Duevel AttikA im Test: Rundumstrahler für den Schreibtisch?
Was ohne Kontext erst mal nach modernistischer Skulptur aussieht, ist ein ziemlich interessanter Lautsprecher: die Duevel AttikA, ein Rundumstrahler konzipiert für den Schreibtisch.

Die Duevel AttikA sind vielleicht einer unserer ausgefallensten Tests der letzten Zeit. Eine große Besonderheit bringt bereits der Name Duevel mit sich – denn die deutsche Manufaktur konstruiert omnidirektionale Lautsprecher, also Modelle, die in jede Richtung gleichermaßen abstrahlen. Mehr dazu später, zur Einordnung erst mal die zweite Besonderheit: die AttikA sind ein Paar Schreibtisch-Lautsprecher. Das ist zwar ein Novum für die Firma, aber noch nichts allzu Ungewöhnliches. Von günstigen PC-Boxen über Nahfeldmonitore bis zu kompakten HiFi-Aktivboxen lässt sich heutzutage auch am Schreibtisch gut und einfach Musik hören. Nur vielleicht bis dato nicht in der Form von omnidirektionalen Lautsprechern.

Noch aufsehenerregender als das Aufeinandertreffen der Konzepte ist zumindest optisch erst mal das Design der AttikA. Denn diese werden nicht auf den Schreibtisch gestellt, etwa neben den Computer-Monitor, sondern an dessen Seite gehangen! Mehr als die Hälfte des Lautsprechers ist damit unter dem eigentlichen Tisch positioniert. Dass die Boxen auch klassisch auf ein Sideboard gestellt oder in einem Schrank eingehängt werden können, sei hier auch erwähnt, wobei wir wie auch Duevel die (Schreib-)Tisch-Nutzung als das primäre Einsatzfeld sehen würden.
Das Konzept der Duevel AttikA genauer beleuchtet
Während die Konstruktion einzigartig ist, zeigt ein genauer Blick die simple Idee dahinter. Denn der Schallwandler an sich – ein omnidirektionaler Koaxial-Treiber – thront oben auf der Konstruktion und damit über dem Schreibtisch, alles unter der Tischplatte ist bedämpfter Hohlraum.
Letzteres nennt sich auch „Gehäusevolumen“, dessen sinnvolle Erhöhung und Belüftung, wie hier durch eine Bassreflexöffnung, mehr Druck und Tiefgang im Bass verspricht. Eines der erklärten Ziele der AttikA, auch mit Blick auf typische Arten, am Tisch Musik zu hören: kleine PC-Boxen und Kopfhörer. Im Vergleich zu Letzteren sollen die Duevel dann auch eine höhere Natürlichkeit bieten, mindestens dadurch, dass der Schall eben von außen kommt und nicht direkt auf die Ohren.

Ganz außer Acht gelassen haben wir bisher eine weitere Besonderheit der Boxen im Vergleich zu quasi allen expliziten PC-Lautsprechern. Sie sind nämlich passive Modelle ohne eingebauten Verstärker. Für die praxisnahe Verbindung zu PC oder Mac braucht es also einen kleinen Amp, der auf dem Schreibtisch Platz nimmt. Die griffigen Inputs der Duevel befinden sich ebenfalls auf ihrer unteren Hälfte, sozusagen im „Fuß“. Das ermöglicht schickes und unsichtbares Kabelmanagement, auf kosten davon, dass man möglicherweise einmal unter den Tisch klettern muss.
Messung und Realität im Vergleich
Der von uns gemessene Wirkungsgrad von 78,5 dB wäre für normale Lautsprecher sehr niedrig. Einerseits ist ein Rundumstrahler aber keine normale Box, und die Messung bezieht sich nur auf den Direktschall und ist daher nur bedingt aussagekräftig. Andererseits spielen Nahfeld-Boxen in der Regel deutlich leiser als eine klassische Stereo-Kombi, da Lautsprecher und Ohren einfach näher aneinander sind. Der für diese Messung fest definierte Abstand von einem Meter zum Messmikrofon wäre für ein Wohnzimmer-Set-up ausgesprochen klein, am Schreibtisch erreicht man ihn vielleicht gar nicht.

Soll heißen: Auch mit einem preislich passenden, kompakten Verstärker, der kein Leistungsmonster ist, lässt sich mit der AttikA auf angemessenen Lautstärken gut Musik hören. Und auch abseits vom Schreibtisch kann etwa ein kompakter Streaming-Amp genug Power haben, um mit den AttikA ein kleines bis durchschnittliches Wohnzimmer ordentlich zu versorgen.
Das Omnidirektional-Konzept von Duevel
Omnidirektionale Lautsprecher sind selten, wirken damit erst mal exotisch und sind preislich oft hoch angesiedelt. Doch die Idee kann auch ohne fünfstelligen Preis umgesetzt werden. Der Duevel-Lautsprecher hat nämlich einen relativ konventionellen Koaxial-Treiber, der nach oben zielt. Diesem wird eine Art Horn-Trichter vorgesetzt, der dafür sorgt, dass der abgegebene Schall gleichmäßig in jede Richtung geleitet wird. Dass für ein zufriedenstellendes Ergebnis die Abstimmung von Treiber und Horn ziemlich präzise erfolgen muss, ist eine der Herausforderungen beim Bau eines solchen Konzepts.

Geht das Konzept auf und der Klang wird gleichmäßig in jede Richtung verteilt, kommen einige Vorteile zum Tragen. Etwa die Verbreiterung des Sweet Spots, was das Hören aus verschiedenen Positionen und mit mehreren Personen gleichzeitig ermöglichen soll. Das ist für ein Desktop-System nicht der relevanteste Punkt, trotzdem ein Vorteil. Die Boxen mit gleichem Abstand zum Sitzplatz aufzubauen ist dennoch empfehlenswert.
Besserer Klang in jedem Raum?
Der nächste Aspekt, den Duevel optimieren will, ist der Raum. Bei direktstrahlenden („normalen“) Lautsprechern beinhaltet das von Wänden abgestrahlte Echo am stärksten den Bass, da nicht alle Frequenzen gleichermaßen in jede Richtung ausgegeben werden. Bei omnidirektionalen Modellen hingegen wird alles gleichmäßig abgestrahlt, wodurch auch das reflektierte Echo der Wände, Decken und Böden harmonisch klingen soll.

Herausforderungen der Lautsprecher-Aufstellung wie Einwinkelung werden dadurch nebenbei eliminiert. Etwas Wandabstand würden wir empfehlen – direkt vor einer Wand klingen sie nicht schlecht, verlieren aber leicht Bühnentiefe und Balance. Die Bassreflexöffnungen können jeweils nach innen (mehr Bass) oder außen (weniger Bass) zeigen. An einem Tisch können die Boxen an sich überall rundherum platziert werden; außer die Wand ist im Weg.
Praktische Aspekte beim Umgang mit der Duevel AttikA
Dass die 28,5 cm, die das Konstrukt unter unserem Test-Tisch misst, nicht ignoriert werden können, sollte bedacht werden. Vor allem, falls die Boxen direkt neben dem Sitzplatz hängen, sollte man aufpassen, nicht zufällig gegen sie zu stoßen, auch wenn sie ausgesprochen gut am Tisch halten. Sobald sie etwas lauter spielen, können sie zudem leichte Vibrationen übertragen. Dafür liegen im Paket ein paar praktische anklebbare Dämpfer. Auf leiser „Nebenbei Hören“-Lautstärke wackelt der Tisch damit nicht, wenn es in Party-Richtung geht, kann ein normaler Schreibtisch schon etwas vibrieren. Was aber auch bei Direktstrahlern passiert.
| Duevel | |
|---|---|
| AttikA | |
| Produktart | Kompaktlautsprecher (passiv) |
| Internetadresse | duevel.com |
| Preis in Euro | 650 (schwarz, weiß 685) |
| Abmessungen (BxHxT) in cm | 16 x 49 x 28,5 |
| Gewicht in kg | 5 |
| Deutschlandvertrieb | Duevel |
| Kontakttelefonnummer | +49 5475 206427 |
| Prinzip | Dynamisch, Omnidirektional, 2-Wege Koaxial, Bassreflex |
| Terminal | Single-Wire |
| Infos zur Empfohlenen Aufstellung | Position am Schreibtisch nach Geschmack, etwas Wandabstand |
| Messwerte 40 % | befriedigend 2,9 |
| Frequenzgang | gut |
| Kennschalldruck (in Dezibel) | sehr niedrig (78,5) |
| Impulsantwort | befriedigend |
| minimale Impedanz | n.M. |
| Verzerrungen bei 63/3k/10k Hz (in Prozent) | befriedigend (1,3 / 0,17 / 0,18) |
| Kombinationsfähigkeit | gut |
| Ausstattung & Handhabung 60 % | befriedigend 2,6 |
| Aufstellung | sehr einfach, flexibel |
| Qualität der Anleitung | sehr gut |
| Erste Inbetriebnahme | einfach |
| Klangkorrektur möglich | nein |
| Gehäuseausführungen | 2 |
| Lieferumfang | Absorber |
| Haptik & Verarbeitung | gut |
| Upgradefähig | nein |
| Garantie (in Jahren) | 2 |
| Praxis-Note | 2.7 |
| Klangbeschreibung | Räumlich und frei-luftig, dabei gut in Bass, Natürlichkeit und Plastizität: Konzeptbedingt nicht maximal direkt, auch Unterschiede ja nach Aufstellung |
| Klangqualität | 64/100 |
Hängen die Boxen direkt neben dem Stuhl, wird deutlich, warum Duevel sie als Alternative zu Kopfhörern sieht. Denn in dieser Position kann es so wirken, als wäre man in der Mitte der Klangbühne, und Stimmen landen direkt im Kopf – zuerst ungewohnt, aber vergleichbar mit dem Gefühl bei Kopfhörern, die direkt auf die Ohren strahlen. Dazu kommt bei den AttikA jedoch ein deutlich höheres Maß an Räumlichkeit und Luftigkeit.
Duevel AttikA gegen klassische Lautsprecher
Analog zu klassischen PC-Boxen ist der einfachste Aufbau links und rechts neben dem Bildschirm – das Klangbild ist gewohnter, Stimmen sind frontal, aber die Luftigkeit ist ebenso beachtlich. Bei einer Platzierung an der Tisch-Seite wirkt die Bühne am größten und breitesten.

Im Vergleich mit gleich teuren Direktstrahlern am Schreibtisch oder im Wohnzimmer werden Stilunterschiede deutlich. Eine B&W 607 S2 beispielsweise wirkt präsenter, präziser und direkter. Die Duevel hingegen haben eine in jede Dimension hervorragend ausgebreitete Bühne, sind dabei trotzdem fokussiert, Stimmen wirken ansprechend zentral und plastisch, dadurch auch natürlich und glaubhaft. Eine bei dieser Luftigkeit vielleicht befürchtete „Zerfaserung“ des Klangs tritt keineswegs auf, der Zusammenhang einzelner Elemente bleibt bestehen.
Beachtlich ist zudem, wie tief die Boxen herunterreichen und so die tief gestaffelte Bühne mit natürlichen Fundament füllen, auch wenn es woanders teils härtere Impulse oder höhere Kantenschärfe gibt. Was nicht bedeuten soll, dass der kurios geformte Rundumstrahler verwaschen oder schwach klingt, eher im Gegenteil; nur verdeutlichen sie ihren Konzeptunterschied. Und bringen ein gutes Argument hervor, warum man sich dieses mal anhören sollte. Form und Klangstil sind initial vielleicht etwas ungewohnt, aber faszinierend sowie musikalisch, und das flexible Konzept geht am Schreibtisch definitiv auf – eine ausgefallene Idee konsequent umgesetzt.


