Cambridge Audio L/R X im Test: Klein und mächtig?

Die neue L/R-Serie ist für Cambridge Audio der Start in Richtung Streaming-Aktivboxen – sind die Flaggschiffe L/R X für 2.000 Euro direkt ein Volltreffer?

Cambridge_LR-X_Aufmacher

Testfazit: Cambridge Audio L/R X

Die L/R X liefern für ihre kompakte Größe erstaunlich viel Bass, knackigen Punch und eine präzise, luftige Bühne bei neutraler Abstimmung. Als vollausgestattete Streaming-Aktivboxen mit HDMI, Phono und App-Anpassung sind sie für 2.000 Euro fast eine komplette Anlage.
Praxisnote: gut 2,1
Klangpunkte: 74 / 100

Pro

  • Viel Punch für die Größe
  • Neutrale und präzise Abstimmung
  • Umfangreiche Anschlüsse

Contra

  • Tiefgang durch Größe begrenzt
  • Keine Abdeckungen
  • Wenig Steuerung am Gerät

Es ist ein hohes Kunstwerk, möglichst viel in möglichst kleinem Raum zu verpacken, sei es nun im HiFi oder anderswo. Besonders schwer wird es, wenn ein Konzept von mehr Platz profitieren kann, wie es bei Lautsprechern der Fall ist. Aktivboxen mit eingebauter Elektronik nehmen da zudem eine besondere Rolle ein: Einerseits müssen hier eben auch Verstärker, Eingänge und mehr ins Gehäuse integriert werden, andererseits kann die Elektronik dabei helfen, etwaige akustische Nachteile einer besonders platzsparenden Konstruktion zu korrigieren. Eine gute Balance aus großer klanglicher Performance, kompakter Bauweise und Funktionsvielfalt will Cambridge Audio augenscheinlich mit den neuen Streaming-Aktivboxen treffen, deren Flaggschiff L/R X wir uns hier genau ansehen.

Grundsätzlich sind weder Streaming noch Verstärkung oder Lautsprecher ein Novum für die englische Firma. Und selbst die Kombination von all diesen Aspekten hat man bereits geübt, etwa in Form der Komplettanlage Evo One, deren Entwicklung mutmaßlich auch etwas Einfluss auf die neuen Aktivlautsprecher hatte, wie sich an ähnlichen Eingängen und Klangeinstellungen zeigen wird. Aber trotzdem betritt Cambridge mit Stereo-Lautsprechern inklusive Streaming hier ein an sich neues Feld, welches sich vor allem in der gewählten kompakten Form aktuell großer Beliebtheit erfreut.

Also nur ein Allerweltsprodukt, um beim „Hype“ mitzumachen? Diese Vermutung ist bei genauerer Betrachtung der Lautsprecher schnell verflogen, auch wenn die L/R erst mal nach klassischen 2-Wege-Boxen aussehen. Aber sie sind durchaus alles andere als generisch. Erst mal arbeiten die jeweils knapp über zehn Kilo wiegenden Boxen in einem geschlossenen Gehäuse, was durch das Weglassen der Bassreflexöffnung oftmals eine flexiblere Platzierung verspricht.

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Wie kommt so viel Bass aus dem kompakten Gehäuse?

Doch die Tiefton-„Abluft“ wird trotzdem genutzt: Auf den Seiten beider Boxen sitzen passive Membranen mit hier sechs Zoll Durchmesser. Der nächste, wahrscheinlich noch wichtigere „Geheimtrick“ für einen trotz eher kleinen Gehäuses starken Bass liegt aber auf der Unterseite der Boxen. Namentlich jeweils ein zweiter, nach unten abstrahlender Tieftöner, der genau wie sein frontaler Bruder fünf Zoll misst. Was Tieftöner angeht, ist das zwar noch auf der kleineren Seite, aber dafür gibt es ja eben zwei Stück, was ein smarter Kniff sein könnte, um mit frontalen Dimensionen von nur 20 × 33 Zentimetern zu ordentlich Tiefton zu kommen.

Da wir hier Aktivboxen vor uns haben, zählt die Verstärkerleistung auch zum Gesamtkonzept, welche hier mit insgesamt 400 Watt pro Box mehr als üppig ausfällt – mit je eigenem Amp pro Treiber, die Frequenzweiche arbeitet vorgeschaltet digital. Dass vier Tieftonmembranen und so viel Leistung auch in der Praxis mehr Volumen im Bass sowie möglichen Pegel liefern, als die Größe der Boxen impliziert, können wir hier schon verraten und bestätigen. Wer noch mehr Tiefton will, kann zudem einen Subwoofer anschließen, Einstellungen für Übernahmefrequenz und Hochpassfilter gibt’s in der App.

Bei der Qualität dieser Treiber wollte Cambridge aber auch nichts „von der Stange“ nehmen, sodass die Chassis explizit neu für die L/R-Reihe konzipiert wurden. Und während das Zwei-Treiber-Konzept im Tiefton für Power sorgen soll, wurde der Hochtöner ebenfalls für die L/R neu entwickelt. Der auf den Namen „Torus“ hörende 28-mm-Tweeter soll breit abstrahlen und dazu noch besonders klar spielen. Um das zu realisieren, kommt neben dem angepassten Waveguide auch das namensgebende „Torus“-Element: die runde, präzise optimierte Rückkammer, die effektiv den nach hinten abgestrahlten Schall ableiten soll, sodass keinerlei Störgeräusche Teil des Signals werden.

Auch die Messtechnik bestätigt die Qualität des Hochtöners, der linear sowie verzerrungsarm spielt. Und das sowohl bei gerader als auch angewinkelter Aufstellung ziemlich identisch, abgesehen von einem kleinen Lautstärke-Unterschied. Die in der Messung etwas höheren Verzerrungen bei 63 Hz sind zudem in der Praxis wie oft bei Kompaktboxen nicht so dramatisch, wie es scheint, da sie dort bereits abfallen – und keine hörbaren Verzerrungen übrig bleiben.

L/R M, L/R S und jede Menge Anschlüsse

Schaut man sich die restlichen Modelle der neuen L/R-Serie an, zeigen sich natürlich viele Gemeinsamkeiten bei Konzept und Treiberbestückung, wenn auch in verschiedenen Größen. Die L/R M tritt als kleinere Version der L/R X auf, und bietet so zum niedrigeren Preis von 1.400 € etwas weniger in vielen Aspekten – Gehäusedimensionen, Treibergröße, Verstärkerleistung – und verzichtet auf die kabellose Boxen-Verbindung. Denn exklusiv bei der L/R X gibt es die Option, die Boxen entweder per beiliegendem USB-C-Kabel oder kabellos zu verbinden.

Für die gesendete Auflösung macht das keinen Unterschied, dafür ist die Wireless-Option flexibler, und das Kabel verspricht maximale Verbindungsstabilität – wobei wir im Test keinerlei Verbindungsprobleme mit der kabellosen Option verzeichnen konnten. In beiden Fällen wird bis zu 24 Bit / 96 kHz übertragen, generell verarbeiten die Boxen aber auch höhere Formate bis zu 32 Bit / 384 kHz und DSD. Bei der L/R S hingegen schrumpft zudem die Ausstattung merklich. Weniger Anschlüsse, kein Streaming, keine seitlichen Passivmembranen und mit nur einem Tieftöner sowie Bassreflexöffnung ein anderes Konzept – aber mit knapp 500 Euro eben auch ein deutlich günstigerer Preis.

Zurück bei den Flaggschiffen ist das Anschlusspanel erfreulich gut gefüllt, sie setzen keineswegs nur auf Streaming. HDMI für den inzwischen fast unverzichtbaren Fernseher-Anschluss, USB-C und ein optischer Eingang sind da auf der digitalen Seite zu finden, ebenso wie USB-A zum Anschluss eines Sticks und von Ähnlichem. Neben dem analogen Eingang liegt zudem ein Input für Phono MM, auch in einem modernen Digitalgerät ein sehr gerne gesehener Gast – immerhin haben die L/R X ja auch den Anspruch, im Prinzip eine komplette Anlage zu sein.

Streaming, App und Klangeinstellungen

Die Streaming-Sektion ist kurz und knapp mit „Alles drin und dran“ beschrieben, wie man es von Cambridge Audio gewöhnt ist. Die L/R M und X arbeiten mit derselben, aktuell noch mal etwas weiterentwickelten Streaming-Plattform und -App, die auch etwa in der Komplettanlage Evo One oder den Streamern der Firma eingesetzt wird. Von Connect-Protokollen über Airplay, Google Cast und Roon sowie Streaming in der App (Amazon, Deezer, Qobuz, Tidal) und auch Bluetooth steht der Musik quasi nichts im Weg. In der App gibt’s auch Internetradio und einige Klangeinstellungen, wie sie von modernen Aktivboxen oft schon erwartet werden.

Hier hat Cambridge augenscheinlich durchaus aus der Erfahrung bei der Entwicklung vor allem des Evo One geschöpft, denn die Settings sind uns teils schon von der Komplettanlage bekannt – und sind da wie hier sinnvoll. Letztlich auch, weil kompakte Streaming-Boxen wie die L/R es ja auch immer zumindest ein bisschen zum Ziel haben, eine „Einstiegsdroge“ für Stereo-Klanggenuss zu sein für Kunden, die sich vorher auf All-in-Ones verlassen haben. Genau für diesen Schritt ist neben einem modernen Anschlussfeld inklusive HDMI wichtig, dass die Steuerung ähnlich einfach gestaltet ist.

Loudness und Raumanpassung: Was bringt die App?

So gibt es bei den neuen Lautsprechern etwa eine Einstellung für die Distanz zur Rückwand sowie „DynamEQ“ – was grundlegend einer smarten Loudness-Funktion entspricht. Und zuletzt auch eine Möglichkeit zur Anpassung an den Raum, die aber nicht in der Form einer Raumkorrektur ausgeführt ist, sondern als ein simpler Slider in der App, mit dem man die Bedämpfung seines Raumes einstellt, mit Darstellung zweier „Musterzimmer“.

Wie unsere Messung zeigt, bringt das Extrem für wenig bedämpfte Räume etwas mehr Bass mit einer Absenkung im Hochton, um „klirrenden“ Widerhall zu begrenzen. Auf der anderen Seite bekommt man für stark bedämpfte Räume, die gerne bestimmte Frequenzen „schlucken“, mehr von allem, inklusive mess- und hörbarem Hochton-Boost.

Die Distanz-Einstellung eröffnet zudem Möglichkeiten für eine wandnahe Aufstellung, indem sie den Bass abschwächt. Bei einer freien Aufstellung auf Ständern kann man sie deaktiviert lassen, aber dieses audiophile Optimum ist eben nicht immer realistisch zu erreichen. Für letzte Anpassungen ist zudem der 7-Band-Equalizer da, dessen Presets „Normal“, „Movie“ und „Game“ auch auf der flachen Fernbedienung aktiviert werden können. Was noch mal unterstreicht, dass die Cambridge Alleskönner sein wollen, die neben dem Musik-Fokus auch in Verbindung mit einem TV viel leisten können.

Puristische Bedienung mit cleverem Play/Pause

Als kleine Seitennotiz: Scheinbar gibt es bei vielen Herstellern von Streaming-Aktivboxen dieser Klasse die ähnliche Einstellung, am Gerät selbst auf eine puristische Steuerung zu setzen. Entsprechend macht auch Cambridge in diesem Aspekt keine Ausnahme. Während deswegen Play/Pause bei vielen Konkurrenten fehlt, bieten die Cambridge einen Knopf für diese Grundfunktion.

Dafür wird auf Knöpfe für Inputs verzichtet, weiterhin gibt es An/Aus und Lautstärke. Ehrlich gesagt finden wir (wie wohl auch Cambridge) Play/Pause hier die sinnvollere Option, falls es „Entweder/Oder“ ist. Schnell auf den Boxen die Musik pausieren, um etwa an die Tür zu gehen, ist ein simples, praktisches Feature.

Wie klingt die Cambridge Audio L/R X?

Der klangliche Test startet mit Deep Purples brandneuem „Arrogant Boy“, das frisch und energetisch zeigt, dass die „Alten Herren“ das Rocken immer noch nicht verlernt haben. Von Gitarrengeheul bis zu Ian Gillans Stimme setzen die L/R X das Geschehen klar und scharf in Szene, und das auch auf Lautstärken, die für unseren kleinen Hörraum eigentlich zu hoch wären. Ein Lautsprecher mit dem doppelten Gehäusevolumen reicht durchaus mehr im Tiefton herunter als die Cambridge, die sich aber für Preis und Größe hervorragend schlagen.

Auch ohne infernalisches Grummeln (für das ja immer ein Subwoofer verbunden werden kann) ist der Bass satt, knackig und liefert dazu wichtige Bauteile für den restlichen Klang, verleiht Stimmen Volumen und sorgt für eine vergrößerte Bühne, vor allem nach oben. Trotz komplexerer Treiberkonfiguration spielen die L/R X ausgesprochen schnell, Beats wie in Röyksopps vermutlich vielen Menschen unterbewusst bekanntem „Eple“ klingen „tight“, klar und frisch, stets inklusive – in unseren Hörsessions nie zu viel – Bodenvibration. So spielen die neuen Cambridge-Lautsprecher insgesamt teils eher auf der neutral-präzisen Seite als auf der ausladenden. Als „raumfüllend“ darf man die kleinen Boxen aber trotzdem beschreiben, dafür sorgt die dicke Motorisierung mit hohem Lautstärke-Potenzial.

Die L/R X sind größer als erwartet, und das in vielen Hinsichten. Da sind einerseits „versteckte“ Details wie der zweite Tieftöner und der mächtige Verstärker sowie eine moderne, praxistaugliche Ausstattung. Auf der anderen Seite wachsen die Cambridge-Boxen aber auch klanglich über sich hinaus: neutral, aber vor allem mit „großen“ Tugenden wie knackigem Punch und einer luftigen Bühne.

Cambridge Audio
L/R X
Produktart Kompaktlautsprecher Aktiv mit Streaming
Internetadressewww.cambridgeaudio.com/
Preis in Euro1,999
Abmessungen (BxHxT) in cm20x33x26
Gewicht in kg10,4 (pro Lautsprecher)
DeutschlandvertriebCambridge Audio
Kontakttelefonnummer+49 4101 809 9810
Prinzip2,5-Wege, geschlossen, Passivmembranen
Kommunikation zwischen LautsprechernPer Kabel oder kabellos
Infos zur Empfohlenen AufstellungAuf Ständern, flexibel, Wandnähe mit App optimierbar
Messwerte 30 %gut 2,2
Frequenzgang gut
Sprungantwort gut
Verzerrungen bei 63/3k/10k Hz (in Prozent)gut (1,0 / 0,098 / 0,17)
Stromverbrauch Leerlauf (in Watt)befriedigend (18,7)
Ausstattung 35 %gut 1,8
Klangkorrektur möglichja
Gehäuseausführungen6
LieferumfangStromkabel, USB-C-Kabel
Haptik & Verarbeitunggut
AnschlüsseCinch, Phono, HDMI, USB-C, optisch, Sub Out
Bluetoothja
Erweiterbarkeitnein
StreamingstandardsAirplay, Google Cast, Roon, Spotify/Tidal/Qobuz Connect, UPnP/DLNA, Dienste in der App, Internetradio
Musik-Formatesehr viele, inkl. HiRes & DSD512
USB-Datenträgerja
Harter Netzschalternein
Bedienung 35 %gut 2,2
Aufstellunggut
Erste Inbetriebnahmesehr gut
Qualität der Fernbedienunggut
Bedienung am Gerät / Anzeige & Displaybefriedigend
Qualität der Anleitunggut
Qualität der Appgut
Garantie in Jahren2
Praxis-Note2.1
KlangbeschreibungFür die Größe viel Punch, präzise und mit sauberer Platzierung
Klangqualität74/100


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