Ratgeber: wie optimiert man seinen Streaming-Musikgenuss?
Gestreamte Musik besteht im Prinzip nur aus 1 und 0 – doch damit diese optimal übertragen und verarbeitet werden, gibt es auch einiges zu beachten.

Auch digitale Quellen wie Netzwerkplayer können von einfachen Optimierungen klanglich profitieren. Vorneweg gilt für Streamer, Musikserver & Co. natürlich erst mal alles genauso, was für andere Kategorien gilt: Ein sicherer und störungsfreier Stand für die Geräte ist unabdingbar, saubere Stromversorgung und Verkabelung mit der restlichen Anlage auch hier wichtig.
Wie bekommt der Steamer am besten Internet? LAN vs. WLAN
in Streamer braucht zudem die Verbindung zum heimischen Router für Internet – per LAN (Kabel) oder WLAN (kabellos). Letzteres ist flexibler, Ersteres in der Einrichtung simpler, sofern ein Kabel zur Hand ist. Meist ist beides möglich, oft ist die Empfehlung das LAN-Kabel und hier ein möglichst aktuelles. Das verspricht höhere Stabilität und in vielen Fällen eine sauberere Übertragung – ein kabelloses Signal kann Störungen aufnehmen oder auch kleinste Beeinflussungen auf ein System haben.
Auf der anderen Seite kann auch LAN mit Problemen kämpfen, etwa durch schlecht isolierte, alte Kabel, Störungen im Router oder einem unsauberen Einbau der LAN-Buchse in Router oder Streamer. Am Ende ist ein Vergleich zwischen LAN und WLAN kostenlos. Und ein mögliches Fazit kann natürlich sein, dass es je nach Set-up keinen Unterschied macht.

Damit das Musikstreaming auf Anhieb gut klingt, gibt es einige initiale Kleinigkeiten zu beachten. Für Profis mag das vielleicht offensichtlich sein, aber da das Versprechen von Streaming oft „Plug and Play“ ist, kann vielen Nutzern vielleicht nicht klar sein, dass sie Klangpotenzial „verschenken“, weil sie Einstellungen ignorieren oder nicht kennen.
Sind alle Optionen im Streamingdienst richtig?
Wer sich als auf maximale Klangqualität gepolter HiFi-Fan für einen Streamingdienst mit Hi-Res-Musik entscheidet (z. B. Qobuz, Tidal, Amazon Music), sollte zuerst checken, ob die Hi-Res-Musik auch aktiviert ist. Das lässt sich bei Streamingdiensten in den Optionen und teils während der Wiedergabe ändern, und auch einige Streamer-Apps bieten diese Einstellung – möglicherweise mit niedrigeren Auflösungen (z. B. CD-Qualität) als Standard oder mit separaten Einstellungen für jedes Endgerät. Zur Überprüfung zeigen viele Streamer die empfangene Auflösung an.

Ist man bereits in den Optionen, kann sich auch eine Deaktivierung der Lautstärkenormalisierung lohnen. Diese ist meist aktiviert und begrenzt den Dynamikumfang von Songs, damit alle Lieder, etwa in einer Playlist, gleich laut sind. Sinnvoll für die Praxis (keine Lautstärkeanpassung nötig), schädlich für den Klang.
Musikhören am Computer optimieren
Wer mit einem Computer per USB hört und sich seiner verlustfreien Hi-Res-Versorgung sicher sein will, sollte zudem, falls möglich (etwa bei Qobuz und Tidal), den „exklusiven Modus“ aktivieren, mit dem die App des Streamingdienstes den Systemmixer umgeht, der sonst möglicherweise ein Resampling vornehmen würde. Entsprechende Einstellungen gibt es zum Beispiel auch bei den (kostenpflichtigen) Wiedergabesoftwares Roon oder Audirvana.

Nutzt man den Computer als Quelle, kann es vorteilhaft sein, nicht zu viele Prozesse im Hintergrund laufen zu haben, welche seine Rechenleistung „kapern“ könnten. Mit einem alten Laptop auf mehreren Bildschirmen zocken, im Hintergrund einen Browser aufhaben und Hi-Res-Musik hören, mag unterhaltsam sein, aber qualitativ Abstriche beinhalten.
Streamingdienste im Vergleich
Hinweis zur Wahl des Streamingdienstes: Ein teils heiß diskutiertes und von uns auch schon erlebtes Thema sind Klangunterschiede zwischen Streamingdiensten – wenn dann subtil, aber falls Optimierung oder Personalisierung gewünscht ist, kann hier ein Vergleich nicht schaden. Die meisten Dienste bieten kostenlose Probephasen an.
Lieber per Netzwerk streamen als Bluetooth
Anders als bei CD oder Vinyl gibt es beim Streaming zu entscheiden, wie die Musik des Streamingdienstes auf die Anlage kommt. Konkret bedeutet das, auf Bluetooth zu verzichten, da damit die Musik vom Internet aufs Handy kommt und von da komprimiert an den Streamer geschickt wird. AirPlay arbeitet ebenfalls so, wenn auch mit der Möglichkeit von unkomprimierter CD-Qualität.
Besser ist „echtes“ Streaming: Der Player zieht sich die Musik direkt aus dem Netzwerk, und Handy oder Computer sind nur Fernbedienung, dadurch kein „Flaschenhals“ für den Klang. Google Cast (früher Chromecast), Connect-Protokolle, UPnP, Streaming in den Apps der Geräte und Roon sind dafür Kandidaten, die auch Hi-Res möglich machen.
Wer der Stabilität seines eigenen Netzwerks nicht vertraut, kann die Musik eines Streamingdienstes herunterladen zum „Offline-Hören“ (sofern man ein Abo hat). Das macht es schwieriger, die Musik auf die Anlage zu streamen, sollte aber mögliche Probleme bei der Verbindung zwischen Streamer und Server des Streamingdienstes eliminieren.
Tipps für Musikserver
Bei Musikservern ist ein großer Teil der Optimierung nicht klanglich, etwa praktische Aspekte wie korrektes Metadaten-Tagging. Wenn man die physische CD-Sammlung rippt oder sein Vinyl digitalisiert, sollte man natürlich darauf achten, das in entsprechend hoher Qualität zu machen. Wer Hi-Res auf seinem Server will, sollte sich in entsprechenden Download-Stores umschauen (z. B. Qobuz, Highresaudio, Bandcamp).
Die meisten Streamer haben Klangoptionen
Nicht zwingend notwendig, aber einen Test wert, sind die Klangeinstellungen eines Streaming-Geräts. Wer sich auf Etwas-klicken-in-der-App und Testhören einlässt, hat damit nämlich die Chance, dem Klang den letzten Feinschliff zu verpassen. Denn die meisten Digitalgeräte haben heutzutage diverse Klangkorrekturen eingebaut.
Das reicht von der meist eher subtilen Wahl zwischen DAC-Filtern über Equalizer bis hin zu ganzen Raumkorrektur-Systemen, die sich in den Untiefen einer App verstecken. Ausprobieren kann sich lohnen, wir empfehlen immer erst kleine Schritte und kein „Überkompensieren“. Alles deaktivieren für eine möglichst neutrale Verarbeitung kann natürlich ebenso der beste Weg sein.
Der korrekte Anschluss eines Streamers an die HiFi-Anlage
Die allermeisten Streamer haben zudem sowohl D/A-Wandler als auch Vorverstärker eingebaut, was ihre Flexibilität erhöht. Dass diese nicht auf dem Level eines bereits vorhandenen, spezialisierten Geräts spielen, ist jedoch realistisch – man sollte sich bewusst sein (selbst ausprobieren, was besser klingt), welchen Schritt der Signalverarbeitung man welchem Gerät überlässt und entsprechend verkabeln und einstellen (z. B. Lautstärkeregelung im Streamer deaktivieren). Wer einen externen DAC nutzt, kann auch auf die Art der digitalen Signalübertragung achten: koaxiale und optische Kabel übertragen meist nur Signale bis 192 kHz. Wer Ultra-Hi-Res vom Streamer anderswo wandeln will, nutzt etwa USB oder I2S. Für native DSD-Übertragung ebenso.
