Canton Vento 101 im Test: Flaggschiff der neuen Serie
Das neue Flaggschiff 101 der Canton Vento-Serie ist von edler und stattlicher Erscheinung. Schon die ersten Takte Musik zeigen, dass es hier klanglich schon ziemlich ernst wird.

Mit der brandneuen Vento 101 leitet Canton eine Zeitenwende ein, das kann man unseres Erachtens mit Fug und Recht so behaupten. Daher auch der Scorpions-Titel, denn „Vento“ steht im Italienischen für Wind. Mit der aktuellen Generation rückt das Spitzenmodell der erfolgreichen Vento-Baureihe der in der Hierarchie höher angesiedelten Reference-Serie noch mal ein gutes Stück näher.

Das beginnt mit dem äußerst gefälligen Design mit komplett schwarzen Membranen, aufwendigen Rundungen und Radien sowie Top-Furnier. Das alles ist in der Fertigung nur mit mehrachsigen CNC-Fräsmaschinen möglich und wurde realisiert, weil die weichen, „analogen“ Formen der Reference-Serie beim Publikum so gut ankamen.
Design und Rahmenbedingungen
Die auffällige, sich nach vorne wie hinten verjüngende Bugform wurde nochmals weiterentwickelt und verfeinert, die Front und Rückseite sanft gerundet. Die Oberflächen – aufwendig lackiert in Weiß oder Schwarz oder aber mit Nussbaumfurnier versehen – sind top verarbeitet. Die bei Bedarf schützenden Bespannungen haften elegant magnetisch.
Mit 6.000 Euro Paarpreis – 6.400 Euro für die Walnuss-Version – rückt die Vento freilich in Preisregionen vor, in denen der Interessent und mögliche Eigentümer es mit dem Musikhören auch schon ernst meinen muss. Aber das setzen allein die Bauhöhe von satten 110 Zentimetern und das stattliche Gewicht von mehr als 39 Kilogramm voraus. Das „schreit“ geradezu nach Raum.

Damit ist die größte Vento als Spitzenmodell der Serie bei nahezu gleichem Preis etwas größer, schwerer und im Tieftonbereich etwas potenter ausgestattet als die kleinste Reference-Standbox, die 7. Da kann man schon ins Grübeln kommen – und selbstredend ist das auch gestattet.
Solch einen Schallwandler zeigt man selbstbewusst im Ambiente, er ist beim besten Willen nicht zu verstecken. Und das muss man auch nicht, das Erscheinungsbild unseres Testmusters ist ausgesprochen edel und wertig. Das vergoldete Terminal am Heck ist für Bi-Wiring und -Amping vorbereitet. Die Belastbarkeit wird mit 280 Watt Dauer und 500 Watt Musik angegeben, der Übertragungsbereich mit 20 bis 40.000 Hertz. Man sollte unbedingt auf eine adäquate Elektronik mit Power und Schnelligkeit achten, das gilt natürlich vor allem für den Verstärker. Diese Schallwandler gehen das problemlos mit.
Drei-Wege-Technik: Was steckt in der Vento 101?
Technisch handelt es sich bei der Vento 101 um einen echten Drei-Wege-Lautsprecher mit tiefliegender Trennfrequenz um knapp 200 Hertz, bei der die beiden langhubigen und mit speziellen Wave-Sicken bestückten 192er-Tieftöner aus Aluminium und Titan mit den fundamentalen Arbeiten in den unteren Registern beginnen. Der Hochtöner greift ab 3 Kilohertz ins Geschehen ein. Bei aller Ähnlichkeit zur Bestückung der Vorgängerin Vento 100 wurde aber doch einiges verbessert. So bekam die Vento 101 beispielsweise ohne Wenn und Aber den superben und kostspieligen Keramikhochtöner der Reference-Serie mit quadratischer Transmission-Front (Waveguide) spendiert, während die bewährte Anordnung des für die Musikwiedergabe elementar bedeutsamen 174er-Mitteltöners ganz oben auf der Schallwand, sprich auch oberhalb der 25-Millimeter-Hochtonkalotte, blieb.

Beim Mitteltöner ist die Geometrie bedeutsam, denn die Membran verändert ihre Krümmung von steil im Innern zu flach nach außen, um eine sowohl sehr rigide Stabilität als auch eine immense Resonanzarmut zu erreichen. Gerade der bruchlose Übergang zwischen Hoch- und Mittelton und die sehr breitbandige Verpflichtung des Mitteltöners standen hier deutlich im Fokus.
Die besondere Membran der Canton-Boxen
Der clevere Membran-Materialmix aus Aluminium, Titan und in Spuren noch weiteren Metallen sowie die ausgefuchsten Fertigungs- und Veredelungsverfahren sichern exquisite Eigenschaften, die etwa mit ausschließlich Aluminium so nicht hätten verwirklicht werden können. Die enorme Härte beispielsweise. So ist insbesondere die schwarze Kalotte des ursprünglichen Aluminium-Hochtöners per Produktionsprozess zum großen Teil und nicht nur oberflächlich in das resonanzärmere, steifere Keramik oxidiert.

Nach unten werden die Woofer von einer großzügigen, damit auch lautlosen Downfire-Bassreflexöffnung unterstützt. Dass dies mit der unmittelbaren Abstrahlung auf den Fußboden auch die effizienteste Art und Weise darstellt, den Bass physisch spürbar werden zu lassen, haben wir schon häufiger erörtert.
Das macht diesen Schallwandler zum sinnlichen Erlebnis und mitunter wohl auch zum Kommunikator, denn man lernt womöglich leichter seinen Nachbarn kennen, was hier positiv gemeint ist. Die hauseigene, sogenannte DC-Technologie unterbindet vergleichbar einem Subsonic- oder Rumpelfilter im Verstärker unsinnige Membranbewegungen im Infraschallbereich unter 20 Hertz.
Frequenzweiche und Gehäuse: aufwendige Konstruktion im Detail
Die arbeitsteilige und hochwertig bestückte Frequenzweiche ist vom Linkwitz-Riley-Typ und funktioniert elektrisch überwiegend mit 12 dB Flankensteilheit, die sich akustisch auf bis zu 18 dB steigert und im Übernahmebereich des Hochtöners von akustisch 6 dB durch mechanischen Roll-off mit zusätzlichen 18 dB Filter auf bis zu 24 dB resultierende Gesamt-Flankensteilheit addiert.

Das gebogene, mehrschichtige MDF-Gehäuse weist starke strategische Verstrebungen und gezielte Asymmetrien auf, die nicht nur für Ruhigstellung sorgen, sondern auch etwa dem Mitteltöner eine eigene, geschlossene Behausung bieten, die zudem parallele Wände vermeidet.
Neben dem Spitzenmodell 101 liefert Canton mit Vento 91 und 81 (ab 4.800 Euro respektive 4.000 Euro Paarpreis) noch zwei weitere Standlautsprecher, mit Vento 31/21 zwei Kompaktboxen (ab 1.800/1.600 Euro) sowie Center, Wand-, Atmos-Deckenlautsprecher und Subwoofer (2.200 Euro).

Bei der gesamten, aktualisierten Vento-Serie legte Chefentwickler Frank Göbl aus Ambientegründen großen Wert auf eine leicht schmalere Schallwand, aber zugleich mehr Tiefe und Gesamtvolumen, um den neuen Modellen sowohl eine noch größere Ambientefreundlichkeit als auch noch mehr Autorität und Tiefgang zu spendieren. Der dafür konstruktiv in Kauf genommene Verlust an Wirkungsgrad fällt dagegen bei der Vento 101 mit noch immer deutlich über 87 dB kaum spürbar und schon gar nicht gravierend aus.
Der neu entwickelte, abgesetzte und isolierende Standfuß vermittelt ungeachtet der Größe und Masse dieses Lautsprechers den Eindruck, dass er geradezu schwebt. Das hochwertige Finish, die sanften Rundungen und das dazu gekonnt kontrastierende Quadrat des Hochtöners spielen geradezu genial mit Designelementen.
Canton Vento 101 im Hörtest: Souverän, dynamisch, erdend
Wie beim größten deutschen Lautsprecherhersteller Canton üblich zeichnen sich diese Boxen – und das gilt für voluminöse Flaggschiffe umso mehr – durch spektakuläre dynamisch-tonale Fähigkeiten aus und überzeugen mit Ausnahme der nur ausreichenden Verzerrungen auch messtechnisch.

Der Frequenzgang der Vento 101 ist beinahe geeignet, ein Lineal zu eichen. Und nachdem Canton beim Besuch in Euskirchen bereits die ausgezeichnete Gruppenlaufzeit erwähnte, vermag auch die Sprungantwort zu gefallen. Zudem ist die Canton behände, schnell, superb ausbalanciert, was die Natürlichkeit ihrer Klangfarben angeht, und sie löst superb auf, ohne sich in Details zu verlieren.
Vielmehr wahrt sie den souveränen Überblick über das große Ganze, mit mächtigem Atem und ist jederzeit in der Lage, wie gemeißelt einen gnadenlosen Bassimpuls in den Raum zu stampfen, bei dem man meint, dass es einen kleineren Lautsprecher wohl zerrissen hätte. Das hier ist womöglich die bislang optisch attraktivste Canton, die STEREO kennt. Ein echter Winner. Und auch klanglich stimmig. Wir deuteten schon an, dass die große Vento bei den Reference-Geschwistern wildern und Umsatz „kannibalisieren“ könnte.

Design, Größe und Klang sind gelungen, der Hochtöner derselbe – wenn auch quadratisch gefasst – wie in der Reference-Serie, die Basstreiber sogar größer als bei der preislich ähnlichen Reference 7 und gar bei der kostspieligeren 5. Der gebotene Gegenwert ist hier ganz außergewöhnlich, das dürfte die große Vento fast schon zum Erfolg „verurteilen“.
Canton ist nicht der erste und einzige Hersteller, bei dem ein besonders großer und gelungener Wurf nicht zwingend auch ganz oben im Portfolio positioniert ist. Für den Kunden ist das ein großes Glück und die seltene Gelegenheit, mit einer wohlüberlegten Ausgabe klug zu investieren und doch sogar womöglich ein wenig Geld zu sparen – oder es halt in den Verstärker zu stecken.
Canton Vento 101 vs. DALI Rubikore 8: Der Shootout
DALIs Rubikore 8 ist auch so ein Fall. Und im Shootout machten gerade diese beiden im Charakter so unterschiedlichen, aber stimmigen Lautsprechermodelle Spaß. Auch wenn die 1.000 Euro teurere DALI am Schluss klar die Oberhand behält: Das müssen Sie hören!
Während die DALI mit ihrer leichtfüßig-natürlichen, mühelos perlenden und ausgewogen-audiophilen Spielart das Publikum zu umgarnen wusste, ist es bei Canton eher der sonor-souveräne Unterbau, die unerschütterliche Erdung, die überzeugt. Auch in Sachen Dynamik und Bassgewalt zeigt die dunkler timbrierte, aber gut auflösende Canton ihre Stärken. Winds Of Change, ohne Zweifel.
Damit haben wir gehört: „Unplugged“ von Eric Clapton – wohl eines der gelungensten und beeindruckendsten Alben der MTV-Reihe. Sowie „Live at the Royal Albert Hall“ von Adele – auch die CD-Version des Live-Konzerts (DVD/Blu-ray) kann überzeugen.
| Canton | |
|---|---|
| Vento 101 | |
| Produktart | Standlautsprecher passiv |
| Internetadresse | www.canton.de |
| Preis in Euro | ab 6.000 |
| Abmessungen (BxHxT) in cm | 32,5 x 110 x 51 |
| Gewicht in kg | 39 |
| Deutschlandvertrieb | Canton |
| Kontakttelefonnummer | +49 6083 2870 |
| Prinzip | Dynamisch, 3-Wege, Bassreflex (Downfire) |
| Terminal | Bi-Wire |
| Infos zur Empfohlenen Aufstellung | frei, leicht angewinkelt, mit Wandabstand und auf Spikes |
| Messwerte 40 % | gut 2,3 |
| Frequenzgang | gut |
| Kennschalldruck (in Dezibel) | gut (88) |
| Impulsantwort | gut |
| minimale Impedanz | gut (3,3 Ohm bei 41 Hz) |
| Verzerrungen bei 63/3k/10k Hz (in Prozent) | ausreichend (1,9/0,76/0,24) |
| Kombinationsfähigkeit | gut |
| Ausstattung & Handhabung 60 % | gut 2,0 |
| Aufstellung | gut |
| Qualität der Anleitung | sehr gut |
| Erste Inbetriebnahme | gut |
| Klangkorrektur möglich | nein |
| Gehäuseausführungen | 3 |
| Lieferumfang | sehr gut (Blende, Gummifüße, Spikes) |
| Haptik & Verarbeitung | gut |
| Garantie (in Jahren) | 10 |
| Praxis-Note | gut 2,1 |
| Klangbeschreibung | souverän, dynamisch, voluminös, geschmeidig |
| Klangqualität | 69/100 |
