Creative Stage Pro: Günstige Kompakt-Soundbar im Test
Einen guten, immersiven Klang für kleine Räume: Das verspricht Creative mit seiner sehr günstigen Soundbar Stage Pro. Aber funktioniert das überhaupt?

Nicht jeder hat das Glück, über ein Wohnzimmer zu verfügen, das Platz für einen 60-Zoll-Fernseher nebst passender Audio-Ausstattung bietet. Aber ist das ein Grund, in der Studentenwohnung oder dem kleinen Apartment auf guten Sound zu verzichten? Creative Labs, vor allem aus dem PC-Audio-Bereich bekannt, beantwortet die Frage klar mit „Nein“ und hat mit der Stage Pro nun eine äußerst kompakte Soundbar-Subwoofer-Kombi auf den Weg gebracht, die keineswegs nur für den Betrieb mit dem Computer konzipiert wurde und zudem nur schmale 139 Euro kostet, im Angebot auch gern nur noch 99 Euro.

Sie ist dank HDMI (ARC), optischem Eingang und Bluetooth 5.3 recht universell nutzbar. Auch eine USB-Direktverbindung ist möglich, sofern die Soundbar mit dem PC genutzt wird, einen analogen Eingang gibt es ebenfalls. Mit im Lieferumfang ist eine Fernbedienung, die alle wesentlichen Funktionen steuern kann. Denn anders als bei den höherpreisigen Audio-Lösungen des Herstellers gibt es hier keine Software/App. Dazu später mehr.
Einfacher Aufbau der Creative Stage Pro
Viel Vorbereitung ist nicht nötig, will man die Soundbar nutzen. Ein Netzteil besorgt die Stromversorgung. Dann werden die Kabel für die Zuspielgeräte eingesteckt sowie das für den Subwoofer. Der arbeitet passiv und beinhaltet einen nicht näher spezifizierten Tieftöner mit 16 cm Durchmesser. Bei einem Gesamtgewicht von 3,4 Kilogramm sollte man hier allerdings keine Klangwunder erwarten. Dafür lässt sich das gute Stück aber unauffällig und mit geringem Flächenbedarf aufstellen.

Die Soundbar selbst ist nur zum Hinstellen konzipiert. Eine Wandmontage ist nativ nicht vorgesehen, und auch eine Halterung, mit der sich das Gerät unter einen Monitor hängen ließe, bietet Creative nicht an. Dabei würde sie schon mit einem 24-Zöller von der Breite her eine sehr harmonische Einheit bilden können. Im Zweifelsfall muss dann hier auf eine Drittanbieter-Lösung zurückgegriffen werden, was aber angesichts des Preises der Stage Pro verschmerzbar erscheint.
Optimale Aufstellung der Soundbar
Bei der Aufstellung sollte man darauf achten, dass der kleine, durchaus wertig verarbeitete Klangbalken nach vorn und oben abstrahlen kann, und auch der Subwoofer sollte so stehen, dass Bassreflexrohr und Treiber nicht gegen eine Wand oder ein Möbelstück arbeiten. Mehr Empfehlungen gibt es nicht, denn letztlich ist das System hardwareseitig nur ein 2.1-Set-up ohne Surround- oder Upfiring-Speaker, die dann aufwendig eingepegelt werden müssten. Insofern beschleicht einen vor der ersten Inbetriebnahme allerdings auch das Gefühl, dass das Ganze vielleicht doch etwas zu schlicht ist, um gut zu klingen.

Tatsächlich ist das erste Probehören mit einem via Bluetooth gekoppelten Google Pixel 9 Pro etwas ernüchternd. Das System klingt solide und unbestreitbar auch viel besser als die Lautsprecher in den meisten kleinen Fernsehern oder Computermonitoren. Trotzdem fehlt es vor allem im Mitteltonbereich erst einmal an Volumen, von immersivem Klang ganz zu schweigen. Auch der Bass wirkt selbst bei Songs mit viel Betrieb im Tieftonbereich etwas dünn, ganz gleich, ob man Beethovens „5. Simfonie“ oder „Schmutzfabrik“ von Die Krupps auf die Soundbar loslässt.
Wie klingt die Creative-Soundbar Stage Pro?
Was hier allerdings schon auffällt, ist, dass die Stage Pro erstaunlich präzise auflöst, und das auch bei höheren Lautstärkepegeln. Selbst das wegen seiner stark verzerrten Gitarren fies herausfordernde „Creep“ von Radiohead verarbeitet das System keineswegs zu einem Soundbrei, im Gegenteil: Es klingt auch dann noch sauber, wenn garantiert schon andere Bewohner des Studentenwohnheims gegen die Tür bollern, um etwas mehr Ruhe einzufordern. Und auch die orchestrale Schluss-Offensive von Simon & Garfunkels „Bridge Over Troubled Water“ lässt die Treiber ebenso wenig klirren wie die sich fast selbst überholenden Drums in der Live-Version von „Valhalla“ (Blind Guardian).

Die Stage Pro besitzt keinen Equalizer im klassischen Sinne, sondern nur eine Regelung für Höhen und Tiefen. Auch die Intensität des Subwoofers ist nicht anpassbar. Allerdings gibt es verschiedene Wiedergabemodi für Musik, Spiele, Filme und Sprache, die wahlweise am Gerät oder mit der Fernbedienung durchgeschaltet werden können. Und tatsächlich bewirken die schon eine erhebliche klangliche Veränderung, je nach Setting. Im Music-Modus beispielsweise werden die Mitten etwas kräftiger, der Bass tritt deutlicher hervor. Der Klang entwickelt sich von „solide“ hin zu „gut“. Das schon erwähnte „Valhalla“ knüppelt sich dann beispielsweise mit beachtlichem Tieftonteppich durchs Zimmer, und auch Metallicas „Nothing Else Matters“ bekommt die nötige Wucht.
Immersiver Klang bei Creative
Die Stage Pro hat aber noch ein weiteres elektronisches Klangfeature zu bieten. Und zwar immersiven Klang, wahlweise weiträumig oder aber „nahebei“. Letzterer lässt vor allem First-Person-Shooter oder vergleichbare Abenteuerspiele deutlich atmosphärischer wirken, ersterer bietet sich eher für Filme an. Und auch für Musik, vor allem für Konzertaufnahmen. Zwar ist das nicht vergleichbar mit dem Effekt, den man hat, wenn man vor einer hochwertigen Anlage im Stereodreieck sitzt. Dennoch entsteht der Eindruck einer größeren Halle, eines großen Orchesters oder eben von Weite. Und auch umgekehrt lässt sich die akustische Dichte eines Kammer- oder Kneipenkonzerts recht gut darstellen, bei dem die Interpreten praktisch in Griffweite des Publikums sitzen.

Dabei ist die Funktion jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn Songs, die per se schon mit einem gewissen Hall aufgenommen sind oder Gitarrenriffs mit sehr viel Reverb beinhalten, leiden unter der Klangaufbereitung eher. Klaus Meines Timbre in der Scorpions-Ballade „Still Loving You“ etwa ruiniert der „Entfernt“-Modus ebenso wie das zugehörige Gitarrenspiel der Herren Jabs und Schenker.
Creative Stage Pro im Test: Dolby Atmos & Fazit
Der immersive Klangeindruck ist nicht mit Dolby Atmos vergleichbar, auch wenn die Soundbar grundsätzlich Dolby Audio unterstützt. Aber sie kann eben keine Audioelemente räumlich verorten, weder virtuell noch physisch. Jedoch löst das System so gut auf, dass es zumindest mit einem virtuellen 3D-Audio-Treiber vom PC aus einen recht präzisen räumlichen Sound abliefert, was gerade bei Filmen oder Spielen das Erlebnis deutlich verbessert. Allerdings muss man hier dann ein wenig experimentieren, damit sich die Audioaufbereitung des Computers und der Stage Pro nicht ins Gehege kommen.
Von der Creative Stage Pro darf man keine Wunder erwarten. Dennoch ist das Set gerade bei wenig Platz eine gute Option, um die Audioqualität von PCs oder Fernsehern deutlich zu verbessern. Die Soundbar klingt präzise und recht ausgewogen, sofern man die richtigen Modi nutzt. Ihr fehlt ein wenig der Bombast, den etwa die Creative Pebble Nova PC-Speaker haben, aber dafür kostet sie nur rund die Hälfte und bietet HDMI.
