Marantz Model 70 im Test: Einsteiger-Amp mit High End Genen
Mit frischem Design und technischem Feinschliff präsentiert Marantz die Serie 70. Den Verstärker Model 70 nehmen wir hier unter die Lupe.

Man hat sich eine Menge Zeit gelassen bei Marantz, bis man in diesen Tagen die Weiterentwicklung des fast schon legendären Verstärkers der Baureihe 6007 samt passendem CD-Spieler offiziell vorstellte. Was verständlich und vernünftig erscheint, wenn man selbst als großer Hersteller den klanglichen Fortschritt in der Priorität über die scheinbaren oder tatsächlichen Markterfordernisse stellt. Leider sind die Zeiten hektischer Modellwechsel und die Jagd nach dem jeweils allerletzten gehypten Ausstattungsdetail noch nicht bei allen Herstellern vorbei.

Als bedauerlich im Sinne des geneigten Kunden empfinden wir das deshalb, weil es viel schwieriger und im Fall einer anstehenden Reparatur kostspieliger ist, für viele Geräte langfristig die Ersatzteilversorgung und einen qualifizierten Service sicherzustellen. Die neue Serie 70 von Marantz ist allerdings so grundlegend überarbeitet worden und unterscheidet sich optisch wie technisch so gravierend, dass man sich über die Neuentwicklung vorbehaltlos freuen darf.
Was steckt im neuen Marantz Model 70?
Schon äußerlich erkennt man die vor einiger Zeit eingeführte Designsprache mit dem runden Fenster, in dem der gewählte Eingang, die Lautstärke, Balance und Klangregelung angezeigt werden können.
Die größten Unterschiede zum Vorgänger spielen sich jedoch im Inneren ab. Ins Auge fällt, dass die Gesamtkapazität der energiespeichernden Elkos von 12.000 auf 15.000 Mikrofarad vergrößert wurde und es nun einen ebenfalls vergrößerten geschirmten Ringkerntrafo gibt. Auch bei der Positionierung von Elkos und Trafo gab es laut Marantz klangsteigernde Maßnahmen. Nun sind diese potenziellen Störenfriede des reinen Klangs weiter von allen signalführenden Leitungen und Bauteilen entfernt als im Vorgänger.

Die eigentlichen Verstärkerstufen sollen durch die neue Platzierung noch effektiver vor Rausch- und Brummanteilen geschützt werden. Marantz gibt zudem an, dass das Model 70 eine etwas höhere und stabilere Leistung auch an solche Lautsprecher abgeben kann, die einen etwas unruhigen Impedanzverlauf und erhöhten Leistungsbedarf haben.
Elektronische Lautstärke statt Poti – und ein höherer Preis
Zu Protokoll geben die Entwickler des Weiteren, dass man das klassische Poti in Rente geschickt und durch eine elektronische Lösung ersetzt hat. Diese hat auch bei geringen Lautstärken keine Auflösungsverluste, verfügt über eine deutlich bessere Kanalgleichheit, einen erhöhten Rauschabstand als klassische Potis und erlaubt darüber hinaus ein neues Platinenlayout mit kürzeren Signalwegen.

Der große Nachteil dieser Maßnahmen: Sie kosten Geld. Stand der Verstärker 6007 zuletzt für knapp 630 Euro in der Preisliste, muss man nun für den Amp 70 rund 850 Euro auf die Theke des Händlers legen, wenn man sich zum Kauf des Verstärkers entschlossen hat.
Phono, Bluetooth und HDMI-ARC: die Ausstattung
Was bekommt man außer den bereits genannten Änderungen noch für den Mehrpreis geboten? Da ist zum einen die Phonostufe zu nennen, die jetzt auch den Einsatz hochwertiger MM-Tonabnehmer lohnend machen soll. Außerdem wurde der steigenden Bedeutung von Kopfhörern Rechnung getragen und der Kopfhörerverstärker diskret und kräftig ausgelegt.
Eine Menge passiert ist auch im Bereich der Bluetooth-Verbindungen. Hier glänzt der Amp 70 mit den Kürzeln EX, TX und aptX, was Gewähr für hohe Klangqualität bietet und die Fähigkeit beinhaltet, drahtlos senden und empfangen zu können. Als Zugabe funktioniert nun auch die Steuerung des Verstärkers durch den Fernseher mittels HDMI-ARC-Verbindung, für die ein optischer Digitaleingang wegfiel.

Geblieben ist die Spezialität von Marantz, das HDAM (Hyper Dynamic Amplifier Module) in der Version SA-3, die als zentraler Baustein für den „Hausklang“ von Marantz gilt. Technisch verbirgt sich dahinter ein Operationsverstärker, der aufwendig und vergleichsweise kostspielig aus einzelnen Bauteilen wie Transistoren, Widerständen und Kondensatoren aufgebaut wird. Er hält auch bei schwankenden Temperaturen seine Spezifikationen unverändert ein. Ein solcher Aufwand ist in dieser Preisklasse absolut ungewöhnlich, denn die meisten Hersteller setzen an dieser Stelle auf einen kleinen, kostengünstigen sogenannten „Integrierten Schaltkreis“, der auf einem fertig zugekauften Chip Platz findet.
Eine hübsche und praxisnahe Idee ist den Marantz-Ingenieuren zudem mit dem separaten Subwoofer-Ausgang gelungen, der zusätzlich zum Vorverstärkerausgang an der Rückseite Platz gefunden hat. Neben den analogen Eingängen findet sich dort auch deren digitale Verwandtschaft mit je einem koaxialen und optischen Eingang.
Mit einigem Stolz verkündet hat man auch eine Verpackung, die einem geschärften Bedürfnis nach sparsamem Umgang mit fossilen Ressourcen und dem generellen Wunsch nach Umweltfreundlichkeit Rechnung trägt. Bei unserem Muster, das gleich von einer Präsentation vor Fachjournalisten den Weg zu uns fand, war der Kunststoff in der Zubehörbox bereits entfernt. Zum Start der regulären Auslieferung an Handel und Endverbraucher werden alle Geräte mit weniger Kunststoff als ihre Vorgänger verpackt sein.
Verarbeitung und Bedienung im Alltag
Hat man das Model 70 einmal aus dem Karton befreit, ist die visuelle Erscheinung nicht weniger erfreulich als die wertige Haptik, die sich beim ersten Fingerkontakt offenbart. Das symmetrische Design und die aufgesetzte, sehr hübsch gemachte massive Frontplatte mit den Bedienelementen überzeugen ebenso wie die intuitive, sofort einleuchtende Bedienung. Ein erfreuliches Detail ist auch der 6,3-Millimeter-Klinkenausgang, der bei Anschluss eines Kopfhörers die Lautsprecher stummschaltet.

Die Klangregelung für Bässe und Höhen lässt sich mittels „Direct“-Schalter überbrücken. Leider gibt es keine rastende Mittelstellung der Regler, so dass man im Zweifelsfall im Display auf die aktuelle Einstellung blicken muss. Ist dort alles in Neutralstellung, sind Sie auf der sicheren Seite, die Klangregelung ist dann definitiv ausgeschaltet.
Wie klingt der Marantz Model 70?
Gleich zu Beginn unserer Hörtests durfte die Phonosektion zeigen, dass man Rausch- und Brummproblemen sorgfältig auf den Grund gegangen ist. Hier herrscht Stille, wie man es zuweilen auch bei mehrfach teureren Phonostufen nicht erlebt. Darüber hinaus stimmte die Tonalität bei Hans Theessinks „Analogue Retrospective“ ebenso wie die Dynamikabstufungen.

Dann interessierte uns, wie sich das Model 70 gegen den vielfach teureren und überragenden Vollverstärker Model 10 schlägt. Gibt es bei bestimmten Klangeigenschaften so etwas wie eine Familienverwandtschaft? Vielleicht nicht gerade ersten Grades, aber in einem verkleinerten Maßstab. Es fehlt dem kleinen Bruder an der Gelassenheit und Souveränität des Model 10. Gleichmäßige Abstriche in allen Disziplinen lassen die Handschrift des für die Feinabstimmung verantwortlichen „Goldenen Ohrs“, Yoshinori Ogata, erkennbar werden. So wie es bis zu seinem frühen Tod 2019 auch bei den Modellen war, die Ken Ishiwata abgestimmt hatte.
Darüber hinaus wollten wir wissen, ob das Model 70 mit dem 70er-CD-Spieler nicht nur optisch, sondern auch klanglich ein überzeugendes Gespann darstellt.
Wie das Gespann den „Diving Duck Blues“ von Taj Mahal im Zusammenspiel mit Keb’ Mo’ wiedergab, war emotional ansprechend, mit einer sanften, zischelfreien Wiedergabe der Stimme und präziser, wenn auch nicht ultimativ dynamischer Impulswiedergabe.
Noch erfreulicher gestaltete sich der Hörtest bei kleinen Jazzbesetzungen wie Ray Browns „Soular Energy“, wo die Kombi harmonisch und rund, aber nicht langweilig oder gebremst aufspielend wirkte. Als das Tokyo String Quartet Haydn und Brahms spielte, erinnerte das Gehörte an das berühmte „Faust-auf-Auge“-Sprichwort. Hier reichte die Leistung von rund 70 Watt pro Kanal selbst an der Gauder Capello 40 DV locker aus, um das Auditorium zu entzücken.
So gibt es nach unseren intensiven Mess- und Hörtests keinerlei Zweifel daran, dass die Neuentwicklung trotz des gestiegenen Preises ihr Geld mit Sicherheit wert ist und jahrelang auch anspruchsvolle Ohren erfreuen wird.
| Marantz | |
|---|---|
| Model 70 | |
| Produktart | Vollverstärker, Transistor |
| Internetadresse | https://www.marantz.com/de-de/ |
| Preis in Euro | 850 |
| Abmessungen (BxHxT) in cm | 44,2 × 10,9 x 37,5 |
| Gewicht in kg | 7.9 |
| Deutschlandvertrieb | Marantz |
| Kontakttelefonnummer | 4921571373707 |
| Messwerte 30 % | gut 1,6 |
| Dauerleistung pro Kanal an 4 Ohm bei 1% Klirr (in Watt) | befriedigend (71) |
| Impulsleistung an 4 Ohm (1 kHz; in Watt) | ausreichend (86) |
| Intermodulation bei 5 Watt ( in Prozent) | sehr gut (0,0032) |
| Dämpfungsfaktor an 4 Ohm | befriedigend(31) |
| Kanaltrennung (in Dezibel) | sehr gut (83) |
| Gleichlauf-Lautstärkesteller (in Dezibel) | sehr gut (0,2) |
| Obere Grenzfrequenz (in kHz) | sehr gut (>80) |
| Klirrfaktor bei 5 Watt (in Prozent) | sehr gut (0,004) |
| Rauschabstand bei 5 Watt (in Dezibel) | sehr gut (96) |
| FFT-Spektrum | sehr gut |
| Stromverbrauch Leerlauf (in Watt) | sehr gut (29) |
| Ausstattung 35 % | gut 1,7 |
| Haptik & Verarbeitung | gut |
| Anzahl analoger Eingänge (Cinch/XLR) | sehr gut (4/0) |
| Besondere Schnittstellen | sehr gut (Phono MM, Kopfhörer,HDMI ARC, dig. opt/koax,Pre out, Sub out |
| Klangregelung oder Raumeinmessung | ja |
| Pre-Out | ja |
| Farbvarianten/Ausführungen | gut(schwarz/champagne ) |
| Harter Netzschalter | nein |
| Handhabung & Bedienung 35 % | gut 2 |
| Qualität der Fernbedienung | gut |
| Bedienung am Gerät / Anzeige & Display | sehr gut |
| Qualität der Anleitung | gut |
| Garantie (in Jahren) | befriedigend (2) |
| Praxis-Note | 1.8 |
| Klangbeschreibung | sehr natürlich und räumlich klingend, aber relativ wenig Leistung |
| Klangqualität | 66/100 |
