KEF Coda W im Test: Kleine Aktivbox, großer Klang?

Mit „Coda“ wird ein traditionsreicher Name bei KEF wiederentdeckt und der Lautsprecher zudem zur günstigen Komplettanlage „aktiviert“.

KEF Coda W

Testfazit: KEF Coda W

Die KEF Coda W überzeugt als preiswerte Aktiv-Komplettanlage mit exzellentem Uni-Q-Klang und vielseitigen Anschlüssen wie HDMI und Phono. Im Vergleich etwa zur LSX aus gleichem Hause fehlt zwar ein eigener Streaming-Client, doch punktet das System durch Bluetooth 5.4, hohe Präzision und ein kraftvolles, transparentes Klangbild.
Praxisnote: gut 2
Klangpunkte: 66 / 100

Pro

  • Uni-Q-Treiber der 12. Generation
  • hohe Klangqualität
  • Vielseitige Anschlüsse
  • Vergleichsweise günstig

Contra

  • Simple Form
  • kein echtes Internet-Streaming
  • Kabelverbindung zur zweiten Box nötig.

Der Hersteller Kent Engineering and Foundry oder kurz KEF, gegründet 1961 von BBC-Ingenieur Raymond ­Cooke in Maidstone/Grafschaft Kent, hatte schon früh Lautsprecher mit dem Produktnamen Coda im Portfolio, allesamt eher dem Einstiegs- bis mittleren Anwendersegment zuzuordnen. In der Folge des Verkaufserfolgs der aktiven Modelle LS 50 Wireless II und LSX II sowie II LT soll nun ein noch mal preiswerterer, vereinfachter Aktivlautsprecher folgen.

Mit der Coda W liegt er jetzt vor und bietet im Grunde eine Bluetooth-fähige Komplettanlage, die mit 900 Euro attraktiv positioniert und dennoch mit KEFs einzigartiger Treibertechnologie Uni-Q ausgestattet ist. Die Coda W zeigt sich dem Namen entsprechend in konservativ geradliniger Anmutung, indes modernen Farbausführungen, wobei unser Testmuster in Dark Titanium daherkam.

Was genau ist die KEF Coda W?

Es handelt sich um einen echten „Aktivposten“, also dynamische Lautsprecher mit integrierter Verstärkertechnik. Die Master-Slave-Konzeption bedeutet, dass sich die Steuer-Elektronik samt Anschlüssen im Wesentlichen in einem Lautsprecher (Primary) und sich der andere (Secondary) per Drei-Meter-Kabel im „Schlepptau“ befindet, also von der Hauptbox geführt wird. Allerdings ist hier im Gegensatz zu manch anderem Gespann auch der zweite ein aktiver Lautsprecher und nicht nur ein passiver Mitläufer.

Die Signalbandbreite beträgt 24 Bit mit 96 Kilohertz, was in solchen Fällen nicht nur üblich ist, sondern zudem eine exzellente Signalgüte deutlich oberhalb CD-Qualität gestattet. Kabellos ist die Coda W damit im Gegensatz zu KEF LS 50 Wireless II und LSX II nicht, das Verbindungskabel zum zweiten Lautsprecher und natürlich ein Stromkabel sind immer im Spiel. Der LSX II LT ähnelt sie durch das nötige Kabel stärker, doch auch diese gestattet mehr kabellose Grundfunktionen.

Ausgesprochen viele Anschlüsse

Selbstverständlich ist der Betrieb mit einer Vorstufe oder Hochpegelquelle via RCA (AUX) möglich, etwa einem CD-Spieler, auch wenn dann beide Kanäle am Hauptlautsprecher andocken. Sieht man sich das Anschlussfeld der „Masterbox“ (Primary) genau an, so wird man USB-C etwa für einen Computer (leider nicht für Stick/Festplatte) und einen optischen Eingang entdecken.

Ein optionaler Subwoofer findet hier Kontakt, falls mehr Bass oder Räumlichkeit gewünscht ist, als die Coda W alleine zu liefern vermag. Auch HDMI (ARC) zur Anbindung des Fernsehers wird geboten. Zudem hat KEF einen guten Phono-MM-Eingang vorgesehen, um einen Plattenspieler in Betrieb zu nehmen, was die Coda W zu einem sehr vielseitig einsetzbaren Gerät macht.

Unterschied von KEF Coda W zu LSX & LS50: kein Internet

Einen Internetanschluss gibt es nicht. Echtes Streaming wird also tatsächlich nicht geboten, ein Streaming Client ist schlicht nicht integriert. Damit ist die Coda W etwas spartanischer, sprich simpler gestrickt als ihre kurvigen Schwestern LS 50 Wireless II/LSX II (LT). So muss man aber beispielsweise als Besitzer eines Wiim Ultra nicht nochmal einen Streamer in den Aktivboxen mitbezahlen.

Per Bluetooth 5.4 samt hochwertiger aptX-Lossless-Wiedergabe kann man aber via Smartphone oder Tablet kabellos die gespeicherte Musik sofort und problemlos wiedergeben. Die verbaute Verstärkerleistung liegt bei 200 Watt, die sich pro Kanal mit jeweils 70 Watt auf den Bass und 30 auf den Hochton verteilen. Der musikalische Klang wurde von den KEF-Entwicklern um Dr. Oclee-Brown mittels spezieller DSP-Algorithmen (Music Integrity Engine) akribisch optimiert, hier gibt es keinen Kompromiss.

Neuester Uni-Q-Treiber integriert

An Lautsprechertechnik hat sich Traditionshersteller KEF keineswegs lumpen lassen. Beim Treiber handelt es sich um ein 13er-Uni-Q-Koaxialchassis der aktuellen und somit modernsten 12. Generation, also hochgradig ausgereifte und perfektionierte Treibertechnologie.

Zum einzigartigen, seit 1988 eingesetzten Uni-Q muss man ein paar Worte verlieren. Dieser zur grundlegenden DNA von KEF zählende Treiber ist ein Koaxialchassis, bei dem im Gegensatz zu den meisten anderen Lautsprechern konventioneller Bauart nicht zwei einzelne, auf der Schallwand verteilte Treiber den Klang liefern, sondern nur eine Achse und ein Schallentstehungszentrum existieren, in dem zwei Treiber konzentrisch oder „koaxial“ ineinander verschachtelt verbaut sind.

Was ist besonders an einem Koaxial-Chassis?

Offenkundiger Vorteil einer solchen Anordnung ist, dass es räumlich wie zeitlich eine einzige Schallquelle gibt, die zudem dem Ideal einer breitbandigen Punktschallquelle nahe kommt. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch Tannoy, ebenfalls britisch, mit seinem „Concentric Driver“ dieses Konzept seit Jahrzehnten verfolgt.

KEF
Coda W
Produktart / Preisklasse Kompaktlautsprecher Aktiv mit Streaming
Internetadressede.kef.com
Preis in Euro899
Abmessungen (BxHxT) in cm17 x 28 x 27
Gewicht in kg11,5 (Paar)
DeutschlandvertriebGP Acoustics GmbH
Kontakttelefonnummer+49 201 170390
Prinzip2-Wege-Koaxial-Chassis, Bassreflex
Kommunikation zwischen LautsprechernKabelgebunden (USB-C)
Infos zur Empfohlenen Aufstellungleicht eingewinkelt, möglichst frei auf Ständer
Messwerte 30 %gut 1,9
Frequenzgang gut
Impulsantwortsehr gut
Verzerrungen bei 63/3k/10k Hz (in Prozent)befriedigend (1,2/0,12/0,11)
Stromverbrauch Leerlauf (in Watt)gut (10)
Ausstattung 35 %gut 1,7
Klangkorrektur möglichja
Gehäuseausführungen4
LieferumfangStrom-/USB-Kabel, FB, Gummifüße
Haptik & Verarbeitunggut
AnschlüsseHDMI, USB-C, opt., AUX, Phono, Sub
Bluetoothja
Erweiterbarkeitja
Harter Netzschalterja
Bedienung 35 %befriedigend 2,6
Aufstellunggut
Erste Inbetriebnahmegut
Qualität der Fernbedienungbefriedigend
Bedienung am Gerät / Anzeige & Displaygut
Qualität der Anleitunggut
Garantie in JahrenElektronik 2, Treiber 5
Praxis-Notegut 2,0
Klangbeschreibungpräzise, agil-knackig, weiträumig, dynamisch
Klangqualität66/100

Nachteile des Koaxialprinzips sollen hier nicht verschwiegen werden, denn durch den Hub des Tiefmitteltöners und den damit veränderlichen „Kragen“ um den zentralen Hochtöner entstehen sogenannte Kammfiltereffekte, die man freilich durch flache Bauweise und Hubbegrenzung eindämmen kann. In einer kleinen Kompaktbox kommt es zu wenig Hub, und bei größeren Lautsprechern wird der Koaxialtreiber deshalb oft durch zusätzliche Tieftöner ergänzt.

Wie klingt die kleine KEF Coda W im Hörtest?

Im Hörtest macht sich sowohl die relativ üppige Systemleistung des Class-D-Aggregats als auch das vergleichsweise großzügig erscheinende Volumen mit tiefem Bass und hohem Maximalpegel positiv bemerkbar. Man kann der Coda W eine gewisse Souveränität und Lässigkeit nicht absprechen. So sind fast 40 Hertz „drin“. Tonal eher auf der neutralen bis leicht warmen Seite, dadurch sogar angenehm zurückhaltend und somit unaufgeregt langzeittauglich, ja sogar einen Tick sonor, spielt die Coda transparent und knackig-lebendig auf.

Dabei weiß die KEF die Meriten der Koaxialtechnologie wie hohe Präzision, exzellentes Timing und superben Fokus hervorragend auszuspielen. Man wundert sich über diesen Ausnahmetreiber immer wieder. Das Klangbild löst sich mehr als sonst in dieser Klasse von den Boxen und wirkt besonders kraftvoll, plastisch und natürlich.

Ein kompaktes Komplettpaket?

Wer kein „echtes“ Streaming benötigt, aber ein Rundum-sorglos-Paket an Musik-Entertainment wünscht, ist mit der Coda W prima bedient und muss als Analog-Fan nicht einmal auf einen Plattenspieler samt gutem Klang verzichten. Als Zubehör sind bei Bedarf ein Acht-Meter-Kabel und spezielle Standfüße namens SQ1 erhältlich. Auf Ständern spielen solche Boxen bekanntlich noch mal besser.

Die Coda W mit ihren Aktivkonzept und Uni-Q-Treiber ist ein hochgradig attraktives und gelungenes Produkt und spricht selbst den beinharten KEF-Fan an.



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