Marantz CD 70 im Test: was kann der 600€ CD-Player?
Der CD-Spieler Marantz CD 70 ist der mit Abstand preiswerteste Teilnehmer unseres Testfeldes. Doch das ist noch lange kein Grund, ihn zu unterschätzen.

Das Erbe eines Erfolgsmodells zu entwickeln, ist eine der schwierigsten, aber auch spannendsten Herausforderungen für ein Entwicklungsteam. Die Aufgabe besteht hauptsächlich aus der Suche nach konstruktiven Schwachstellen und andererseits der Auslotung neuer technischer Möglichkeiten. Hinzu kommt im Fall des Marantz CD 70 die vor einiger Zeit eingeführte Designsprache, die insbesondere im Vollverstärker Model 10 einen Meilenstein setzte.
Hier zeigt sich der Neuling bereits beim ersten Blickkontakt als Gesicht in der Menge und zugleich als Mitglied der Familiendynastie. Bei Marantz legt man traditionell Wert auf ein eigenständiges und markantes Design, das einen hohen Wiedererkennungswert bietet. Doch die Erben des Firmengründers Saul B. Marantz sehen sich nicht nur in der Pflicht, einen Marantz optisch als solchen sofort erkennbar zu machen, sondern darüber hinaus der von Saul Marantz verfolgten Klangphilosophie zu folgen.

Das japanische Entwicklerteam hat sich erfolgreich bemüht, dem Anspruch auf allen Ebenen gerecht zu werden, und es trotz des in dieser Kaufklasse limitierten Budgets verstanden, optische Finesse, saubere Verarbeitung und eine zeitgemäße Ausstattung miteinander zu verschmelzen. Das ist gelungen, ohne dabei die eigentliche Aufgabe des Gerätes zu vernachlässigen: CDs und auf USB-Sticks gespeicherte Musik möglichst ohne Hinzufügung störender Artefakte auszulesen und wiederzugeben.
Welche Discs und Dateien spielt der Marantz CD 70?
Bei der Wahl der Silberlinge ist der CD 70 übrigens nicht wählerisch. Ganz gleich, ob Sie ihm eine normale CD oder eine selbstgebrannte CD-R anbieten, wird er sie ohne Murren akzeptieren. Sogar die wiederbespielbaren CD-RWs nimmt er gelassen zur Kenntnis, liest sie sauber und klaglos ein und gibt sie ohne Aussetzer wieder. Zwei schaltbare Digitalfilter, deren Einfluss auf die Klanggestaltung allerdings überschaubar ist, gibt die Ausstattungsliste auch noch her.
Lediglich reine SACDs zählen nicht zu seinem digitalen Ernährungsprogramm. Wer diese DSD-Dateien auf dem Marantz abspielen möchte, der muss sie ihm in den auf der linken Seite der Frontplatte postierten USB-A-Eingang anbieten. Dort akzeptiert er den Datencocktail bis zu einer Auflösung von 5,6 Megahertz. Aber auch andere hochaufgelöste musikalische Informationen, seien sie in WAV, FLAC, ALAC oder AIFF codiert, versteht der Marantz und wandelt sie in hocherfreuliche Klänge. Wenn es auf einem Stick enthaltene Textinformationen gibt, werden diese dabei sogar im Display angezeigt.

Aufgefallen ist uns darüber hinaus der in der Lautstärke regelbare, diskret aufgebaute Kopfhörerausgang, der akustisch hält, was die Technik verspricht. Geblieben ist die Marantz-Spezialität HDAM (Hyper Dynamic Audio Module) in der Version SA-2, die für die Klangsignatur von Marantz seit vielen Jahren eine wesentliche Verantwortung trägt und statt eines Chips mit einzelnen Bauteilen aufgebaut ist. Sie ist speziell auf die Erfordernisse des CD-Spielers abgestimmt und nicht mit dem im Verstärker Model 70 eingesetzten Baustein identisch.
Unterschiedlich ist auch die Bestückung des eingebauten Digital-/Analog-Wandlers. Der Player hat einen hochwertigen Wandler aus der ESS-Sabre-Serie an Bord, weshalb Marantz im Verbund mit dem Model 70 die analoge Verbindung zum Verstärker empfiehlt.
Masterclock gegen Jitter: was im Inneren steckt
Ein grundsätzliches Problem auf dem Weg zu höchsten Klangweihen ist das Thema Jitter. Zur Erklärung dieses lange unterschätzten Problems bei der digitalen Wiedergabe stellen Sie sich vor, Sie stehen auf dem Tennisplatz und wollen an der Tennisball-Maschine Ihren Aufschlag in den nächsten 30 Minuten trainieren. Der Maschine fällt dabei die Aufgabe zu, alle 2 Sekunden einen Ball in Ihre Richtung zu schleudern. Aber manchmal kommt der Ball bereits nach 1,5 Sekunden, ein andermal aber erst nach 2,5 Sekunden in Ihre Richtung geflogen. Nach 30 Minuten hat die Maschine zwar wie geplant alle 900 Bälle gespielt, aber einen Spielrhythmus konnten Sie aufgrund der unterschiedlichen Zeitspannen zwischen den einzelnen Bällen nicht entwickeln.

Dieses Phänomen der Taktschwankungen kann man mit dem in dieser moderaten Preisklasse zur Verfügung stehenden Etat zwar nicht zur Gänze ausschalten, aber mittels einer sorgfältig ausgewählten „inneren Uhr“, der sogenannten Masterclock, hat man beim CD 70 doch erstaunlich viel Aufwand getrieben, den Jitter auf ein erfreulich niedriges Maß zu reduzieren. Dies gelang auch deshalb, weil sie in unmittelbarer Nähe des Wandlers platziert wurde und die Gefahr elektromagnetischer Störungen auf diese Weise minimiert werden konnte.
Außerdem wurde das Netzteil überarbeitet, etliche Bauteile gegen höherwertige ausgetauscht, und das Layout der nun doppellagigen, von beiden Seiten bestückten Platine erfuhr eine Überarbeitung. Das Ganze wird abgerundet durch einen sauberen mechanischen Aufbau des teilweise verkupferten Chassis bis hin zu ordentlichen Dämpfungsfüßen, die Vibrationen vom empfindlichen Schaltkreis fernhalten sollen.
Anschlüsse, Fernbedienung und Display im Alltag
Die Anschlussmöglichkeiten beschränken sich auf das in dieser Preisklasse Sinnvolle: ein Paar Cinch-Ausgänge mit festem Pegel, digitale Ausgänge mittels koaxialem oder optischem Ausgang und die Verbindung zum Verstärker für die Steuerungsfunktion beider Geräte mit einer Fernbedienung. Diese gefällt durch ihre Wirkung auch über größere Strecken von mehr als 3 Metern hinweg und ist ordentlich bedienbar.

Das grundsätzlich gut lesbare Display ist aus dieser Distanz dann allerdings nur noch für die Adleraugen unter Ihnen eine brauchbare Informationsquelle. Auch die Beschriftung links und rechts des mittig platzierten Laufwerks ist für unseren Geschmack auf dem Gerät etwas dünn ausgefallen. Bei nicht optimalen Lichtverhältnissen ist die Lesbarkeit doch arg eingeschränkt.
Bevor es in den Hörraum ging, stand noch der Labordurchgang auf der To-do-Liste. An den Messergebnissen gab es nichts zu meckern, alle Aufgaben bewältigte der Proband mit einem lässigen Schulterzucken.
Wie klingt der Marantz CD 70?
Die beabsichtigte Klangsignatur stand, so wurde es uns von Marantz’ Seite aus zugetragen, von Beginn an unter zwei Prämissen: ein emotionales und räumliches Klangbild mit einer sanften tonalen Abstimmung zu vereinen. Das letzte Wort über die klangliche Abstimmung obliegt dabei immer einem erfahrenen „Sound Master“ mit den sprichwörtlichen „goldenen Ohren“, dessen Aufgabe es ist, den Marantz-typischen Klang quer durch die Preisklassen und Gerätetypen sicherzustellen.
Dass es mit dem in der Tat für Marantz typischen, leicht sanften Klangbild auch diesmal wieder hingehauen hat, wurde uns bereits nach den ersten Tönen bewusst, als wir uns dem Thema männlicher und weiblicher Stimmen widmeten. Henning May, die markante Stimme der Kölner Band AnnenMayKantereit, machte mit „Weiße Wand“ den Auftakt. In diesem minimalistischen, nachdenklichen Song kommt die tiefe und kratzige Stimme bestens zur Geltung, der Marantz offenbart eine ganze Menge des speziellen Charakters des Sängers. Der Bassbereich kommt mit ordentlich Druck, was aber nicht auf Kosten der Präzision dieses Frequenzbereichs geht. Der Übergang zum oberen Bassbereich und den unteren Mitten gelingt ebenfalls, ohne zu verschmieren, Details zu verdecken oder womöglich sogar aufgebläht zu wirken. Das macht auch keiner der teureren Kandidaten aus unserem Testfeld besser.

In puncto feindynamischer Abstufungen und Impulsivität trumpft der CD 70 nicht ganz so vehement und beeindruckend auf, was bei Dominique Fils-Aimé und „Birds“ auffällig war. Zwar wurde auch hier die wie ein schnurrender Kater säuselnde kanadische Künstlerin bestens in Szene gesetzt, Impulse wirkten jedoch nicht ganz so explosionsartig in den Raum gestellt, wie wir es von Top-Playern kennen.
Violinen wie bei Max Bruchs „Violinkonzert Nr. 1“ mit Jascha Heifetz als Solist waren hingegen wegen der zutage tretenden Geschmeidigkeit ein wahrer Hochgenuss. Auch die Raumdarstellung war großzügig, ohne dabei konturenlos oder beliebig zu wirken. Der Marantz verstand es, das Zusammenspiel von Heifetz mit den Berliner Philharmonikern so darzustellen, dass wir uns ernsthaft fragten, wie es diesem preiswerten Player gelingen kann, den Eindruck eines viel höheren Preisschilds zu erwecken.
Wo liegen die Grenzen des 600-Euro-Players?
Erst wenn es unabhängig vom Musikgenre richtig in die Vollen ging, kam der CD 70 wirklich an seine Grenzen. Aber selbst wenn Jack Whites neueste Kreationen vom Album „Frozen Charlotte“ bei gehobener Pegelorgie die Trommelfelle in Schwingungen versetzte, war das Ergebnis für einen 600 Euro kostenden Player zwar ein nachvollziehbares Stück vom Ideal entfernt, klang aber immer noch bemerkenswert gut.
Was wir dem Marantz auch auf die Schublade legten, er machte Laune, nervte nie und vermittelte das Gefühl, als ob er die Musik, die er gerade abspielte, zuvor sehr sorgfältig und intensiv kennengelernt hätte, um mit lässiger Pose auch schwierige Passagen und vertrackte Rhythmen souverän ans Ohr der Zuhörerschaft zu transportieren.
Dass das japanische Entwicklerteam das Thema Timing sorgfältig unter die Lupe genommen und die damit verbundene Aufgabenstellung gekonnt gelöst hat, konnten wir auch bestätigen, als wir uns in die Tiefen des Jazz stürzten. „Midnight Sugar“, gespielt von Tsuyoshi Yamamoto, machte dabei den Auftakt. Klavier, Kontrabass und Schlagzeug spielten sich dabei die Bälle gegenseitig so spielerisch leicht und dabei immer im exakt richtigen Moment zu, dass wir uns ob dieser großartigen Darbietung verwundert die Augen rieben. Zumal auch die Raumabbildung absolut überzeugend war und nichts nervte, aber ohne direkten Vergleich auch nie das Gefühl entstand, dass hier etwas fehlte. Wer unter der Rubrik „bezahlbar“ seine „Last Order“ sucht, wird hier fündig. Definitiv!
| Marantz | |
|---|---|
| CD 70 | |
| Produktart | CD-Spieler |
| Internetadresse | https://www.marantz.com/de-de/ |
| Preis in Euro | 600 |
| Abmessungen (BxHxT) in cm | 44,2 × 10,9 x 35,1 |
| Gewicht in kg | 6.5 |
| Deutschlandvertrieb | Marantz |
| Kontakttelefonnummer | 4921571373707 |
| Laufwerks-Typ | Schublade |
| Messwerte 35 % | gut 2,1 |
| Rauschabstand Digital Null (in Dezibel) | schlecht |
| Ausgangsspannung (in Volt) | sehr gut (2,2) |
| Ausgangswiderstand (in Ohm) | gut (140) |
| Klirrfaktor bei -9dBFS (in Dezibel) | befriedigend (0,0017) |
| Einlesezeit (in Sekunden) | sehr gut (9,2) |
| FFT-Spektrum | gut |
| Abtastsicherheit | sehr gut |
| Stromverbrauch Leerlauf (in Watt) | gut (13) |
| Ausstattung 35 % | befriedigend 3,4 |
| Digitaleingänge / -ausgänge | USB/A; Koax, optisch |
| Programmierfunktionen | ja |
| Digital-Filter umschaltbar | ja |
| XLR-Ausgang | nein |
| Ausgang regelbar | nein |
| Kopfhörerausgang | ja |
| High-Res | ja |
| Phasenumkehr | nein |
| Haptik & Verarbeitung | gut |
| Harter Netzschalter | nein |
| Handhabung 30 % | gut 2,3 |
| Qualität der Fernbedienung | gut |
| Qualität der Anleitung | gut |
| Bedienung am Gerät / Anzeige & Display | befriedigend |
| Garantie (in Jahren) | befriedigend (2) |
| Praxis-Note | 2.6 |
| Klangbeschreibung | In Teilbereichen wie Natürlichkeit und Raumdarstellung weit über seiner Preisklasse.Dynamisch minimal eingeschränkt. |
| Klangqualität | 72/100 |
