Fostex T50RPmk4G+ im Test: Gaming-Headset mit audiophilem Anspruch

Fostex spielt bei Kopfhörern meist in höheren Preisregionen. Doch es gibt auch etwas günstigere Modelle wie das Fostex T50RPmk4G+ mit kleinem Extra.

Testfazit: Fostex T50RPmk4G+

Es gibt kaum einen Gaming- oder PC-Kopfhörer, der so wenig als solcher zu erkennen ist wie der Fostex T50RPmk4G+. Analog angeschlossen und mit einer anderen Zuleitung zu einem gewöhnlichen Studio- oder HiFi-Kopfhörer umrüstbar, schlägt man hier nicht nur technisch zwei Fliegen mit einer Klappe, sondern auch klanglich. Denn der günstige Fostex weiß auch verwöhnten Ohren zu gefallen.
Praxisnote: gut 2,4
Klangpunkte: 95 / 100

Pro

  • Sehr gutes Auflösungsvermögen
  • Hoher Tragekomfort
  • Wertige Verarbeitung

Contra

  • Mikrofon-Schwanenhals zu beweglich
  • Seitenkennzeichnung sehr klein
  • Mikrofon-Kabel nicht einzeln erhältlich

Nicht jeder kann oder will mehrere Tausend Euro für einen Kopfhörer ausgeben. Vor allem dann nicht, wenn man zwar unterwegs oder im Büro auf hohem Klangniveau Musik genießen will, aber es letztlich dort an der optimalen audiophilen Infrastruktur mangelt. Nun hat ein Hersteller wie Fostex eine ganze Menge Exemplare im Sortiment, die vor allem auf den High-End-Bereich zielen. Doch dazwischen tummelt sich ein sehr erschwingliches Modell, das es inzwischen in drei Varianten gibt. Basis ist der T50RPmk4, entwickelt eigentlich als Studiokopfhörer. Er verfügt über einen RP-Planar-Magnet-Treiber der vierten Generation. Hier hat Fostex vieles im Bereich der Magnete optimiert und damit laut eigenen Angaben Empfindlichkeit, Einschwingverhalten und Gleichmäßigkeit des Frequenzgangs verbessert. Verbessert haben soll sich auch die Lokalisierung; dazu später mehr.

Eine Besonderheit des halboffenen Kopfhörers besteht darin, dass er sowohl rechts als auch links einen Anschluss für das Klinkenkabel besitzt. Aber nicht, wie man das vielleicht von anderen Kopfhörern kennt, für den jeweiligen Stereokanal, sondern jeweils für beide. Man kann sich also aussuchen, auf welcher Seite man den Fostex anschließt, abhängig davon, wo das Kabel weniger stört respektive der Zuspieler gerade steht. Das ist tatsächlich sehr clever, weil es gerade für den designierten Einsatz im Studio ein deutliches Plus an Flexibilität bedeutet, da einem das Kabel nie vor der Brust herläuft. Auch am Schreibtisch lässt sich davon gleichermaßen profitieren.

Drei Varianten, ein Kopfhörer: Was steckt hinter dem „G+“?

Nun existieren, wie schon erwähnt, zwei weitere Ausführungen des T50RPmk4. Die beiden anderen Versionen unterscheiden sich, was den reinen Kopfhörer angeht, überhaupt nicht von der ersten. Allerdings hat Fostex aus Marketinggründen den T50RPmk4G in die Welt entlassen, dessen Besonderheit das „G“ im Namen ist, weil er Gamer adressieren soll. Die haben die Ursprungsvariante wegen der tatsächlich exzellenten Lokalisierung als Geheimtipp gehandelt, weshalb es naheliegt, das Ganze deutlich weniger geheim zu verkaufen.

Und seit wenigen Wochen gibt es nun auch den T50RPmk4G+, der mit einem Anschlusskabel ausgeliefert wird, in dem ein Schwanenhals-Mikrofon integriert ist. Zumindest aktuell ist das Kabel allerdings nicht einzeln beschaffbar, weshalb das Nachrüsten des „normalen“ T50RPmk4 nicht funktioniert. Umgekehrt kann aber die Plus-Version mit einem anderen Klinkenkabel zu einem klassischen Kopfhörer „umgerüstet“ werden. Am Ende bekommt man also mit dem T50RPmk4G+ einen sehr vielseitigen Kopfhörer, der auch am PC nutzbar ist, sei es zum Spielen oder für Videochats.

Wie komfortabel ist der Fostex T50RPmk4G+?

Auch wenn der T50RPmk4 eigentlich als Studiokopfhörer konzipiert wurde, spricht wenig dagegen, ihn im HiFi-Bereich zu nutzen. Allein schon, weil er sehr leicht ist, sich gut an die Ohren anpasst und selbst für Brillenträger einen ausgesprochen komfortablen Sitz bietet. Er ist dabei auch über lange Zeit angenehm zu tragen. Etwas unpraktisch ist dabei der komplett symmetrische Aufbau, weil man dadurch immer sehr genau hinschauen muss, damit man ihn richtig herum aufsetzt. Die entsprechende Kennzeichnung ist zwar vorhanden, aber sehr unauffällig auf dem Kopfbügel aufgedruckt.

Ansonsten gibt sich der Fostex betont unauffällig, es gibt keine farbigen oder optischen Akzente, wie man es vielleicht von anderen Modellen des Herstellers kennt. Entsprechend deutet auch rein gar nichts auf das Gaming-Thema hin; der T50RPmk4 ist selbst als G+ optisch ein sehr gewöhnlicher Kopfhörer. Die Verarbeitung ist gut, aber nicht luxuriös. Dennoch tut das der Wertigkeit keinen Abbruch, denn die neuralgischen Punkte, wie etwa die Befestigung der Hörer am Kopfbügel, sind nicht nur konstruktiv durchdacht und stabil realisiert, sondern auch so, dass sie sich im Falle eines Falles recht leicht ersetzen ließen. Allerdings erwecken die entsprechenden stabilen Metallbügel gar nicht erst den Eindruck, als könnten sie selbst durch grob unvorsichtige Benutzung beschädigt werden.

Welchen Kopfhörerverstärker braucht der Fostex T50RPmk4G+?

Eine wesentliche Voraussetzung dafür, den T50RPmk4G+ ausreizen zu können, ist ein passender Kopfhörerverstärker. Der muss genug Leistung haben und sollte idealerweise auch einen Equalizer besitzen, denn je nach Preset kann der Kopfhörer sein Potenzial nicht richtig ausspielen. Tatsächlich hat er davon nämlich jede Menge.

Mit 10 bis 40.000 Hz ist der Frequenzgang zwar nicht spektakulär groß, aber er bleibt auch nicht hinter dem einiger teurerer Modelle von Fostex zurück. Viel wichtiger ist jedoch der Umstand, dass die verbauten Magnetostaten eine immense Dynamik bei gleichzeitig hoher Präzision liefern. Vor allem der Mitteltonbereich ist sehr präsent, aber auch in den Bässen überzeugt die Wiedergabe. Lediglich bei den Höhen muss man je nach Zuspieler mittels Equalizer etwas nachhelfen. Dann allerdings bricht ein wahres Klanggewitter über den Hörer herein.

Souveräne Dynamik: So klingt der Fostex T50RPmk4G+

Der T50RPmk4G+ meistert alle akustischen Herausforderungen mit spielerischer Leichtigkeit. Selbst stark verzerrte Gitarren wie in „Zombie“ von The Cranberries oder Radioheads „Creep“ bringen ihn nicht in Grenzbereiche. Gleiches gilt auch für das symphonische Finale von „Bridge Over Troubled Water“, das in seiner perfekt produzierten Komplexität manche Lautsprecher hinter die Grenzen ihres Auflösungsvermögens treibt. Hier hört man dagegen souveräne Präzision und fragt sich, was in welcher Lautstärke kommen muss, bevor dieser Kopfhörer, der in dieser Ausführung ja streng genommen ein Headset ist, die Segel streicht.

Denn erwartbar gut performt der Fostex auch im Tieftonbereich. Ihm geht der Kehlkopfgesang der mongolischen Metaller von The Hu mit Leichtigkeit über die Membran. Und bei „Valhalla Calling“ von Miracle Of Sound oder New Orders „Blue Monday“ hat man den Eindruck, die Songs seien für den T50RPmk4G+ geschrieben worden. Dabei zwingt er einem die Bässe nicht auf, sondern liefert mit angemessen viel Schalldruck ab. Wer will, kann sich bei entsprechender Equalizer-Einstellung aber auch jede Basedrum in die Gehörgänge hämmern lassen; dazu in der Lage ist der Kopfhörer allemal.

Dolby Atmos und 3D-Sound: Taugt der Fostex für immersives Hören?

Aufgrund seiner hohen Genauigkeit eignet sich der T50RPmk4G+ sehr gut für immersive Wiedergabe. Vorausgesetzt allerdings, der Zuspieler kann virtuelle 3D-Emulation in Form von Dolby Atmos oder DTS. Tatsächlich bekommt man etwa bei Neil Youngs „Harvest Moon“ in der Atmos-Version eine ausgemachte Anmutung des entsprechend Unplugged-Konzerts. Und The Cures „Endsong“, ohnehin gewaltig, gewinnt nochmals an Wucht. Das erklärt dann auch, warum der Kopfhörer bei PC-Spielern so beliebt ist, denn was für Musik funktioniert, funktioniert bei Filmen oder Spielen logischerweise auch.

Übrigens: Unabhängig davon, ob man nun Musik oder den Ton zu bewegten Bildern mit exakter räumlicher Lokalisierung genießen möchte, ist der PC als Audioquelle für immersive Wiedergabe eine gute Wahl. Denn hier spielt es keine Rolle, ob der DAC oder die Soundkarte Dolby Atmos und DTS unterstützen, weil zumindest Windows das softwareseitig beherrscht. Entsprechende Erweiterungen können im Microsoft Store erworben werden, was den großen Vorteil hat, dass jeder mit der passenden Wandler-Hardware den Kopfhörer so kombinieren kann, wie es seinen Anforderungen entspricht. Dem T50RPmk4G+ ist das am Ende egal, weil er im Test mit allem klarkommt, was wir ihm an Sound zumuten. Zudem bietet er durch die Option, per USB verschiedenen DACs zu verwenden, auch die Möglichkeit, zwischen einer hochwertigen Lösung für Filme oder Spiele und einer für anspruchsvolle Musikwiedergabe zu wechseln. Letztere erlaubt es, den Fostex auch mit dem Smartphone zu nutzen.

Fazit: Fostex T50RPmk4G+ – Studio, HiFi und Gaming in einem

Es gibt kaum einen Gaming- oder PC-Kopfhörer, der so wenig als solcher zu erkennen ist wie der Fostex T50RPmk4G+. Zum einen deshalb, weil er analog angeschlossen wird, und zum anderen, weil er mit einer anderen Zuleitung zu einem gewöhnlichen Studio- oder HiFi-Kopfhörer wird, was ihn zum Beispiel von Beyerdynamics MMX 300 Pro unterscheidet. Aber man schlägt hier nicht nur technisch zwei Fliegen mit einer Klappe, sondern auch klanglich. Denn der günstige Fostex weiß auch verwöhnten Ohren zu gefallen.



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