Raumtuning: so klingt die HiFi-Anlage kostenlos besser
Wenn die HiFi-Anlage zur vollen Zufriedenheit musizieren soll, muss der Raum stimmen. Dafür kann man einiges tun und optimieren.

Der Klang eine HiFi-Anlage hängt zu großen Teilen auch vom Raum ab – das Thema geht bis zu komplexen Raumtuning und startet mit der Auswahl des richtigen Raums. Wenn der avisierte Hörraum, sei es ein HiFi-Zimmer oder auch ein Heimkino, noch nicht feststeht, so suchen Sie sich unter möglichst gar keinen Umständen einen quadratischen und schon gar keinen würfelförmigen Raum aus. Das wäre die akustisch denkbar schlechteste Option. Der Grund sind die sogenannten Raummoden, die von Länge, Breite und Höhe des Raums abhängigen Eigenresonanzen, die zu Bassproblemen führen (können). Und das erst recht, wenn zwei oder gar drei dieser Maße (nahezu) gleich sind.
Wichtig ist auch die Orientierung. Ideal wäre es, wenn die Anlage samt Lautsprechern – mit ausreichend Abstand – in einem rechteckig geschnittenen Raum an einer langen Wand positioniert werden könnte und entsprechend auf die andere lange Wand spielt, wo sich ebenfalls mit etwas Abstand die Sitzgelegenheit befindet. Das ist normalerweise akustisch besser als die Platzierung auf der kurzen Wand, da sich bei Letzterer der Direktschall der Lautsprecher und die Reflexionen aufgrund der sehr ähnlichen Laufzeiten stärker ähneln und unser Hirn beides nicht so gut auseinanderdividieren kann. Es kommt eher zu verwaschenem, matschigem Klang.
Gibt es den perfekten Raum für Klang?
Selbstverständlich ist das kein Dogma, und es geht auch anders, sogar diagonal im Raum, wenn es denn sein muss. Und oftmals muss es wegen der Einrichtung oder aus Rücksicht gegenüber Mitbewohnern anders sein. Halten Sie sowohl mit den Lautsprechern als auch der Sitzposition nach Möglichkeit etwas Wandabstand.
Der Nachhall in einem für Musik genutzten Raum sollte weder zu stark noch zu schwach bedämpft sein. Das hängt von der Möblierung ab. Stellen Sie sich ein Architekturbüro mit fast ausschließlich Alu/Glas-Einrichtung vor, so wird das viel zu wenig bedämpft sein, noch schlimmer könnte es bei vollständig gefliester Umgebung ohne Möbel klingen, was bis zu Echos führen kann. Das andere Extrem stellt eine Plüschlandschaft mit Boden- und Wandteppichen dar, die an einen schalltoten Raum erinnert und jede akustische Energie im Keim vernichtet. Wie so oft ist ein Mittelweg der richtige, ein Raum mit mittlerer Möblierung und ausgewogener Bedämpfung, der bei aller Ausgewogenheit und Neutralität noch eine gewisse Lebendigkeit vermittelt.

Die wohl wichtigste raumakustische Maßnahme stellt ein Teppich oder Läufer zwischen den Lautsprechern und dem Hörplatz, beispielsweise der Couch, dar. Seine Bestimmung ist das Abfangen und Neutralisieren der ersten schallstarken Reflexion am Boden. Denkbar wäre auch die (meist schwächere) Reflexion an der Decke etwa mittels eines Deckensegels. Sie können noch einen kleinen Schritt mehr tun, indem Sie bei gefundener Lautsprecherpositionierung an den Seitenwänden mittels eines Spiegels feststellen, an welcher Stelle sich vom Hörplatz aus sichtbar die Hoch- oder Hoch-/Mitteltöner spiegeln. Das ist Physik und hat mit Ein-/Ausfallwinkeln zu tun. An genau diesen Stellen positionieren Sie anstatt des Spiegels ein Kissen, einen Wandteppich oder ein Stück Noppenschaum. mit der Aufgabe, auch hier ein wenig die Reflexion zu nehmen. Das kostet derzeit keine 10 Euro je Seite.
Absorber und Diffusor: wie klingt es am Hörplatz besser?
Falls sich der Sitzplatz beim Musikhören/Filmschauen unmittelbar vor einer harten Wand befindet, können Kissen in Kopfhöhe eine wesentliche Verbesserung des akustischen Erlebnisses bedeuten. Das ist die erlebte Erfahrung in einem sehr kleinen Heimkino des Redakteurs. Die Kissen sorgen für ein absolut notwendiges Bedämpfen der andernfalls harten und klanglich unschönen Reflexionen. Sie werden staunen, was das ausmacht!

Neben Absorption gibt es ein weiteres starkes Hilfsmittel, den Klang in einem Raum zu entschärfen, nämlich die Diffusion oder „Schallstreuung“. Dazu können viele beliebige Gegenstände in einem Raum dienen, neben Regalen und Bildern an den Wänden auch etwa Kerzenleuchter oder Zimmerpflanzen, an denen sich der Schall brechen, zerstreuen und verteilen kann.
Sehr breitspektral wirken tatsächlich Bücher- und Schallplattenregale mit möglichst inhomogen verteilten und unterschiedlich großen/dicken/tiefen Büchern, Tonträgern usw. Große Fenster- und Wandflächen können mittels Vorhängen, Wandteppichen, in Maßen sogar Textiltapeten buchstäblich „entschärft“ werden. Der Autor hat einst bitter bereut, die Textiltapete durch eine glatte Wand ersetzt zu haben. Selbst Raufaser ist mit seiner leichten Struktur viel besser als die nackte Wand.

Vor jedem professionellen – und womöglich kostspieligen – Versuch mit akustischen Maßnahmen, sprich dem Einsatz von Analyse-Software, Schaumstoff-Absorbern und elektronischer Raumkorrektur, sollte man immer mit Augenmaß sowie „Bordmitteln“ versuchen, einen guten, möglichst natürlichen Klang zu erreichen
Die korrekte Aufstellung von Lautsprechern
Platzieren Sie die Lautsprecher möglichst symmetrisch und frei im Raum sowie in einem gleichschenkeligen Dreieck mit dem Hörplatz, wobei die Basisbreite, also die Entfernung zwischen den Lautsprechern etwa zwei Meter (1,80–2,00) nicht unterschreiten sollte.
Die Wandabstände sollten auf beiden Seiten auch nicht zu unterschiedlich sein (Zollstock). Achten Sie auch darauf, dass die Lautsprecher gerade stehen (Wasserwaage), sodass nicht etwa der eine nach oben, der andere nach unten abstrahlt.

Die meisten Lautsprecher sollte man etwas nach innen zum Hörplatz eindrehen, aber die genaue Einstellung zwischen gerade und eingedreht kann man nur individuell daheim mit den eigenen Lautsprechern und verschiedenster Musik ermitteln. Dabei sollte mit Gesang ein natürliches Ausmaß des Brustkorbs (weiblich, männlich) ebenso beurteilt werden wie die mittige Fokussierung zwischen den Boxen. Ideal eignen sich dafür auch die Radio-Nachrichten.

Grundsätzlich müssen Lautsprecher vom Boden entkoppelt werden, also nicht vollflächigen und dann fast zwangsläufig dröhnigen Bodenkontakt aufweisen. Das geht beispielsweise sehr gut mit Spikes, die ihrerseits festgezogen sein müssen. Bei empfindlichen Böden sollte man diese mit entsprechenden Untertellern verwenden oder stattdessen auf Gummifüße setzen, die aber oft weniger präzise klingen.

Tipps für Lautsprecherständer
Ständer mit hohlen Metallrohren lassen sich mit Quarzsand auffüllen, was sie sehr schwer macht, aber das sonst störende „Klingeln“ abstellt. STEREO ist vor Jahren eine Idee gekommen, diese Stahlrohre mit Rohrdämmung aus dem Baumarkt aufzufüllen, die man relativ einfach hineinwringen kann. Das bedämpft die Metallrohre spürbar – wir haben das seinerzeit mit Beschleunigungsaufnehmern gezeigt –, ohne dass sie an Transportgewicht zulegen.

Ein Lautsprecherhersteller hat sich damals für diese Idee ausdrücklich bedankt. Bei der Aufstellung von Lautsprechern sollte man zu viel Sonnenlicht (UV), Hitze (Heizung, Kamin), Staub und Feuchtigkeit vermeiden. Dabei geht es nicht nur um Verfärbungen im Licht, sondern auch um die nicht seltene Beschädigung der Schaumstoffsicken, welche die Funktion beeinträchtigt. Hitze schädigt zudem die Elektronik, sprich die Frequenzweiche.
Wie sollten HiFi-Geräte aufgebaut werden?
Die einzelnen Geräte der Anlage positioniert man mit gesundem Menschenverstand. Wasser, Staub, Hitze und Überspannung sind die „natürlichen“ Feinde einer HiFi-Anlage. Davor gilt es sie zu schützen. Vermeiden Sie starke Störfelder und/oder kräftige Erschütterungen. Empfindliche und starke Verbraucher mit enormen Streufeldern sollte man trennen. Das gilt auch für Vor- und Endstufen, sonst verschenkt man Störabstand.

Das Stapeln von Geräten ist nicht gerade verboten, aber es ist ungünstig. Mit variablen Holz-Systemregalen wie IVAR oder LUNDIA sind gute Ergebnisse möglich, gegebenenfalls in Kombination mit günstigen Bambusplatten aus dem Küchenbereich (KODI, Depot). Die klanglichen Effekte sind mitunter nicht zu verachten.
Profi-Tipp: Was bringen Lautsprecherständer und HiFi-Racks?
Kompaktboxen gehören grundsätzlich nicht oder nur ausnahmsweise ins Regal oder aufs Sideboard, sondern idealerweise frei im Raum aufgestellt auf maßgeschneiderte Lautsprecherständer in Ohrhöhe, wo sie ihre klanglichen Fähigkeiten am besten entfalten können. Allerdings büßen sie hier den Vorteil ihrer Kompaktheit ein, weil sie denselben Stellplatz einnehmen wie kleine bis mittlere Standlautsprecher.

Ein spezielles Rack mit Trennwänden zwischen den Komponenten stellt im Grunde das ideale Parkdeck für Geräte dar. Wir haben das über die Jahre mehrfach ausprobiert und getestet, im Rack klingen Geräte besser als etwa auf dem Fußboden. Auch Racks gehören auf Spikes, die festgezogen werden sollten.
