Huawei FreeBuds Pro 5 Test: Was können die Flaggschiffe?

Satter Bass, gute Geräuschunterdrückung und verlustfreie Audioübertragung – Huaweis FreeBuds Pro 5 geizen nicht mit Superlativen. Aber können sie sich auch hören lassen?

Testfazit: Huawei FreeBuds Pro 5

Die Huawei FreeBuds Pro 5 sind wirklich gute In-Ears der Oberklasse, die sich kaum eine Blöße geben; technisch wie klanglich auf hohem Niveau und eine Menge an Features sowie hoher Tragekomfort sprechen für sich.
Praxisnote: sehr gut 1,5
Klangpunkte: 93 / 100

Pro

  • Exzellenter Klang
  • Großer Funktionsumfang
  • Sehr gute Sprachqualität

Contra

  • Passformtest bei aktivem ANC nicht immer zuverlässig

Redet man im HiFi-Bereich von In-Ears, dürfte den wenigsten als erster Hersteller Huawei in den Sinn kommen. Die Chinesen sind hier so eine Art graue Maus, gehören weder zu den Traditionsmarken, noch haben sie den gefühlt über jede Kritik erhabenen Kultstatus von Apple. Hinzu kommt, dass große Teile des Kopfhörer-Portfolios im aus audiophiler Sicht unteren Preissegment liegen, was eher für ein gewisses „Günstig und solide“-Image sorgt.

Die neuen Flaggschiffe, die FreeBuds Pro 5, sind mit 199 Euro allerdings durchaus da platziert, wo sich auch andere Top-Modelle, etwa von Sennheiser, Denon oder Sony, finden. Allerdings: Mit dem beeindruckenden Frequenzgang von 10 Hz bis 48 kHz kann kaum ein anderer In-Ear-Kopfhörer mithalten.

Technik der Huawei FreeBuds Pro 5: Zwei Treiber, Bluetooth 6 und L2HC

Diesen doch recht beeindruckenden Frequenzgang realisiert Huawei mit zwei Treibern, einem 11-mm-Dual-Magnet-Treiber und einem 6-mm-Planar-Treiber. An Bord sind zudem eine aktive Rauschunterdrückung (ANC), immersiver Klang, Bluetooth 6 und NearLink. Letzteres allerdings nur mit entsprechenden Huawei-Geräten, die dann auch L2HC 4.0 als Codec unterstützen. Aktuell sind das die Spitzenmodelle Mate X6 und Mate X7 sowie die etwas günstigere Pura 80-Serie. Der Vorteil von L2HC liegt in einer verlustfreien Übertragung bei gleichzeitig geringerem Stromverbrauch im Vergleich zu Bluetooth und einer sehr geringen Latenz.

Unabhängig davon können die FreeBuds aber auch mit allen anderen Geräten gekoppelt werden, LDAC wird als weiterer Hi-Res-Codec ebenfalls unterstützt. Um ihn zu nutzen, muss man allerdings in der App die Tonqualität priorisieren; standardmäßig ist hier die Verbindungsqualität optimiert. Aber keine Sorge: Im Test leidet auch bei hoher Tonqualität die Verbindungsqualität nicht. Davon abgesehen stecken die In-Ears voller intelligenter Technik mit dem Ziel, das Hörerlebnis ebenso zu optimieren wie auch die Bedienung, dazu gleich mehr.

Haptisch wie optisch wirken die Kopfhörer sehr wertig, Gleiches gilt für das Case. Das ist so elegant, dass wir tatsächlich erst einmal die Verbindungstaste übersehen, die kaum sichtbar seitlich an der Ladeschale platziert ist. Die Ladeschale wiederum kann induktiv mit Strom versorgt werden. Die Pro 5 sind in vier Farben erhältlich: Weiß, Dunkelgrau, Gold und Dunkelblau, jeweils mit dezenter Chromeinfassung. Im Lieferumfang sind farblich passend zudem Ohrpolster in vier verschiedenen Größen.

Einrichtung per App: Was die Huawei Audio Connect bietet

Die FreeBuds Pro 5 müssen, will man den vollen Funktionsumfang nutzen, wahlweise mit der App Huawei Audio Connect oder Huawei AI Life mit dem entsprechenden Plug-in verbunden werden. Bei Apple findet sich die Software im App Store, bei Android muss sie von der Huawei-Seite geladen werden, nachdem man die Installation aus unbekannten Quellen erlaubt hat (nur bei AI Life nötig). Welche der beiden Varianten – AI Life oder Audio Connect – man wählt, macht keinen Unterschied; die Oberfläche für die Earbuds ist identisch. In dem Kontext sei erwähnt, dass die In-Ears multipointfähig sind, also mit zwei Geräten zeitgleich gekoppelt werden können.

Einmal verbunden, lässt sich alles Mögliche einstellen. Hier sollte man sich ruhig ein paar Minuten Zeit nehmen. Vor allem spannend ist im Vorfeld die Kopf- und Gestensteuerung, wobei Erstere nur für das Annehmen und Ablehnen von Anrufen nutzbar ist. Das ist praktisch während der Arbeit oder beim Sport.

Hinsichtlich der Gestensteuerung können die Oberklasse-Huaweis wahlweise durch Tippen oder Drücken des Schaftes mit zwei Fingern bedient werden. Die einstellbaren Funktionen sind jeweils die gleichen, wobei das Drücken letztlich etwas eleganter herüberkommt, als sich immer aufs Ohr zu klopfen.

Sowohl in den Einstellungen als auch über die Gestensteuerung kann die Geräuschunterdrückung aktiviert werden, die wahlweise an, aus oder in den Aufmerksamkeitsmodus geschaltet werden kann. Die ANC-Funktion selbst bietet verschiedene Stufen, wobei im Test der intelligente Modus mit automatischer Erkennung der Umgebungslautstärke durchweg gut funktioniert.

Weitere Einstellungen bietet die App im Hinblick auf die Trageerkennung, die Kopfposition im Zusammenhang mit dem immersiven Modus oder auch zur automatischen Anpassung der Wiedergabelautstärke. Sogar die Art der Ohrpolster – Silikon oder Schaum mit Memory-Funktion – lässt sich festlegen, wobei in dem Kontext auch gleich die Passform getestet werden kann.

Wie klingen die Huawei FreeBuds Pro 5 im Hörtest?

Es versteht sich fast von selbst, dass es bei derart üppigen Konfigurationsmöglichkeiten auch einen Equalizer gibt, was direkt zu der Kernfrage führt: Wie klingen die FreeBuds Pro 5 denn eigentlich? Die kurze Antwort: richtig, richtig gut.

Der Klang ist schon im Standardmodus üppig, aber sehr ausgewogen. Metallicas „Nothing Else Matters“ etwa startet mit einer brillanten Gitarre, kräftig und souverän, nur damit anschließend die Bassdrum mit voller Wucht wortwörtlich zwischen die Ohren haut. Der Effekt lässt sich noch steigern, wenn beim Equalizer die Voreinstellung Bass gewählt wird.

Was die Earbuds beim Tiefbass aber tatsächlich zu leisten imstande sind, zeigen Songs wie „Sail“ von Meute. Hier klirrt und vibriert nichts, die Ansprache ist akkurat, ohne steril zu wirken. Auch bei „Weiße Wand“ von AnnenMayKantereit, einem Song mit subtilem Bassteppich, schwingt nichts nach, vibriert nichts unbotmäßig.

Wer nun aber glaubt, die FreeBuds seien nur kleine Bassmonster, der irrt. Das die Dynamik herausfordernde „Stella Maris“ der Einstürzenden Neubauten bewältigen sie mit Bravour und maximaler Ausgewogenheit über alle Frequenzbereiche. Radioheads „Creep“, herausfordernd für so manche Treiber, wird sauber und ohne jegliches Klirren umgesetzt. Und auch Freunde klassischer Musik dürfen sich darüber freuen, welch üppiges Klangvolumen ihnen die kleinen In-Ears liefern, vor allem, wenn der entsprechende Equalizer-Modus ausgewählt ist.

Die Raumklang-Wiedergabe funktioniert da, wo sie passt, ebenfalls sehr gut. Vor allem die Anpassung an die jeweilige Kopfposition liefert beeindruckende Ergebnisse, die dem natürlichen Hören beim Wegdrehen des Kopfes von der Audioquelle sehr nahekommen. Diese Funktion ist bei reiner Verwendung mit dem Smartphone als Musikplayer vermutlich weniger sinnvoll, dürfte aber für all diejenigen spannend sein, die gern spielen oder Filme schauen.

Als Fazit ist klar: Huawei hat abgeliefert. Und zwar richtig. Die FreeBuds Pro 5 sind durch und durch In-Ears der Oberklasse, die sich kaum eine Blöße geben. Sie bewegen sich technisch wie klanglich auf hohem Niveau, bieten neben einem beeindruckenden Frequenzgang zahlreiche sinnvolle Features und hohen Tragekomfort, auch über mehrere Stunden. Und dafür geht der Preis von 199 Euro völlig in Ordnung.



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