Compass & N1 im Test: neue Einstiegs-Kombi von Clearaudio
„Compass“ heißt der neue Einstiegsplattenspieler von Clearaudio, der mit dem neuen MM-Abtaster N1 zum Test antritt. Welchen Klangkurs peilt der Dreher an?

Dass der Trend bei den Plattenspielern zu hochwertigen, einfachst zu bedienenden und dabei schlicht-formschönen Modellen geht, die komplett mit Tonabnehmer und Staubschutzhaube kommen, hat man in der fränkischen Analog-Schmiede Clearaudio verstanden. Um dem Interesse mit einem eigenen Dreher zu begegnen, bringt man just den neuen „Compass“ auf den Markt. Dieser ist ein klassischer „Brettspieler“ mit mitteldichter MDF-Zarge, die auf ihrer Unterseite durch eine Stahlplatte verstärkt wird. Die Kombination dieser beiden Materialien hat sich in Versuchen des Herstellers aus Erlangen als klanglich optimal erwiesen. Der in Schwarz oder silberfarben erhältliche Compass wirkt optisch gediegen und dezent, überrascht jedoch mit einem Gewicht von rund acht Kilogramm.

Diese stützen sich auf drei ansehnliche, in der Höhe verstellbare Füße. Ein Bedienelement sucht man – mit Ausnahme des angenehm sämig laufenden Tonarmlifts – vergeblich. Wohl um das glatte Design nicht zu stören, verlegte Clearaudio den Laufwerksschalter rechts vorne unter das Chassis. Dieser hat drei Positionen: Nach links gedrückt rotiert der 20 Millimeter dicke, makellos gefertigte sowie transparente Acrylteller mit 33,33 Umdrehungen, in der rechten Stellung entsprechend mit 45 Touren pro Minute. Die neutrale Mittelposition schaltet den Motor aus.
Motor des Clearaudio Compass im Detail
Bei diesem handelt es sich um einen Zwölf-Volt-Gleichstromtyp, der sich laut Clearaudio durch besondere Laufruhe auszeichnet. Um Restschwingungen von Teller und Tonarm fernzuhalten, wurde er im Gehäuse zusätzlich entkoppelt. Über einen geschliffenen Flachriemen hält der Motor einen aus Aluminium gefertigten Subteller in Gang.

Dieser ist fest mit der gehärteten und polierten Stahlachse verbunden, die sich in einem Bronzelager dreht und an ihrem unteren Ende auf einem extrem reibarmen Teflonspiegel steht.
Präzise Voreinstellung, neuer Tonabnehmer
Eine Drehzahlfeinregulierung ist nicht vorgesehen, was die präzise Einstellung der Tempi ab Werk erfordert. Tatsächlich lief unser Testgerät allenfalls minimal zu langsam, was auf der STEREO-Stroboskopscheibe kaum sichtbar wurde.

Der T1-Tonarm des Compass ist eine auf dem bewährten „Satisfy“ der Franken beruhende Neuentwicklung, die jeweils passend zur Gehäuseausführung entweder schwarz oder silbern gefärbt ist. Ungewöhnlich ist die Lösung bezüglich des Antiskatings, das bekanntlich der Kraft entgegenwirkt, die den gekröpften Tonarm auf der drehenden Platte nach innen zieht: Nicht, dass es per Faden und Gewicht funktioniert – das ist fast die Regel.
T1-Tonarm mit N1-Tonabnehmer von Clearaudio im Test
Die Besonderheit besteht vielmehr darin, dass der Faden in einer rundlichen Kunststoffmanschette sitzt, die auf das hintere Armstück geschoben wird, bevor man das Gegengewicht aus Edelstahl draufschraubt. Speziell, aber es klappt!
[table “101” not found /]Eine ungleich größere Überraschung hält Clearaudio in Form des Tonabnehmers bereit, der am Compass fix und fertig vorjustiert ist. Erstaunlich ist weder die Tatsache, dass es mit dem N1 einen neuen MM-Abtaster der Franken gibt. Diese fertigen gewohntermaßen eine breite Palette hochwertiger Pick-ups.
Ausgesprochen günstiger Tonabnehmer
Nein, es ist vielmehr der Preis, der unglaublich erscheint. Gerade mal 99 Euro soll das – natürlich auch solo angebotene – N1 zur Einführung kosten. Wie lange dies gilt und wie teuer das MM danach wird, steht zwar noch nicht fest, dennoch sollte man sich wohl sputen. Zu diesem „Kurs“ gibt es einen soliden, präzise aus dem vollen Block gefrästen Aluminium-Body statt der in dieser Liga üblichen Kunststoffschale, was inklusive der Namensgravur auf der Seite das N1 zur kleinen Analogpreziose veredelt.
[table “102” not found /]Der Nadelträger führt einen elliptisch geformten Diamanten. Da wir sicher sind, dass viele Vinylhörer mit gutem Plattenspieler scharf auf das – mit 12,6 Gramm allerdings ungewöhnlich schwere, ebenfalls in zwei Farben angebotene – N1 sind, haben wir kurzerhand beschlossen, dieses auch unabhängig vom Compass zu testen und zu bewerten.

Angeschlossen wird der vollmanuell zu bedienende Plattenspieler über sein gut einen Meter langes Phono-Kabel, das in zwei Cinch-Stecker und die übliche Erdungsleitung ausläuft. Dass dieses fest mit dem Tonarm verbunden ist, ist in diesem Fall kein Nachteil, denn Clearaudio setzt sein „Direct Wire Plus“ ein, das – anders als 08/15-Beipackstrippen – eine hohe Leiterqualität bietet und den sonst oft angeratenen Austausch erübrigt.
Aufbau das Clearaudio-Plattenspielers
Beim Aufbau des aus einem Steckernetzteil gespeisten Compass ist kaum mehr zu tun, als den Teller aufzusetzen und das N1 mittels der beigepackten Wippwaage auf die unserer Ansicht nach optimalen 23 Millinewton Auflagedruck einzustellen. Es ist ratsam, das ohnehin stramm auf der hinteren Achse des Tonarms gleitende Gegengewicht am Schluss per Madenschraube auf dieser zu fixieren, damit sich nichts verstellt.

Die Schallplatte wird unmittelbar auf dem Acrylteller platziert, durch den die fein gearbeitete Subscheibe schimmert. Ein Griff unters Chassisbrett – „klack“ – und der Teller läuft zügig hoch.
Wie klingt der Clearaudio Compass mit dem N1?
Erstaunlich und überraschend: Dieser klar und schnörkellos gezeichnete Plattenspieler, der optisch beinahe nüchtern auftritt, klingt substanziell, raffiniert und reif. Da ist im wahrsten Wortsinn was dahinter! Und zwar einerseits als Erklärung für die klangliche Kompetenz des Compass das Know-how des Traditionsherstellers Clearaudio.

Andererseits wird dieses eben auch akustisch erlebbar: James Taylors druckvolles, ebenso fülliges wie konturiertes „Her Town Too“ kam mit trockener Prägnanz aus den Lautsprechern. Offenbar lässt sich der Clearaudio nicht so leicht zum Mitschwingen anregen, denn wir hatten es ganz hübsch laut, ohne dass die Basslinie an Fasson verlor. Über dieser erschien der US-Sänger klar umrissen vom Hintergrund sowie den ihn umgebenden Background-Stimmen abgesetzt.
Komplexe Musik als Prüfstein
Faszinierender war freilich, dem offenbar nur äußerlich schlichten Franken dabei zuzuhören, wie er die komplexen Strukturen von Ana Carams „Blue Bossa“ aufdröselte und dabei vor allem die verblüffende Natürlichkeit und homogene Geschlossenheit dieser fantastischen Aufnahme bewahrte. Da fiel nichts auseinander; zugleich engte der Plattenspieler das geradezu extrem aufgefächerte Zusammenspiel der Musiker samt der aus der Tiefe herüberwehenden, fein ziselierten Perkussion kaum ein.

Diese Feststellung ist deshalb umso seriöser, weil sich der Compass zu diesem Zeitpunkt an unserem parallel aufgebauten, vielfach teureren Referenzdreher messen lassen musste, um grundsätzlich zu klären, wo das Testgerät steht.
Compass im Duell mit anderen Plattenspielern
Natürlich konnte der Compass nicht gegen diesen Maßstab bestehen, zeigte jedoch eine so gelungene Performance in sämtlichen „abzählbaren“ Parametern sowie – fast noch wichtiger – sicheren Instinkt für die klanglichen Erfordernisse der jeweiligen Musik, dass er uns Respekt abforderte. Kein Zweifel: Dieser in Deutschland gefertigte Plattenspieler ist kein Trendprodukt für die Modenische, sondern absolut ernst zu nehmen!

Wir wollten wissen: Wie viel Anteil haben Laufwerk und Arm daran, und was geht auf den Tonabnehmer zurück? Deshalb schraubten wir das N1, dessen Nadel wechselbar ist, aus dem T1 heraus und setzten es in eine Headshell für die SME-Kupplung, wie sie etwa Tonarme von Technics-Plattenspielern wie der SL-1200GR2, aber auch Ortofons hochklassiger Arm AS-212 R aufweisen, der wiederum auf unserer Referenz montiert war.
Überzeugt auch der Clearudio N1 im Test?
Das N1 trat gegen Ortofons in eine zweite, identische Headshell eingebautes 2M Red an, das eine Art „Bezugssystem“ in der 100-Euro-Liga darstellt. Es ist ebenfalls sehr sauber gearbeitet, nimmt sich in seinem Plastikgehäuse neben dem in einen Metallmantel geschlagenen Clearaudio aber wie dessen BAföG-Version aus.

Abseits davon, dass das 2M Red um rund vier Dezibel „lauter“ ist als das Pick-up aus Erlangen, ließ es weder in der Dynamik noch beim kernig-knorrigen Bass etwas anbrennen. Allerdings erschien sein Vortrag burschikoser und etwas rauer. Das N1 zeigte die feineren Manieren, indem es die Räumlichkeit und Grazie der Titel stärker hervorhob. Auch präsentierte es etwas mehr Nuancen und entpuppte sich damit als echter Preistipp.
Solo, aber auch mit dem tadellosen Compass, war das N1 top. Dieser richtungsweisende Plattenspieler hält Clearaudio stramm auf Erfolgskurs!
