Ortofon MC X10 – Sensationelles MC-Pickup im Test
Unlängst startete Ortofon seine MC X-Tonabnehmerserie.Deren kleinstes Modell ist das MC X10 zum Preis von knapp 300 Euro. Für diesen spielt es geradezu sensationell gut.

Es ist doch so: In den Preisklassen bis hinauf zu etwa 500 Euro dominieren MM-Abtaster das Tonabnehmer-Angebot. Erst darüber kommen die in der Regel hochpreisigeren MC-Abtaster ins Spiel und verdrängen die MMs in den höheren Ligen zunehmend ganz. Da aber selbst günstigere Verstärker oder externe Phono-Vorstufen bereits über einen auf diese Abnehmergattung ausgelegten Phono-MC-Eingang verfügen, schielen auch Vinyl-Hörer mit schmalerem Budget gern schon mal zu diesen hinüber.

Und dies wohl umso interessierter, seitdem der dänische Tonabnehmerspezialist Ortofon vor ein paar Monaten seine neue MC X-Linie vorgestellt hat. Diese besteht aus vier Modellen, die sich in der Ausführung des Nadelträgers respektive im Schliff des Abtastdiamanten unterscheiden. Zuletzt testete STEREO mit dem rund 700 Euro teuren MC X30 den zweitgrößten Vertreter der ambitionierten Reihe, der sich als Volltreffer erwies und Ortofons fein facettierte „Fine Line“-Nadel auf einem Aluminiumröhrchen trägt.
Was unterscheidet das Ortofon MC X10 von anderen Modellen?
Bereits damals hatten wir uns gefragt, was das Einstiegsmodell der Serie, also das MC X10, bringen mag. Dieses kostet satte 400 Euro weniger, bringt dafür eine einfachere, auf einem Verbindungselement aufgebrachte elliptisch geschliffene Nadel mit. Doch es beinhaltet sämtliche technischen Vorzüge der neuen MC-Familie, die nach immerhin mehr als einem Jahrzehnt Laufzeit die beliebte Quintet-Reihe der Dänen ablöste.

Da wäre zum Beispiel der stabile Innenkörper aus Edelstahl zu nennen, der in einem aufwendigen Sinterverfahren hergestellt wird, das eine amorphe Molekularstruktur des Metalls bewirkt. Dies geschieht in der Absicht, Schwingungen erst gar nicht entstehen zu lassen. Diesen soll zudem die wabenförmige Oberfläche dieses soliden Rückgrats effektiv entgegenwirken.
Eine Besonderheit bei MC X: die Dämpfung
Obendrein wurde für die MC X-Typen ein neues Dämpfungselement entwickelt. Tatsächlich ist Ortofon eine Koryphäe, wenn es um die Komposition von Kunststoffen und Gummis geht, die nicht nur enge Toleranzen einhalten, sondern sich erfahrungsgemäß als extrem alterungsbeständig erweisen. Denn meistens gibt der Dämpfer eines Tonabnehmers auf, bevor der Diamant verschleißt.

Das flexible Element führt und kontrolliert die Bewegungen des Nadel- wie des in diesem Fall kreuzförmigen Spulenträgers, der bei allen MC X-Ausführungen mit hauchdünnem Silberdraht bewickelt ist. Schließlich muss die Konstruktion auch den gehobenen Ansprüchen gerecht werden, die ein Käufer ans Spitzensystem MC X40 stellt, das einen Bor-Nadelträger samt „Shibata“-Diamanten besitzt und mit fast 1.000 Euro zu Buche schlägt. Kunden des 10ers dürfen sich über dessen in dieser Liga eher unübliche Ausstattung freuen.
Wie schlägt sich das Ortofon MC X10 in der Praxis?
In der Praxis erweist sich das MC X10 als absolut umgänglich. So sind die Gewinde für die beigepackten Schräubchen mit Torx-Kopf in die Oberseite gedreht, was die Fummelei mit Kontermuttern erspart. Der Abtaster läuft problemlos an den gängigen Tonarmen sowie den 100 Ohm Eingangsimpedanz üblicher Phono-MC-Inputs, denen er überdies die für sie genehme Spannung liefert.

Im Zuge der Hörtests, während derer das kleine Ortofon-MC entweder an Ortofons Tonarm AS-212 R lief oder aber auf dem Technics-Dreher SL-1200 GR 2, hielten wir das in einer identischen Headshell justierte MC X30 für Vergleiche bereit.
Klang des günstigen Ortofon-Tonabnehmers im Vergleich
Unser erster Eindruck: Das MC X10 klingt so gar nicht nach „Einstiegstonabnehmer“, denen oftmals – gerade wenn es sich um MCs handelt – eine gewisse farbliche Blässe zu eigen ist. Vielmehr tönt es ausgeglichen mit einer minimalen Tendenz zur Vollmundigkeit und sanft abgetönten oberen Lagen, was in deren minimaler Absenkung im Frequenzdiagramm sichtbar wird und uns fürs typische Umfeld eines solchen Tonabnehmers, dem es nicht selten ein wenig an Farbe und Fülle fehlt, genau richtig erscheint.

Zumal es dem Dänen nicht an Durchsichtigkeit und Auffächerung mangelt. Okay, im direkten Vergleich zieht das mehr als doppelt so teure MC X30 den größeren Raum auf, löst das Klangbild leichter und weiter von den Boxen und bietet mehr Luftigkeit wie audiophiles Flair.
Doch was dem 10er, das ohne jede Schärfe oder Rauigkeit spielt, in Sachen innerer Ordnung, Auffächerung und Ausdruck gelingt, ist schlicht eine kleine Sensation. Besitzern eines guten Plattenspielers mit Wunsch nach einem MC ruft das günstige Ortofon zu: „Bitte einsteigen!“
| Ortofon | |
|---|---|
| MC X10 | |
| Produktart | Tonabnehmer |
| Internetadresse | www.ortofon.de |
| Preis in Euro (UVP) | 299 |
| Gewicht in g | 8.3 |
| Deutschlandvertrieb | Ortofon Deutschland |
| Kontakttelefonnummer | +49 251 20263053 |
| Tonabnehmer-Typ | Low Output-MC |
| Empfohlene Auflagekraft in Millinewton | 20 |
| Ausgangsspannung in Millivolt (1kHz/5cm/s) | 0.45 |
| Nadelnachgiebigkeit in Mikrometer pro Millinewton | 12 |
| Labormessung 70 % | sehr gut 1,4 |
| Frequenzgang | sehr gut |
| Kanalgleichheit | sehr gut |
| Abtastfähigkeit | sehr gut |
| Handhabung & Ausstattung 30 % | gut 1,7 |
| Lieferumfang | sehr gut (Nadelschutz, Schrauben, Schlüssel, Nadelbürste) |
| Haptik & Verarbeitung | sehr gut |
| Anschlüsse farblich markiert | ja |
| Gewinde vorgebohrt | ja |
| Qualität der Anleitung | befriedigend (nur Basisinformationen in Form von Bildern und Piktogrammen, QR-Code für Online-Anleitung) |
| Garantie in Jahren | 2 |
| Praxis-Note | sehr gut 1,5 |
| Klangbeschreibung | nicht nur angesichts der günstigen Preisklasse ein sehr ausgeglichenes wie ausgefeiltes Klangbild |
| Klangqualität | 73/100 |
