Audio-Technica AT-LP7X Test: günstiger Plattenspieler mit Extra

Mit dem neuen AT-LP7X präsentiert der Analog-Profi Audio-Technica einen Plattenspieler für qualitätsbewusste Hörer mit dem Drang nach Höherem.

Audio-Technica AT-LP7X

Testfazit: Audio-Technica AT-LP7X

Der Plattenspieler Audio-Technica AT-LP7X glänzt mit smarten Kniffen wie ruhigem Lauf, überlangem Tonarm und einem flexiblen Vorverstärker für MM- sowie MC-Systeme. Klanglich Audiophil, auch wenn die Höhen etwas zurückgenommen sind.
Praxisnote: gut 1,6
Klangpunkte: 62 / 100

Pro

  • Sehr ruhiger und präziser Antrieb
  • Phono-Pre inklusive MM und MC
  • Hochwertiger
  • Audiophiler Klang

Contra

  • Skala am Gegengewicht zu leichtgängig
  • Interner Vorverstärker dimmt Höhen ab
  • Staubschutzhaube ohne Scharniere

Ganz in seriösem Schwarz betritt der neue Plattenspieler aus dem Hause Audio-Technica die Analogbühne und zeigt damit schon äußerlich, dass er ernst genommen werden will. Um dies konstruktiv zu bekräftigen, bringt der knapp 800 Euro teure AT-LP7X einige Spezialitäten mit. So bildet eine stabile, resonanzunanfällige und satte 40 Millimeter starke MDF-Platte sein an den seitlichen Kanten formschön abgerundetes Chassis. In den vier Ecken sitzen in der Höhe verstellbare, zwecks Trittschalldämpfung in sich gefederte Füße von identischem Radius, die den Japaner optisch stämmig und wie aus einem Guss erscheinen lassen.

Dessen Teller, mit einer zentralen Messinghülse bestückt, die sich perfekt in ihr Gegenstück auf dem Lager fügt, besteht aus dunklem, an der Oberfläche satiniertem Acryl, das ebenfalls aufgrund seiner Festigkeit wie Resistenz gegenüber Schwingungen ausgewählt wurde. Um die 1,7 Kilogramm schwere ­Plattenauflage herum, deren Rotation kaum sichtbar ist, schlingt sich ein Flachriemen. Diesen treibt ein Gleichstrommotor an, der links hinten aus der Zarge ragt. Mittels des dreistufigen Drehknopfes vorn – zur Wahl stehen 33 und 45 Umdrehungen sowie „Stop“ – wird er in Rotation versetzt, wobei eine blaue LED die Aktivität anzeigt.

Motor und Antrieb des Audio-Technica AT-LP7X

Der praktisch geräuschlose Antrieb ist offenbar sehr laufruhig. Legt man bei drehendem Motor leicht den Fingerrücken an dessen Gehäuse, spürt man so gut wie keine Vibrationen. Dennoch lagert Audio-­Technica ihn auf Gummipuffern, um ­etwaige Reststörungen abzufangen.

Eine Feinregulierung der beiden Drehzahlen ist nicht vorgesehen. Diese ist auch nicht notwendig, da der AT-LP7X über eine motorinterne optische Regelautomatik verfügt, die offenbar prima funktioniert. Mit aufliegender Stroboskopscheibe erkennt man, wie das Tempo bei hochlaufendem Teller zunächst leicht überschießt, sich jedoch innerhalb einer Sekunde fängt und danach stabil die jeweils gewünschten Touren hält, wobei Bremsmomente, etwa aufgrund eines mitlaufenden Besens, ausgeglichen werden. All dies geschieht auf sanfte Art statt durch hektisches Nachregeln, um ja nicht das Timing zu stören.

Der besondere Tonabnehmer des neuen Audio-Technica-Plattenspielers

Eine weitere Überraschung ist der Tonarm mit Aluminiumrohr und Anti-Skating per Federzug. Diesen montierten die Japaner im etwas größeren Abstand zum Drehpunkt des Tellers als üblich, sodass er länger ausfallen konnte als normal. Besitzen die allermeisten Plattenspieler ­sogenannte Neunzöller, geht das effektiv 9,7 Zoll lange Exemplar des Nippon-Drehers als Zehn-Zoll-Tonarm durch.

Die Länge bietet gewisse Vorteile, da sie den Kreisbogen, den der Abtaster über der Schallplatte beschreibt, flacher hält. So werden dessen Spurfehlwinkel gegenüber der geraden Linie der tangential geschnittenen Scheibe reduziert. Obendrein bringen lange Arme oft einen Schuss zusätzliche Ruhe, Gelassenheit und Übersicht in die Darbietungen.

Der Tonarm sitzt auf einer runden ­Basis, die sich nach Lösen eines umlaufenden Rings mittels Drehen stufenlos in der Höhe variieren lässt, um Unterschiede zwischen Abtastern auszugleichen. Dies funktioniert so sämig, dass es sogar während der Wiedergabe erfolgen kann. Eine Arretierung verhindert anschließend unbeabsichtigtes Verstellen.

Wichtiger Hinweis für die Praxis mit dem Audio-Technica AT-LP7X

Apropos: Die Skalenscheibe des Gegengewichts, das im Falle schwerer Tonabnehmer durch einen zusätzlich aufschraubbaren 16-Gramm-Zylinder unterstützt werden kann, ist zu leichtgängig, was Fehler beim Einstellen des Auflagedrucks begünstigen kann. Also: aufgepasst!

Zum Lieferumfang des AT-LP7X gehört – fix und fertig präzise in die abnehmbare Headshell montiert – der hauseigene MM-Abtaster AT-VM95EBK, ein einfacheres Modell der Japaner zum Solopreis von gerade mal 59 Euro. Dies sollte indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser bereits mit elliptischem Diamanten ausgestattete Pick-up klanglich deutlich mehr als nur Standardkost liefert.

Was kann der Tonabnehmer AT-VM95EBK von Audio-Technica?

Die letzten beiden Buchstaben seiner Typenbezeichnung sind wichtig, da Insider das „E“-95er ja seit Jahrzehnten mit grünem Nadeleinschub kennen. Um Verwirrung vorzubeugen: Die neue Variante mit schwarzem, wobei „BK“ für „Black“ steht, wirkt edler und passt hier zumal ins dunkle optische Konzept, ist technisch jedoch identisch.

Die passende Phono-Vorstufe trägt der AT-LP7X gleich in sich. Diese wird per rückwärtigem Schiebeschalter aktiviert; ansonsten liegt das Signal unentzerrt wie unverstärkt für die separate Aufbereitung an den Cinch-Ausgangsbuchsen an. Und der Phono-Pre bietet eine echte, ungewöhnliche Besonderheit: Er lässt sich auf MC-Abtaster umschalten, deren winzige Spannungen eine deutlich höhere Anhebung erfordern. Beim ohmschen ­Abschluss sind dann hingegen niedrigere Werte erforderlich. Ist alles erledigt, sobald man einen zweiten Miniaturschalter von „MM“ auf „MC“ rückt.

Die Besonderheit: Phono-Pre für MC-Systeme

Dadurch ergeben sich ungeahnte Per­spektiven für Hörer, die den Audio-Technica gleich von vornherein oder aber später aufwerten wollen. Die Möglichkeit, das 95er-MM durch einen der höherwertigen „EN“-, „ML“– oder „SH“-Nadeleinschübe mit etwa nach „Microline“- oder „Shibata“-­Art geschliffenem Diamanten aufzurüsten, ist ohne Systemwechsel möglich. Selbstverständlich könnte man auch auf ein insgesamt besseres MM umschwenken. Wem jedoch eher ein MC vorschwebt, dem eröffnet der AT-LP7X diese Option. Wir haben beides ausprobiert und uns dafür etwa Audio-Technicas günstigsten MC-Abtaster besorgt, den AT-OC9XEB.

Audio-Technica
AT-LP7X
Produktart Plattenspieler
Internetadresse www.audio-technica.de
Preis in Euro799
Abmessungen (BxHxT) in cm45 x 16 x 36
Gewicht in Kilogramm7.6
DeutschlandvertriebAudio-Technica Deutschland
Kontakttelefonnummer+49 6134 257340
Plattenspielertyp / Antriebsprinzip manuell / Riemen
Bluetooth / Anschlüssenein / Cinch
Integrierter Phono-Pre / Tonabnehmer inkl. ja / ja (AT-VM95E BK)
Messwerte 35 %sehr gut 1,1
Rumpelnsehr gut
Drehzahlabweichung (in Prozent)sehr gut (0,042)
Stromverbrauch Leerlauf (in Watt)sehr gut (2,2)
Ausstattung 25 %gut 1,6
Abdeckhaube vorhandenja
Haptik & Verarbeitungsehr gut
Tonarmkabel austauschbarja
Geschwindigkeiten in U/min 33, 45
Tempofeineinstellung oder RegelautomatikRegelautomatik
Trittschalldämpfungja
Harter Netzschalternein
Handhabung & Bedienung 40 %gut 1,9
Geschwindigkeitsumschaltungja, per Schalter
Qualität der Anleitungreich bebildert, aber nur in Englisch
Garantie in Jahren2
EinstellbarkeitTonarmhöhe, Fußhöhe
Headshell abnehmbarja
Erste Inbetriebnahmesehr gut
Einstellkomfortsehr gut
Praxis-Notegut 1,6
Klangbeschreibungräumliches, homogenes und in sich gut sortiertes Klangbild mit Übersicht und lebendiger Verve
Klangqualität62/100

Da der aus einem Steckernetzteil gespeiste Plattenspieler samt 1,3 Meter langem Phono-Kabel kommt, ist kein Zubehör erforderlich. Und zumindest bei Gebrauch des beigepackten MMs ist dessen Austausch auch nicht nötig. Genau so haben wir den AT-LP7X, der sich mittels seiner flachen Gummiringe unter den Füßen regelrecht auf der Glasplatte unseres Racks festsaugte, zunächst betrieben – und dies mit wie ohne Einsatz seines internen Phono-Vorverstärkers.

Dabei erwies sich, dass jener den Präsenzbereich und die Höhen geringfügig abdimmt, was man auch anhand der von uns gemessenen Kurven im Frequenzdiagramm erkennt. Okay, der Abfall gegenüber unserem streng linearen externen Phono-Amp betrug nur rund zwei Dezibel bei sechs Kilohertz, doch er setzt recht früh an, sodass das Klangbild insgesamt eine Nuance dunkler geriet, was zwar nicht ganz korrekt ist, doch gut zu günstigeren, zuweilen ein wenig überpräsent tönenden Anlagen passt, indem es einen Hauch mehr an Sonorität und damit vermeintlichem „Analog-Feeling“ erzeugt.

Wie klingt der Audio-Technica AT-LP7X?

Ist es auch sein langer Arm, der zu dem Eindruck führt, dass der neue Audio-Technica alles aus dem AT-VM95EBK herauszuholen scheint? Denn bereits mit seinem Beipack-MM geriet diesem die Wiedergabe räumlich erstaunlich ausladend, geordnet und farbig, egal, ob wir die Spannungen internen oder extern verarbeiten ließen. Prononcierte s-Laute, eine spezielle Hürde für simplere Tonabnehmer, wurden überraschend sauber gemeistert, und der Gesamteindruck geriet überzeugend und anspruchsvoll.

Im Zuge unserer Hörtests zeigte sich auch, dass der integrierte Phono-Pre keine Notlösung etwa für den Betrieb an Ghettoblastern respektive in Fällen ist, wo der angeschlossene Verstärker über keinen Phono-Eingang verfügt. Mit normalen Phono-Stufen sollte die im AT-LP7X locker mithalten können, wenn nicht sogar überlegen sein. Dies gilt für die MM- wie MC-Einstellung gleichermaßen. Im Zweifel muss man halt selbst ausprobieren, wie’s am besten klingt …

Vergleich in seiner Preisklasse und darüber

Der Plattenspieler, dessen ­mitgelieferte Staubschutzhaube keine Scharniere hat und deshalb einfach auf- und abgesetzt wird, schielt mit seiner für die Preisklasse ungewohnt großzügig ausgebreiteten Abbildung schon ein bisschen zu den größeren, teureren Vinyl-Drehern hinüber, die als Maßstab von uns zum Vergleich herangezogen werden.

Deren bei aller Spielfreude dennoch entspanntem Habitus eiferte der Japaner ebenfalls nach. Selbstverständlich bringt er nicht die eherne Stabilität und sehnige Durchzeichnung dieser Vorbilder zustande. Doch das Maß, das der AT-LP7X in diesem Punkt erreicht, ist aller Ehren wert.

Und wer ein Plus bei Auffächerung und Gelöstheit will, sollte zu einem höherwertigen Kabel, wie etwa Silent Wires NF5 Phono, wechseln, was sich insbesondere in Kombination mit dem AT-OC9XEB-MC als sinnvoll erwies, das auf diese Weise noch mehr von seiner Finesse und sprühenden Virilität offenbarte.

Doch so verführerisch es auch sein mag, die Qualitäten des neuen Audio-Technica-Plattenspielers mittels aufwendigerem Abtaster wie Phono-Kabel klanglich weiter auszureizen, bleibt doch die Erkenntnis, dass dieser bereits in seiner Grundausstattung – wir betonen es nochmals – ausgereift und mit audiophilem Touch auftritt. Der AT-LP7X ist damit ein überzeugender Komplettdreher mit dem gewissen Extra als Sahnehäubchen.

Wie gut spielt der AT-LP7X mit einem besseren Tonabnehmer?

Der Test belegt, dass der Audio-Technica mit dem hauseigenen AT-VM95E alles andere als schlecht bestückt ist. Doch die Qualitäten von Laufwerk und Zehn-Zoll-Tonarm reizten uns, den AT-LP7X klanglich noch höher zu treiben. MM-seitig ist etwa das gerade mal 129 Euro teure AT-VM520xEB zu empfehlen, das ebenfalls einen elliptischen Diamanten, jedoch eine höherwertige Armatur bietet. Im Vergleich tönt es daher nachdrücklicher, farbiger und aufgeweckter und ist somit eine günstige Alternative.

Doch natürlich waren wir vor allem darauf gespannt, wie sich der Dreher mit einem MC am Arm machen würde, und montierten dafür Audio-Technicas Einstiegsmodell AT-OC9XEB zum Preis von 279 Euro. Auch dieses hat eine elliptische Nadel, aber einen soliden Aluminium-Body. Wichtiger ist, was hinten rauskommt. Von diesem Wechsel profitierten in erster Linie die Klarheit und Deutlichkeit der Wiedergabe. Impulse erschienen vom MC schärfer und genauer platziert; komplexe Strukturen behänder aufgefächert. Dabei spielte es keine Rolle, ob wir den eigenen, bei „MC“-Einstellung lineareren Phono-Amp einsetzten oder einen externen. Hier darf man also getrost die MC-Option ziehen.



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