KEF LS Luxe im Test: Luxus-Boxen & High Tech vereint
Extravagantes Design und innovative Entwicklungen sollen die brandneuen Streaming-Lautsprecher LS Luxe von KEF zu einem begeisternden Erlebnis machen.

Sie sind mehr oder weniger Quintessenz sowie Referenz für kompakte Streaming-Lautsprecher der etwas höheren Klasse: KEFs LS 50 Wireless. Jahrzehnte der Erfahrung im Boxenbau der britischen Marke kombiniert mit einer ausgeklügelten Digitalplattform haben den Modellen viele Fans sowie Ableger in anderen Größen beschafft. Nun bekommt diese „Wireless“-Familie mit den LS Luxe ein neues Mitglied – welches jedoch bis zum Rand vollgepackt mit Neuerungen ist, und damit möglicherweise eigenständiger als alle bisherigen Geschwister.
Wie sich nicht zuletzt über die aufgedruckte Signatur auf der Rückseite zeigt, stammt die Optik dieser Lautsprecher vom Designer Ross Lovegrove. Mit ihm hat KEF schon öfters für die Optik ihrer Modelle zusammengearbeitet, von den Ultra-High-End-Lautsprechern Muon bis zur Bluetooth-Box Muo.

Der moderne Designer-Look, ein Name wie „Luxe“ und der nicht mehr unbedingt einsteigerfreundliche Preis von 4.000 € könnten durchaus den Anschein erwecken, die Lautsprecher zielen mehr auf ein Publikum, das Luxus-Accessoires sucht, anstatt dem klassischen Technik-verliebten Audiophilen. Was wiederum implizieren könnte, dass der Klang nicht der Hauptfokus der Entwicklung wäre.
Was steckt hinter dem Design der KEF LS Luxe?
Dass dem nicht so ist, wird in Anbetracht der technischen Details aber sehr schnell klar. Denn die LS Luxe sind nicht einfach nur eine Designer-Version der KEF-Aktivplattform, sondern prall gefüllt mit ausgeklügelten Ideen – für die es technisch tief in den Lautsprecherbau geht.
Das fängt beim Design an: komplett abgerundete Kanten mit einer fast kugelartigen Form sind zwar nicht typisch HiFi. Aber doch klanglich wertvoll, da bei einer runden Front ohne störende harte Kanten die Schallverteilung besser kontrolliert werden kann. Zudem soll eine runde Form Vorteile bei der Stabilität gegenüber eckigen Designs bieten, so KEF.

Somit weder „Form follows Function“ noch das Gegenteil, aber ein Zusammenspiel: Sowohl Designer als auch Entwickler freuen sich über abgerundete Kanten, also spricht nichts dagegen. Auch die Metallrippen neben der rückseitigen Bassreflexöffnung mögen erstmal wie ein ausgefallenes Designelement wirken, aber dienen zur Kühlung des Verstärkers und sind demnach auf eine große Oberfläche ausgelegt.
Ein weiterer Vorbehalt gegenüber den Boxen – den wir zugegeben beim ersten Betrachten auch kurz hatten – hängt mit ihrer Größe zusammen. Denn die LS Luxe sind kaum größer als die weiterhin parallel erhältlichen LS 50, lediglich wenige Zentimeter in Breite und Höhe. Kosten aber doch deutlich mehr. Doch hier kommt die erste große Veränderung: das Material der Luxe. Hier nutzt KEF für das gesamte Gehäuse den Werkstoff „BMC“, den die Firma etwa schon für die Schallwand der LS 50 nutzte. Dieser „Bulk Moulded Compound“ ist, wie der Name sagt, ein komplexer Mix („Compound“) aus verschiedenen Stoffen, unter anderem Glasfaser und diverse Harze.
Der Unterschied der LS Luxe zu anderen KEF-Boxen
Vorteil dieses Materials ist laut den Entwicklern einerseits, dass es besser formbar ist als Holz, was die runde Form und ihre Vorteile überhaupt erst ermöglicht. Andererseits verspricht es auch eine ausgesprochen hohe Stabilität.
Und so kann KEF auf innere Versteifungen verzichten, ohne Abstriche bei der Stabilität machen zu müssen. Das Resultat ist ein vergleichsweise hohes Innenvolumen, die Luxe kommen auf etwas über 10 Liter, im Vergleich etwa zu 6-7 Litern bei den LS 50. Und wie jeder HiFi-Fan weiß: mehr Volumen bringt mehr Potenzial im Bass, der ewige Nachteil von kompakten Lautsprechern.

Das zeigt zudem, wie KEF an die Entwicklung der neuen Lautsprecher ging. Die LS 50 Wireless etwa wurde als aktive Version der bewährten LS 50 gebaut, die LSX als kleinere Version davon und die LS 60 als größere. Laut KEF-Entwickler Prathmesh Thakkar hingegen war bei der Luxe aber von Anfang an klar, dass ein eigenständiger Aktivlautsprecher entstehen soll. Also nicht wie zuvor eine „Aktivierung“ eines passiven Konzeptes oder eine Anpassung eines bestehenden Systems, sondern ein grundlegendes Neudesign eines Aktivlautsprechers – unter Einbeziehung der Erfahrungen aus dem Bau anderer Boxen, passiv und aktiv.
Der UniQ-Treiber der 12. Generation im Detail
Der nächste große Punkt mit vielen Neuerungen ist der Treiber. Wie quasi immer bei KEF haben wir hier den hauseigenen „UniQ“-Treiber als Koaxial-Modell vor uns, in welchem der Hochtöner mittig im Tiefmitteltöner sitzt. In seiner inzwischen 12. Generation hat er schon viele Verbesserungen mitgemacht, die natürlich auch hier genutzt werden. Etwa die „MAT“-Technologie, eine Scheibe mit labyrinthartiger Geometrie aus speziellem „Metamaterial“, welche den rückwärtigen Schall des Hochtons präzise ableitet sowie absorbiert und so gegen Verzerrungen wirkt.

Ganz nebenbei ist der zusätzlich von der Schallwand entkoppelte UniQ, bzw. seine Tiefton-Membran, hier mit 16,5 Zentimetern Durchmesser eher groß. Zum Vergleich misst er bei der LS 50 W II 13 cm, und auch die LS60 oder die High End-Passivmodelle Blade oder Reference sind dort etwas kleiner – wenn auch dafür mit Unterstützung anderer Treiber, während die Luxe „nur“ auf das Koax-Chassis setzt. Größe ist natürlich nicht alles, aber ein Strich mehr auf der „haben“-Seite der neuen Boxen. Und so langsam können wir auch aufhören, die Luxe direkt mit der LS 50 zu vergleichen – denn die Unterschiede werden nur noch größer.

So wird der UniQ hier nun erstmals mit einer neuen Technik kombiniert, die ebenfalls im Treiber sitzt. Und aus der Entwicklung der Soundbar XIO kommt. Nämlich die neue „VECO“-Technologie („Velocity Control“), welche KEF nun im Tieftöner des UniQ-Konstruktes einsetzt.
Wie funktioniert die VECO-Technologie von KEF?
Dabei ist VECO im Prinzip eine Art Gegenkopplung, eine Feedback-Schleife für den Klang. Das Signal wird live analysiert, diese Analyse an die Elektronik zurückgespielt, die dann kleine Korrekturen vornimmt und so Verzerrungen erkennt und ausgleicht.
Grundlegend ist das keine neue Idee, die konkrete Umsetzung aber schon. Analysiert wird nicht das Signal auf digitaler oder elektronischer Ebene, sondern die Bewegung der Membran. Dazu wurde die Antriebseinheit des UniQ-Konstruktes aufwändig umgebaut; wie Thakkar uns berichtet, die größte technische Herausforderung in der Entwicklung. Unter der Schwingspule sitzt nun eine zweite Spule, die Sensorspule. Bewegt sich die Schwingspule – was ja wiederum die Membran bewegt – bewegt sich also letztere mit.

Das dreht im Prinzip die Funktionsweise eines Treibers um, indem diese Bewegung in Verbindung mit dem patentierten VECO-Magnet-Sensor-System Spannung erzeugt. Das wird an die Elektronik zurückgespeist, die somit exakt weiß, wie sich die Membran wirklich bewegt. Natürlich haben die britischen Entwickler auch an das vielleicht offensichtliche Problem gedacht, dass zwei Spulen in einem Motorsystem sich gegenseitig beeinflussen würden, was wiederum den Nutzen der Messung reduziert. Also wurde die Sensorspule speziell so gewickelt, dass sie nur ihr „eigenes“ Signal berücksichtigt, inklusive eigenen Magneten.
Stromverstärker statt Spannungsverstärker: was bringt das?
So viel zum UniQ, aber auch der Verstärker wurde angepasst, obwohl die Aufteilung von 280 Watt Class D für den Tieftöner und 100 Watt Class AB für den Hochtöner identisch zur LS 50 ist. Aber trotzdem gab es hier einen konzeptionellen Umbau. Denn KEF nutzt bei den LS Luxe einen Stromverstärker anstatt dem sonst quasi immer im HiFi genutzten Spannungsverstärker. Letzterer gibt Spannung an die Lautsprecher, und die Impedanz bestimmt, wie viel Strom effektiv gezogen wird.
Ein Stromverstärker hingegen liefert direkt den Strom an die Lautsprecher. Großer Vorteil laut KEF bei einem solchen Stromverstärker sind niedrigere Verzerrungen, da so die Impedanz aus der Rechnung genommen wird; sie ändert sich meist je nach Frequenz oder sogar Temperatur, also ändert sich auch die Rechnung aus ihr und der Spannung, was wiederum für Verzerrungen verantwortlich gemacht wird, die somit bei Stromverstärkern reduziert werden sollen. Auf der anderen Seite treten bei Stromverstärkern jedoch höhere mechanische Resonanzen auf. Denn die vom Treiber generierte „Gegen-EMK“ (Eletromotorische Kraft), die sonst unerwünschtes Schwingen bedämpft, hat hier keine Auswirkungen. Das Ergebnis wäre ein unkontrollierter Tiefton-Peak.

Das schließt den Kreis zu VECO, was die Rolle der Gegen-EMK einnehmen und diese Resonanzen im Tiefton kontrollieren soll. Da zeigt sich der „ganzheitlich gedachte“ Aktivlautsprecher, in den ein Stromverstärker eingebaut werden kann, weil die automatische Korrektur eben dessen Nachteile ausgleicht. Der Hochtöner arbeitet ohne VECO, hier übernimmt MAT die benötigte Bedämpfung.
KEF LS Luxe in der Praxis: Anschlüsse, App und Streaming
Gehen wir auf die praktische Seite, wo durchaus ein Minuspunkt aus dem Designkonzept kommt. Die LED unter der Hauptbox zeigt zwar per Farbcode den Eingang an, was schonmal mehr ist als bei einigen Konkurrenten. Aber Knöpfe oder Ähnliches gibt es nicht, bis auf den Netzschalter muss man sich bei den LS Luxe immer auf die Fernbedienung oder die App zur Steuerung verlassen. Oder die in letzterer eingebauten Sleep-Timer, Wecker und „Weckquellen“. Zudem liegt den Boxen die schicke Fernbedienung C3 bei, bei bisherigen LS-Modellen nur optional.
Für digitale Musik stehen HDMI, optisch und koaxial bereit, analog hingegen bleibt es sparsam, hier bietet KEF nur 3,5 mm-Miniklinke an. Theoretisch hätten wir uns etwa den Phono-Input der kleinen Coda W gewünscht – doch in der Realität sind wir hier in einer Preis- und Qualitätsklasse, in der eine separate Phono-Stufe meist mit zum Setup gehört. Bleibt nur, ein hochwertiges Cinch-Miniklinken-Kabel zu organisieren.

Apropos Kabel: Die Boxen kommunizieren kabellos untereinander bis zu einer Auflösung von 96 kHz, per mitgeliefertem RJ45-Kabel geht es auf 192 kHz (je 24 Bit). Generell kann der DAC bis zu 384 kHz sowie DSD verarbeiten, alle Signale werden zuerst durch einen DSP geschleust, KEFs klangoptimierende und auf die Luxe angepasste „Music Integrity Engine“.

Weiterhin sind die LS Luxe natürlich auf Streaming ausgelegt und arbeiten mit KEFs bewährter „W2“-Plattform. Spotify, Tidal, Qobuz (Connect), Amazon, Deezer und Highresaudio, Google Cast, Airplay, Roon, UPnP, Internetradio, Bluetooth; mehr geht kaum. Musiksteuerung und Favoriten sind dabei, wie auch Einstellungen für Klang und Subwoofer – mit Presets für KEF-Modelle. Letztere können neben den Kabelverbindungen auch über den optionalen Sender „KW-1“ befeuert werden; die USB-C-Buchse auf den Luxe ist rein für dessen Stromversorgung gedacht. Die Klangsettings optimieren unter anderem für Aufstellung auf einem Tisch oder nahe einer Wand, auf Wunsch über cm-Abstände oder für „Experten“ per dB.
Wie klingen die KEF LS Luxe im Hörtest?
Frei aufgestellt auf Ständern braucht es das aber erstmal nicht, der Bass ist mehr als beachtlich für die Größe der Luxe. Ein Standlautsprecher oder Subwoofer könnte zwar mehr Volumen bieten, aber die LS Luxe überzeugt im Tiefton vor allem mit dessen Qualität – knackig, tief, sauber.
Das erweitert die Bühne und sorgt für Tiefenstaffelung und hohe Plastizität. So etwa im bekanntesten Song „Nightcall“ des vor wenigen Tagen verstorbenen französischen Musikers Kavinsky. Der Synthesizer wabert durch den Raum, während die entspannten Beats mit hervorragendem Timing an die Ohren gelangen, ohne jemals zu stark angedickt zu sein.

Falls instrumentaler Metal das nochmal unterstreichen darf: Russian Circles‘ „Harper Lewis“. Snare-Hits explodieren fast erschreckend schnell aus den Boxen. Nach ca. 2 Minuten im Song wandert der Bass so klar positioniert über die Bühne, dass wir die Bewegung mit dem Finger verfolgen können; ohne das Klopfen der Schlagzeugstöcke zu überdecken. Sorry an Tontechnik und Spielstätte, aber das klingt besser als mein letztes Livekonzert der Band.
Bei einem akustischeren Stück – „Cornbread“ des Trompeters Lee Morgan – zeigt sich das Können der KEF-Boxen im Hochton. Alles spielt scharf und präzise, damit natürlich, weil auch mit realistischer Fülle. Das zieht sich durch alle Frequenzen, sorgt bei Gesang für eine hervorragende Mischung aus direktem, intimem Gefühl und viel Luft, Plastizität und Natürlichkeit.

Die LS Luxe sind nicht günstig und strahlen Luxus aus. Aber nicht nur optisch, sondern vor allem im Klang, wo sie eine elegante, offene Bühne absolut sauber und mit erstklassigem Timing bespielen. Die neuen Technologien haben sich gelohnt – Das ist mal ein Upgrade!
| KEF | |
|---|---|
| LS Luxe | |
| Produktart | Kompaktlautsprecher (Aktiv mit Streaming) |
| Internetadresse | de.kef.com |
| Preis in Euro | 4,000 |
| Abmessungen (BxHxT) in cm | 29,8 x 22,3 x 33,6 |
| Gewicht in kg | 20 |
| Deutschlandvertrieb | GP Acoustics |
| Kontakttelefonnummer | +49 0 201 170390 |
| Prinzip | 2-Wege Koaxial, Bassreflex |
| Kommunikation zwischen Lautsprechern | Kabellos oder Kabel |
| Infos zur Empfohlenen Aufstellung | Auf Ständern, angewinkelt, Wandabstand felxibel mit EQ |
| Messwerte 30 % | gut 2,0 |
| Frequenzgang | gut |
| Sprungantwort | sehr gut |
| Verzerrungen bei 63/3k/10k Hz (in Prozent) | gut (1/0,18/0,15) |
| Stromverbrauch Leerlauf (in Watt) | Befriedigend (21,6) |
| Ausstattung 35 % | gut 2,0 |
| Klangkorrektur möglich | ja |
| Gehäuseausführungen | 3 |
| Lieferumfang | LAN- und HDMI-Kabel |
| Haptik & Verarbeitung | sehr gut |
| Anschlüsse | HDMI, optisch, koaxial, AUX, Sub Out |
| Bluetooth | ja |
| Erweiterbarkeit | ja, Subwoofer |
| Streamingstandards | Airplay, Google Cast, Roon Ready, Spotify/Tidal/Qobuz Connect, Internetradio, UPnP/DLNA, Amazon/Deezer in App, Internetradio |
| Musik-Formate | sehr viele, inkl. HiRes 384 kHz/24 Bit und DSD |
| USB-Datenträger | nein |
| Harter Netzschalter | ja |
| Bedienung 35 % | gut 2,2 |
| Aufstellung | gut |
| Erste Inbetriebnahme | sehr gut |
| Qualität der Fernbedienung | gut |
| Bedienung am Gerät / Anzeige & Display | nicht möglich / gut |
| Qualität der Anleitung | gut |
| Qualität der App | gut |
| Garantie (in Jahren) | Befriedigend (Treiber 5, Elektronik 2, 1 Jahr nach Registrierung) |
| Praxis-Note | gut 2,1 |
| Klangbeschreibung | Breite und tiefe Bühne, plastisch, präzise, ausgesprochen gutes Timing |
| Klangqualität | 86/100 |
