Eversolo Play: der günstige Streaming-Verstärker im Test

Ein Streaming-Amp mit allem Drum und Dran inklusive Display für 700 Euro, optional sogar mit CD-Laufwerk – der neue Play von Eversolo will so preiswert wie vielseitig sein. Was kann er wirklich?

Eversolo Play

Testfazit: Eversolo Play

Der günstige Eversolo Play punktet vor allem durch sein für den Preis riesige Funktionsvielfalt, von Streaming über Phono und HDMI bis Steuerung per Bildschirm. Auch klanglich überzeugt er, wenngleich spezialisiertere Geräte unter anderem etwas mehr Power liefern können.
Praxisnote: gut 2,4
Klangpunkte: 64 / 100

Pro

  • guter natürlicher und präziser Klang
  • einfache Steuerung per App/Bildschirm
  • Viele Anschlüsse

Contra

  • Keine Fernbedienung
  • Phono etwas unsauber
  • Könnte kräftiger spielen

Schnell, nachdem die Marke Eversolo vor nicht allzu langer Zeit den HiFi-Markt betrat, fand sie viele Fans. Durchdachtes und vielseitiges Streaming in sauber konstruierten Geräten, dabei klanglich überzeugend und nicht allzu teuer ist die so simple wie effektive Devise der Chinesen. Nachdem etwa der DMP-A10 bei den Themen Komplexität und Klangqualität, aber auch Preis etwas mehr Richtung Oberklasse ging, wurde zu der „High End“ 2025 die günstigere Play-Serie vorgestellt, die aus zwei fast identischen Geräten besteht, jeweils moderne Verstärker mit Streaming.

Damit ist der Play nicht nur eine neue Serie, sondern ebenfalls eine neue Produktgruppe für die chinesische Firma. Ganz ungewöhnlich ist das natürlich nicht, schließlich führt Eversolo bereits separate Streamer und Verstärker – und simpel gesagt könnte man die Entwicklung eines Streaming-Amps ja theoretisch auch herunterbrechen auf „Endstufen in einen Streamer einbauen“.

Eversolo Play ist eine komplette Neuentwicklung

Das war hier, denken wir, natürlich nicht der Fall, der Play ist eine eigenständige Konstruktion. Dafür spricht etwa, dass ein anderer DAC verwendet wird, das Design anders ist, oder aber auch, dass der Play in Grundausstattung sogar günstiger ist als die aktuelle Gen-2-­Version des DMP-A6, der sonst preiswerteste Streamer von Eversolo. Ja, eines der Hauptargumente für den Neuling könnte durchaus sein ziemlich niedriger Preis sein. Daran gemessen bietet der neue Amp von Eversolo – hinter dem übrigens der Hersteller Zidoo steckt, der unter diesem Namen Player im AV- und Video-Bereich herstellt – nämlich ein echt großes Paket.

Der Play macht zudem einiges anders als seine Geschwister. Die Darstellung und Steuerung auf seinem hübschen Touchscreen folgt einem neuen Konzept, das nicht dem der DMP-Modelle (die den neuen Look möglicherweise in Zukunft erben) folgt und uns noch etwas besser gefällt als der Vorgänger. Gleich bleibt die Auswahl aus diversen VU-Metern für den Bildschirm, der auch auf das alte Design umgeschaltet werden kann.

Sehr viele Anschlüsse für einen Streaming-Amp

Wie bereits andere Eversolo-Geräte imponiert der Neuling zudem mit einer großen Anschlussvielfalt. Auch wenn er im Herz ein Streaming-Amp ist, also ein Rundum-sorglos-Gerät, das nur Lautsprecher benötigt, sind die weiteren Buchsen sehr praktisch. HDMI, Koax in und USB stellen Verbindungen zu TV oder Festplatten her, wer einen externen Subwoofer oder D/A-Wandler hat, kann auch diesen anschließen. Noch etwas ausgefallener sind die beiden Cinch-Buchsen-Paare, einmal Hochpegel und einmal sogar Phono! Beide werden intern digitalisiert, im Falle des Phono nach der RIAA-Entzerrung, damit sie zudem von den digitalen Anpassungen des Amps profitieren können.

Der Phono-Input kann sogar auf MC-Tonabnehmer umgestellt werden, was eine nette, wenn auch in dieser Preisklasse vielleicht seltene Option ist. In unserem Messlabor konnten wir einerseits zwar feststellen, dass diese Sektion erwartbar eher von der simpleren Variante ist, was auch das leicht hörbare Grundrauschen des Phono-Inputs bezeugt. Spielt die Musik, ist davon andererseits jedoch nichts mehr zu hören, und alles klingt doch sauber. Eine praktische Möglichkeit, Plattenspieler in die Anlage zu integrieren; insgesamt ist der preiswerte Play damit allzu bereit, die „Steuerzentrale“ des heimischen Klanggenusses zu werden.

Eversolo Play: auch als CD-Version erhältlich

Eine weitere Besonderheit des Play ist, dass er für 100 Euro Aufpreis in einer Version mit CD-Laufwerk erhältlich ist. Dieses klappt sich dann – smart gelöst – aus der Seite des sonst identischen Play CD Edition aus und kann die Scheiben abspielen sowie rippen. Das geht übrigens auch beim „normalen“ Play, sofern ein CD-Laufwerk per USB angeschlossen ist, eigene Menüpunkte sind verfügbar. Ebenfalls steht etwas interner Speicher bereit (32 GB), auf den neben Betriebssystem und Apps auch Musik geladen werden kann. Aufgrund dieser nicht riesigen Kapazitäten wäre eine Erweiterung um eine externe Festplatte sinnvoll, falls man viel lokale Musik abspielen will.

Eversolo
Play
Produktart Vollverstärker mit Streaming
Internetadresseeversolo.de
Preis in Euro699
Abmessungen (BxHxT) in cm23 x 7,5 x 23
Gewicht in kg2.6
DeutschlandvertriebAudionext
Kontakttelefonnummer+49 201 79939408
Messwerte 30 %gut 2,0
Dauerleistung pro Kanal an 4 Ohm bei 1% Klirr (in Watt)gut (118)
Impulsleistung an 4 Ohm (1 kHz; in Watt)nicht messbar
Intermodulation bei 5 Watt ( in Prozent)sehr gut (0,0014)
Dämpfungsfaktor an 4 Ohmbefriedigend (34)
Kanaltrennung (in Dezibel)gut (73)
Gleichlauf-Lautstärkesteller (in Dezibel)sehr gut (0,1)
Obere Grenzfrequenz (in kHz)ausreichend (34)
Klirrfaktor bei 5 Watt (in Prozent)sehr gut (0,007)
Rauschabstand bei 5 Watt (in Dezibel)befriedigend (84)
FFT-Spektrumgut
Stromverbrauch Leerlauf (in Watt)sehr gut (14)
Ausstattung 35 %gut 2,1
Haptik & Verarbeitunggut
Anzahl analoger Eingänge (Cinch/XLR)1x Cinch
Besondere SchnittstellenPhono, HDMI ARC, Digital In/Out, Sub Out
Klangregelung oder Raumeinmessungja
Pre-Outnein
Farbvarianten/Ausführungenschwarz
StreamingstandardsAirplay, Google Cast, Spotify/Tidal/Qobuz Connect, Internetradio, UPnP/DLNA, Roon, weitere Dienste in der App/auf dem Gerät
Musik-Formatesehr viele, inkl. HiRes bis 32Bit/768kHz, DSD512
USB-Datenträgerja
Harter Netzschalterja
Funktionsumfang erweiterbarnein
Handhabung & Bedienung 35 %befriedigend 3
Qualität der Fernbedienungkeine
Bedienung am Gerät / Anzeige & Displaysehr gut
Qualität der Anleitunggut, aber aktuell nur Englisch
Qualität der Appsehr gut
Garantie in Jahren2
Testergebnis2.4
Klangbeschreibungneutral, natürlich und stets zusammenhängend
Klangqualität64/100

Auch bei Klangbeeinflussungen ist der Eversolo breit aufgestellt. Zuerst gibt es einen Equalizer, der entweder per Presets oder sehr detailliert mit grafischem und parametrischem EQ – auf Wunsch kanalgetrennt – den Sound optimieren kann. Es ist sogar möglich, einen von einem Raumkorrrektur-Programm extern erstellten FIR-Filter in den Streamer zu laden, was noch viele weitere Korrekturoptionen bringt. Dank der eingebauten Raumkorrektur kann ein solcher Filter sogar direkt auf dem Gerät erstellt werden.

Die Streaming-Optionen des Eversolo Play im Test

Zum Thema Streaming-Vielfalt über den Play müssen wir etwas ausholen, wobei das Fazit direkt an den Anfang kann: sehr gut, mit Besonderheiten. Zur Erklärung ein Blick auf die verbesserte Touchscreen-Oberfläche des Amps. Dessen am oberen Rand orientierte Menüpunkte sind – ­neben Einstellungen und Klangoptionen – die verschiedenen Wege, Musik auf den Eversolo zu bekommen. „Musikverbindung“ ist dabei im Prinzip „nur“ ein netter Bonus, listet alle gerätefremden Optionen wie die Connect-Optionen von Spotify/Tidal/Qobuz, Roon und AirPlay und erklärt, wie diese zu nutzen sind. Protokolle für die Verbindung zu Servern, wie UPnP, haben auch einen eigenen Punkt.

Dann gibt es noch die Punkte „Musik“ und „Apps“, die beide viele Musikstreamingdienste, Internetradios und so weiter anzeigen. Der Unterschied ist, dass „Musik“ die nativ im Eversolo-System angesiedelten Dienste zeigt, die sich auch in der guten und Multiroom-fähigen Handy-App anwählen lassen. „Apps“ hingegen sind die Programme der Streamingdienste an sich. Diese sind nicht vom Smartphone direkt erreichbar, sondern bieten dafür auf dem Geräte-Touchscreen die gleiche Bedienung wie die entsprechende Handy-App. Möglich macht dies das Betriebssystem, mit dem die Streaming-Sektion arbeitet, welches eine adaptierte Version des Handy-Systems Android ist.

Keine Fernbedienung, aber Touchscreen

In Ermangelung einer Fernbedienung und da man natürlich nicht immer direkt neben dem Play sitzt, ist das erst mal etwas umständlicher, erweitert aber noch mal die Vielseitigkeit. Denn so kann man etwa direkt über den Bildschirm ohne das sonst so gut wie immer nötige Connect auf Spotify zugreifen oder auch von Hi-Res-­Streams von Apple Music Gebrauch machen – die in das Eversolo-System eingebettete ­Apple-­Music-Version kommt nur bis zu 44,1 kHz. Zudem werden dadurch noch mal mehr Dienste eingebunden, etwa Napster oder Apple Music Classical, und der Aufbau der Dienste ist für Nutzer von ihren Handy-Apps bekannt.

Doch es geht noch weiter: Wie es beispielsweise auch bei den Streamern der chinesischen Firma FiiO der Fall ist, kann der Bildschirm des Eversolo auf dem eigenen Handy „gespiegelt“ und darüber kontrolliert werden. So lässt sich alles eben erwähnte dann doch vom Handy aus steuern. Eine praktische und besondere Idee, die hier wie auch bei FiiO neue Möglichkeiten eröffnet, aber in der Nutzung nicht perfekt ist, da die Steuerung so etwas behäbiger wird und immer auf den Bildschirm des Play bezogen bleibt.

Sauberer Aufbau rundum

Wo genau hat Eversolo also gespart? Vielleicht etwas beim Äußeren, das zwar keineswegs schlecht ist, aber preisklassengerecht eher simpel. Aber auch so ist es smart aufgebaut, stabil und hat, etwas ungewöhnlich, Kühlrippen an der Unterseite, was Überhitzungen vermeiden soll. Auf der digitalen Seite hat er zudem wie auch die DMP-Streamer die „EOS-Engine“ eingebaut, die auf Wunsch das vom Betriebssystem eingebaute Upsampling umgeht.

Wie an unseren Messwerten zu sehen, ist auch das technische Innere vielleicht nicht High End, aber alles andere als schlecht. Etwas mehr Leistung oder ein höherer Dämpfungsfaktor könnten in der Praxis nicht schaden, aber auch so sollte der Play mit seinen angedachten Spielpartnern keine Probleme haben. Um kleine bis mittlere Räume mit preislich passenden Boxen – hier etwa konkret die Triangle ­Borea BR04 – kräftig und sauber zu beschallen, reicht es definitiv.

Wie klingt der Eversolo Play im Test?

In einem solchen realistischen Set-up macht der neue Verstärker eine hervorragende Form, seine digitale Vielseitigkeit steht ihm nicht im Weg. Der Play behält stets die Übersicht über das Geschehen, beweist eine schöne Tiefe im Klangbild und lässt auch die Natürlichkeit nicht links liegen. London Grammars atmosphärisches Cover von Kavinskys bereits entspanntem Electro-Track „Nightcall“ löst sich schön von den Lautsprechern und bleibt dabei zusammenhängend und kohärent.

Schielt man ein bisschen nach oben, wird die klangliche Konkurrenz aktiv. Ein Bluesound Powernode stellt den Klang noch breiter und aufgeräumter dar und macht das vor allem mit dem (virtuellen) Pegelsteller weiter vom Maximum entfernt, dadurch etwas entspannter und gelöster. Der Konkurrenz-Streaming-Amp verzichtet im Vergleich freilich auf Bildschirm sowie Raumkorrektur und ein paar Anschlüsse und kostet etwas mehr. Der Eversolo Play ist nämlich durchaus ein in jeder Disziplin äußerst kompetenter Allrounder, bekommt dadurch aber aufgezeigt, dass ein Spezialist klanglich noch einen drauflegen kann.

Falls man bei Eversolo bleiben will, würde die Erfahrung mit einer Kombination aus einem DMP-A6 sowie passendem Verstärker ähnlich aussehen. Da wären wir aber wiederum preislich beim doppelten des Play, der sich als vielseitige und charmante Lösung für budgetbewusste Streaming-Fans präsentiert. Und diesen neben einem einfachen Einstieg auch eine ziemlich große Funktionsvielfalt bietet und dabei auch noch gut klingt!

Die Eversolo-Raumkorrektur im Test

Der im Play eingebaute Equalizer ist ziemlich vielseitig, aber Eversolo geht noch weiter und hat zudem eine Raumkorrektur eingebaut. Diese soll bestenfalls per Messmikrofon erfolgen (das hauseigene kostet 69 Euro) oder alternativ per Handy-Mikrofon, egal ob iOS oder Android. Da seien die Ergebnisse im Zweifel nicht so gut wie per Extra-Mikro, aber sie bieten auf jeden Fall eine Grundlage und werden wie ein FIR-Filter in die EQ-Settings integriert.

In unserem Test mit einem iPhone-Mikrofon (o.) griff die Korrektur über das ganze Frequenzband ein, was selbstredend in den Settings angepasst werden kann. Während die Bass-Absenkung etwa erst mal ein guter Start war, kam sie uns doch klanglich etwas zu stark vor, der Sound wurde agiler, aber gleichzeitig dünner. Das lässt sich per EQ ausgleichen, wir würden uns aber wünschen, dass sich die Zielkurve anpassen lässt, die sonst als Flat oder Flat mit Hochtonabfall vordefiniert ist.

Raumkorrektur: Besser per Messmikrofon

Deutlich besser wurde die Korrektur, wenn wir ein richtiges Messmikrofon nutzten, in unserem Fall das UMIK-1 von MiniDSP (ab 114 Euro) – der Klang war natürlicher und der Eingriff weniger drastisch als beim Handy-Mikro. In Anbetracht der Korrektur (u.) wird klar, dass das hochwertige ­Mikro auch sehr tiefe Frequenzen aufnimmt und in die Korrektur miteinbezieht, während das an sich relativ gute iPhone-Mikro diese nicht erkennt.

Ebenso ist die Messung in den höheren Lagen deutlich authentischer und genauer, womit auch dort die Filtererstellung besser arbeitet. Im Gegensatz zur Neutral-Stellung wirkte alles zwar leicht schmaler, dafür präziser und ausgeglichener, eine Geschmacksentscheidung sowie insgesamt ein gutes Add-on für den Play mit klarer Empfehlung für die Nutzung eines Messmikrofons. Will man das nicht extra dafür kaufen, kann ja der Fachhändler der Wahl vielleicht mit einer Leihgabe oder einem Mess-Service aushelfen.



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