Strom und Kabel: wie optimiert man sie für den besten Klang?

Was wir hören, ist Strom. Denn Musik wird durch modulierten Strom und Wechselspannung übertragen. Entsprechend wichtig sind Energieversorgung und Verkabelung.

Strom

Ein elementarer und zudem kostenloser oder zumindest günstiger Tipp für besseren Klang ist das Ausphasen aller Geräte. Der tiefere Sinn liegt darin, das jeweilige Gehäusepotenzial, also die Spannung zwischen Gehäuse und Schutzleiter, zu minimieren, um auch Störungen durch Ausgleichsströme über die Masseleiter der Signalkabel möglichst zu verhindern.

Ausphasen – wie geht das?

Die beiden Steckerpole stehen dabei quasi für die Nähe der Gerätetrafowicklungen zum Gehäuse, wobei je nach Steckerpolung ein anderes Potenzial vorliegt. Das lässt sich professionell mit hochohmigem Wechselspannungs-Multimeter und Spezialgeräten (Oehlbach Phaser und MFE Phasendetektor) ermitteln oder aber mit einem vorhandenen Leitungsfinder aus der Werkzeugkiste des Heimwerkers, zu haben etwa für 12 Euro bei Amazon oder im Baumarkt.

In diesem Fall prüfen wir aber nicht vor dem Bohren in die Wand auf spannungfsührende Leitungen, sondern wir ermitteln das Streufeld des eingeschalteten HiFi-Geräts, das (noch) nicht mit anderen Geräten verkabelt sein darf.

Wir gehen nun mit eingeschaltetem Leitungssucher (muss Spannungen feststellen können und darauf eingestellt sein) auf das zu „messende“ Gerät zu und merken uns, wie nah wir uns diesem dicht am Netzanschluss von oben mit dem Leitungsfinder ohne Alarm nähern können. Nun ändern wir an den Einstellungen nichts, drehen den Netzstecker des zu prüfenden Geräts und versuchen es erneut. Kommen wir nun näher heran, bevor der Alarm auslöst, ist das Potenzial/Streufeld geringer und die Steckerposition die richtige. Diese Methode kostet gar nichts, erfordert kein Fachwissen und funktioniert häufig. Gibt es – wie bei manchen Geräten mit Schaltnetzteil – keinen Unterschied, so ist es meist egal.

In vielen Fällen lässt sich die richtige Netzsteckerpolung sogar auch ohne Messgeräte und Hilfsmittel heraushören. Achten Sie dabei auf eine natürliche, plastische Räumlichkeit und einen festen Bass. Mit der korrekten Phase klingt es glaubhafter und straffer als mit dem Stecker „verkehrt herum“.

Korrekte Stromversorgung von Verstärker & co.

Wenn Sie die Investition scheuen und keine besseren Stromkabel wie Isotek, Supra oder von zahlreichen anderen Herstellern nutzen wollen, sortieren Sie Ihre vorhandenen Kaltgerätekabel zunächst nach zwei- und dreipoligen (mit Schutzleiter). Als Nächstes markieren Sie entsprechend dem Kabelaufdruck (3G1.5 o.ä.) die querschnittstärkeren 3 x 2,5, 3 x 2,0, 3 x 1,5 und 3 x 1,0 Quadratmillimeter. Die jeweils dicksten Kabel nehmen Sie für größere Stromverbraucher wie Verstärker, Aktivboxen und Subwoofer. Die mittleren sind für Vorverstärker und Quellen. Dünnere als 3 x 1,0 Quadratmillimeter würden wir aussortieren.

Sollten Sie tatsächlich Kaltgerätekabel finden, die auf der Geräteseite am Kaltgerätekabel drei Kontakte, aber keinen für den Personenschutz wichtigen Stecker mit Schutzkontakt/Erdung aufweisen – das sind die beiden seitlichen Kontakte, die in der Steckdose mit den beiden Metallbügeln kontaktieren. Tatsächlich ist das sehr unwahrscheinlich, kam aber zu unserer Verblüffung in der Redaktion einmal in 27 Jahren bei Markengeräten aus Japan vor: Solche Kabel gaukeln Sicherheit vor, sind im Defektfall eines Geräts lebensgefährlich und dürfen nicht benutzt werden – zerstören und wegschmeißen!

Ferritringe sperren in einem Kabel, das sie umringen, durch Impedanzerhöhung HF-Frequenzen weit über dem Hörbereich. Bekannt sind sie als integrierter Bestandteil etwa von Netzkabeln an Computermonitoren und digitalen Geräten. Es ist unbedingt einen Versuch wert, etwa Wechselrichter von Balkonkraftwerken und ihre HF-Netzrückwirkungen damit zu reduzieren. Alternativ kann man natürlich auch den Musikgenuss in die Abend- und Nachtstunden verlagern, wenn die Sonne und damit auch die Solaranlagen Pause haben.

Was ist wichtig bei der Verkabelung einer HiFi-Anlage?

Signalkabel müssen rechts und links grundsätzlich gleich lang sein, um keine einseitigen Verluste und Ungleichheiten (Kanalbalance) zu erzeugen. Es macht keinen Sinn – auch bei entsprechendem Grundriss nicht – eine Box mit einem und die andere mit acht Metern Kabel an den Verstärker anzuschließen. Prüfen Sie eine andere Aufstellung und legen Sie bei kleinerer Differenz das überschüssige Kabel in großzügigen Schlaufen zusammen. Niemals zu einer Spule aufwickeln, das wäre die ungünstigste und verlustträchtigste Lösung und „killt“ aufgrund der entstehenden Induktivität und ihrer Brems- und Filterwirkung den Hochton!

Achten Sie darauf, Kabel möglichst kurz, zumindest aber nicht unnötig lang zu verlegen. Legen Sie Signalkabel nicht zusammen und über längere Strecken parallel mit Netzkabeln (hohe Spannungen und Ströme). Auch Lautsprecherkabel transportieren höhere Ströme und vertragen sich deshalb nicht mit den kleinen Signalspannungen in Geräteverbindern, vor allem nicht in Phonokabeln der Plattenspieler/Phono-Vorstufen mit Mikro- und Millivolt-Spannungen.

Fassen Sie gleichartige Kabel der Ordnung halber mit Kabelbindern zusammen und markieren Sie sie mit Aufklebern oder farbigen Anhängern, damit Sie sie auch hinter dem Regal identifizieren können. Markieren Sie nach Möglichkeit die Netzphase an Stromsteckern und vor allem Gerätebuchsen. Das spart beim Umräumen, Umziehen und auch bei Kabeltausch massiv Zeit. Müssen ­Kabel gekreuzt werden, dann im steilen Winkel.

Haben Kabel wirklich eine Laufrichtung?

Man könnte meinen, die Laufrichtung des Signals sei bei Kabeln, die Wechselspannung/-strom transportieren, völlig schnuppe. Aber zumindest bei RCA-Interconnects, also Cinch-Verbindungskabeln zwischen den Geräten, gibt die oft nur einseitig aufgelegte Abschirmung respektive die Masseverbindung die Richtung vor und legt den entsprechenden Anschluss beispielsweise an einem zentralen Massepunkt wie Vor- oder Vollverstärker nahe.

Zudem gab es wohl vor vielen Jahren seitens des schwedischen Kabelherstellers Supra und eines britischen Audio-Journalisten den messtechnischen Versuch, einen richtungsabhängigen Vorteil festzustellen, der an der Zugrichtung des Kupfers bei der Fertigung liegen könnte. Das erbrachte tatsächlich – wenn auch geringe – Unterschiede (0,5 dB beim Rauschmaß).

Schaden kann es aber sicher nicht, die markierten Laufrichtungen auch bei Boxenkabeln zu beachten. Ist die Laufrichtung nicht mit Pfeilen angezeigt, folgt man mit einer gewissen Logik der Leserichtung des aufgedruckten Textes.

Bi-Wiring-Terminal – So nutzt man es richtig!

Am Bi-Wiring-Terminal eines Lautsprechers finden sich oftmals serienmäßig Metallbleche als Verbindung zwischen den Bass- und Hochmittelton-Abgriffen, die man unbedingt gegen höherwertige Kabelstücke austauschen sollte. Selbst Stücke Kupferkabel aus der Grabbelkiste klingen an dieser Stelle meist besser als besagte Bleche.

Übrigens schließt man das vom Verstärker kommende Einzel-Kabel am Bi-Wiring-Terminal des Lautsprechers am besten unten am Bassabgriff an. Elektrisch gibt es eigentlich keinen Unterschied zum Hochtonabgriff, aber trotzdem tönt es dort schlüssiger. „Oben“ gibt es mitunter ein Grundtonloch.

Kostenloses Tuning: Netzstecker richtig einstecken

Verbrauch und Masseverbindungen spielen bei der Reihenfolge in der Netzleiste eine Rolle, die sich, wenn auch schwach, klanglich auswirken kann. Die gängigste Empfehlung lautet hier die relativ wenig Strom ziehenden Signalquellen zuerst, also vorn in der Netzleiste (am Kabel), dann als zentralen (Masse-)Punkt den Vor-/Vollverstärker und am Ende die elektrischen Großverbraucher Endverstärker, Subwoofer und dergleichen einzustecken.

Stecker einstecken
Die Geräte richtig ausgephast, in einer bestimmten Reihenfolge gesteckt und aus einer Netzleiste gespeist, macht einiges aus.

Tuning-Tipps für die HiFi-Anlage: kleine Geräte, große Wirkung

Bi-Wiring-Adapter

Einige Zubehörhersteller wie Phonosophie, Silent Wire oder HMS haben Bi-Wiring-Adapter geschaffen, die für identische Bedingungen sorgen und Bass-/Hochtonabgriffe in einem gemeinsamen Anschluss zusammenführen – was gut funktioniert, wir arbeiten gern damit.

Bi-Wiring-Adapter

Schutzleiter

Lassen Sie, vor allem natürlich als Eigenheimbesitzer, mal Ihre Hausinstallation überprüfen. Die elektromagnetisch verträglichste und damit auch HiFi-tauglichste Netzsystematik ist nämlich die mit separatem Schutzleiter, auch „TN-S“ genannt. Während man die mit kombiniertem Schutz- und Neutralleiter (TN-S) bei höheren Ansprüchen besser meidet. Wenn Sie einmal dabei sind, lassen Sie den Elektriker der HiFi-Anlage eine möglichst wenig belastete Phase zuweisen, also beispielsweise nicht die des Balkonkraftwerks. Davon gibt es in einem Haus üblicherweise drei – und sichern Sie diesen Stromkreis einzeln mit eigener 16-Ampere-Sicherung ab, am ­besten mit einem Klangmodul im Sicherungskasten.

Wandsteckdose mit solider Verschraubung

Eine hinsichtlich der hochwertigen Materialien und soliden Verschraubung gute Wandsteckdose ist ein nicht zu unterschätzendes Tuning, auch wenn dieses etwas Geld kostet. Schauen Sie sich bei Furutech, Groneberg, HMS und Oyaide um und lassen Sie sich die vom Fachmann einbauen.

HMS Steckdose

Sicherheit mit Turbo

In den meisten Geräten schlummern verborgen unter dem Gehäusedeckel Schutzvorrichtungen, die durchbrennen sollen, wenn etwas im Argen liegt. Mit denselben (!) Strom-Belastungswerten und Charakteristiken wie „Träge“ oder „Schnell“ bieten gleich mehrere Anbieter verbesserte Typen mit weniger Verlusten an. Fragen Sie Ihren Händler.

AHP Feinsicherung


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