Creative Pebble Nova: Was können die Audio-Kugeln für den PC?
Form follows function. Daher sind Lautsprecher, bei denen der Fokus auf dem Design liegt, klanglich mitunter schwierig. Es geht aber auch anders, wie Creative mit den Pebble Nova zeigt.

Kann Musik eigentlich bedrohlich wirken? Antwort: Wenn man sich Aufnahmen des Top Secret Drum Corps über die neuen Creative Pebble bei eingeschalteter Bass-Optimierung anhört, bekommt man selbst am Schreibtisch einen sehr guten Eindruck, warum die Trommler in früheren Armeen dazu da waren, die Feinde einzuschüchtern. Und auch „Valhalla Calling“ von Miracle Of Sound klingt über diese Speaker eher so, als würde sich gleich Thor mitsamt seinem Hammer Mjölnir vor einem aufbauen.
Creative Pebble Nova: Klein und elegant
Dass nun ausgerechnet die Creative Pebble Nova Angst machen können, hat man zunächst wohl kaum auf dem Schirm. Die kleinen, kugeligen PC-Lautsprecher haben einen hohen „Will haben“-Faktor, sehen vor allem bei der leicht aufgeständerten Aufstellung sehr elegant aus; ein dezenter LED-Ring sorgt für eine leicht futuristische Anmutung. Die Farben der LEDs lassen sich ebenso verändern wie das Leuchtverhalten. Komplettes Abschalten funktioniert ebenfalls. Insgesamt wirken die Boxen ohne oder mit nur dezentem Lichtspiel sehr grazil, was sie für jeden Designerschreibtisch qualifiziert. Zudem sind sie um 45 Grad nach oben gerichtet, was den Schall direkt zu den Ohren orientiert, wenn man vor seinem PC sitzt..

Angeschlossen werden die Pebble Nova idealerweise via USB-C-Kabel. Sie besitzen einen eigenen DA-Wandler, für dessen Steuerung man sinnvollerweise noch eine entsprechende Software installiert. Zwar gibt es auch auf dem Masterlautsprecher Steuerelemente, aber die sind je nach Aufstellort nicht immer bequem zu erreichen. Eine Verbindung via Bluetooth ist ebenfalls möglich, wobei auch hier dann eine App zum Anpassen des Klangs genutzt werden kann. Bei Bedarf gibt es zudem noch einen AUX-Eingang, der aber am schlechtesten konfigurierbar ist.
Praktisch in dem Kontext: Die Stereo-Lautsprecher können softwareseitig vertauscht werden, was das Platzieren des Masters in der Nähe des PCs und/oder der Stromversorgung sehr vereinfacht. So spart man sich ewig lange Kabel, die womöglich noch aufwendig am Schreibtisch versteckt werden müssen.
Wuchtiger Klang der Creative Pebble
Schon beim ersten Hören ohne jegliche Klangoptimierung fällt auf, dass die Koaxial-Lautsprecher der Pebble, bestehend aus einem 3-Zoll-Treiber und einem 1-Zoll-Hochtöner, nicht nur über einen hohen Dynamikumfang, sondern auch über ein für solche kleinen Boxen unglaubliches Klangvolumen verfügen, welches sie vor allem auch jederzeit abrufen können.

Dabei mag die Grundeinstellung manchem etwas zu basslastig vorkommen, aber das lässt sich dann per Equalizer problemlos ändern. Dafür klingt beispielsweise „Blue Monday“ von New Order vom Start weg unglaublich gut, zumal auch gleichzeitig die Höhen und Mitten sehr präsent sind. So schwebt beispielsweise beim Cranberries-Klassiker „Zombie“ Dolores O’Riordans Stimme mit beeindruckender Präsenz über dem instrumentalen Teppich. Und wenn sich Sandra Nasic von Guano Apes bei Lord Of The Board stimmlich fast überschlägt, quittieren die Creative-Kugeln das höchstens mit einem akustischen Schulterzucken. In ihren Grenzbereich kommen sie dabei jedenfalls nicht.
Grenzbereich in weiter Ferne
Ohnehin gelingt es im Test nicht wirklich, eben diesen Grenzbereich auszuloten. Die Pebble Nova besitzen neben dem Equalizer in Verbindung mit der PC-Software auch eine sogenannte Acoustic Engine, die einige KI-Modi zur automatischen Klangoptimierung bietet. Dazu gehört die eher von Soundbars bekannte Funktion zur Optimierung von Dialogen bei Filmen. Oder virtueller Surround-Sound. Aber eben auch eine Bass-Optimierung, die man, wie alle Modi der Acoustic Engine, in ihrer Intensität regeln kann.

Schon mit „halber Kraft“ sorgt sie für etwas, das gerade bei Songs und Spielen, die ohnehin klanglich in die Tiefe gehen, mit Fug und Recht Bassteppich genannt werden darf, dessen Vibrationen fast körperlich spürbar sind. Das ist genau das, was einen ohnehin düsteren Song wie „Valhalla Calling“, wie eingangs schon erwähnt, nahezu bedrohlich wirken lässt. Und wer sich das komplette, dezent apokalyptische Album „Stahlwerksynfonie“ der Krupps gibt, landet früher oder später emotional zwischen Walzgerüsten und Schmelzöfen in einer düsteren Werkshalle.
Bei Musik ist das sicherlich Geschmackssache, bei Spielen oder Filmen allerdings schafft das Ganze enorm viel Atmosphäre. Stürzen vor Lara Croft irgendwelche Tempel ein, zuckt man am PC unwillkürlich zusammen. Und auch bei so manchem Horror-Adventure erhöhen die überrepräsentierten Tieftöne den Gruselfaktor deutlich. Das funktioniert, weil die Pebble Nova die unteren Frequenzen sauber modellieren und man nie den Eindruck hat, man bekäme den Bass mit der Fußmaschine der Basedrum einfach nur laut ins Gehör geprügelt.
Praktisch ist, dass sich alle diese Funktionen zur Klangregelung gemeinsam nutzen lassen, also die verschiedenen Modi der Acoustic Engine parallel zueinander und parallel zum Equalizer. Hier lässt sich also sicher für jeden individuellen Geschmack ein entsprechendes Klangerlebnis zusammenstellen.
Abstriche bei Bluetooth
Wer die Pebble Nova per Bluetooth verwendet, kann trotz App nicht auf das komplette Spektrum der Möglichkeiten zugreifen. Die Acoustic Engine ist hier nicht implementiert, es bleibt beim normalen Equalizer. Dennoch sind die Lautsprecher auch fürs Smartphone oder das Tablet ein echter Soundbooster. Denn hier fühlt sich die einsetzende Basedrum bei Metallicas „Nothing Else Matters“ ebenfalls noch wie ein kleiner Schlag in die Magengrube an, weil man selbst ohne elektronische Tricks einmal mehr von der Wucht des Klangs überrascht wird.

Unbeantwortet ist noch die Frage, wie denn Musik klingt, die nichts mit Synthesizern, Stromgitarren und Drumkits zu tun hat. Hierzu ist zu sagen, dass die Kugeln allein schon wegen ihres Aufstellkonzepts als PC-Lautsprecher für den Schreibtisch kein wirklich präzises Stereodreieck bilden können. Es ist also kaum möglich, dass man bei Beethovens „5.“ exakt die Position des ersten Violinisten bestimmen kann. Was die Boxen aber sehr gut transportieren können, ist die orchestrale Wucht dieser Sinfonie. Auch den voluminösen Klang einer Kirchenorgel, die Bachs „Toccata und Fuge“ in d-Moll erklingen lässt, stellen die Pebble gut dar.
Aber sie sind hier in Sachen klanglicher Detailverliebtheit sicher nicht das Ende der Fahnenstange, was vermutlich aber auch niemand erwartet. Experimental-Jazz, der oft vom präzisen Erfassen seiner Multitonalität lebt, ist daher nicht die Paradedisziplin der Speaker, klingt aber dennoch ordentlich. Am Ende bleibt es trotzdem erstaunlich, wie treffend die Speaker es schaffen, den meisten Musikstilen Körperhaftigkeit und Atmosphäre zu verleihen.
