Cambridge Audio Melomania A100 im Test: HiFi-Klang günstig?

Die In-Ears Melomania A100 sollen HiFi-Genuss zu günstigem Tarif bieten – so das Versprechen des Herstellers Cambridge Audio. Ob es zutrifft, haben wir getestet.

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Empfehlung der Redaktion: Cambridge Audio Melomania A100

„HiFi-Genuss geht auch günstig“ – das lösen die Melomania A100 ein. Sie bieten auf einer breiten Bühne detaillierten Klang mit voluminösen Bässen. Einzig der Ton bei Videochats fiel etwas ab. Ansonsten sind diese kompakten In-Ears in ihrer Preiskategorie ein echter Tipp.
Empfehlung der Redaktion
Praxisnote: gut 1,7
Klangpunkte: 91 / 100

Pro

  • Detaillierter Klang mit breiter Bühne
  • leicht
  • kompakt
  • günstiger Preis.

Contra

  • Etwas schwer dem Ladecase entnehmbar
  • blecherner Videokonferenzton.

Der britische Hersteller Cambridge Audio verspricht mit seinem neuen In-Ear-Modell: „Drahtloser HiFi-Genuss geht auch günstig.“ Damit ist der Claim gesetzt. Gut, 139 Euro als empfohlener Verkaufspreis sind vielleicht kein Mitnahme-Angebot, doch rangieren die Melomania A100 damit in der unteren Preisliga.

Gerade wenn man audiophilen Klang erwartet, muss man meist tiefer in die Tasche greifen. In diesem Zusammenhang entpuppen sich diese „Designed in Great Britain, assembled in China“-Modelle als echte Überraschung. Doch eins nach dem anderen. Was die Verpackung angeht, merkt man, dass hier bewusst auf „zu viel“ verzichtet wird und ausschließlich Karton und Pappe zum Einsatz kommen. So soll’s doch sein!

In ihrem Case sind die In-Ear-Hörer sehr sicher: In unserem Falltest sind sie kein einziges Mal beim Aufprall herauskatapultiert worden. Der Nachteil davon: Die beiden Hörer sind etwas schwer aus der Halterung zu pulen, da sie sich darin mit ihren kleinen Schäften durch Magnete regelrecht festklammern.

Melomania A100 sind leicht und angenehm zu tragen

Die Passform, deren Design dem von Apples AirPods ähnelt, ist dafür sehr gefällig und tragetauglich – auch in kleineren (Kinder-)Ohren hielten die Earbuds über lange Zeit sehr gut. In Erwachsenen-Ohren sowieso. Mit nicht einmal 5 Gramm sind sie sehr leicht. Cambridge Audio liefert für bessere Anpassung an verschiedene Ohrgrößen Silikon-Ohrpolster unterschiedlicher Größe mit. Der Tragekomfort geht damit zu 100 Prozent in Ordnung.

Ausgestattet mit Bluetooth-5.4-Standard

Ist es gelungen, die klammernden Earbuds dem Ladecase zu entnehmen, geht das Bluetooth-Pairing schnell und problemlos – egal ob mit Mobilgerät oder Rechner. Die Melomania A100 sind mit dem Bluetooth-5.4-Standard ausgestattet, was unter anderem eine gleichzeitige Verbindung mit zwei Geräten ermöglicht.

Doch nur mit Quellgeräten, die ihrerseits echtes Bluetooth-Multipoint unterstützen, lässt sich einfach so bei der Audiowiedergabe hin- und herschalten. Im Test (mit verschiedenen Apple-Geräten) mussten wir, um die A100 neu drahtlos zu verbinden bzw. auf ein anderes Quellgerät umzuschalten, die Kopfhörer zuvor vom vorherigen Gerät entkoppeln. Ansonsten funktionierte auch das Pairing mit Android-Geräten problemlos und schnell.

Steuerung per Touchpad oder App

Sollte man mit der Touch-Steuerung nicht auf Anhieb intuitiv zurechtkommen, empfiehlt sich die Melomania-App, mit der man die Funktionen bei Berührung individuell programmieren kann. Das kompakte Format dieser In-Ears ist hier ein kleiner Nachteil, da man im Alltagsbetrieb – wenn man etwa an die Earbuds langt, um sie wieder im Ohr zurechtzurücken – oft ungewollt Funktionen oder Anrufe auslöst. Will man dies umgehen, kann man die Touch-Steuerung oder auch nur den Sprachassistenten per App deaktivieren.

Diese lässt sich ohne aufwendige Regis­trierung schnell installieren (an ­dieser Stelle sei die fehlerfreie deutsche Version der App gelobt!) und bietet bestimmte Klang-Presets wie ­ „Linear“, „Blues“, „Electronic“, „Natürlich“, „Rock“, „Stimme“ oder „DynamEQ“ sowie einen 7-Band-Equalizer zur individuellen Klanganpassung.

Melomania A100: Fit für hochauflösendes Audio

Für unseren Geschmack braucht man den Equalizer allerdings gar nicht, da der Klang schon mit den Werkseinstellungen überzeugend ist. Die A100 können hochauflösende Audioformate wie LDAC (welches von neueren Android-Geräten unterstützt wird), aptX Lossless und AAC wiedergeben. Letzteres ist bevorzugtes Format vieler großer Anbieter wie Spotify, YouTube und Apple Music. Wir haben im Test mit einem iPhone primär mit Apple Music sowie per Laptop mit dem Spotify-Webplayer gehört und waren hier von den Klangeigenschaften der A100 sogleich positiv angetan.

Im Hörtest: Wie die Melomania A100 klingen

Der Klang ist sehr plastisch und detailliert und sorgt mit wahrnehmbarer Präsenz und einer guten Räumlichkeit für ein freudiges Hörerlebis – zumal für In-Ear-Kopfhörer dieser Preisliga.

Das sehr breite Stereo-Panorama, das diese kompakten Kopfhörer abzubilden vermögen, fiel etwa auch bei Dolby-Atmos-Mixen auf, bei denen bekannte Songs von Fleetwood Mac („The Chain“) oder Kraftwerk („Autobahn“) auf einer größeren und breiteren Bühne als ­ gewohnt erklangen.

Positiv fällt bei der Musikwiedergabe auch die gute Frequenztrennung auf: Die A100 stellen die einzelnen Instrumente, Sounds und Stimmen klar verortbar auf besagte breite Klang­ bühne. Dies gilt für Rock-/Pop-/Elektronik-Produktionen. Bei Klassik stellte sich dieser Eindruck beim Probehören mit Dvořák oder Vivaldi nicht so ausgeprägt ein.

Nur knapp 5 Gramm schwer und kompakt: Die A100 sitzen auch über längere Zeit angenehm im Ohr.

Sennheisers etwas teurere „Accentum“-TW-In-Ears, die wir zum Vergleich herangezogen haben, sehen gegen die Melomania A100 klanglich teilweise etwas blass aus: Der Klang der A100 war, abhängig von der jeweiligen Aufnahme und Produktion, bei derselben Musik deutlich körperhafter, artikulierter und hatte in geringerer und mittlerer Hörlautstärke auch etwas mehr Bass, was zum Beispiel beim Kraftwerk-Remix auffiel.

Positiver Klangeinfluss der Neodym-Magnete

Wohlgemerkt: Wer viel Bass hören möchte, muss die Hörer möglichst fest ins Ohr drücken. Sitzen sie lose, wird – was für alle In-Ears gilt – der Tiefton dünner. Sitzen sie richtig, lässt die Basswiedergabe der Melomania wenig zu wünschen übrig – und das ganz ohne Nachhilfe per Equalizer. Naheliegender Grund dafür könnten die Neodym-Magneten der Treiber sein; ihre Verwendung soll bei kompakter Bauweise adäquaten Schalldruck und ausgewogeneren Klang mit besserer Basswiedergabe als bei herkömmlichen Treibern erzeugen. Unser Höreindruck liegt damit auf einer Linie.

Als Headsets fast immer überzeugend

Als Headset machen die A100 eine ebenso gute Figur: Telefonate haben gute Sprachverständlichkeit und -qualität, bei der am anderen Ende der Leitung kein nennenswerter Unterschied zum eingebauten Smartphone-Mikrofon wahrnehmbar war.

Die am Schaftende eingebauten Mikros gewährleisten gute Sprachverständlichkeit beim Telefonieren.

Nur fiel uns beim Headset-Einsatz bei Videokonferenzen bisweilen ein etwas scharfer und dünner Ton aus den Schallwandlern auf, der nicht zu jenem beim Musikhören passen wollte.

Cambridge Audio
Melomania A100
Produktart/GruppeIn-Ear-Kopfhörer
Internetadressewww.cambridgeaudio.com/
Preis in Euro139
Gewicht (mit / ohne Ladeschale in Gramm)49 / 10
Bedienung 30 %sehr gut 1,5
Koppelnsehr gut
Bedienung Ohrhörersehr gut
App: Funktionen und Bedienungsehr viele / einfach
Tragekomfortsehr gut
Ausstattung & Funktionen 55, %sehr gut 1,5
Qualität der Ladeschalegut
Akkulaufzeitlang
Wasser- und SchmutzfestigkeitIPX5
Gleichzeitige Verbindung mit mehreren Gerätenja
Bluetooth-Reichweite (in Meter)20
Equalizerja
Auto-Pauseja
Sprachassistentenja
3D-Soundja
Nur einen Ohrhörer nutzenja
Enthaltenes ZubehörLadeschale, Hörer, Kabel,
zwei Ersatz-Aufsätze anderer Größe
Mikrofon-Qualitätsehr gut
Noise Cancellationgut
Ambient Modeja
Service & Umwelt 15 %gut 2,4
VerpackungKompakt, Pappe
Garantie (in Jahren)2
Praxis-Note1.7
KlangbeschreibungPlastisch, detailliert, differenziert, präsent, deutlicher Bass, breite Bühne
Klangqualität91/100

Beim Hören lässt sich zwischen drei Modi wählen: Transparency, Noise Cancelling und Normal. Letzterer bedarf keiner näheren Erläuterung, hier ist dem Klang nichts dazugeschaltet. Transparency sorgt indessen für gute Stimmenverständlichkeit und Umgebungswahrnehmung, ohne dass man die In-Ears aus dem Ohr nehmen müsste, etwa wenn man an einer Unterhaltung teilnehmen möchte. Hier leisten die sechs integrierten Mikrofone gute Dienste.

Was das ANC angeht, konnte im STEREO-Test bereits das etwas höherpreisige Modell­ Melomania M100 von Cambridge ­Audio mit guter Wirksamkeit punkten. Auch bei den A100 gibt es hier nichts zu meckern.


Wenn man etwa als Mitfahrer im Auto einfach in Ruhe Musik hören möchte, lassen sich etwaige Gespräche von Mitfahrenden wirksam ausblenden. Wobei die Wirksamkeit nicht so weit geht, dass man die neben einem sitzende Person beim Sprechen gar nicht hören würde. Hier darf man keine Wunder erwarten. Wer sich akustisch völlig abkapseln möchte, wird dazu wohl eh eher zu geschlossenen Over-Ear-Kopfhörern greifen.

Das ANC der Melomania A100 im Härtetest

Weil sich die Gelegenheit bot, wollten wir das ANC der Melomania A100 einem Härtetest unterziehen: Musik hören beim Rasenmähen. Und zumindest das monotone, laut Aufkleber auf dem Gerät bis zu 96 dB laute Surren eines Elektromähers ließ sich durch gleichzeitigen Musikgenuss versüßen. Nicht dass man vom Mäher dann nichts mehr hört, doch war die Musik mit guter Verständlichkeit der Texte unbekannter Stücke, die der Apple-Music-Algorithmus vorschlug, klar im Vordergrund.

Die Melomania A100 sind in Schwarz oder wie hier in weißer Ausführung erhältlich.

Der angesichts hoher Temperaturen schweißtreibende Aspekt machte den In-Ears nichts aus – dank ihrer IPX5-Schutzklasse sind sie feuchtigkeitsresistent und spritzwassergeschützt. Was die Farbe angeht, bietet Cambridge Audio die Melomania A100 in den Varianten Schwarz oder Weiß an.



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