Dual CS 718Q im Test: Direkttriebler in großer Tradition

Duals Direkttriebler zählten zur Plattenspielerelite der 70er- und 80er-Jahre. Der neue CS 718Q knüpft nicht nur namenstechnisch an die große Tradition an. Kann er diese erfolgreich fortführen?

Dual_CS-718Q

Testfazit: Dual CS 718Q

Der Dual CS 718Q verbindet Direktantrieb und ausgefeilte Tonarmtechnik mit einer explizit geordneten, farbig-vollmundigen und musikalischen Wiedergabe. Für rund 2.500 Euro ein vielseitiger Manuell-Dreher, der dem großen Namen Dual gerecht wird.
Praxisnote: sehr gut 1,4
Klangpunkte: 71 / 100

Pro

  • Geordnete und farbige Wiedergabe
  • Tonarmhöhenverstellung
  • Cinch- und XLR-Ausgang

Contra

  • Ohne Tonabnehmer geliefert
  • Keine manuelle Drehzahlfeinregulierung

Schon klar: In den vergangenen Jahrzehnten hat sich in der HiFi-Szene einiges verändert und getan. Zum Beispiel haben sich aufgrund des Trends zum immer Größeren, Aufwendigeren und Teureren drastisch die Maßstäbe verschoben. Deshalb hätte der 1976 erschienene Dual CS 721, der damals vielen Vinylhörern als Traumgerät und Markstein galt, heute nicht mehr diesen Stellenwert.

Lässt man jedoch mal all die hochpreisigen highendigen oder gar Superplattenspieler außer Acht und besinnt sich auf die anspruchsvolle audiophile Klasse, kann Duals exakt 50 Jahre später vorgestelltes, aktuelles Spitzenmodell CS 718Q erneut mit bestechender Verarbeitung und cleverer Funktionalität punkten.

Wie sein Urahn bietet dessen rund 2.500 Euro teurer Erbe einen Quartz-kontrollierten Direktantrieb, was damals für einen Vinyldreher, noch dazu einen aus Deutschland, eher ungewöhnlich war und für entsprechendes Aufsehen sorgte. Um die Brisanz zu verstehen, muss man sich in Erinnerung rufen, dass zu dieser Zeit die Schallplatte das Qualitätsmusikmedium Nummer eins war. Bis zur Vorstellung der als Ablösung gedachten CD dauerte es noch sieben Jahre. Dass diese nun vom Streaming bereits aus vielen Märkten verdrängt wurde, während die einst spätestens für die späten 80er totgesagte Vinylscheibe seit 15 Jahren zunehmend wieder an Bedeutung gewinnt, darf man wohl als Ironie der HiFi-Geschichte begreifen.

Nichtsdestotrotz hatte die Analogbranche – egal ob Gerätehersteller oder Presswerke – nach der CD-Premiere eine rund 25-jährige Durststrecke mit vielerlei betrieblichen Veränderungen zu durchschreiten, bevor es wieder aufwärts ging. Umso erfreulicher ist es, zu sehen, dass die heutige, im oberbayerischen Fuchstal ansässige Dual GmbH, der Duals ehemaliger Exportleiter Dr. Josef Zellner als Geschäftsführer vorsteht, von Personen getragen wird, die schon früher dabei waren. Diese kennen und verstehen ihr Produkt, seinen traditionellen Stellenwert wie die technische Philosophie dahinter.

Was macht den Tonarm des Dual CS 718Q besonders?

Rein optisch zeigt der moderne CS 718Q seine Abstammung vor allem durch das Dual-typische U-förmige Profil des Vertikallagers der kardanisch ausgeführten Tonarmaufhängung. An deren Drehpunkten sorgen winzige, extrem leichtgängige Pivot-Kugellager für spielfreie Beweglichkeit bei minimalen Reibwerten. Die Anti-Skating wirkt mittels Federzug.

Das Tonarmrohr selbst ist für maximale Stabilität und Resonanzarmut ein zweilagiges Sandwich, wobei auf dem inneren Aluminiumtubus eine Carbonschicht liegt. Vorne ist per Überwurfmutter die abgewinkelte, für den CS 718Q ebenfalls aus Alu gefertigte Headshell angeschraubt. Diese hat seitlich eine Schraube, die nach dem Lösen Azimuth-Einstellungen, also das Verdrehen der Headshell, erlaubt.

Die Auflagekraft erfolgt wie schon beim Vorläufer CS 721 masselos über eine von der Schwerkraft unabhängige Zugfeder, was selbst bei welligen Platten konstanten Druck auf den Abtastdiamanten bewirken soll. Der Clou ist jedoch die gleitende Höhenverstellbarkeit des Tonarms. Abhängig von der Bauhöhe des Tonabnehmers muss diese jeweils angepasst werden. Beim CS 718Q geschieht dies über einen oben mit griffiger Rändelschraube versehenen Zylinder. Für die Justage wird ein rückwärtiger Fixierbolzen gelöst, danach gleitet das gesamte Tonarmmodul durch Verdrehen der sämig laufenden Rändelmutter je nach Richtung sanft nach oben oder unten.

Dies geschieht so erschütterungsarm, dass es während des Spielens erfolgen kann, klangliche Veränderungen des „Vertical Tracking Angle“ (VTA) sind ergo unmittelbar verfolgbar. Und dies am besten vom Hörplatz aus, indem eine zweite Person den Arm leicht auf und ab bewegt. Neben tonalen Veränderungen – steht die Armbasis etwas höher, gerät die Wiedergabe tendenziell krisper und präsenter, während sie im Gegenzug meist leicht matter erscheint – offenbaren sich zudem Unterschiede hinsichtlich der Randschärfe zum Beispiel von zentralen Stimmen, die besonders gut unter dem Kopfhörer auszumachen sind.

Cinch oder XLR: So gibt der CS 718Q das Phono-Signal aus

Auf diese Weise ist die Performance abseits der von den Tonabnehmerherstellern empfohlenen geraden Ausrichtung des Tonarms zur Plattenoberfläche, die sich natürlich ebenso präzise „anfahren“ lässt, optimierbar. Zum Schluss einfach den silbrigen Feststeller wieder festziehen – fertig!

Die Phono-Signale führt der ohne Tonabnehmer gelieferte CS 718Q entweder an normalen Cinch-Buchsen oder aber für den dreipoligen, „symmetrischen“ Anschluss über ein Paar XLR-Kontakte heraus. Da immer mehr Phono-Vorstufen diese Option bieten, entspricht Dual diesem Trend. Im Zusammenhang mit MC-Abtastern lässt sich so klanglich noch mehr herausholen. MM-Pick-ups, die in der Regel mit der Tonarmmasse kontaktieren, eignen sich oft nicht für die „Symmetrie“, weil dies Brummschleifen erzeugt.

Grundsätzlich ist der CS 718Q ein manueller Plattenspieler, dessen oben wie unten von Gummiauflagen bedämpfter 1,9-Kilo-Teller anläuft, sobald man den Tonarm über die Platte schiebt. Wer allerdings den hinten platzierten „Auto Stop“-Schalter auf „On“ rückt, aktiviert die praktische, berührungslos funktionierende Endabschaltung des Duals, die während unserer Checks selbst bei weit nach innen geschnittenen LPs und Singles zuverlässig arbeitete. Nach rund vier Umdrehungen in der Auslaufrille hob diese den Arm von der Scheibe, wobei der Lifthebel motorisch umgelegt wird, und der Teller hielt an.

Aufbau und Justage: Wie schnell spielt der Dual?

Aufgebaut ist der CS 718Q auch dank der deutschsprachigen, reichhaltig bebilderten Anleitung in kurzer Zeit. Achtung: Unbedingt die MDF-Zarge mithilfe der intern gegen Trittschall bedämpften, gleichfalls höhenverstellbaren Füße gerade ausrichten. Dank der mitgelieferten, für alle CS-Duals passenden und deshalb auch einzeln angebotenen Überhanglehre, die die Position der Abtastnadel vorgibt, ist der Einbau eines Tonabnehmers in die Headshell keine Wissenschaft.

Dann den Arm mit dem hinteren Gewicht, das zusätzlich beschwert werden kann, ausbalancieren und an der seitlichen Skala den gewünschten Auflagedruck einstellen. Nachdem man die Anti-Skating zum selben Zielwert gedreht hat, kann es schon losgehen.

Wie klingt der Dual CS 718Q im Hörtest?

Wir haben den Top-Dual – ein vollautomatischer CS 629Q ist für 2027 angekündigt – vor allem mit den beiden Ortofon-Pick-ups 2M Black (MM) und MC X50 (MC) gehört. Beide sind echte Allrounder, die überdies – wie wohl die allermeisten der für diesen infrage kommenden Tonabnehmer – bestens an den mittelschweren Tonarm des CS 718Q passen.

Ganz egal, welcher Abtaster gerade spielte, überraschte der neue Dual – Netzphase nach rechts! – mit seiner explizit gelösten, aber auch plastisch-dreidimensionalen Darbietung des von uns so oft gehörten Openers aus Diana Kralls „Live In Paris“-Album. Die bei der Aufnahme so gekonnt eingefangenen Ebenen des Tiefenreliefs wurden klar abgebildet und zugleich die Stimme der kanadischen Künstlerin randscharf umrissen. Zugleich erschien die wie unmerklich dem Titel unterlegte Bassspur kantig strukturiert. Nichts von brummeliger Undifferenziertheit oder einem Rüberschmieren der tiefen Lagen in die Mitten.

Der CS 718Q ging betont sauber und geordnet zu Werke, präsentierte zugleich seine aufgefächerten Klangbilder jedoch wie aus einem Guss. Keine Spur von der etwas analytisch-nüchternen Diktion, die den Dual-Drehern vor Jahrzehnten zuweilen zugeschrieben wurde. Der Neue klingt farbig-vollmundig, ohne zu dick aufzutragen, sodass auch Nagaokas offen und leicht tönendes MP-700 zur Geltung kam.

Als wolle dieser dem alten (Vor-)Urteil entgegentreten, ließ der gegen äußere Anregung erfreulich resistente CS 718Q Fourplays lockerem „Dream Come True“ trotz dessen trockener Drums seine tonale Substanz und Lee Ritenours virtuos gespielte Gitarre markant aus den Lautsprechern herausspringen. Das präsentknallige „Kiss And Tell“ von Bryan Ferry kippte nicht ins Vordergründige oder gar Bissige, gleichwohl das Schlagzeug hochdynamisch in Szene gesetzt wurde.

Und wer erlebt hat, wie geschmeidig, ja, elegant die melancholische Jazz-Ballade „Les Adieux“ des Sebastian Sternal Trios inklusive filigran gewebten HiHat-Gespinsten dem Newcomer von der Nadel ging, erkennt dessen ausgeprägte Musikalität. Kein Zweifel, der CS 718Q ist des großen Namens Dual würdig!

Dual
CS 718 Q
Produktart Plattenspieler
Internetadresse www.dual.de
Preis in Euro2,498
Abmessungen (BxHxT) in cm43,5 16 x 37
Gewicht in kg10
DeutschlandvertriebDual
Kontakttelefonnummer*+49 8191 9157770
Plattenspielertyp / Antriebsprinzip manuell mit oder ohne Endabschaltung, direkt
Bluetooth / Anschlüssenein / Cinch und XLR
Integrierter Phono-Pre / Tonabnehmer inkl. nein / nein
Messwerte 35 %gut 1,6
Rumpelngut
Drehzahlabweichung (in Prozent)sehr gut (0,002)
Stromverbrauch Leerlauf (in Watt)sehr gut (1,8)
Ausstattung 25 %sehr gut 1
Abdeckhaube vorhandenja
Haptik & Verarbeitungsehr gut
Tonarmkabel austauschbarja
Geschwindigkeiten in U/min 33, 45, 78
Tempofeineinstellung oder Regelautomatikja, Quartzkontrolle
Trittschalldämpfungja, bedämpfte Füße
Harter Netzschalterja
Handhabung & Bedienung 40 %sehr gut 1,3
Geschwindigkeitsumschaltungper Drehsteller
Qualität der Anleitunggut
Garantie (in Jahren)gut (5)
EinstellbarkeitTonarmhöhe, Fußhöhe, Azimuth
Headshell abnehmbarja
Erste Inbetriebnahmesehr gut
Einstellkomfortsehr gut
Praxis-Note1.4
KlangbeschreibungExplizit geordnete und weiträumige sowie farbige und tonal substanzielle Wiedergabe mit ausgeprägter Musikalität
Klangqualität70/100

Antrieb, Tonarmlager, Auflagekraft: die Technik-Hits

Laufruhe in Form eines gleichmäßigen Vortriebs soll aufgrund der vier eisenlosen Spulen im auf Langlebigkeit gezüchteten Direktantrieb des Duals gegeben sein. Polruckeln und winzige Stoppeffekte durch „Cogging“, also den ruck- oder stufenartigen Drehmomentverlauf bei Permanentmagnetmotoren, sollen so ausbleiben. Auf eine Drehzahlfeinregulierung wurde hier verzichtet, da die quartzbasierte Laufwerkskontrolle die Drehzahlen sehr präzise einhält.

Hochpräzise Kugellager an den Drehpunkten des kardanischen Tonarmlagers (Pivots) sorgen in der Kombination mit geschliffenen Lagerspitzen für niedrigste Reibwerte sowie eine feste, spielfreie Verbindung aller Teile. Dies unterstützt gemeinsam mit dem steifen Sandwich-Rohr die Präzision der Wiedergabe.

Besonders stolz ist Dual aber auf die komplexe Vorrichtung zur masselosen Einstellung des Auflagedrucks. Die dafür eingesetzte Feder mit genau definierter Windungszahl und Materialstärke wird für optimale Langzeitkonstanz einer Wärmebehandlung unterzogen und soll in allen Lagen exakt den eingestellten Wert halten.



Die mit einem gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links. Erfolgt darüber ein Einkauf, erhalten wir eine Provision. Für Sie entstehen dabei keine Mehrkosten und Sie unterstützen damit unsere Arbeit. Die redaktionelle Auswahl und Bewertung der Produkte bleibt davon gänzlich unbeeinflusst.

Ähnliche Beiträge


Enable Notifications OK No thanks