Hama/Canton Ultimate Pro im Test: Ghettoblaster Modell 2025
Hama und Canton haben mit der Ultimate Pro gemeinsam eine neue Version der Beschallung für die Party2go auf den Weg gebracht. Doch was kann die neue Boombox?

Es ist eines dieser klischeehaften Bilder der 80er-Jahre: Typen in bunten Jogging-Anzügen, Basecap mit Schirm seitlich oder schräg nach hinten, die einen Radiorekorder mit viel verchromtem Plastik auf der Schulter tragen. Den berühmtberüchtigten Ghettoblaster, der immer leicht an der Grenze zur Peinlichkeit rangierte und weniger für audiophile Qualität als mehr für ordentlichen „Wumms“ bekannt war. Hamas Ultimate Pro, entstanden in Kooperation mit Canton, ist zwar optisch etwas dezenter, aber Größe und Tragegriff lassen einen bei dem Bluetooth-Lautsprecher durchaus an vergangene Jahrzehnte denken.

Der Fokus des UltiMate Pro ist, wer hätte es gedacht, der Partybetrieb. Dennoch darf man bei einem Bluetooth-Speaker, der rund 250 Euro kostet und auf den auch Canton seinen Namen druckt, annehmen, dass es nicht nur um Lautstärke, sondern auch um ordentliche Klangqualität geht. Dazu später mehr.
Ausstattung und Anschlüsse des UltiMate Pro
Der Lautsprecher, der mit zwei Hoch- und zwei Tiefmitteltönern bestückt ist, präsentiert sich sehr aufgeräumt. Es gibt ganze sechs Tasten, die so groß sind, dass man sie auch nach dem fünften Bier noch unfallfrei trifft. Zudem gibt es noch einen analogen Aux-Eingang sowie eine 6,3-mm-Klinkenbuchse für ein Mikrofon oder eine Gitarre. Ein USB-A-Anschluss nimmt gegebenenfalls einen Stick mit Musik auf, und der USB-C-Ladeport sorgt umgekehrt dafür, dass der Speaker auch als Powerbank genutzt werden kann. Die maximale Laufzeit des 4.500-mAh-Akkus beträgt laut Hersteller 24 Stunden, sollte also für eine gelungene Party ausreichen.

Einrichtung per Hama Smarthome-App
Die Verbindung ist denkbar einfach und erfolgt per Bluetooth klassisch oder über die Hama Smarthome-App. Hier kann dann auch der Equalizer genutzt werden, für den es drei Presets sowie einen individuellen Modus gibt. Die Modi können aber auch am Gerät selbst durchgeschaltet werden. Ansonsten ist der Funktionsumfang übersichtlich, was den Vorteil hat, dass einem ein potenziell aufwendiges Verknüpfen mit vordefinierten Streaming-Apps erspart bleibt; der UltiMate Pro funktioniert so simpel wie ein Kopfhörer.

Wie klingt die Hama/Canton Ultimate Pro?
Um es vorwegzunehmen: Die Hama Bluetoothbox ist kein Schöngeist, der dafür gemacht wäre, Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ möglichst authentisch wiederzugeben. Zumindest im Falle unseres Testgerätes geht es werkseitig sehr basslastig zu, der Equalizer ist entsprechend eingestellt. Das bedeutet aber nicht, dass der Lautsprecher unsouverän wäre. Im Gegenteil: Der UltiMate Pro Speaker beherrscht den breitspurigen Auftritt, ohne peinlich zu wirken.

Die Basswiedergabe ist kräftig, aber auch sehr präzise. Selbst im ausgewogenen Equalizer-Modus bleiben die Tiefen präsent, ohne jedoch aufdringlich zu sein. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Tiefmittelton-Treiber selbst von hämmernden Techno-Bässen nicht aus der Kurve geworfen werden. Wobei aber eben auch der Mitteltonbereich stabil bleibt. Selbst ein Song wie „Zombie“ von den Cranberries mit seinen extrem verzerrten Gitarren klingt sauber und sorgt auch bei höheren Lautstärken nicht dafür, dass der Speaker übersteuert oder anfängt zu klirren. Die Höhen kommen jederzeit sehr gut zur Geltung, wobei aber mitunter der Bass zu dominant wirkt, wie etwa bei Simon & Garfunkels „Bridge Over Troubled Water“. Hier empfiehlt es sich, ein weiteres Equalizer-Set anzulegen, um den Klang für das Singer-Songwriter-Genre zu optimieren.
Klangcharakter bei unterschiedlichen Lautstärken
Denn zur klanglichen Wahrheit gehört auch, dass der UltiMate Pro sehr viel seiner Präsenz über den Schalldruck generiert und weniger über das Volumen, das im Endeffekt ja nicht riesig ist. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal dieses Lautsprechers, aber hier führt es dazu, dass die gesamte Klangcharakteristik ein wenig in Richtung PA-Lautsprecher geht.
Die Basspräsenz nimmt dabei mit steigender Lautstärke zu. Das ist je nach Musikstil grundsätzlich kein Problem, sorgt aber eben dafür, dass die Boombox nicht unbedingt dafür prädestiniert ist, mit ihr bei Kerzenschein mit einem Glas Rotwein leise John Lee Hooker oder Kate Bush zu hören. Sie ist eindeutig für den Dampfhammer-Blues eines George Thorogood konzipiert, denn im unteren Lautstärkebereich fehlt es dem 120-Watt-Speaker an Substanz und Druck. Dafür rockt er jede Pool-Party – der UltiMate Pro ist IPX6-zertifiziert und darf auch mal nass werden.
Karaoke und Mikrofon-Funktion im Test
Etwas umständlich wird es, soll die Box auch mit einem Mikrofon oder Instrument genutzt werden. Standardmäßig ist ein ordentlicher Hall voreingestellt. Um den zu reduzieren, muss man erst durch längeres Drücken einer Taste den passenden Modus aktivieren; über die App funktioniert das leider nicht. Auf ähnliche Weise kann auch die Mikrofonlautstärke angepasst werden, sodass sich der UltiMate Pro auch für eine Karaoke-Session verwenden lässt. Die Sprachqualität ist allerdings so gut, dass auch nichts dagegenspricht, darüber eine Rede zu halten oder einen Event zu moderieren.

Der Hall-Effekt an sich hat aber durchaus seine Berechtigung, denn schließlich kann der Speaker auch genutzt werden, um Instrumente zu verstärken. Hier kann unter Umständen ein leichtes Echo den Klang aufwerten, wobei man klar sagen muss, dass man es hier nicht mit einem professionellen Instrumentenverstärker zu tun hat. Trotzdem haben die analogen Eingänge ihren Reiz, gerade in Verbindung mit einem preiswerten DJ-Controller. So lässt sich manche Party mit wenig Aufwand kreativ gestalten, wobei das durchaus auch mal ein Klassenfest oder eine Feier im Gemeindezentrum respektive der Firma sein kann. Damit ist der UltiMate Pro durchaus auch für den beruflichen Einsatz interessant, eben weil das Gerät doch sehr vielseitig, aber eben auch hochgradig portabel und robust ist. Zudem lassen sich für größere Beschallungen auch zwei der Geräte koppeln, wobei dann aber keine Beschickung per Bluetooth möglich ist.
Fazit: Hama/Canton UltiMate Pro
Die UltiMate Pro Boombox ist die legitime Erbin des Ghettoblasters. Allerdings ohne dessen oft leicht prollige Attitüde. Der Spaßfaktor ist hoch, nicht zuletzt, weil die Klangqualität passt. Allerdings gilt wie schon früher: Das Gerät adressiert keine musikalischen Schöngeister, sondern die Partymacher, die es gerne mal etwas lauter mögen. Hier liefert der UltiMate Pro adäquat ab, wobei er eben aber auch durch gute Sprachqualität bei Verwendung eines Mikrofons überzeugt.
