Was ist Auracast? So funktioniert die neue Bluetooth-Technologie

Ein Bluetooth-Signal, beliebig viele Empfänger: Auracast macht’s möglich. STEREO erklärt, was das ist und wie und mit welchen Geräten es funktioniert.

Auracast ist eine Funktion des aktuellen Bluetooth-Standards, die es ermöglicht, ein einzelnes Audiosignal an eine unbegrenzte Anzahl von Empfängern gleichzeitig zu senden. Im Jahre 2022 wurde sie von der Bluetooth SIG vorgestellt. Während herkömmliche Bluetooth-Verbindungen in der Regel nur zwischen zwei Geräten – etwa einem Smartphone und einem Kopfhörer – stattfinden, arbeitet Auracast nach dem Prinzip eines Radiosenders. Ein Sender strahlt das Signal aus, und beliebige kompatible Empfänger in Reichweite können sich zuschalten.

Statt einem Sender und Empfänger wie bei klassischen Bluetooth-Verbindungen („Point-to-Point“) ermöglicht Auracast beliebig viele Empfänger (Bild: KI-generiert).

Die technische Basis von Auracast: Bluetooth LE Audio und LC3-Codec

Um zu verstehen, wie Auracast funktioniert, ist ein kurzer Blick auf die zugrundeliegende Übertragungstechnik notwendig. Auracast basiert auf Bluetooth LE Audio (Low Energy Audio). Diese Spezifikation wurde Anfang 2020 eingeführt, um Audiodaten effizienter und stromsparender zu übertragen als das bisherige „Classic Audio“.

Ein wesentlicher Baustein von LE Audio ist der LC3-Codec (Low Complexity Communication Codec). Ein Codec ist ein Verfahren, das digitale Audiodaten komprimiert, um sie über eine kabellose Verbindung zu senden, und sie am Empfänger wieder entpackt. Der LC3-Codec kann Audiosignale bei einer geringeren Datenrate (Bitrate) übertragen, ohne dass die hörbare Tonqualität im Vergleich zum älteren Standard-Codec SBC abnimmt. Diese effizientere Datenverarbeitung schafft die Bandbreite, die für das gleichzeitige Senden an viele Geräte – das sogenannte Broadcasting – benötigt wird.

Klangqualität von LC3 vs. SBC bei verschiedenen Bitraten (Grafik: Bluetooth SIG)

Bei klassischen Bluetooth-Verbindungen („Point-to-Point“) müssen Sender und Empfänger einen festen Kopplungsprozess (Pairing) durchlaufen. Auracast umgeht diese Einschränkung. Das Signal wird unverschlüsselt oder mit einem Passwort versehen in den Raum gesendet. Ein Empfangsgerät benötigt lediglich die Information, auf welchem Kanal gesendet wird, um den Datenstrom aufzugreifen.

Weitere Details zur Bluetooth-Technologie und zugehörige Codecs lesen Sie in unserem Ratgeber.

Der Nutzen von Auracast im Alltag

Die Option, Audio an viele Geräte parallel zu senden, eröffnet verschiedene Anwendungsszenarien im privaten und öffentlichen Raum.

Ein Auracast-Sender bei öffentlichen Bildschirmen ermöglicht es Besuchern, den Ton über ihre eigenen Kopfhörer zu empfangen

Geteilter Musikgenuss: Mit einem Auracast-fähigen Smartphone oder Tablet können mehrere Personen denselben Musiktitel oder den Ton eines Films über ihre eigenen Kopfhörer hören. Die Lautstärke lässt sich dabei an jedem Kopfhörer individuell regeln.

Öffentliche Bildschirme: In Fitnessstudios, an Flughäfen oder in Wartezimmern laufen Fernseher oft stumm oder mit schwer verständlichem Ton. Ein Auracast-Sender am Fernsehgerät ermöglicht es Besuchern, den Ton direkt und lippensynchron über ihre eigenen Kopfhörer zu empfangen.

Barrierefreiheit und Hörgeräte: Auracast wird als Nachfolger der klassischen Induktionsschleifen für Schwerhörige gehandelt. Moderne Hörgeräte, die Auracast unterstützen, können Durchsagen an Bahnhöfen oder den Ton in Kinosälen direkt empfangen. So können Störgeräusche aus der Umgebung besser unterdrückt werden.

Welche Geräte unterstützen Auracast?

Damit Auracast funktioniert, müssen sowohl das Sendegerät (z.B. Smartphone, Fernseher, Transmitter) als auch das Empfangsgerät (Kopfhörer, In-Ears, Hörgeräte) die Technologie unterstützen. Dies erfordert in der Regel Hardware, die mindestens Bluetooth 5.2 sowie das LE Audio-Profil integriert hat. Diese Technologien wurden Anfang 2020 eingeführt.

Einige Hersteller rüsten Auracast bei bestehenden Geräten durch ein Firmware-Update nach, in den meisten Fällen ist die Funktion jedoch neuen Modellgenerationen vorbehalten. Im Audio-Ressort von stereo.de testen wir fortlaufend neue Komponenten auf ihre Übertragungsqualität und Kompatibilität. Aktuelle In-Ear-Kopfhörer von Marken wie Sennheiser (zum Beispiel im Falle der Momentum True Wireless 4 ) oder JBL sowie neuere Heimkino-Setups großer Hersteller (etwa LG) integrieren diese Funktion bereits in die Serienausstattung. Und auch bei Bluetooth-Lautsprechern (zum Beispiel JBL Flip 7 oder KEF Muo) wird die Funktion inzwischen integriert.

Es gibt auch dedizierte Auracast-Transmitter. Diese kleinen Sender werden per USB oder analogem Audiokabel an bestehende Quellen (wie ältere Fernseher oder Laptops) angeschlossen und rüsten die Broadcast-Fähigkeit nach.

Geräte mit Auracast im Stereo-Test

Häufige Fragen zu Auracast

Auracast ist eine Erweiterung des Bluetooth-Standards auf Basis von LE Audio. Die Funktion erlaubt es einem Sendegerät, ein Audiosignal parallel an eine unbegrenzte Anzahl kompatibler Empfänger in Reichweite zu übertragen, ähnlich dem Prinzip eines Radiosenders.

Auracast erfordert Hardware, die Bluetooth 5.2 (oder neuer) und das LE Audio-Profil unterstützt. Die Funktion findet sich in aktuellen Smartphones, In-Ear-Kopfhörern, Hörgeräten und modernen TV-Geräten. Auch externe Bluetooth-Transmitter können ältere Geräte mit dieser Funktion ausstatten. Bluetooth hat online ein Verzeichnis von Auracast-Empfängern

Ja, in den meisten Fällen ist neue Hardware erforderlich, die Bluetooth LE Audio unterstützt. Einige wenige Modelle der letzten Jahre können die Funktion per Software-Update erhalten. Konsultieren Sie dazu die Angaben des jeweiligen Herstellers.

Ein Auracast-Stream kann entweder öffentlich (für jeden in Reichweite zugänglich) oder privat konfiguriert werden. Ein privater Stream wird mit einem Passwort geschützt, ähnlich wie ein WLAN-Netzwerk. Nur Nutzer, die das Passwort auf ihrem Gerät eingeben, können das Audiosignal empfangen.

Die Reichweite hängt von der Sendeleistung der Geräte und den räumlichen Gegebenheiten (Wände, Störsignale) ab. In der Regel liegt sie im Bereich klassischer Bluetooth-Verbindungen, also bei etwa 10 bis 30 Metern in Innenräumen. Spezialisierte öffentliche Sender können jedoch für größere Radien ausgelegt sein.

Apple unterstützt in seinen aktuellen Betriebssystemen Audio-Sharing-Funktionen, setzt dabei aber historisch oft auf eigene Protokolle für AirPods („Audiofreigabe“). Kurz gesagt: Auracast funktioniert derzeit nicht „nativ“ mit Apple‑Geräten (iPhone, iPad, Mac), weil iOS/macOS dies nicht unterstützen.

JBL stattet seine neueren Lautsprecher-Generationen mit Auracast aus. Dazu gehören Modelle wie der JBL Xtreme 4, der JBL Grip, der JBL Flip 7, der JBL Clip 5 und der JBL Go 4. Auracast löst bei diesen Geräten die ältere „PartyBoost“-Funktion ab, um mehrere Lautsprecher kabellos miteinander zu koppeln.



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