bFly b.DISC & TALIS im Test: was bringt Upgrade-Dämpfungsfüße?

STEREO hat im Dauereinsatz die TALIS-Füße PRO und ELITE von bFly als Spike-Ersatz für Lautsprecher ausprobiert. Was das wertvolle Zubehör bringt, lesen Sie hier.

Lassen Sie uns zunächst ein wenig ausholen. Akustische Beschallung löst Wechselwirkungen aus, es kommt zu Mikrofonie und zum Teil auch stärkeren Erschütterungen, die vor allem von Lautsprechern selbst erzeugt werden, aber auch von außen (Trittschall, Straßenverkehr usw.) auf die HiFi-Anlage einwirken. Bei stärkeren Erschütterungen kann es dadurch – und nicht etwa nur bei besonders empfindlichen Plattenspielern, wo das auf der Hand liegt – in Geräten und Frequenzweichen zu Klirrverzerrungen kommen, was etwa der Verstärkerentwickler Siegfried Tessendorf in Versuchen ermittelt und messtechnisch belegt hat. Aber auch viel schwächeres Schwingen, etwa von Transformatoren, mag eine Rolle spielen, in die eine Aufstellung positiv einzugreifen vermag.

Fast jeder HiFi-Interessierte hat in der Praxis die Erfahrung gemacht, dass Musik erheblich anders klingt, wenn man Geräte und Lautsprecher akribisch und unter Beachtung einiger Grundregeln aufstellt. Hier ist nicht die Rede von Platzierung in gleichschenkligem Dreieck und Vermeidung von Wandnähe oder ausreichender Entfernung zu elektromagnetischen Störfeldern, sondern ausnahmsweise mal nur von simpler Mechanik der Aufstellung.

Ankopplung oder Entkopplung – was ist besser?

Das wollen wir näher beleuchten, und damit sind wir auch gleich beim Thema An- und Entkopplung. STEREO geht davon aus, dass man es bei der Aufstellung von Geräten fast nie mit reiner Entkopplung oder Ankopplung zu tun hat, denn eine vollständige Entkopplung würde einen komplett vom Untergrund isolierenden Schwebezustand bedeuten, der, außer (zumindest nahezu) etwa mit Magnet- oder Luftlagerung, kaum zu erzielen ist. Umgekehrt wird eine komplette Ankopplung, etwa des Lautsprecherbodens an die Bodenfliese oder das Parkett, auch nie angestrebt werden, weil das samt zu vermeidender Dröhnneigung wohl die technisch schlechteste aller Möglichkeiten darstellt.

Der Lautsprecher beispielsweise muss zwingend vom Boden abgehoben und darf somit nur partiell mit diesem verbunden werden. Dabei unterscheidet man in der Regel elastische Materialien mit Dämpfungseigenschaften und harte Materialien, die ohne Dämpfung punktuell durch hohe Masse je Standfläche – wie beim Stöckelschuh – wirken und/oder in den Untergrund ableiten. Standfest muss das selbstverständlich alles sein. Während Geräte oft „hart“ ankoppeln (Metall), hat man es bei Lautsprechern auf einer oder beiden Seiten meist mit Holz zu tun.

Elastische Materialien wie Gummi, Neopren, Sorbothane oder Silikon sollen Schwingungsenergie vernichten. Das tun sie gemäß des Energieerhaltungssatzes der Physik nicht wirklich, aber sie wandeln die kinetische Energie innerhalb des Dämpfungsmaterials in Wärme um.

bFly-Audio: Spezialist für Klangmechanik

Der in Süddeutschland angesiedelte Hersteller bFly-Audio hat sich in Person des Chefs Reinhold Schäffer seit 15 Jahren auf Aufstellungszubehör und Klangtuning spezialisiert. STEREO liegen für einen Praxistest zwei verschiedene Sets an Unterstellfüßen namens TALIS (mit Gewinde) vor, die in jeweils zwei Qualitätsstufen, PRO und ELITE (mit doppelten Dämpfungslagen), getestet wurden. Beide Varianten – wir haben die entsprechend belastbare 50-kg-M8-Version hier – sind in attraktivem, tadellos verarbeitetem Alu/Schwarz in einer Unterschale aus POM (Polyoxymethylen), einem Präzisions-Thermoplast-Stoff, ausgeführt und innen aus mehreren Schichten aufgebaut, die einzeln unterschiedliche Frequenzbereiche bedämpfen und einen stabilen Eindruck machen.

Wenn etwa eine Schicht Sorbothane Schwingungen um 70 Prozent auf 30 Prozent reduziert, senkt eine weitere Schicht desselben Materials in der ELITE-Version die Vibrationen noch mal um 70 Prozent von 30 Restprozent (nach Adam Riese 0,7 x 30 = 21 %) auf einen Rest von 9, also insgesamt um mehr als 90 Prozent. Das ist mehr als interessant, zumal sich die anderen Materialien, wie Gel oder Kork, mechanisch entsprechend ergänzen. In der Wirkung entsteht durch diese in langen Hörtests ermittelten Schichten eine Breitspektralbedämpfung, wobei TALIS ELITE das Maximum an Schwingungsdämpfung von Lautsprechern im bFly-Portfolio darstellt. Erwartbar nicht doppelt so stark, aber vernehmbar besser als PRO.

Aufbau und Verarbeitung der bFly TALIS

Auch die Unterseite ist mit einem Glider aus POM versehen, was die Lautsprecher auf entsprechenden Böden (Teppich) leichter verschiebbar macht. Man kann im gezeigten Bild ermessen, wie aufwendig die vielschichtige Konstruktion gerade beim TALIS ELITE real ist und dass sie zusammen mit den zahllosen Messungen, Hörtests und Prototypen den zunächst verblüffenden Preis relativiert.

Tatsächlich sorgen die dämpfenden bFly-Füße unter den Boxen für Natürlichkeit, Rhythmik und Lebendigkeit, mehr Struktur und Transparenz, aber auch eine leichte, organische Abrundung und Wärme, die mit dem elastischen Material einherzugehen scheint. Das ist keine große Überraschung, schließlich sorgt umgekehrt ein harter Stein (z. B. Granit) auch für eine glasige Härte im Klang, hier also eher das Gegenteil, aber in sehr feiner Abstufung. Mehr als eine Nuance und auf angenehme Art besser als oft analytische, serienmäßige Spikes. Das haben wir in einer hochwertigen Anlage mit Symphonic LineVollverstärker an DALIs Rubikore 8 (30 Kilogramm) ausprobiert, wo sich die belastungsabhängigen 4er-Set-Preise von ab 259 Euro für TALIS PRO und ab 329 Euro für TALIS ELITE auch rechnen. Für ein Boxenpaar benötigt man natürlich in der Regel zwei Sets, also acht Stück. TALIS gibt es mit allen gängigen Gewinden und Adaptern für Sonderfälle.

bFly b.DISC: Die Alternative für nicht entfernbare Spikes

Sind die serienmäßigen Spikes nicht entfernbar oder möchte man sie nutzen, so ist eine identische Absorptionswirkung durch gewindelose b.DISC-Füße erzielbar, die den Spike als Untersetzer punktuell aufnehmen. Diese sind in der PRO-Variante zum Stückpreis ab 33 Euro und als ELITE ab 59 Euro erhältlich. Auch der freundliche Nachbar in der Wohnung unter dem Einsatzort dürfte übrigens von der Dämpfung profitieren, eine Dröhnneigung wird deutlich reduziert. Probieren Sie es aus, Sie werden sich wundern!



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