écoute TH1 im Test: Ein Kopfhörer mit Röhren?

Ein neuer Name in der Kopfhörerwelt feiert seinen Einstand. Aus den USA erreicht uns der écoute TH1, der mit seinem eingebauten Röhrenvorverstärker eine Weltneuheit darstellt.

Over-ear beige headphones resting on a rough rock against a purple-blue bokeh background, angled to show ear cups and headband details.

Testfazit: écoute TH1

Der écoute TH1 verbindet die Wärme einer Röhrenvorstufe mit der Bequemlichkeit eines modernen Bluetooth-Kopfhörers und überzeugt mit einem warm-vollmundigen Klang. App und Anschlüsse sind gut, ein paar Minuspunkte gibt es in der Praxis aber.
Praxisnote: gut 2,5
Klangpunkte: 95 / 100

Pro

  • Warmer und natürlicher Röhrenklang
  • Vielfältige App-EQ-Optionen
  • Guter Tragekomfort

Contra

  • Keine automatische Pausenfunktion oder Ambient Mode
  • Verarbeitung der Polster nicht makellos
  • Mikrofone könnten besser sein

Die Entwickler von Kopfhörern scheinen ihre schöpferische Pause beendet zu haben und beglücken uns seit geraumer Zeit wieder mit innovativen Ideen. Aktuellstes Beispiel ist der uns bislang unbekannte Hersteller écoute, dem es gelungen ist, kleine Röhren in die Muscheln eines Kopfhörers zu implantieren, ohne ein schweres und riesiges, auf dem Kopf lastendes Konstrukt zu kreieren.

Des Rätsels Lösung lautet NuVista, ein spezieller, sehr kleiner Röhrentyp mit nur geringer Hitzeentwicklung und minimalem Platzbedarf, der einigen unter Ihnen vielleicht aus Verstärkern von Musical Fidelity bekannt vorkommen dürfte.

Was steckt technisch im écoute TH1?

Doch wie die Erfahrung lehrt, macht nicht eine spektakuläre Idee die Güte eines Produkts aus, sondern das Gesamtpaket aus Technik, Klang, Verarbeitung. Bei Kopfhörern entscheidet darüber hinaus insbesondere der Tragekomfort darüber, ob der Daumen der Tester und des Publikums nach oben oder unten zeigt.

Blicken wir zunächst auf das äußere Erscheinungsbild, das durch den Einsatz von reichlich Metall grundsätzlich solide wirkt. Allerdings ist die Polsterung des Bügels am unteren Rand sehr hart, auf dem Kopf jedoch ausreichend weich, was auch auf die mit Memoryschaum gefüllten, austauschbaren Ohrpolster zutrifft. Das verwendete Material fühlt sich allerdings ziemlich nach Kunstfaser an und ist nicht ganz gleichmäßig vernäht, was wir in dieser Preisklasse unerfreulich finden.

Aktiv oder passiv: Bluetooth, USB und Klinke

Der Hörer ist als geschlossenes Modell konzipiert und kann per Bluetooth 5.3 in einem Umkreis von rund zehn Metern als auch über das mitgelieferte USB-C-Kabel oder alternativ mit dem ebenfalls im Lieferumfang enthaltenen, circa zwei Meter langen Spiralkabel mit 3,5-mm-Klinkenstecker mit einer Quelle verbunden werden. Die maximale Auflösung mit bis zu 32 Bit / 384 kHz ist ausschließlich dem USB-C-Anschluss vorbehalten und wird von gleich zwei Wandlerchips ermöglicht. Dazu gesellt sich der den Klang etwas komprimierende und Dynamik raubende Bluetooth-Eingang.

Die Verbindung per 3,5-Millimeter-Miniklinken-Kabel bietet gleich zwei Möglichkeiten: Wenn der Kopfhörer eingeschaltet ist und man dann diese Kabelverbindung wählt, arbeitet er im sogenannten „analogen Aktivmodus”. Hier durchläuft das Signal den Digitalen Soundprozessor und den Röhren-Vorverstärker. Über die App kann man dann per DSP den Klang noch weiter anpassen.

Der Röhren-Hörer kann auch passiv spielen

Wenn Sie über eine Quelle mit hochwertigem Anschluss für Kopfhörer verfügen, können Sie alternativ den rein passiven Modus unter Umgehung des internen DSP, DAC und der aktiven Verstärkung nutzen und so den ursprünglichen Klangcharakter der Quelle bewahren. Keine Röhre, keine interne Verstärkung, keine alternative Abstimmung – Ihre Quelle treibt die 40 Millimeter großen, titanbeschichteten Treiber des écoute-Kopfhörers direkt an. Trotz der Umgehung der Verstärkersektion mit dem konsequenten Doppel-Mono-Aufbau in Class-AB-Technik versprechen die Amerikaner mit dem französischen Namen aber auch in dieser Betriebsart eine besonders gute und weiträumige Klangbühne.

écoute
TH1
Produktart Kopfhörer,wireless, Over Ear
Internetadressehttps://ecouteaudio.com/
Preis in Euro899
Abmessungen (BxHxT) in cm21 x 16,8 x 9,2
Gewicht (in Gramm)420
Vertriebhttps://www.audiodomain.de/
Kontakttelefonnummer+49 201 79939408
Farbvariantensilber; gunmetal
Bedienung 25 %gut 2,2
Koppelnsehr einfach
Bedienung Ohrhörer: Funktionen und Bedienungviele / sehr einfach
App: Funktionen und Bedienungetw. wenige / sehr einfach
Tragekomfortgut
Ergonomie und Anpassbarkeitbefriedigend
Qualität der Anleitunggut
Links-Rechts-Kennzeichnunggut
Ausstattung & Funktionen 60 %befriedigend 2,6
Akkulaufzeitlang
Gleichzeitige Verbindung mit mehreren Gerätennein
Equalizerja
Auto-Pausenein
Sprachassistentenja; Siri, Google
3D-Soundnein
Analog-Anschlussja
Enthaltenes ZubehörCase, Ladekabel, Klinkenkabel
Verarbeitung und Materialbefriedigend
Mikrofon-Qualitätbefriedigend
Noise Cancellationgut
Ambient Modenein
Abschirmunggut
Service & Umwelt 15 %gut 2,5
Verpackungbefriedigend
Garantie (in Jahren)gut (2)
Praxis-Notegut 2,5
KlangbeschreibungRöhren sorgen für eine angenehm milde Abstimmung , die sich per DSP-Programmen vielfältig anpassen lässt.
Klangqualität95/100

Die maximale ununterbrochene Spieldauer beträgt selbst bei hoher Lautstärke und eingeschaltetem Active Noise Cancelling-System (ANC) fast 24 Stunden, die Ladezeit beträgt recht lange 3,5 Stunden.

ANC, Telefonieren und Sprachassistenten

Das selbstverständlich abschaltbare ANC verrichtet seinen Dienst unspektakulär, was in der Praxis bedeutet, es unterdrückt Störgeräusche gut und verändert den Klang dabei lediglich geringfügig. Auch telefonieren ist mit dem écoute möglich, allerdings wäre die dabei erzielte Übertragungsqualität durch den Einsatz mehrerer Mikrofone sicherlich noch ausbaufähig. Was der écoute im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern nicht hat, ist die automatische Pausenfunktion, sobald man ihn vom Kopf nimmt. Zum Ausgleich ist er mit Siri und Google Assistant kompatibel.

Spannend und gelungen ist nach unserer Erfahrung die App, mit der sich nicht nur die maximale Lautstärke begrenzen lässt, sondern in der auch verschiedene Frequenzgangkurven vorprogrammiert sind, die sich darüber hinaus noch mit fünf individuell erstellten Kurven ergänzen lassen. So kann man je nach aktuellem Programm und dessen Qualität noch korrigierend eingreifen, und das in Echtzeit. Als neutral und tonal besonders ehrlich zeigten sich dabei die als „Gold-Standard“ geltende „Harman-Kurve“ sowie die hauseigene „écoute“-Einstellung.

All das lässt sich einfach und damit benutzerfreundlich ohne Eingewöhnungszeit bedienen, was bei Bluetooth-Hörern mit ANC-Geräuschunterdrückung leider nicht selbstverständlich ist.

Die Pflicht hat der Kandidat aus den USA damit fast makellos absolviert, und es wird Zeit, Sie über seine akustischen Meriten in Kenntnis zu setzen. Dabei erstaunte uns zunächst einmal, wie gering das Gewicht des écoute trotz Röhren-Vorverstärkers, Class A/B-Endstufen, integrierten D/A-Wandlers und großzügigen Einsatzes von Metall ausfällt: Lediglich rund 420 gut ausbalancierte Gramm bringt der TH1 auf die Waage, und entsprechend unauffällig und langzeittauglich war unser Eindruck vom Tragekomfort, der während unserer Testphase keinen Anlass zur Kritik bot, denn der Anpressdruck ist ziemlich perfekt austariert und die Wärmeentwicklung mäßig.

Wie klingt der écoute TH1 mit Röhrenvorstufe?

Zwar hat der Hersteller dafür gesorgt, dass sich der Einsatz der kleinen Röhren merklich in Szene setzen kann, jedoch ohne lästig zu werden, wie es bei tonalen Verfärbungen häufig der Fall ist. Hier funktioniert der sanfte, leicht ätherische Röhrenklang zumindest in den etwas moderateren Einstellungen der App, also ohne intensive Anhebung von Bässen oder Höhen. Es wird ein warmes sowie vollmundig-üppiges Klangbild mit viel Luft um einzelne Schallereignisse wahrgenommen.

Weibliche wie männliche Stimmen ertönen quer durch die Genres natürlich, kraftvoll und mit einer Prise geradezu elektrisierender Wärme. Glücklicherweise widerstanden die Entwickler aber der Versuchung, aus dem Schuss Wärme einen „Schluck aus der Pulle“ werden zu lassen. Vielmehr dosierten sie die Wirkung des angestrebten Röhrensounds auf ein wahrnehmbares, aber dezentes Maß, sodass keine Details und charakteristischen Eigenschaften von Stimmen oder Instrumenten überdeckt oder verfälscht wurden. Als Testtracks dienten uns hier von Haindling über Otis Redding bis zu Judith Hill und Lyn Stanley zahlreiche markante Vokalisten beiderlei Geschlechts.

Auch dynamisch sowie in der Disziplin tiefe Töne spielte er sauber und zugleich nachdrücklich, reproduzierte diesen Frequenzbereich mit kräftigem Fundament. Der Newcomer zeigte an einer bachschen Kantate, auf einer großen Orgel von Virgil Fox gespielt, dass er von seinen Schöpfern mit Genen ausgestattet wurde, die das Musikhören zum Vergnügen werden lassen. Erfreulich zudem, dass auch keinerlei Dröhneffekte wahrnehmbar sind.

Der röhrenbestückte TH1 ist zweifellos eine Bereicherung des Angebotes, der klanglich vollends zu überzeugen weiß.



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