Klipsch The Nines II im Test: Horn-Boxen mit Streaming & AV-Features

Mit „The Nines II“ schickt Klipsch zum 80. Firmenjubiläum seine neue Generation Aktivboxen in den Testring – inklusive Streaming, Raumkorrektur, AV-Features und „Powered by Onkyo“.

Klipsch The Nines II

Testfazit: Klipsch The Nines II

Die Klipsch The Nines II vereinen wuchtigen, tief reichenden und zugleich balancierten Klang mit einer üppigen Streaming- und AV-Ausstattung samt Dirac-Raumkorrektur – ein spannendes, wenn auch nicht kleines Gesamtpaket.
Praxisnote: gut 2,2
Klangpunkte: 78 / 100

Pro

  • Wuchtiger und balancierter Klang
  • Sehr umfangreiche Anschlüsse
  • Dirac-Raumkorrektur inklusive

Contra

  • Deutsche App-Übersetzung nicht perfekt
  • USB-Musik ohne Navigation
  • Wenig Steuerung am Gerät

Das Jahr 2026 ist ein Jahr mit vielen hohen HiFi-Geburtstagen, einer davon der vom Namensgeber Paul W. Klipsch vor 80 Jahren gestartete Hersteller Klipsch. Zu besagtem Jubiläum bringt die amerikanische Marke auch eine Sonderversion des vielleicht bekanntesten Produkts der eigenen Geschichte, des Klipschorns. Dass Klipsch aber nicht nur in Nostalgie schwelgt, sondern auch „modern“ kann, will hingegen die neue Generation kompakter Aktivlautsprecher beweisen, deren Flaggschiff The Nines II wir hier genauer untersuchen.

Was auch Teil der Firmengeschichte ist, ist die aktuelle Eignerschaft der Marke, denn seit einigen Jahren ist Klipsch Teil der Premium Audio Company (die wiederum seit 2025 zu Gentex gehört) – welche ebenso Onkyo beinhaltet, zeitgleich im 80. Jubiläumsjahr. Auf diese Expertise bei Verstärkern und AV-Komponenten wollte sich Klipsch nun explizit berufen, sodass das komplett neu entwickelte Innenleben – die wohl größte Veränderung zur vorigen Generation – „Powered by Onkyo“ ist.

Die Klipsch-DNA und damit auch stets amerikanisches (HiFi-)Flair sind aber trotz der japanischen Onkyo-Connection schnell zu erkennen. Während andere Streaming-Boxen in diesem Preisbereich eher auf ein möglichst kompaktes Design setzen, wirkt das hier schon etwas wie „bigger is better“. Dass es mit kleinerem Gehäuse schwierig wäre, einen 8-Zoll-Tieftöner und ein aufwendiges Tweeter-Horn unterzubringen, ist aber auch klar. Und ohne Letzteres wäre es ja keine echte Klipsch, oder?

Was steckt in den Treibern der Klipsch The Nines II?

Der Hochtöner aus Titan arbeitet natürlich mit dem Klipsch-eigenen „Tractrix“-Horn, dessen spezieller Aufbau unter anderem dafür sorgen soll, dass der Hochton besonders breit abgestrahlt wird. Das ist auch eines der Ziele der neuen, einteiligen Schallwand, in welche das Horn eingelassen wurde. Währenddessen nun abgerundete Kanten die Klangbühne verbreitern sollen, verspricht das neue Design ebenfalls höhere Stabilität für niedrige Verzerrungen.

Auch beim Tieftöner setzte Klipsch an, sodass die neuen Nines, abgesehen vom Konzept, augenscheinlich nur noch wenig mit ihrem Vorgänger zu tun haben. Was gleichermaßen auch für die kleineren Fives II und Sevens II gilt. Bei allen arbeitet nun der Klipsch-eigene „Jet Cerametallic“-Woofer in absteigenden Größen für ein Plus an Definition im Bass.

Ebenso wurde das Konzept angepasst: Anstatt aktivem Master und passivem Slave sind nun beide Boxen aktiv, mit eigenem Stromkabel. Am Hauptlautsprecher, der alle Eingänge trägt und dessen Position frei bestimmt werden kann, gibt es zudem ein Drehrädchen für Lautstärke sowie einen Knopf zum Umschalten der Eingänge. Die Boxen können für eine flexible Aufstellung kabellos kommunizieren, werden sie per Kabel verbunden, steigt die maximale Auflösung von 48 kHz auf 24 Bit/96 kHz.

Streaming, HDMI und XLR: die Anschlüsse im Überblick

Während die Vorgänger-Nines klassische Aktivboxen waren, hat Generation II dank Onkyo-Innenleben tatsächlich auch das Streamen gelernt. Und sie sind dabei auf der „Haben“-Seite stark aufgestellt, mit einer Protokoll-Vollausstattung aus Spotify, Tidal und Qobuz Connect, Airplay, Google Cast, UPnP und auch Roon. Bluetooth gibt es ebenso, der vielleicht wichtigste physische Eingang ist wiederum HDMI eARC für den TV, ein zweiter HDMI-Input steht ebenfalls bereit. Neu sind auch die symmetrischen Eingänge. Kleine und feine Upgrades sind zudem USB-C für Computer (vorher nur USB-B), jeweils ein eigener Input für Phono und Cinch (vorher umschaltbar plus Mini-Klinke) sowie ein koaxialer Digitaleingang zusätzlich zum optischen des Vorgängers. Gleich bleibt der Subwoofer-Ausgang.

Zuletzt gibt es einen USB-Slot für Sticks. Dieser ist sowohl sehr einfach zu nutzen, als auch möglicherweise komplizierter als meist üblich. Denn es gibt keine Navigation durch die Inhalte des Sticks. Einerseits bedeutet das, dass direkt die Musik startet, sobald er steckt, andererseits auch, dass dies eben die erste Musik ist, die das System findet, und Songauswahl nur über „nächster Song“ auf der Fernbedienung möglich ist.

Klipsch-App und Klangmodi: Neutral, Musik oder Film?

Aber vielleicht kommt ein solches Feature noch in die App, die zusätzlich zur Fernbedienung die vielseitigste Steuerungsmöglichkeit ist, wenn auch ohne eingebautes Streaming. Ihre deutsche Übersetzung müssen wir aber etwas kritisieren: Etwa im EQ „Felsen“ für „Rock“ oder „Wohnung“ für „Flat“ sind technisch korrekte Übersetzungen und ganz witzig, aber eben das hier falsche Wort.

An der insgesamt guten Nutzbarkeit ändert das nichts, auch so lassen sich der 5-Band-Equalizer und andere Optionen einstellen. Letztere deuten erneut auf die AV-Welt hin, etwa die Modi „Neutral, Film, Musik“. In Neutral ist die Option für den Nachtmodus nicht anwählbar, die bei den anderen optional den Bass abschwächt. Einen dreistufigen Stimmverstärker für Videoinhalte gibt es auch sowie einen dynamischen Bassverstärker. Der passt den Bass je nach Lautstärke an und liefert somit auch auf niedrigerem Volume volleren Bass – durchaus praktisch.

Für audiophiles Hören würden wir stets „Neutral“ ohne jede Verarbeitung empfehlen. „Musik“ ist eher subtil, im Messlabor sehen wir eine kleine Anhebung im Hochton, auf Surround-Effekte und Virtualisierung wird verzichtet. „Film“ hat den „immersiven“ Klang im Fokus, virtualisiert das Signal und gibt einen Surround-Boost, um die Räumlichkeit zu erhöhen. Hier sieht die Messtechnik einen Boost im Bass sowie im Hochton, mit reduzierten Mitten – Paradebeispiel für die „Badewannen“-Abstimmung.

Klanglich unterhält das bei Filmen gut: Alles wird wuchtiger, größer und dramatischer, auch „Musik“ bringt schon ein bisschen mehr Präsenz als „Neutral“. Nicht, dass es da flach und fad klingen würde, im Gegenteil: Die Klipsch spielen räumlich weit, füllen diese Bühne aber voluminös und schnell. Genau dieses Volumen, das man bei Kompaktboxen nicht direkt erwartet, macht dann oft den Ausschlag. „Farewell Wanderlust“ von The Amazing Devil etwa bekommt mit dem Tiefgang, Punch und Stimmvolumen der Klipsch erst die vom Song geforderte Dramatik.

Dolby Atmos und DTS:X: ernstgemeinte AV-Möglichkeiten

Die Klangmodi zeigen zudem erneut: Die AV-Integration ist nicht beiläufig „man kann auch einen TV anschließen“ –, sondern hebt Musik- und Filmklang eher auf ein ähnliches Level. Da hilft wieder die Onkyo-Connection und ihre AV-Erfahrung.

Zum AV-Paket gehören zudem eine Dolby-Atmos-Zertifizierung sowie HDMI Passthrough. Letzteres bedeutet, dass über den zweiten HDMI-Port das Videosignal eines Blu-ray-Spielers und Ähnliches durchgeschleift werden kann, während die Klipsch sich um den Sound kümmert. Exklusiv in der Serie bei den Nines II gibt’s zudem DTS:X.

Dirac-Raumkorrektur im Test: So klingen die Klipsch The Nines II

Ebenfalls in den Nines (und Sevens) integriert ist die Raumkorrektur-Software Dirac. Beiliegend sind ein Messmikro und die Lizenz für „Limited Bandwidth“, die Korrektur bis 500 Hz, was meistens reichen sollte, da der Bass am stärksten vom Raum beeinflusst ist. Der volle Frequenzbereich oder die Subwoofer-Korrektur kann nachgekauft werden.

Anders als meistens muss kein Computer genutzt werden, alles läuft komplett reibungslos über die Klipsch-App. Die Computer-Messung ist auch möglich (mind. 9 Messpositionen, Zielkurve anpassbar), zusätzlich zur etwas weniger umfangreichen App-Lösung (3 Positionen). Aber letztere ist einfacher zu nutzen und kann dem Raum bereits Nachteile entziehen, was bei uns ebenfalls super klappte.

Wird man so etwa einem kleinen Raumdröhnen Herr, machen die antreibenden Partyfähigkeiten der Klipsch noch mal mehr Spaß. Soll übrigens nicht heißen, dass sie nur zum Headbangen geeignet sind: Die tiefe Bühne und die saubere Platzierung aller Elemente darauf können ebenso zum Entspannen einladen – der Klang droht nie in eine nervige Richtung zu gehen, bietet Natürlichkeit und Langzeittauglichkeit, immer mit passendem, aber nie übertriebenem Unterbau.

So sieht gute Zusammenarbeit aus: Klipsch optimiert seine Boxen von hinten bis vorn und bekommt von Onkyo einen hochwertigen Streaming- und AV-Verstärker eingebaut. Das macht bei Filmen Spaß, büßt dafür aber keinerlei Qualität bei Musik ein, wo The Nines II für Druck und große Bühne genauso geeignet sind wie für ruhige, emotionale Momente.

Klipsch
The Nines II
Produktart Kompaktlautsprecher Aktiv mit Streaming
InternetadresseKlipsch.com
Preis in Euro2,499
Abmessungen (BxHxT) in cm24,5 x 45 x 40
Gewicht in kg14,9 (Master), 14,4 (Slave)
DeutschlandvertriebPremium Audio Company
Kontakttelefonnummer+49 2234 8070
Prinzip2-Wege, Bassreflex
Kommunikation zwischen Lautsprechernkabellos oder per Kabel
Infos zur Empfohlenen AufstellungAuf Ständern, frei, eingewinkelt
Klangqualitättiefreichend und wuchtig, gleichzeitig balanciert und breit
Messwerte 30 %gut 2
Frequenzgang gut
Sprungantwort sehr gut
Verzerrungen bei 63/3k/10k Hz (in Prozent)befriedigend (0,54/0,25/0,14)
Stromverbrauch Leerlauf (in Watt)gut (10,3)
Ausstattung 35 %gut 1,9
Klangkorrektur möglichja, Raumkurrektur, EQ, etc.
GehäuseausführungenRed Oak, Walnut, Ebony
LieferumfangAbdeckung, HDMI-Kabel, Mikrofon
Haptik & Verarbeitunggut
AnschlüsseCinch, XLR, Phono, optisch, koaxial, USB, HDMI (2x)
Bluetoothja
Erweiterbarkeitnein
StreamingstandardsAirplay, Google Cast, Spotify/Tidal/Qobuz Connect, UPnP/DLNA, Roon
Musik-Formatesehr viele, inkl. HiRes bis 24/96
USB-Datenträgerja
Harter Netzschalternein
Bedienung 35 %befriedigend 2,6
Aufstellungeinfach
Erste Inbetriebnahmeeinfach
Qualität der Fernbedienunggut
Bedienung am Gerät / Anzeige & Displaybefriedigend
Qualität der Anleitunggut
Qualität der Appbefriedigend
Garantie in Jahren2
Praxis-Note2.2
Klangbeschreibungtiefreichend und wuchtig, gleichzeitig balanciert und breit
Klangqualität78/100


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