Beyerdynamic Aventho 100 im Test: günstige On-Ears mit ANC

Für knapp 200 Euro will der Aventho 100 von Beyerdynamic beweisen, dass auch On-Ear-Kopfhörer mit Klang, Design und ANC beeindrucken können.

Beyerdynamic Aventho 100

Testfazit: Beyerdynamic Aventho 100

Obwohl er ein On-Ear-Modell ist, kann der Aventho seine Artgenossen überbieten und problemlos mit Over-Ears in seiner Klasse mithalten und wirkt dabei im Design sogar oft hochwertiger; sowie im Klang rund, balanciert und langzeittauglich. Das für sein Konzept ungewöhnliche ANC ist gut, insgesamt schneidet er in der Praxis überzeugend ab, größter Nachteil da ist der teils bauweisenbedingt hohe Anpressdruck.
Praxisnote: gut 2
Klangpunkte: 66 / 100

Pro

  • On-Ear mit ANC
  • langzeittauglicher Klang
  • gutes Mikrofon.

Contra

  • Etwas hoher Druck
  • Abschirmung etwas wenig
  • Klang könnte direkter sein.

Viel muss man zum Namen ­Beyerdynamic eigentlich nicht sagen – seit Langem ist die deutsche Firma einer der bekanntesten Studioausstatter. Das gewährt der Marke auch außerhalb von diesem Kontext ein gewisses Renommee, was zudem dadurch verstärkt wird, dass nicht wenige der In- und Over-Ears der Heilbronner Firma auch außerhalb des Studios zum Musikhören genutzt werden. Oder eben genau dafür konzipiert sind, von High-End-HiFi-Kopfhörern über Gaming-Modelle und praktischen In- und Open-Ears bis hin zu Bluetooth-Kopfhörern mit ANC in Bügel-Bauweise. Der günstigste Vertreter der letzten Gattung ist der Aventho 100, der zum Einsteigerpreis viele Features, hochwertigen Klang und auch edles Design vereinen will.

Etwas ungewöhnlich ist, dass der Aventho ein On-Ear-Modell ist und kein Over-Ear, die Hörer also auf dem Ohr aufliegen, anstatt es zu umschließen. Das ist an sich vor allem im günstigeren Segment keine seltene Bauweise. Dieses Konzept mit einer ANC-Schaltung zu verbinden, wie Beyerdynamic es hier gemacht hat, hingegen schon. Bekannte On-Ear-Vertreter wie ein Beats Solo bieten diese Funktion etwa nicht.

Beyerdynamic Aventho 100 im Test: Unterschied zu Over-Ear-Kopfhörern

Denn dadurch, dass der Hörer das Ohr eben nicht umschließt, ist eine etwas schwächere Abschirmung von Außengeräuschen zu erwarten, wodurch auch das ANC an Effektivität einbüßen kann. Aus demselben Grund ist auch der Tragekomfort bei On-Ears für viele Kunden etwas niedriger als bei Over-Ears, da sie meist einen höheren Druck auf die Ohren ausüben, um an ihrem Platz zu bleiben.

Aber es gibt auch Vorteile dieser Bauweise, wie etwa der meist niedrigere Preis oder die kleineren Abmessungen. Der Aventho ist dementsprechend sehr kompakt und lässt sich zudem noch platzsparender ­zusammenfalten, womit er dann auch in seine simple, aber effektive Tragetasche oder eine Jackentasche passt.

Tasche und Bauweise sind optisch die größten „Hinweisgeber“ zum Preis, denn davon abgesehen wirkt der Aventho in Design und Verarbeitung durchaus hochwertiger als viele andere ähnlich ­bepreiste Konkurrenten. Es gibt zudem optional eine zusammen mit der Design-Marke ANY DI entstandene Tragetasche für den Aventho 100 – die mit knapp 200 Euro aber genauso viel wie die Kopfhörer an sich kostet und deswegen wohl explizit in die Schiene „Luxus“ gehört.

Hoher Druck, aber sicherer Sitz auf dem Kopf

Beim Thema Tragekomfort bestätigt der Beyerdynamic durchaus etwas besagtes Vorurteil und übt einen eher hohen Druck auf die Ohren aus. Dadurch ist der Sitz relativ sicher, wenn auch spürbar. Mit ein bisschen Herumprobieren lässt sich aber eine Position finden, in der er auf dem eher großen Kopf des Testers für mehrere Stunden verweilen kann, viel zu stark ist der Druck ebenfalls nicht.

Und auch die passive Abschirmung (also ohne ANC) von Außengeräuschen kann nicht ganz mit gängigen Over-Ears mithalten. Nichtsdestotrotz verringert der Aventho Lärm durchaus mehr, als es etwa In-Ears vermögen, also insgesamt solide.

Beyerdynamic Aventho 100 mit erstaunlich gutem ANC

Wird das ANC aktiv, wird auch die Isolation stärker und ist dann sogar relativ gut. Da kann der Aventho auch mit Over-Ears mithalten, reduziert hohes Klirren, Stimmengewirr und auch tiefes Grummeln. Die etwas niedrigere passive Abschirmung hat aber auch einen konkreten Vorteil, und zwar für den Transparenz-Modus.

Denn dieser braucht sich weniger ­„anzustrengen“, um Außengeräusche einzuspielen, wenn ein paar davon sowieso schon die Ohren erreichen. Sei es nun deswegen oder dank des Systems aus Schaltung und Mikrofonen, aber auch der Ambient Mode der Beyerdynamics ist gut, leitet Geräusche verlässlich an die Ohren und scheint dabei auch noch etwas Störgeräusche zu unterdrücken.

Beyerdynamic
Aventho 100
Produktart ANC-Kopfhörer
Internetadressebeyerdynamic.de
Preis in Euro199
Abmessungen (BxHxT) in cm14,5 x 18 x 4
Gewicht (in Gramm)220
VertriebBeyerdynamic
Kontakttelefonnummer+49 7131 617 300
Bedienung 25 %gut 1,9
Koppelneinfach
Bedienung Ohrhörer: Funktionen und Bedienungviele / einfach
App: Funktionen und Bedienungviele / einfach
Tragekomfortleicht, hoher Druck
Ergonomie und Anpassbarkeitverstellbar, drehbar, faltbar
Qualität der Anleitunggut
Links-Rechts-Kennzeichnunggut
Ausstattung & Funktionen 60 %gut 2,1
Akkulaufzeitsehr lang
Gleichzeitige Verbindung mit mehreren Gerätenja
Equalizerja
Auto-Pausenein
Sprachassistentenja
3D-Soundnein
Analog-Anschlussja
Enthaltenes ZubehörTasche, Ladekabel, AUX-Kabel
Verarbeitung und Materialgut
Mikrofon-Qualitätgut
Noise Cancellationgut
Ambient Modegut
Abschirmungbefriedigend
Service & Umwelt 15 %gut 2
VerpackungKompakt, Pappe
Garantie (in Jahren)2
Praxis-Note2.0
KlangbeschreibungLangzeittauglich, rund und gefällig, könnte etwas klarer sein
Klangqualität66/100

Dass die ANC-Modi den Klang nicht negativ beeinflussen, wollen wir zudem auch loben. Das leichte Rauschen von ANC und noch etwas mehr beim Ambient Mode ist ohne Musik hörbar, bei laufender Musik jedoch nicht mehr störend.

App mit Equalizer und mehr

Natürlich gibt es auch bei Beyerdynamic eine App zur Steuerung, welche die meisten Wünsche an ein solches Programm erfüllt. Hier können etwa Button-Belegung und ANC-Stufen (derlei gibt es drei) eingestellt werden, auch eine ­Abschaltautomatik und einen Modus für geringe Latenz gibt es. Sowie einen (cool designten) 5-Band-Equalizer inklusive Presets. Am rechten Hörer sind zudem insgesamt 4 Knöpfe, die eine erstaunlich gute Steuerung von Wiedergabe, Laut­stärke und ANC erlauben.

Ausgesprochen einfach ist es, die Ohrpolster der Aventho auszubauen, sei es für eine Reinigung oder um sie gegen ein Ersatzteil zu wechseln. Auch praktisch, obwohl immer seltener gesehen, ist der Miniklinken-Eingang, über den sowie das mitgelieferte Kabel auch „passiv“ Musik gehört werden kann, also ohne Bluetooth und Akkuverbrauch, aber auch ohne ANC und Steuerung am Gerät. Wer beides will, kann zudem auch über USB-C Musik mit dem Aventho hören.

Wer lieber bei Bluetooth bleibt, freut sich währenddessen über die Multipoint-­Fähigkeit sowie die Unterstützung von hochwertigen und aktuellen Codecs, konkret aptX Adaptive und aptX Lossless. Mit maximal 40 Stunden Spielzeit (mit ANC, 60 ohne) ist der Akku auch sehr gut und praxisgerecht. Zudem ist der Kopfhörer laut IP53 vor Staub und Spritzwasser ­geschützt, was man bei Over-Ears so gut wie nie sieht, aber natürlich ebenso praktisch ist. Hier in der Praxis sammelt der Aventho also ordentlich Pluspunkte, es fehlt eigentlich nur eine Trageerkennung mit Auto-Pause, wie es die größeren Aventho-Hörer bieten.

Mikrofon und Klang der Beyerdynamic Aventho 100 im Test

Gespart wurde ebenso nicht beim ­Mikrofon, welches Stimmen gut verständlich und sauber sowie natürlich überträgt. ­Alternativ kann Sidetone aktiviert werden, was die eigene Stimme leicht einspielt, was hier etwas wie ein entferntes Echo klingt – störend ist diese Option nicht, ob sich damit ein Gespräch besser anfühlt ist dem persönlichen Geschmack überlassen.

Damit ANC und Klang ihr volles ­Potenzial entfalten können, sollte der ­Hörer übrigens richtig sitzen. Im Gegensatz zu Over-Ears, die das Ohr immer umschließen, kann ein On-Ear auf verschiedene Arten und Winkel aufs Ohr gedrückt werden. Doch eine gute Position ist beim Beyerdynamic schnell gefunden, wenn das Kopfband angenehm sitzt und die ­Ohren komplett bedeckt sind.

Klanglich reiht sich der Aventho 100 in der balancierten und zurückhaltenden Schiene ein, erfreulicherweise ohne den übertriebenen Bass, den andere preiswertere Kopfhörer gern bieten. Dadurch gibt es anderswo vielleicht mehr imposanten Wumms und eine breitere Bühne, aber der Beyerdynamic formt das angenehmere und langzeittauglichere Bild und beweist auch saubere Struktur.

Der obere Bassbereich ist zudem schön ausgefüllt, was dem gesamten Klangbild Substanz und Körper verleiht sowie bei ebenjener Abrundung hilft. Auf der anderen Seite des Frequenzspektrums würde ihm auch ein Schlag mehr Brillanz und damit verbunden selten etwas Klarheit vielleicht nicht schaden, aber er überzeugt eben insgesamt mit einer sauberen sowie ausgeglichenen und „relaxten“ Wieder­gabe, die entsprechend auch keinerlei künstliche Schärfe zulässt.



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