Nothing Headphone (1) im Test: Viel Extravagant, außer dem Preis

Nothing bietet ungewöhnliches Design – was bei den „Headphones 1“ mit smarter Technik und „Sound by KEF“ kombiniert wird. Gelingt das?

Testfazit: Nothing Headphone (1)

Nothing will anders sein und zieht diesen Anspruch bei Design und Steuerung konsequent durch. Dahinter versteckt sich ein nicht extrem teurer, aber sehr gut ausgestatteter Kopfhörer. Das kommt auch dem Klang zugute, der in seinem aktuellen Stand bereits gut ist, aber vor allem dank der vielen Sound-Optionen interessant.
Praxisnote: gut 1,9
Klangpunkte: 74 / 100

Pro

  • Sehr viele Klangoptionen
  • Transparency sehr gut
  • Klang generell sauber.

Contra

  • Nicht faltbar
  • Case etwas groß
  • etwas Druck auf den Ohren.

Auch wenn Nothing mit einem Kopfhörer (dem In-Ear „ear (1)“) startete, ist die junge britische Firma wohl primär für ihr Handy ­„Phone“ bekannt. Doch auch im Audio-Bereich entwickelt man sich weiter, was im ersten Over-Ear-Kopfhörer, dem „Headphone (1)”, resultierte. Wer die Mobiltelefone von Nothing kennt, dem ist das technische Design der Ohrhörer mit durchsichtiger Oberfläche bekannt, wobei wir jedenfalls hier im Musik-Kontext zuerst an die gute alte Kassette denken müssen.

Ein Blick auf die Website von Nothing – die mehr nach hipper Kunstausstellung als nach Onlineshop aussieht – unterstreicht, dass Design und Style hier mehr als eine Nebensache sind. Auch die Headphones scheinen in nicht wenigen Aspekten laut „wir sind anders“ zu schreien.

Das schließt etwa das Design ein sowie die rechteckige Form der Ohrmuscheln. Das Transport-Case ist generell praktisch, simpel sowie robust, im Vergleich jedoch flacher als oft bei der Konkurrenz, dafür wiederum relativ breit.

Nothing Headphone (1) im Test: Ausgefallene, aber gute Bedienung

Auch bei der Bedienung macht die britische Firma einiges anders, was aber in der Praxis gut funktioniert. Eine Gesten-Kontrolle auf den Ohrmuscheln gibt es nicht, aber trotzdem verstecken die Nothings erstaunlich viele Funktionen, die auch per App angepasst werden können. So noch nie gesehen haben wir das kleine Drehrädchen auf dem rechten Hörer, was Lautstärke sowie Play/Pause (drücken) und ANC (halten) kontrolliert. Der Kippschalter darunter versteht sich auf Wiedergabe- und Anrufkontrolle. Zuletzt ist in ungewöhnlicher Position außen auf dem Hörer ein Knopf für Sprachsteuerung.

Nutzer von markenfremden Handys werden nicht unbedingt benachteiligt, wie es teils bei Apple, Google oder Samsung der Fall ist. Die Kopfhörer bekommen aber mit Nothing Phones durchaus Bonus-Features, wie einen KI-Assistenten oder Sprachnotizen. Zur Steuerung gibt es auch für Android und iOS eine App.

In ihrem Grunddesign leicht verständlich, bietet diese viele Optionen, die unterstreichen, dass auch auf die Technik geachtet wurde. Praktisch sind ein Modus mit niedriger Latenz und die Möglichkeiten, die Steuerung etwas zu personalisieren oder einen lauten Ton über die Hörer abzuspielen, um sie einfacher zu finden.

Richtig interessant wird es bei der fast rekordverdächtigen Menge an Klangoptionen. Diese beginnen mit einem fünfstufigen „Bass Enhancer“, der mehr Tiefton-Intensität bringt, ohne selbst auf höchster Stufe „wummerig“ zu wirken. Auch gibt es ein paar EQ Presets sowie die Möglichkeit, in einem Rad aus „Bass, Höhen, Mitten“ einfache Anpassungen vorzunehmen.

Nothing mit fast unglaublich vielen Anpassungsmöglichkeiten

Dem folgt ein 8-bändiger parametrischer Equalizer für sehr detaillierte Einstellungen. Das dritte EQ-Fenster ist „Erkunden“, in dem Nothing die EQ-Einstellungen von Nutzern der Kopfhörer, die diese geteilt haben, bereitstellt. Zudem gibt es eine automatisierte EQ-Erstellung, in der man Testtöne auf die Ohren bekommt und in der App angibt, ob man sie hört oder nicht – was in unserem Fall zu einer kleinen Verbesserung führte, mit mehr Klarheit im Klangbild sowie authentischeren Mitten.

Weiter geht es mit räumlichem Audio, wofür Nothing eine optionale Umwandlung anbietet. Diese lässt den Klang etwas „distanzierter“ von den Ohren erscheinen, er ist höher und weiter, wirkt dafür etwas dünner, vor allem bei Stimmen – ein je nach Musik interessantes Experiment.

Alternativ gibt es Headtracking, womit der Sound der Headphones so dargestellt wird, als würde er von vorne kommen. Drehen des Kopfes führt also dazu, dass nur noch auf einem Ohr Sound ist. Zudem wird die Klangbühne etwas vor den Kopf gesetzt. Das ist erst mal gewöhnungsbedürftig und als Konzept vielleicht mehr für Filme als Studio-Musik geeignet.

ANC der Kopfhörer in der Praxis

Auch die Stärke des ANC kann in der App verändert oder auf „adaptiv“ geschaltet werden. In unserem Test verstärkt das ANC den Bass etwas, jedoch ohne den Klang aus der Balance zu werfen. Insgesamt reduzieren die Kopfhörer Außenlärm relativ gut, ohne jedoch mit den Spitzenreitern in dieser Disziplin mithalten zu können. Vor allem mit laufender Musik sollte die ANC-Leistung trotzdem in vielen Alltagssituationen mehr als ausreichen – Ruhe im Zug können wir bescheinigen.

Bemerkenswert ist die Auswirkung auf die Akkulaufzeit. Mit ANC erreicht der Nothing eine Leistung von 35 Stunden, was bereits gut ist. Ist das Noise Cancelling aber aus, erreichen die Kopfhörer satte 80 Stunden laut Hersteller. In beiden Fällen eine gute bis hervorragende Leistung, nur die Diskrepanz ist (wertungsfrei) auffällig.

Nothing
Headphone (1)
Produktart Over-Ear-Kopfhörer (Wireless)
Internetadressenothing.tech
Preis in Euro299
Abmessungen (BxHxT) in cm17,3 x 7,8 x 18,9
Gewicht (in Gramm)329
VertriebNothing
Kontakttelefonnummer+49 8001 26 62 66
Farbvarianten2 (schwarz, weiß)
Bedienung 25 %gut 2,3
Koppelneinfach
Bedienung Ohrhörer: Funktionen und Bedienungviele / einfach
App: Funktionen und Bedienungsehr viele / einfach
Tragekomfortsicher, angenehm, etwas starr und leicht erhöhter Druck
Ergonomie und Anpassbarkeitverstellbar, drehbar
Qualität der Anleitungbefriedigend
Links-Rechts-Kennzeichnungbefriedigend
Ausstattung & Funktionen 60 %gut 1,7
Akkulaufzeitsehr lang
Gleichzeitige Verbindung mit mehreren Gerätenja
Equalizerja
Auto-Pauseja
Sprachassistentenja
3D-Soundja
Analog-Anschlussja
Enthaltenes ZubehörCase, Ladekabel, Klinkenkabel
Verarbeitung und Materialgut
Mikrofon-Qualitätgut
Noise Cancellationgut
Ambient Modesehr gut, kein Rauschen, deutlich
Abschirmunggut
Service & Umwelt 15 %gut 2,2
VerpackungPappe, etwas groß
Garantie (in Jahren)2
Praxis-Note1.9
KlangbeschreibungVoll und doch gut ausgeglichen, sauber, könnte leicht offener sein
Klangqualität74/100

Obwohl sich diese Vokabel langsam wiederholt, ist auch die auditive Ankündigung des ANC ungewöhnlich. Anstatt der üblichen Wege eines Pieptons oder einer Ansager-Stimme spielen die Hörer ein „Hauchen“ an die Ohren, welches bei ANC mit einem dumpfen Schlag abgebrochen wird und bei Transparenz ausklingt – zugegeben, beim ersten Mal hat letzterer Sound uns erschreckt.

Genauso lief dem unvorbereiteten Tester unweigerlich ein kleiner kalter Schauer über den Rücken, als er im Transparenz-Modus anfing zu sprechen und sich selbst ausgesprochen deutlich in den Kopfhörern hören konnte; das ist aber eher Lob für den Modus. Denn der Transparenzmodus ist wirklich gut und leitet Geräusche von außen super verständlich sowie ohne jeglichen künstlichen Klang oder Rauschen an die Ohren.

Starker Akku, LDAC, IP-Schutz und mehr

Für die Praxis ist der Nothing auch neben seinem Akku gut ausgestattet. Musik nimmt er per USB oder AUX entgegen, und auch der Bluetooth Codec „LDAC“ ist an Bord. Zudem sind die nach IP52 sogar leicht vor Wasser geschützten Kopfhörer relativ angenehm zu tragen. Die eher starre Aufhängung der Ohrmuscheln am Bügel und der etwas erhöhte Anpressdruck sorgen für einen sicheren Sitz, aber leicht auf Kosten des Komforts. Wer mit den Headphones telefoniert, freut sich zudem über das Mikrofon, welches klar und gut verständlich Stimmen übertragt.

Dass man in der Entwicklung auch den Klang nicht aus den Augen gelassen hat, wird durch einen kleinen Schriftzug auf dem linken Hörer betont: „Sound by KEF“. Denn für die klangliche Abstimmung arbeitete Nothing mit dem renommierten Lautsprecherhersteller KEF zusammen.

Wie klingen die Nothing Headphone (1) – und wie ändert sich der Klang?

Ein Hinweis: Nothing hat bereits mehrmals den Standard-Klang der Kopfhörer per Update angepasst. Auch in unserem Testzeitraum gab es ein Update (Version 80->81), welches den Bass (etwas) verstärkte, nachdem eine vorige Version ihn laut Berichten abschwächte. Einen solchen Vorgang sehen wir extrem selten – auf der einen Seite wollen wir deutlich loben, dass so auf Kundenwünsche eingegangen wird, auf der anderen Seite bedeutet es, dass sich der Klang auch in Zukunft wieder ändern kann. Wobei etwaige Anpassungen mindestens teilweise durch den EQ ausgeglichen werden können.

Den es aber auf der aktuellen Version nicht zwingend braucht. Alle Grundlagen für guten Klang sind da: Die Nothing spielen verzerrungsfrei und mit generell guter Balance. Etwas teurere Kopfhörer können vielleicht ein wenig offener mit einem Hauch mehr Präzision spielen; aber die Nothing distanzieren sich gut von einem „billigen“, verzerrten oder unausgeglichenen Klang. Uns gefällt der Bass, Klang und Stimmen haben vollen Körper und klingen kohärent, ohne nervig zu werden – für den Preis echt gut und gefällig!



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