Audio Technica AT-OC9XEB: MC-Pickup für Einsteiger!

Viele Vinyl-Fans träumen von einem MC-Tonabnehmer.Audio-Technicas günstiges AT-OC9XEB macht ihnen den Einstieg leicht – und klingt dabei nach mehr.

Testfazit: Audio-Technica AT-OC9XEB

Audio-Technicas günstigstes MC liefert druckvollen, lebendigen Klang mit echtem Moving-Coil-Charakter. Für 279 Euro ein idealer Einstieg, der sparsame MM-Auf- und -Umsteiger glücklich macht.
Praxisnote: gut 1,6
Klangpunkte: 71 / 100

Pro

  • Druckvoller MC-Klang mit Spielfreude
  • Hervorragende Verarbeitung
  • Einfache Montage dank Gewindebohrungen

Contra

  • Kein Nadeltausch möglich
  • Feinzeichnung hinter teureren OC9 zurück
  • Benötigt MC-Preamp

Gerade mal 279 Euro verlangt der japanische Analogspezialist Audio-Technica für sein Budget-MC-System, das Hörer einfacherer MMs zum Umstieg lockt. Das AT-OC9XEB – kleinster Vertreter der legendären OC9-Linie dieses Herstellers – sieht dabei zumindest teurer aus, denn es kommt in einem blau eloxierten Aluminium-Body. Außerdem ist es gewohnt so picobello verarbeitet, dass man ihm auch glatt einen deutlich höheren Preis abnehmen würde.

Das „E“ in der reichlich kryptisch anmutenden Bezeichnung steht für den elliptisch geschliffenen Diamanten am vorderen Ende seines aus einem Alu-Röhrchen gefertigten Nadelträgers. „B“ bedeutet, dass das Steinchen „bonded“, also mittels eines Verbindungskegels auf dem Cantilever fixiert ist. Dazu kommt ein winziges Tröpfchen Kleber, das in der Makroansicht oberhalb der Montagestelle erkennbar ist. Wer an dieser wichtigen Stelle Gewicht sparen möchte, kann übrigens aus dem vielfältigen OC9X-Angebot das „EN“ mit „nude“, ergo nackt aufgesetzter Nadel wählen, zahlt für dieses aber 90 Euro mehr.

Unter anderen Umständen: sofort. Doch wir wollten wissen, was Audio-Technicas MC-Preisbrecher kann. Schließlich bringt das EB ebenfalls einen kräftigen Neodymmagneten sowie ein Joch aus Reineisen mit, was hohe magnetische Flussdichte garantieren soll. Dazu gesellt sich hochreiner, langkristalliner PCOCC-Spulendraht (Pure Copper by Ohno Continuous Casting) für einen verlustarmen Signaltransport.

Wie einfach lässt sich das AT-OC9XEB montieren?

In der Handhabung zeigt sich das mit 7,6 Gramm praxisgerecht schwere MC umgänglich. So läuft es problemlos an den 100 Ohm Impedanz normaler MC-Phono-Stufen, die es obendrein mit den für diese gebräuchlichen Spannungen versorgen. Und das bei absolut durchschnittlichen 20 Millinewton Auflagedruck.

Und noch etwas erleichtert den Umgang mit dem OC9XEB: Setzte Audio-Technica über Jahrzehnte hinweg auf die Befestigung mit langen Schrauben und Kontermuttern, hat man bei den neuen X-OC9 die Gewinde gleich in den Metallkorpus gebohrt. Na endlich! Da muss man nur aufpassen, dass man die passgenauen Schräubchen im Eifer nicht überdreht. Denn nach fest kommt bekanntlich ab.

Vor unserem Labor musste dem preisgünstigen MC nicht bange sein. Dort geben die penibel gefertigten Audio-Technicas stets einen überzeugenden Eindruck ab. So lieferte auch das OC9XEB einen ausgeglichenen Frequenzgang mit sehr guter Kanalsymmetrie, der im Präsenzbereich zwar eine geringfügige Delle zeigte, zu den oberen Höhen hin jedoch wieder anstieg. Eine beliebte Abstimmung insbesondere bei günstigeren Pick-ups, damit diese um eine Nuance runder und auf diese Weise selbst bei überpräsent produzierten Scheiben nicht zu hell klingen.

Vollwertiger MC-Klang zum Einstiegspreis

Diese Gefahr sollte beim OC9XEB tatsächlich nicht bestehen. Wurde den frühen Vertretern der bis 1987 zurückreichenden AT-Serie – womöglich, um so den strahlend tönenden ersten CD-Spielern Paroli zu bieten – ein gut gewürzter Obertonbereich zugeschrieben, nimmt sich Audio-Technicas Einstiegs-Moving-Coil an dieser Stelle um eine kleine Prise zurück, was angenehm ist und nicht zulasten der Auflösung geht. Zumal das günstige Nippon-MC mit seinem markant-druckvollen Charakter exemplarisch für seine Abtastergattung steht. Kein Wunder, dass es Besitzer auf andere Prämissen ausgerichteter MMs nach diesem Extra-Kick verlangt. Und das OC9XEB liefert diesen!

Trocken, knackig und zugleich füllig brachte es etwa den dominanten Basslauf in James Taylors „Her Town Too“ rüber und erschien dabei kein bisschen zurückhaltend oder gar simpel gestrickt. Na klar, das numinose Aufdröseln komplexer Hochtongespinste oder dichten Orchestergetümmels überlässt es den größeren, etwa hinsichtlich Nadelträger und Schliff ausgefeilteren OC9. Doch achtet das EB neben seiner profunden Prägnanz und quirligen Spielfreude in Form voranstrebender Verve darauf, die innere Ordnung der Klangbilder zu wahren.

Ja, mit den wunderbar ausgewogenen, federleicht gestrickten und doch farbig-homogen eingefangenen Songs von Ana Carams „Blue Bossa“-Album präsentierte sich das überaus preiswerte Audio-Technica beinahe als Feingeist, ließ aufgrund der eher forcierenden als lässigen Aura, die es verströmte, indes nie einen Zweifel an seiner MC-Natur aufkommen.

AT-OC9XEB gegen Ortofon MC X10 und Pro-Ject MC1

Das funktionierte nicht nur am Ortofon-Tonarm auf unserem Referenzplattenspieler, sondern ganz prima auch auf einem Technics-Direkttriebler der 1200er-Serie, die wohl als natürliche Spielpartner gelten dürfen. Und im direkten Vergleich zu seinen mit Preisen von je knapp 300 Euro nur geringfügig teureren Klassenkameraden wie Ortofons MC X10 oder dem MC1 aus dem Hause Pro-Ject macht das OC9XEB eine prima Figur.

Tatsächlich sieht dieses nicht nur teurer aus, sondern klingt auch nach mehr, als der Preis zunächst vermuten lässt. So macht es sparsame MM-Um- wie -Aufsteiger mit Anspruch happy.

Audio-Technica
AT-OC9XEB
Produktart Tonabnehmer
Internetadressewww.audio-technica.de
Preis in Euro (UVP)279
Gewicht in g7.6
DeutschlandvertriebAudio-Technica Deutschland
Kontakttelefonnummer+49 6134 257340
Tonabnehmer-TypLow Output-MC
Empfohlene Auflagekraft in Millinewton20
Ausgangsspannung in Millivolt (1kHz/5cm/s)0.42
Nadelnachgiebigkeit in Mikrometer pro Millinewton10
Labormessung 70 %gut 1,6
Frequenzgangsehr gut
Kanalgleichheitsehr gut
Abtastfähigkeitgut
Handhabung & Ausstattung 30 %gut 1,7
Lieferumfangvier Paar Schrauben, Schreubendreher, Pinsel, Nadelschutz
Haptik & Verarbeitungsehr gut
Anschlüsse farblich markiertja
Gewinde vorgebohrtja
Qualität der Anleitunggut
Garantie in Jahren2
Praxis-Notegut 1,6
Klangbeschreibungdynamischer, fester und homogener Klang mit Spaßfaktor
Klangqualität71/100

Fünf OC9X-Modelle für jeden Anspruch

Audio-Technica bietet fünf verschiedene OC9-Typen an. Je nach Anspruch und Geldbeutel kann man von den Japanern das den eigenen Bedürfnissen entsprechende OC9X bekommen. Während der getestete Basis-EB-Typ bereits weit mehr als HiFi-Grundbedürfnisse erfüllt, steigert das übergeordnete, knapp 370 Euro teure AT-OC9XEN mit „nackt“ aufgesetztem Stein die Feinzeichnung, indem es die bewegte Masse reduziert.

Oberhalb dieser beiden OC9X mit elliptischer Nadel residiert eine Dreiergruppe, die für einen nochmals gesteigerten Magnetfluss ihren Neodymmagneten mit einem Permendur-Joch kombiniert. Außerdem rückt für eine stringentere Schwingungsübertragung bei ihnen ein leichter, harter, solider Bor-Nadelträger an die Stelle des Aluminiumröhrchens.

Und auf diesem sitzt je nach Modell ein multifacettierter Diamant nach Micro-Line-, Shibata- oder gar Special-Line-Contact-Art, die ein Maximum an Information ertasten sollen und dabei ihr individuelles Klangprofil haben. Dabei besticht die Spritzigkeit der Shibata-Nadel und die Ausgeglichenheit auf hohem Niveau von Micro Line, während der Special-Line-Contact-Schliff Raffinesse pur bietet. Die Preise des AT-OC9XML, SH und SL betragen exakt 599, 699 und 799 Euro.



Die mit einem gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links. Erfolgt darüber ein Einkauf, erhalten wir eine Provision. Für Sie entstehen dabei keine Mehrkosten und Sie unterstützen damit unsere Arbeit. Die redaktionelle Auswahl und Bewertung der Produkte bleibt davon gänzlich unbeeinflusst.

Ähnliche Beiträge


Enable Notifications OK No thanks