Huawei Freebuds 7i – preiswerte In-Ears im Test
An Huawei denken vermutlich die meisten nicht als Erstes, wenn sie nach guten In-Ear-Kopfhörern suchen – die Freebuds 7i könnten das ändern.

Mit den Freebuds 7i erhält Huaweis ohnehin nicht gerade kleine In- und Open-Ear-Familie weiteren Zuwachs. Mit 99,99 Euro sind die Neulinge spätestens nach einem Blick auf die Ausstattungsliste mehr als attraktiv. Immerhin bieten sie Huaweis vierte ANC-Generation, Multipoint-Verbindung sowie immersiven Klang. Zudem sind sie Hi-Res-zertifiziert.
Rein haptisch geben sich die Freebuds, die in Weiß, Schwarz und Rosa erhältlich sind, sehr wertig, wobei gerade die weißen Exemplare mit ihren schwarzen Akzenten eine gewisse Design-Nähe zu Apples AirPods nicht verbergen können und womöglich auch gar nicht wollen. Das Ladecase ist rund und trägt dadurch selbst in der Hosentasche nicht unangenehm auf.

Außerdem ist es sehr leicht, was die IP54-zertifizierten Freebuds auch beim Sport zu idealen Begleitern macht. Das Case wird über einen USB-C-Anschluss geladen und kann die In-Ears wiederum in zehn Minuten für etwa vier Stunden Musikgenuss fit machen. Allerdings ohne aktivierte Geräuschunterdrückung, mit nimmt naturgemäß die Laufzeit ab.
Die Huawei Freebuds 7i in der Praxis
Die Huawei Freebuds 7i lassen sich wie alle anderen Kopfhörer problemlos via Bluetooth verbinden. Bezüglich der Reichweite stapelt Huawei tief; im Test stellte selbst eine Betonzwischendecke kein Problem dar. Und das, obwohl wir die ganze Zeit die Ton- und nicht die Verbindungsqualität optimiert haben. Auch dafür bietet die App eine entsprechende Funktion, ebenso wie für die Anpassung der Latenz in besonders störanfälligen Umgebungen.
Um ihr volles Potenzial auszureizen, ist aber auch hier eine entsprechende Software nötig. Für Apple-Nutzer kein Problem, hier wird man im App Store fündig. Aber im Google Play Store gibt es die AI Life-App aus rechtlichen Gründen nicht. Hier ist der Umweg über Hauwei direkt nötig, was aber kein Problem darstellt. Installieren lässt sich das Programm dann ohne Probleme auch auf Android-Geräten.

Die App selbst ist für das Bedienen zahlreicher smarter Geräte aus dem Huawei-Universum ausgelegt, was einen aber nicht weiter stören muss; für die Kopfhörer lädt sie selbstständig ein spezielles Plug-in nach und zeigt auch nur dieses an, sofern es keine anderen Huawei-Geräte in der Umgebung gibt.
In-Ears mit erstaunlich vielen Funktionen
Es lohnt sich, danach in ruhiger Umgebung ein wenig Zeit in die Beschäftigung mit diesem Plug-in zu investieren. Nicht etwa, weil es so kompliziert wäre, sondern, weil erst hier offensichtlich wird, wie groß der Funktionsumfang der Freebuds tatsächlich ist. Und das beginnt mit der individuellen Anpassung. Nicht nur, dass Silikonpolster in verschiedenen Größen zum Lieferumfang gehören, es gibt auch eine korrespondierende Funktion zur Anpassung des korrekten Sitzes.
Die allerdings ist sehr empfindlich, was Umgebungsgeräusche angeht, sodass das Ganze einen etwas erratischen Charakter hat. Unabhängig davon ist der Tragekomfort der leichten In-Ears hoch und die Abschirmung des Gehörgangs gerade in Kombination mit dem ANC sehr gut, sodass man sich nicht zwingend allzu lange mit Trageoptimierung befassen muss.

Die Geräuschunterdrückung bietet dabei neben dem normalen und dem Aufmerksamkeitsmodus auch verschiedene Intensitätsstufen sowie eine dynamische Anpassung. Das ist ideal für den Einsatz in verschiedenen Umgebungen und funktioniert in der Praxis sehr ordentlich und auch besser als bei manchen Over-Ears. Bei Bedarf kann das Noise Cancelling per Gestensteuerung zudem auch schnell um- oder abgeschaltet werden.
Gestensteuerung, 3D-Effekt und mehr im Test
Die Gestensteuerung lässt sich bis zu einem gewissen Grad individualisieren, wobei sie neben Tipp- auch Streichbewegungen zulässt, etwa zur Lautstärkeregelung. Zudem kann die Anrufannahme per Kopfnicken sowie das Abweisen von Anrufen per Kopfschütteln aktiviert werden. Das ist sehr praktisch, wenn man zum Beispiel im Fitnessstudio oder während der Arbeit gerade die Hände nicht frei hat.
Ebenfalls an die Kopfposition kann der 3D-Effekt gekoppelt werden, was dann für ein Klang-Erlebnis in Abhängigkeit von der Blickrichtung sorgen soll. Das klappt nicht immer optimal, weshalb man hier mit der fixierten Einstellung besser fährt. Wichtig zu wissen: 3D meint hier eine Raumklang-Simulation und kein klassisches Dolby Atmos.

Nun nützen alle technischen Finessen nichts, wenn der Sound nicht passt. Hier können wir aber sofort Entwarnung geben: Die Freebuds liefern mehr als ordentlich ab. Die in den Kopfhörern verbauten 11-mm-Treiber mit je vier Magneten tragen dazu hardwareseitig sicherlich ihren Teil bei. Aber es ist bemerkenswert, wie maßgeblich mittlerweile Software das Klangerlebnis gestaltet und auch bedarfsgerecht verändern kann.
Wie klingen die Huawei Freebuds 7i?
In den Standardeinstellungen zeigt sich ein sehr ausgewogenes Klangbild mit präzisem Bass sowie klaren Höhen und Mitten. Kein Frequenzbereich ist überbetont, keiner fällt hörbar ab. In diesem Modus ist jede Art von Musik gut hörbar, kickt aber nicht unbedingt. Das weiß man offenbar auch bei Huawei, weshalb die App einen wirklich leistungsfähigen Equalizer mit guten Presets bietet. So fühlt sich im Bassmodus das Einsetzen des Schlagzeugs bei Metallicas „Nothing Else Matters“ wie ein trockener ansatzloser Schlag direkt ins Schädelinnere an, ein durchaus gewollter und passender Effekt.
Andere Modi wiederum sorgen für ein recht üppiges Volumen, etwa die Optionen Hi-Fi Live oder Sinfonie. Letztere funktioniert bei Ravels „Boléro“ ebenso gut wie bei Meat Loafs monumentalem „You Took The Words Right Out Of My Mouth“. Mit der Einstellung Stimmen brilliert wiederum ein Song wie „Stella Maris“ (Einstürzende Neubauten). Und wem das nicht reicht, kann auch eigene Settings kreieren.

Was sich durch alle Modi zieht, ist die trockene, fast etwas sterile Präzision in der Wiedergabe. Das passt nicht zu jeder Musikrichtung gleichermaßen gut, weil die Weichheit, die etwa eine Stimme wie die von Loreena McKennitt charakterisiert, etwas auf der Strecke bleibt. Dafür funktioniert zum Beispiel „Schmutzfabrik“ von den Krupps mit seinen elektronischen Beats hervorragend, und auch Mark Knopflers technisch anspruchsvolle Gitarre in „Sultans Of Swing“ kommt sehr gut zur Geltung.
Was ebenfalls sehr gut funktioniert, ist Sprache. Und das nicht nur bei Podcasts oder Hörbüchern, sondern in beide Richtungen. Die Freebuds besitzen ein Mikrofon-Set-up aus drei Akustik- und einem Knochenschallmikro, das einigermaßen unanfällig für Umgebungsgeräusche ist und neben der Telefonie auch zur Bedienung von Alexa & Co. dienen kann.
