Parks Audio Waxwing Phono DSP im Test
Im Netz werden dem Phonoverstärker Parks Audio Waxwing nahezu übernatürliche Fähigkeiten nachgesagt. STEREO hat sich das mal genau angesehen und angehört.

Normalerweise finden Sie bei STEREO nur Produkte, die auch offiziell in Deutschland erhältlich sind und von denen wir wissen, dass die gesetzlichen Vorgaben inklusive RoHS (Verwendung umweltschädlicher oder gefährlicher Bauteile) und WEEE (Entsorgungsvorschriften) erfüllt sind. Beim hier zum Test antretenden Parks Audio Waxwing gibt es derzeit keinen offiziellen deutschen Importeur, gleichwohl haben zahlreiche Kunden diesen Phonoverstärker via Hersteller oder über Amazon erworben. Der exakte Preis für den deutschen Käufer ist aufgrund von Zoll, Steuern, Versandkosten und dem aktuellen Wechselkurs nicht eindeutig, dürfte sich aber bei gut 600 Euro bewegen, bis man ihn in Händen hält.
Ob der Waxwing ohne rechtliche Probleme in Betrieb genommen werden darf, weil er weder über ein CE-Zeichen verfügt, noch sonstige für in Deutschland vertriebene Geräte vorgeschriebene Bedingungen erfüllt, ist das Risiko, das der Käufer persönlich zu tragen hat. Das gilt in dieser Form auch für andere direkt auf eigene Faust importierte Produkte.
Bei Problemen steht der Inhaber des Herstellers, Shannon Parks, online zur Seite. Im Servicefall dürfte es trotzdem knifflig werden, weil das Gerät dann in die USA muss und dort gegebenenfalls ein Austausch erfolgt. Doch offensichtlich haben sich viele Kunden in Deutschland und Europa nicht durch diese gerade geschilderten Stolpersteine von einem Erwerb des Geräts abhalten lassen. Logisch also, dass wir, von Berufs wegen neugierig, diesem Phänomen seine Geheimnisse entlocken wollten.

Der Blick auf die Vorderseite verrät nicht einmal per LED den Betriebszustand, außer dem Namen des Geräts, das von der Gewichtsklasse mit einem handelsüblichen Stück Butter konkurriert, herrscht Schweigen. Aufschlussreicher ist da schon die Rückseite, die Ein- und Ausgang mit Cinchbuchsen offeriert, darüber hinaus eine ordentliche verschraubbare Erdungsklemme, einen optischen und einen koaxialen Digitalausgang und den Anschluss für das USB-Netzteil. Das in unserem Fall nur mit US-Anschluss für die Stromversorgung geliefert wurde.
Waxwing: ein Phono-Pre mit App-Steuerung
Beim Studium der ausschließlich online verfügbaren Anleitung wird schnell klar, dass hier nicht alles mit analogen Dingen zugeht, sondern digitale Technik zum Einsatz kommt. Man muss sich eine App herunterladen, die den ohne Bedienelemente ausgestatteten Waxwing dann per Bluetooth steuert. Die App bietet dem Schallplattenliebhaber eine Vielzahl von Einstellmöglichkeiten, die mittels DSP-Chip, einem digitalen Rechenkünstler, umgesetzt werden.

Von Bass-/Höhenregelung bis zum parametrischen Equalizer gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Klangbeeinflussung, ergänzt durch etliche unterschiedliche Entzerrungskurven neben der üblichen RIAA-Kurve für moderne Schallplatten. Darüber hinaus kann man das Gerät statt im Stereo-Modus auch auf vier unterschiedliche Mono-Modi schalten. In Stellung „Super Mono“ untersucht der Waxwing das Rillensignal mehrere Hundert Mal pro Sekunde auf maximale Geräuscharmut und macht aus dem besseren Kanal einen sauberen Mono-Klang über beide Kanäle.
In Verbindung mit der „Magic“-Einstellung wird das Klangbild sanft auf Rausch- und Knackfreiheit hin optimiert. Eine aktuelle Ausführung eines reinen Knackunterdrückers, die Pro-Ject Vinyl NRS Box S3, kostet rund 300 Euro, benötigt aber eine zusätzliche Phonostufe.
Parks Audio Waxwing Phono DSP bietet viele spannende Funktionen
Die „Grade“-Funktion hilft dabei, den Erhaltungszustand einzelner Platten festzustellen und sie wie bei Discogs, der Handelsbörse für Schallplatten, qualitativ von A+ bis F einzustufen. Mit der Funktion „FX“ kann der Klang in Richtung warm oder kühl variiert werden, und durch unterschiedliche Verzerrungskomponenten können Sound-Abstimmungen von der Charakteristik einer 300B-Röhre bis hin zum satten Sound-Profil einer Bandmaschine erstellt werden.
Ein Testtongenerator inklusive rosa Rauschen ist in der App ebenfalls abrufbar, beispielsweise um mit zusätzlicher Unterstützung eines Analyzers und eines Mikrofons die Raumakustik zu untersuchen und zu korrigieren. Mittels der „Test“-Funktion lässt sich auch noch die Einhaltung der Solldrehzahl und der Nadelazimut, also die exakt senkrechte Stellung der Nadel in der Rille, überprüfen, wenn man über eine passende Testschallplatte wie die „Ultimate Analogue Test LP“ oder die „Ortofon Test“-LP verfügt.

Die „Air“-Funktion schließlich soll die sparsamen Anpassungsmöglichkeiten von Tonabnehmern in Widerstand und Kapazität ausgleichen und dem Klangbild zusätzliche Frische oder bei Bedarf etwas mehr Dämpfung spendieren. Das ist zwar eine ordentliche Behelfslösung, weil es für MC-Systeme lediglich eine 200-Ohm- und für MM-Systeme eine 47-kOhm-Stellung gibt, aber nicht die reine Lehre.
Einstellungen für MM- und MC-Tonabnehmer
Kanalungleichheiten können mittels Balanceregler ausgeglichen werden, und die Phase lässt sich umkehren – aber das hatten Sie nach dem bisher Gelesenen sicher längst erwartet. Dennoch haben wir hier noch eine Überraschung für Sie: Man kann nicht nur zwischen dem analogen und digitalen Ausgang wählen und die Eingangsverstärkung zwischen –4 Dezibel für Hochpegelquellen und +72 Dezibel für sehr leise MC-Tonabnehmer einstellen, sondern auch eine laute, also hochpegelige Quelle wie einen CD-Spieler durch all die genannten Programme zur Klangbeeinflussung schicken. Und sowohl am analogen oder wahlweise am digitalen Ausgang wieder abgreifen. Um das Ausstattungspaket vollends abzurunden: Sehr nützlich kann auch die „Log“-Funktion sein, die als Betriebsstundenzähler fungiert.
[table “43” not found /]Nicht nur in Größe und Preis muss sich der Waxwing mit dem iFi Zen Phono 3 vergleichen lassen, sondern auch klanglich haben wir den Wettbewerber zum Vergleich herangezogen. Der iFi hat die anpassbare Impedanz für MC-Systeme als Vorteil in die Waagschale zu werfen und darüber hinaus ein Display, das über die gewählten Einstellungen Auskunft erteilt.
Klangvergleich zum iFi Zen Phono 3
Der iFi wusste mit einem in der Breite sehr großzügigen und erstaunlich luftigen Klangbild zu überzeugen, was insbesondere bei Händels „Jubilate“ sehr vorteilhaft wirkte. Die Links/Rechts-Positionierung einzelner Stimmen wie auch des gesamten Chors wurde dadurch eindrucksvoll erleichtert. Das ging erfreulicherweise einher mit einer guten Fokussierung und Ortbarkeit. Chorstimmen wurden ohne Schärfe und zischende s-Laute wiedergegeben.

Die Tiefenstaffelung hingegen zeigte den Waxwing klanglich vorn. Auch sein Klangbild zeichnete sich durch Detailfreude und gute Durchhörbarkeit aus, wirkte in der Breite aber kompakter und mit weniger Luft in der Raumdarstellung. In der Tiefenstaffelung jedoch blieb der iFi zweiter Sieger, da der Waxwing Stimmen und Instrumente etwas plastischer abzubilden verstand.
Viel Sorgfalt bei der Verkabelung benötigt
Je nach Testaufbau benötigte der Waxwing eine sehr sorgfältige Aufstellung und Geduld bei der Verlegung der Verbindungskabel und der Erdungsleitung, was vermutlich auf die eher kümmerliche Auslegung des Steckernetzteils zurückzuführen ist. Insbesondere im Set-up mit dem MC-Tonabnehmer Denon DL-103R, der eine hohe Verstärkung benötigt, schlichen sich immer wieder Brummstörungen und ein in leisen Passagen störendes Prasselgeräusch ein, das sich erst nach einigen Versuchen mit der Kabelverlegung und einem zusätzlichen Erdungskabel weitestgehend beseitigen ließ. Oft hilft es, die Verbindungskabel lang ausgestreckt und mit möglichst großem Abstand an allen Netzteilen und Netzkabeln vorbeizuführen. Diese Empfindlichkeit wirkte sich auch in unserem Laborbefund negativ aus, weil sich einige Messwerte dadurch unterdurchschnittlich darstellten. Bekennende „Plug & Play“-Anhänger sollten also darauf vorbereitet sein, hier möglicherweise eine kleine Enttäuschung hinnehmen zu müssen.
Wirkungsvoll, aber nicht grenzenlos wirksam ist das Fazit über die „Magic“-Funktion. Sie filtert in Echtzeit eine Menge Knackser heraus, greift aber zum Glück nicht so rigoros ins Geschehen ein, dass sämtliche Störungen auf Kosten des unverfälschten Klangs unterdrückt werden. Was sie aber schafft: aus schwer erträglichem Lagerfeuergeknister wieder eine in Grenzen anhörbare Platte machen.
Bietet der Waxwing auch guten Klang im Test?
Was auch bedauerlich gewesen wäre, denn klanglich hat es das schmucklose, mit zahlreichen winzigen, sogenannten SMD-Bauteilen bestückte Gerätchen – also Bauteilen, die direkt auf der Platinenoberfläche verlötet sind – durchaus in sich, wie wir in unseren weiteren Hörtestrunden erfreut in Erfahrung bringen konnten. Denn die zahlreichen Features allein würden den Preis nicht rechtfertigen, wenn das klangliche Resultat den Zuhörern nicht ebenfalls Freude bereiten würde.

Zurück zu den umfangreichen musikalischen Fähigkeiten des Waxwing. Wir nutzten für unsere Klangvergleiche einen hochwertigen und guten, aber nicht unbedingt tagesaktuellen Plattenspieler von Micro Seiki mit SME 3009-R-Tonarm und Tonabnehmern von Shure und Denon, die in der Lage waren, Qualitäten und Unterschiede zwischen dem iFi und dem Waxwing darzustellen. Das auch deshalb, um Ihnen möglichst praxisnah über das Duell berichten zu können. Schließlich sind Zigtausende betagte, aber einwandfrei funktionierende Plattenspieler noch im Einsatz.
Im Zusammenspiel mit dem Shure V15 II, einem mit frischer Jico-Ersatznadel bestückten klassischen MM-Tonabnehmer, spielte der Waxwing frisch und lebendig auf. Beispielsweise tönte Tom Pettys „You Don’t Know How It Feels“ so spontan und impulsiv wie nach einer Frischzellenkur. Es fehlte zwar etwas am letzten Druck, und den per App zuschaltbaren „Bass Booster“ empfanden wir dann doch als etwas zu viel des Guten. Denn dessen Einsatz neigte dazu, das eine oder andere Detail zu verdecken. Wir verzichteten auf den Extra-Basskick und entschieden uns für etwas weniger Druck, aber mehr Information.
Viele Details, ordentlich Spaß
Etliche dieser Feininformationen lieferte das Denon DL-103 in seiner R-Variante ebenfalls in üppiger Menge, vermochte aber zugleich den auch spürbaren Mangel an Druck des Shure in den unteren Gefilden des Frequenzbereichs zu kompensieren. Allerdings um den Preis einer bei sehr leisen Passagen minimal hörbaren Brummstörung, die bei aller Sorgfalt nicht völlig zu beseitigen war.

Dennoch bereitete diese Kombination eine Menge Spaß. Denn wenn der Waxwing über eine für seine Preisklasse wirklich bemerkenswerte klangliche Qualität verfügt, dann ist es die Kunst, Emotionen zu übertragen. Was er beim Beethovens Klavierkonzerte spielenden Artur Rubinstein zu bieten hatte, erzeugte regelmäßig sich aufstellende Armhärchen. Darüber hinaus schaffte es der Waxwing, die Verbindung zur Musik durch ein tiefes Eintauchen in die Strukturen der Werke zu ermöglichen und die Konzentration vollständig auf die Musik zu lenken. Und beim Einsatz des Shure-MM-Systems auch völlig ohne störende Nebengeräusche.
Als wir am Ende unserer Hörtests angelangt waren fragten wir uns, wie intensiv wir von all den Anpassungsmöglichkeiten Gebrauch gemacht hatten. In unserem, zugegeben speziellen Anwendungsfall als Testgerät, stellte sich diesbezüglich Ernüchterung ein: Verstärkung, Impedanzanpassung und Knackunterdrückung nutzten wir intensiv, einige der restlichen Optionen jedoch eher selten bis gar nicht. Schlicht, weil das Vergnügen, mit dem Parks Audio Waxwing Musik zu hören, einfach zu groß war.
Fähigkeiten und Grenzen der Waxwing-App
Die App des Parks Audio Waxwing-Phono-Amps überrascht mit einer Vielzahl von Einstellmöglichkeiten und Funktionen. Die Bedienbarkeit ist dabei ziemlich einfach, denn für jede Funktion lässt sich eine Erklärung, was sie bewirkt und wann sie empfohlen wird, gleich bei der Auswahl des jeweiligen Buttons anwählen. Der Nutzen einzelner Funktionen ist jedoch unterschiedlich, und manche wünschenswerte Eigenschaft ist in ihren Möglichkeiten etwas beschränkt.
Das trifft insbesondere auf den „Load“-Button zu, der lediglich die Wahl zwischen 47 Kiloohm für den Betrieb mit MM-Systemen und 200 Ohm für MC-Systeme zulässt. Für ein perfektes Matching mit hochwertigen Tonabnehmern fehlen Werte unter 100 bis hinauf zu 500 Ohm. Sinnvoll hingegen, wenn einfachere Tonabnehmer zum Einsatz kommen, ist die Möglichkeit, die Balance feinfühlig zu verstellen.

Die Überprüfung des phasenkorrekten Anschlusses würden wir gern an jeder hochwertigen Phonostufe sehen, und die Möglichkeit, das Signal wahlweise analog oder mit einer Auflösung von 24 bit und 96 kHz digital auszugeben, ist sicher ein für viele Nutzer sinnvolles Austattungsdetail.
In der App sieht man auch das Kürzel „PEQ“, was für die Funktionen eines parametrischen Equalizers steht. So verlockend es erscheinen mag, ohne Messequipment ist die Gefahr einer klanglichen Verschlimmbesserung höher als die Chance, dem Klang zum Höhenflug zu verhelfen. Zusätzlich gibt es auch noch einige andere Möglichkeiten der Klangbeeinflussung, die wir lediglich für bewusste Veränderungen ohne Anspruch auf Klangverbesserung empfehlen würden.
Die „Grade“-Funktion muss erstmal erklärt werden: um den Erhaltungszustand von Schallplatten festzustellen – ein interessantes Feature, nicht nur für Sammler, die den Erhaltungszustand ihrer Platten objektiv beurteilen wollen, sondern auch ein recht nützliches Tool für professionelle Plattenverkäufer.
Manche dieser Funktionen wünscht man sich gern als Standard in Phonoverstärkern, egal ob am Gerät oder per App, andere sind Spielerei.
