DALI Kupid Test: Super-Günstiger Lautsprecher-Tipp?

Was man für 338 Euro mit der DALI Kupid bekommt, ist unglaublich – sie ist zwar winzig, beweist im Test aber sensationellen Klang!

DALI Kupid

Testfazit: DALI Kupid

Die DALI Kupid setzen in ihrer Preisklasse neue Maßstäbe und spielen klanglich mitreißend. Etwa an den Messwerten sieht man die niedrige Preisklasse etwas, aber die Kupid klingen schlicht hervorragend und sind dazu noch attraktiv gestaltet.

Pro

  • Ausgesprochen günstig
  • Mitreißender und lebendiger Sound
  • Erstaunlich kräftig für die Größe

Contra

  • Erwartbar unterdurchschnittlicher Wirkungsgrad
  • Gemessene Verzerrungen im Bass etwas hoch

Ein echtes Pfund liefert die DALI Kupid nicht zuletzt dadurch, dass es sie in einem knappen halben Dutzend attraktiver und trendiger Farben gibt: Esche schwarz, Caramel White, Walnuss, Goldgelb und Chilly Blue, wobei Bassmembran und Bespannung jeweils farblich angepasst sind. Das muss man gesehen haben! Zwar vermissen wir eine Rotvariante ­etwas, aber DALI wird aus Erfahrung wissen, was sich verkauft und was ­weniger. Vielleicht wird hier je nach Nachfrage ja noch nachgelegt. Unsere Testversion in Chilly Blue gefällt uns jedenfalls gut, die gelbe ebenso, und die konservativere Schiene ist mit Schwarz, Weiß und Walnuss ja auch vertreten. Aber das ist natürlich Geschmacksache.

Klanglich erinnert die Kupid durchaus an ihre größeren und höherrangigen Geschwister. Dafür verantwortlich zeichnet derselbe technologische Ansatz, lediglich mit der Maßgabe „Keep it simple“. Wir saugen uns das nicht aus den Fingern, sondern haben uns den „Spaß“ erlaubt, parallel zu den Kupid die in Litern etwa dreieinhalbmal so großen und fast achtmal teureren Rubikore 2 aufzubauen.

Neuer Maßstab für Einstiegs-Lautsprecher?

DALI verfügt in dieser sehr günstigen Klasse um 300/350 Euro, wo die Kupid angreift, über sehr große Erfahrung und Kompetenz. Die vorherigen Einsteiger­serien namens Spektor und Zensor sorgten schon für Aufsehen und hinterließen nachhaltigen Eindruck. Nun sollen die Kupid, die ihren Namen dem auch Amor oder Eros genannten Gott des Verlangens verdanken, neue Maßstäbe für günstige Lautsprecher erreichen.

Selbstverständlich sind Material, Bauteilequalität und Chassis sowie Verarbeitung dem jeweiligen Projekt budgetorientiert akribisch angepasst und deutlich pragmatischer als bei einer Rubikore oder gar dem Spitzenmodell Epikore. Doch merkt der Kupid-Interessent davon nichts, denn natürlich handelt es sich hier um ein Qualitätsprodukt, und der günstige Preis ist ein gutes Stück weit nur über die erwarteten hohen Stückzahlen und die entsprechenden Fertigungslinien überhaupt möglich. Selbst die mitgelieferten Bespannungen halten magnetisch, ganz sicher alles andere als typisch für die 300-Euro-Klasse.

Wo sind die Kompromisse der DALI Kupid

Die notwendigen Kompromisse beim Mate­rial sind erstaunlich gering, kaum spürbar. Das gewissermaßen „heruntergebrochene“ Konzept ist als Zwei-Wege-Monitor mit kleinem 11er-Tieftöner, weicher 26er-Gewebekalotte und Neodym-Eisen-Bor-Antrieb beim Hochtöner, stabilem Gehäuse und maßgeschneiderter Bassreflexunterstützung grundsätzlich ein ähnliches, und das zieht sich auch mit ­hohem Wiedererkennungswert sowie unverkennbarer DALI-Chrakteristik durch die hier vorliegende Einsteiger- bis zur ­absoluten Spitzenserie.

Schaut man sich die Technik noch ­genauer an, so stößt man sogar auf einzigartige Merkmale, die man hier ganz und gar nicht erwartet hätte, etwa den verlustarmen, überdimensionierten Magnet­antrieb und die Pappe samt Holzfasern im Membranmaterial des Kupid-Tiefmitteltöners, was in der DALI-Nomenklatur mit „SMC“ bezeichnet wird.

Hochtöner der DALI Kupid im Detail

Die Hochtonkalotte mit verzeihender Gewebemembran misst 26 Millimeter, was zum kompakten Tiefmitteltöner passt und einen Hauch mehr Spritzigkeit verspricht als eine sonst womöglich eher typische 28er. Für hohe Dynamik und Robustheit sorgt die magnetische Kühlflüssigkeit im Luftspalt, genannt Ferrofluid. Neben dem trendigen Gehäuse zählt in der kleinen Preisklasse eine leicht frech-frischere Abstimmung durchaus.

Die Trennfrequenz der recht einfach gehaltenen, aber hochwertig bestückten Weiche liegt bei 2.100 Hertz. Das nach hinten abstrahlende „Dual Flare“-Bassreflexrohr ist aerodynamisch wie großzügig bemessen und sollte seine Aufgabe geräuschlos erledigen. Gehäuse und Schallwand bestehen aus MDF, was – bei der Kompaktheit allerdings auch nicht megaschwierig – für eine sehr stabile und resonanzarme Konstruktion sorgt. Auch die Verarbeitungsqualität ist wirklich gut und reicht ganz sicher über die Preisklasse hinaus.

Die DALI Kupid im Messlabor

Aus messtechnischer Sicht gibt es bei der DALI Kupid eigentlich keine besonderen Auffälligkeiten. Dass der Klirr bei einem kleinen Tieftöner und 63 Hertz – und nur dort – die 1 % übersteigt, ­sehen wir als normal an, auch 82 Dezibel Wirkungsgrad sind zwar unterdurchschnittlich, aber doch erwartungsgemäß. Die untere Grenzfrequenz liegt unter 70 Hertz. Mit stets über 4 Ohm Impedanz liegt die ­Dänin im grünen Bereich und lässt sich von praktisch allen Verstärkern gut antreiben, wobei wir hier dennoch empfehlen, ein gutes und nicht zu schwachbrüstiges Modell zu wählen. Ein kleiner, empathisch musizierender ­Arcam, Cambridge, Cyrus, Musical Fide­lity oder NAD, um nur ein paar Möglichkeiten aufzuzeigen, sollte top dazu passen.

Möchte man einen Verstärker mit Streamer, so bedeutet ein WiiM Amp (Ultra) oder Bluesound Powernode dank der integrierten Musikquelle gar gleich eine komplette Anlage. Auch die Kabel sollten selbst in der Einsteigerklasse nicht zu billig sein, je nach Länge würden wir schon zu 2,5 mm² Querschnitt und Kupfer, bloß nicht CCA (Copper Cladded Aluminium), raten. Die DALI gibt das her und weiß es zu schätzen, der Genuss wird so sichergestellt und nicht ausgebremst. Pegelorgien und Bassgewitter wird bei einer solchen Minibox mit Abmessungen von 14 x 23,7 x 19,5 cm, die man mit einer großen Hand packen kann, niemand vo­raussetzen und ihr auch nicht abverlangen.

DALI Kupid im Test: vielseitig und klangstark?

Dennoch ist die kleine und mit gerade mal 2,9 Kilogramm leichte DALI ganz zweifellos ein Lautsprecher, der Begierde weckt. Man will sie einfach haben. Der Autor kann sie sich gewissermaßen überall vorstellen. Wo es an Budget oder Platz mangelt sowieso – darüber hinaus aber auch überall, wo es Freude macht, Musik einfach und schnell verfügbar zu haben, als womöglich krasse Aufwertung einer Minianlage und sogar mit passendem kompakten Subwoofer für den Filmspaß als kleines, feines Heimkino-Set, etwa in einer gemütlichen TV-Ecke.

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Ob als 2.1- oder 5.1-Konfiguration, bleibt jedem selbst überlassen. Schon Form und Farben sind so attraktiv gewählt, die ganze Familie des Autors von 16 bis 88 Jahre ist umgehend und rettungslos infiziert. Es gibt (zumindest noch) keinen speziellen Center, doch ganz ehrlich, die Kupid „baut“ so klein, dass man dafür meist und getrost auch eine „normale“ verwenden kann. Erfreulicherweise liefert DALI Wandhalterungen mit, und das Single-Wire-Terminal ist Banana-tauglich und weitaus hochwertiger als bei manchen Klassenkameraden mit ihren billigen Federklemmen.

Der klangliche Auftritt ist erstaunlich sonor und ausdrucksstark für die Baugröße und Preisklasse, aber auch insgesamt anspringend lebendig und, wie schon erwähnt, mit einer Spur Frechheit im Temperament versehen. Der Sound reißt mit und ist absolut mehrheitsfähig, ohne dass er so auf effektvoll gezüchtet wäre, dass er zu schnell ermüden würde. Okay, sie klingt auch absolut gut, nicht nur für ihre Größe (was DALI ohnehin gar nicht gern hört).

Knackiger Bass, Tipps für die Aufstellung

Der Bass ist schnell und knackig, wirkt überhaupt nicht ausgedünnt. Der Hochton wird agil, quirlig und fein aufgelöst wiedergegeben und weiträumig bis offen abgestrahlt. Horizontal kommt es auch bei gerader Aufstellung kaum zu Hochtonabfall, weshalb wir die Kupid zunächst so aufstellen und dann damit herumprobieren und nur wenig eindrehen würden. Sie kann aufgrund ihrer Physis sogar eher wandnah spielen. Überhaupt ist die Aufstellung recht unkritisch, selbst auf dem Sideboard oder im Regal macht sie eine gute Figur. Dennoch empfehlen wir zur bestmöglichen Klangentfaltung einen ordentlichen Ständer von etwa 60 Zentimetern (Ohr-)Höhe sowie den üblichen Teppich zwischen Boxen und Hörplatz zum Abfangen der ersten schallstarken (Boden-)Reflexion.

Auch der von beiden Lautsprechertreibern gemeinsam gebildete Mitteltonbereich ist offenbar mit viel Erfahrung des Entwicklungsteams kompetent abgestimmt und wirkt in sich homogen und praktisch bruchlos. Die DALI Kupid legt womöglich gerade aufgrund ihres möglichst simplen Hintergrunds ein geradezu grandioses Timing an den Tag. Selbstverständlich kann sie mit der großen Schwester in Sachen Feinauflösung, Dynamik und vor allem Raumabbildung nicht mithalten, aber das erwartet ernsthaft ja auch niemand.

DALI Kupid im Vergleich zu teureren Lautsprechern

Da geht schon noch mehr, dennoch bemerkt man den notwendigen Kompromiss kaum, solange man die Rubikore 2 für 2.600 Euro nicht beinahe bösartig im Shootout dagegenstellt. Denn für ihren Preispunkt ist und bietet diese DALI so viel mehr, als man erwartet, dass selbst gestandene ­STEREO-Redakteure – wie schon vor einigen Jahren bei Spektor und Zensor, aber sogar noch etwas darüber hinaus – hier für die heimischen Zweit-, Jugend- oder Partyraumanlagen umgehend „zugeschlagen“ haben. So unwiderstehlich ist die Kupid sowohl äußerlich wie klanglich tatsächlich. Dagegen haben kleine Bluetooth-Böxchen oder auch eine Soundbar nicht die Spur einer Chance, und genau das will DALI letztlich auch bezwecken.

Die Kupid ist ein echtes Schnäppchen und soll nach Möglichkeit gleichsam zu einer Einstiegsdroge ins HiFi-Hobby werden. Dafür sind 338 Euro fast geschenkt, wir würden jederzeit auf den Erfolg wetten. Und was fast genauso schwer wiegt: Selbst „für ein paar Dollar mehr“, ein weiteres Filmzitat, gibt es nichts substanziell wirklich Besseres. Dafür muss man dann schon noch deutlich tiefer ins Portemonnaie langen. Absolut großartig und begehrenswert!



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