eingehalten wurden.

Durch den rund 900 Gramm schweren Acrylteller hindurch schimmert die – wie auch das Motor-Pulley – aus diamantgeschliffenem Aluminium bestehende Subauflage. Dabei wurden die durch einen schmalen Flachriemen miteinander verbundenen Teile so präzise sowie hinsichtlich ihrer Oberflächen makellos gefertigt, dass wir nach dem Einschalten zunächst keine Veränderung wahrnahmen. Man erkannte erst bei ganz genauem Hinsehen, dass Motor und Teller sich tatsächlich drehten. Respekt! Pro-Jects mitgeliefertem „Record Puck E“, der Schwingungen der Vinylscheibe bedämpft und die Masseträgheit leicht erhöht, sah man dies übrigens ebenfalls kaum an.

Wie seine Typenbezeichnung nahelegt, besitzt der Tonarm des Debut Reference 10 eine effektive Länge von zehn Zoll und ist somit etwas länger als die üblichen Neunzöller. Das hilft, den Spurfehlwinkel des gekröpften Dreharms beim Weg über die tangential geschnittene Schallplatte gering zu halten, indem sein Kreisbogen ein wenig flacher ausfällt als der kürzerer Arme.

Für optimale Steifigkeit und Resonanzarmut wurde das stabile, über den nach Lösen von gleich zwei Fixierschrauben verschiebbaren Schaft höhenverstellbare Aluminiumrohr zusätzlich mit Carbonfaser belegt. So solide wie spielfrei ist auch die in einen massiven Alu-Lagerblock integrierte kardanische Aufhängung ausgelegt. Das Anti-Skating erfolgt klassisch mittels Gewicht und Faden. Sollte der Diamant nicht senkrecht in der Rille stehen, ist der Azimut am Arm veränderbar. Da das Gegengewicht über keine Skala verfügt, liegt dem großen Debut eine einfache, aber hinreichend exakte Wippwaage zur Einstellung der Auflagekraft des aus dem Karton heraus übrigens einwandfrei vorjustierten Tonabnehmers bei.
Tonabnehmer Pick it Pro Balanced und Bestwerte im Labor
Neben der Besonderheit, dass es sich für die symmetrische Signalleitung eignet, ist zum solo knapp 250 Euro teuren, vom dänischen Analogspezialisten Ortofon zugelieferten Pick it Pro Balanced zu vermerken, dass es eine elliptisch geformte Nadel führt, die sich bei Abnutzung oder Defekt problemlos austauschen lässt. Aufgrund seiner absolut durchschnittlichen Ausgangsspannung von rund vier Millivolt passt dieses zudem an jeden MM-Eingang. Darüber hinaus entspricht auch die empfohlene Auflagekraft von 20 Millinewton dem Üblichen.

Wie die drei zum Austarieren der Zarge in der Höhe verstellbaren Metallfüße – vier würden zum Kippeln neigen – wird auch das ebenso dezent schimmernde Gegengewicht mit Hilfe des thermoplastischen Kunststoffs TPE bedämpft. Auf diese Weise sollen aus der Stellfläche stammende Vibrationen beziehungsweise jene, die der Abtaster in das Armrohr leitet, in Wärme umgewandelt werden.

Demselben Zweck, nämlich unerwünschte Schwingungen vom Debut Reference 10 fernzuhalten, dient auch die neu entwickelte, den Antrieb vom Gehäuse entkoppelnde Motorlagerung. Die zugehörige, aus einem externen Netzteil gespeiste Steuerplatine erzeugt überdies einen exakten Sinus für den AC-Antrieb.

Und gleich dem tempogenauem Laufwerk bescheinigte unser Labor auch dem erstklassig linearen sowie kanalidentischen Abtaster Bestwerte (siehe Diagramme), sodass Pro-Jects Top-Debut in diesen Punkten sein Soll bereits erfüllt hätte.
Der Pflicht folgte die Kür im STEREO-Hörraum, wo der Newcomer neben einem wahren Referenz-Plattenspieler und Preisklassentipps wie etwa dem „X1“-Modell der Österreicher, das wir in Ausgabe 8/19 mit dem Pick it S2 am Tonarm für damals 900 Euro getestet haben, erwartet wurde. Diesen schlossen wir wie auch den Debut Reference 10 ganz konventionell mit dessen beigepacktem Kabel, Pro-Jects „Connect it Phono E RCA“ in universeller Cinch-Ausführung und Laufrichtungsindikator, an die Phono-Vorstufen an. Dieses ist von guter Qualität und taugt zu weit mehr als nur zur Funktionsprobe.
Wie klingt der Pro-Ject Debut Reference 10?
Nun ja, der Ausgang dieses Familienduells stand schnell fest, denn der Debut Reference 10 bot nicht nur in „The Hipsters“, einer quirligen Livenummer der schottischen Band Deacon Blue, die, wenn schon nicht lebendigere, so doch die tonal ausgewogenere Darbietung, was nicht nur den Stimmen zugute kam. Vor allem das nach dem luftig aufgefächerten Synthie-Intro mit dynamischer Vehemenz einsetzende Schlagzeug besaß mehr Korpus und Substanz. Die straff gespannten Felle der Drums waren geradezu spürbar.

Aber auch mit anderen Titeln wirkte der große Debut klanglich um eine Klasse höher, reifer und gehaltvoller. Diesen Eindruck unterstreicht seine Fähigkeit zu gelöster und dabei sauber organisierter Räumlichkeit plus der Wahrung von Struktur und Ordnung innerhalb komplexer, dichter Passagen. Vom rasanten Opener von Diana Kralls berühmtem Konzert im Pariser Olympia fühlte sich der Pro-Ject keineswegs überfahren, sondern behielt stets die Übersicht über die wuselige Interaktion zwischen den Musikern.

Dieser schaffte es sogar, gleichzeitig feine Hallanteile der Saalakustik respektive leise Reaktionen des Publikums zu übertragen, sodass ein glaubhaftes Abbild des Auftritts der kanadischen Jazzerin in ihrem Umfeld entstand. Dass derlei winzige Details seitens des Plattenspielers Beachtung finden und mitrüberkommen, ist in dieser Preisklasse längst keine Selbstverständlichkeit.

Aber auch die reizvolle, mal massiv, mal verhalten angelegte Ballade „Everything Was Not Enough“ der deutschen Prog-Rock-Truppe RPWL überforderte den Debut Reference 10 nicht, der durch alle Kehren und Wendungen die musikalische Spannung aufrechterhielt.
Dass die vermeintlich einfachen Dinge oft die schwierigsten sind, zeigte sich anhand der introvertierten, nur von sanft gespieltem Flügel und Violine getragenen Kompositionen aus Arvo Pärts „Alina“-Album. Hier bieten „echte“ Referenzen noch mehr abgeklärtes Sentiment, versonnene Inbrunst und inneres Leuchten. Da kann und will der „Reference“-Debut ja aber auch gar nicht hin, sondern an seinem Preispunkt den audiophilen Meilenstein setzen, an dem kein anderer gleich teurer Dreher so leicht vorbeispielt.
Debut Reference 10 gegen Clearaudio Compass: Wer macht das Rennen?
Und das sollte ihm gelingen, denn Clearaudios nur 90 Euro teurerem, in vielen Aspekten – drei bedämpfte Füße, MDF-Chassis, Acrylteller, MM-Abtaster – ganz ähnlich aufgebautem Compass begegnete der ausgefeilte Österreicher durchaus auf Augenhöhe. Während sich der Compass durch die Bank eine Spur gesetzter und gravitätischer in Szene setzte, hatte der Pro-Ject in Sachen draller Prägnanz und flirrender Virilität leicht die Nase vorn. Und dabei hatte dieser seinen „Balanced“-Trumpf noch gar nicht ins Spiel gebracht, denn aus Gründen der Fairness lief der Vergleich mit dem nicht ohne Weiteres symmetrierbaren Clearaudio über normale Cinch-Verbindungen ab.

Aber auch ohne sich in diesem Zweikampf von seinem Herausforderer absetzen zu können, lotet Pro-Jects so aufwendig wie durchdacht gemachter Debut Reference 10 das zu diesem Preis Machbare aus. Fazit: Projektziel erreicht!
| Pro-Ject | |
|---|---|
| Debut Reference 10 | |
| Produktart | Plattenspieler |
| Internetadresse | www.project-audio.com |
| Preis in Euro | 1,199 |
| Abmessungen (BxHxT) in cm | 46 x 14,5 x 35 |
| Gewicht in kg | 6 |
| Deutschlandvertrieb | ATR-Audio Trade, www.audiotra.de |
| Kontakttelefonnummer | *+40 208 886660 |
| Plattenspielertyp / Antriebsprinzip | manuell / Riemen |
| Bluetooth / Anschlüsse | nein / Cinch und Mini-XLR |
| Integrierter Phono-Pre / Tonabnehmer inkl. | nein / ja |
| Messwerte 35 % | sehr gut 1,2 |
| Rumpeln | sehr gut |
| Drehzahlabweichung (in Prozent) | sehr gut (0,002) |
| Stromverbrauch Leerlauf (in Watt) | sehr gut (3,1) |
| Ausstattung 25 % | gut 1,9 |
| Abdeckhaube vorhanden | ja |
| Haptik & Verarbeitung | sehr gut |
| Tonarmkabel austauschbar | ja |
| Geschwindigkeiten in U/min | 33, 45 |
| Tempofeineinstellung oder Regelautomatik | nein |
| Trittschalldämpfung | ja, bedämpfte Füße |
| Harter Netzschalter | ja |
| Handhabung & Bedienung 40 % | gut 2,5 |
| Geschwindigkeitsumschaltung | sehr gut per Schalter |
| Qualität der Anleitung | befriedigend (Anleitung als Bildfolge) |
| Garantie in Jahren | 2 |
| Einstellbarkeit | Tonarmhöhe, Fußhöhe, Azimuth |
| Headshell abnehmbar | nein |
| Erste Inbetriebnahme | gut |
| Einstellkomfort | noch gut |
| Praxis-Note | 1.9 |
| Klangbeschreibung | explizit lebendiges, dreidimensionales und in sich geordnetes Klangbild mit profundem Bass |
| Klangqualität | 64/100 |
True Balanced Connection: Was bringt der symmetrische Anschluss?
Sie gilt als Toptipp zur Klangsteigerung bei hochwertigen MC-Abtastern: Der „symmetrische“ Anschluss ohne direkten Massebezug. Während dessen Minuskontakte normalerweise gegen Masse laufen, sind in diesem Modus vier „heiße“ Kontakte gegeben. Bei Hochpegelgeräten wie CD-Spielern, Phono-Vorstufen oder Streamern ist dieses Verfahren gang und gäbe. Dabei sind MCs die einzigen „echten“ massefreien Quellen der High Fidelity. Dies gilt in aller Regel nicht für MMs, deren einer Minus-Pin mit der Plattenspielermasse kontaktiert, was zu Potenzialunterschieden zwischen den Kanälen führt, die beim „Hochlegen“ der Erdverbindung eine Brummschleife erzeugen. Nicht so bei Pro-Jects extraauf Symmetrie ausgelegtem, niedrigpreisigem MM Pick it Pro Balanced.

Und die Österreicher führen auch eine ganze Reihe von für den „Balanced“-Betrieb geeigneten Phono-Verstärker im Sortiment, deren kleinere ein hinweisgebendes „B“ in der Typenbezeichnung haben. Deren günstigster ist die vielfältig auf den Tonabnehmer anpassbare kompakte Phono Box S3 B (um 400 Euro). STEREO sammelte mit dieser, aber auch dem größeren und klanglich anspruchsvolleren DS3 B (um 700 Euro) sowie den unter gleichen Bezeichnungen laufenden, jedoch mit Ausgangsröhren bestückten „Tube Box“-Varianten (um 600–900 Euro) beste Erfahrungen.
Balanced gehört: mehr Luft und Raum im Klangbild
Für die Einbindung des Debut Reference 10 in den symmetrischen Modus benötigt man ein fünfpoliges, beidseitig mit Mini-XLRs versehenes Spezialkabel. Dieses gehört zu Pro-Jects Serie „Connect it Phono E“ und kostet in gut 1,2 Meter Länge knapp 70 Euro. Dabei stellen sich zwei Fragen: Lohnt sich der finanzielle Extraaufwand klanglich beziehungsweise lohnt er sich bereits in dieser niedrigen Preisklasse? Obgleich STEREO bereits über reichlich Hörerfahrung auf diesem Gebiet verfügt – auch unter MM-Beteiligung – haben wir mit dem Testdreher nochmals eine ausführliche „Balanced“-Session aufgezogen, wobei vor allem die hier preislich besonders gut passende Tube Box S3 B zum Einsatz kam.

Und dann war es wie immer: Gegenüber der Cinch-Verbindung tönt Musik symmetrisch räumlicher, in sich gelöster und natürlich atmend. Es ist, als ob jemand mehr Luft ins Klangbild geblasen hätte. Was im High End funktioniert, verhält sich auch ein paar Klassen darunter ebenso. Kann das sein? Kabelt man zurück, wird die Darstellung vordergründiger, enger und in sich steifer.
Das heißt: Die überschaubare Investition in das Mini-XLR-Phono-Kabel ist den Klanggewinn mehr als wert. Ob sich allerdings die Anschaffung einer Balanced-geeigneten Pro-Ject-Phono-Vorstufe rentiert, hängt stark von der Qualität der vorhandenen ab. Spielt diese auf hohem Niveau, relativiert sich womöglich der Vorteil der Symmetrie im Qualitätsgefälle zwischen den Phono-Pres. Das muss man im Zweifelsfall ausprobieren. Ist jedoch mit der Anschaffung des Debut Reference 10 auch ein neuer Phono-Pre angesagt, sollte man auf den „Zauber der Symmetrie“ setzen!
