Purifi-Lautsprecher im Fokus: was können die Super-Treiber?
Die „Ushindi“-Treiber von Purifi werden in mehr und mehr Lautsprechern genutzt– doch was zeichnet sie eigentlich aus?

Kommen wir dazu, was die „Ushindi“-Schallwandler, übrigens Suaheli für „Sieg“, eigentlich besonders macht. Das grundlegende Entwicklungsziel ist dasselbe, welches quasi jeder Lautsprecherhersteller verfolgt: Verzerrungen reduzieren. Purifi möchte dies aber besonders in Treibern realisieren, die eher klein sind und dafür eine hohe Auslenkung vertragen. Das hat den praktischen Vorteil, dass die Treiber damit für mehr potenzielle Lautsprecher und kompaktere Bauweisen geeignet sind.
Die Purifi-Membran und ihr „NeutralSurround“
Um die hoch gesteckten Ziele zu erreichen, ist viel Forschung und Entwicklung in die Bauteile eingeflossen, um alle physikalischen Effekte anzugehen, die in Verzerrung resultieren und somit dem Klang schaden. Fangen wir mit den optisch auffälligen Sicken (engl.: „Surround“) um die Lautsprechermembranen an: deren „Berg und Tal“-Form nennt Purifi „Neutral Surround“, was wiederum „Surround Radiation Distortion“ kontern soll. Dieses von Purifi untersuchte Phänomen tritt laut den Entwicklern auf, wenn die Sicke sich im normalen Gebrauch bewegt.
Aufgrund der Bewegung haben konventionelle Sicken beim Ein- und Ausschwingen jeweils eine andere effektive Oberfläche, was Verzerrungen verursachen kann. Genau das sollen die Neutral Surrounds kontern, indem sie aufgrund ihrer Form während jeglicher Bewegung ihre Oberfläche konstant gleich groß halten. Zusammen mit den optimierten Membranen aus Alu oder Papierfaser verspricht Purifi zudem Verbesserungen bei Frequenzgang und Intermodulationen.
„PureDrive“ und andere Besonderheiten
Auch die Antriebseinheit der Treiber wurde aufwendig optimiert und nennt sich „PureDrive“. Der genau berechnete Aufbau dieser Sektion hat ebenso ultimativ das Ziel, Verzerrungen zu reduzieren. Besonderes Augenmerk lag unter anderem auf dem Phänomen der Hysterese, welches Purifi auch bei seinen Eigentakt-Endstufen ausführlich analysiert und bekämpft hat. Dieses beschreibt einen Verzerrungseffekt, der laut den Entwicklern auf den Magneten zurückzuführen ist. Diese und andere Verzerrungsquellen werden durch den in Teilen patentierten Aufbau des Antriebs bekämpft, welcher einen außergewöhnlich verzerrungsfreien und linearen, langen Hub der Membran liefern soll.
Die Liste an Optimierungen geht noch lange weiter, genauso wie die Forschung bei Purifi nicht anhält. Um das ganze System zu entwerfen, hat der Hersteller zudem direkt eigene Tools entwickelt, die bei der Lautsprecher-Konzeption helfen.
Die aufwendige Entwicklung hat natürlich ihren Preis. Selbstbau-Fans können sich einzelne Purifi-Treiber ab 200 bis 300 Euro pro Stück kaufen – auch wenn Industriekunden mutmaßlich mit Mengenrabatt planen können, ist es mehr als unrealistisch, diese Schallwandler in einem Paar Lautsprecher für 500 Euro zu finden. Aber der Gegenwert an eingeflossener Expertise ist eben nicht zu unterschätzen. Und wenn Lautsprecher-Entwickler, die etwas von ihrem Handwerk verstehen, ihre Hände an solche Treiber bekommen, kann man sich das Endergebnis sehr gut anhören, wie alle unsere Testgeräte auf den vorangegangenen Seiten bewiesen haben.
Verschiedene Purifi-Lautsprecher im Test: unser Fazit
Klanglich überzeugen konnten alle vier der von uns zuletzt getesteten Purifi-Lautsprecher, von mächtig und tiefreichend bis audiophil. Dafür setzen alle auf die auch anderswo hochgelobten Purifi-Treiber für Tief- bzw. Tiefmitteltöner, aber kombinieren sie zudem mit eigenen Optimierungen und Ideen.
Auswahl des Hochtöners, Konzept, Gehäuse, Versteifungen, Frequenzweiche, Bauteile, Abstimmung und so weiter zahlen natürlich individuell auf das resultierende Klangbild ein. Und so kann jede der Boxen ihren eigenen Charakter behaupten, zu welchem Purifi zweifellos einen wesentlich beisteuert. In unseren Messungen wurde etwa klar, dass wie versprochen Verzerrungen hier Fehlanzeige sind, alle Modelle lieferten mindestens im Tief- und Mittelton hervorragende Werte.
Vor allem bei den beiden „klassischsten“ Lautsprechern, den Modellen von Buchardt und Radiant Acoustics, haben wir deutlich niedrigere Verzerrungen gemessen (bei beiden 0,25 Prozent bei 63 Hz) als bei den allermeisten anderen Boxen, die wir in ihren jeweiligen Preisklassen in letzter Zeit auf dem Messtisch hatten. Beide klingen dann auch auffallend sauber. Hier zahlt sich die exzessive Messtechnik buchstäblich aus.
Die Fähigkeit, trotz begrenzter Dimensionen verzerrungsfrei sehr tief zu reichen, ist eine Errungenschaft der Purifi-Treiber. Dass ein urgewaltiger Subwoofer wie der DALI V-16F das schafft, wundert wenig, der Purifi-unterstützte Tiefgang einer kompakten Buchardt E50 fällt da schon mehr auf. Diese setzt wie auch der Manufakturlautsprecher von Rose Handwerk und anders als die portgestützten DALI und Radiant Acoustics auf die Unterstützung von je zwei rückwärtig eingesetzten Passivmembranen, die hier wie dort schlüssig mit den Purifi-Treibern agieren. Dass Rose auch im Hochton auf Purifi setzt, lässt das Konzept ihrer der Entwicklerlegende Joachim Gerhard gewidmeten Box umso konsequenter erscheinen.
Interview mit Lars Risbo, Mitgründer, Entwickler und CTO bei Purifi
Herr Risbo, welches Ziel haben Sie bei der Entwicklung der Ushindi-Treiber verfolgt?
Das Ziel bei den Ushindi-Treibern war es, Verzerrungen praktisch vollständig zu eliminieren, wobei der Schwerpunkt auf der Reduzierung von Intermodulationsverzerrungen lag. Dies wird mit einem langen Hub und einem ausgezeichneten Frequenzgang kombiniert. All dies ermöglicht die Entwicklung von Lautsprechersystemen, die im Vergleich zu viel größeren Lautsprechern mit herkömmlichen Treibern tiefer und sauberer klingen.
Wie würden Sie die „Klang-Signatur“ der Ushindi-Treiber beschreiben?
Unser Ziel ist es, jegliche Klangsignatur zu beseitigen. Manche Menschen werden diese Abwesenheit von Verzerrungen als Signatur wahrnehmen, da wir an Lautsprecherverzerrungen so gewöhnt sind. Nach einer Weile wird dieser neue Klang jedoch zur neuen Normalität – und nur wenige möchten wieder zurückkehren.
Wie zufrieden sind Sie mit der Resonanz der Hersteller und Kunden auf die Ushindi-Treiber? Wie setzen Unternehmen diese ein?
Die Resonanz war überwältigend positiv. Anfangs hielten uns viele für verrückt und lachten uns aus, aber mittlerweile scheinen wir zum neuen Maßstab geworden zu sein. Dies ist vor allem den „Early Adopters“ zu verdanken, die unsere Vision teilten und schon früh auf den Zug aufgesprungen sind. Sie sind unsere Botschafter und machen im Grunde genommen Werbung für uns, indem sie einfach neue Standards setzen. Das hat viele weitere Kunden angezogen, und wir mussten keine Klinken putzen, um zu verkaufen. Unsere Kunden sind im Allgemeinen kreativ und decken viele Bereiche ab, vom DIY-Bereich über HiFi bis hin zum professionellen Einsatz.

Das optisch auffälligste Merkmal der Treiber sind ihre Sicken. Welchen klanglichen Vorteil bietet dieses Design?
Die Sicke ist Teil der Abstrahlfläche eines Treibers. Das Problem ist, dass sich herkömmliche Sicken nichtlinear verformen, sodass sich die effektive Kolbenfläche je nach Position der Membran stark verändert. Dies führt zu einer Amplitudenmodulation des wiedergegebenen Signals und insbesondere dazu, dass der Bass den Mitteltonbereich beeinflusst. Unsere Sicke eliminiert diese Modulation durch ihre Konstruktion – sie ist vollständig symmetrisch und hat unabhängig von der Membranposition immer die gleiche Abstrahlfläche.
In den Ushindi-Treibern kommen viele spezielle Technologien zum Einsatz. Welche davon ist für das Endergebnis die wichtigste?
Alle Technologien wirken zusammen. Unsere Forschung hat uns dabei geholfen, alle Verzerrungsquellen zu identifizieren, und wir haben Technologien entwickelt, um jede einzelne davon zu bekämpfen. Einige wirken unabhängig, andere bekämpfen mehr als einen Mechanismus. Es ist wichtig, alle Verzerrungsquellen anzugehen – andernfalls verbessert sich das Ergebnis nur geringfügig. Manche Arten von Verzerrungen sind deutlicher hörbar als andere. Beispielsweise mag die magnetische Hysterese des Eisens bei einer Messung in dB oder Prozent als sehr geringer Beitrag erscheinen, doch unserer Erfahrung nach beeinträchtigt sie den Klang bereits in sehr geringen Dosen.
Ushindi-Treiber sind mit zwei verschiedenen Membranmaterialien erhältlich: Aluminium und Papierfasern. Worin besteht der Unterschied?
Papierfasern haben den Vorteil, leicht und steif zu sein und gleichzeitig gute Dämpfungseigenschaften mitzubringen. Unsere Treiber mit Fasermembran weisen einen gleichmäßigen, gutmütigen Hochtonabfall auf, was das Design der Frequenzweiche vereinfacht. Aluminium ist extrem steif, aber schwerer, und besitzt nur sehr geringe Eigendämpfung. Dadurch verschieben sich die ersten Membranresonanzen weit nach oben im Frequenzbereich, allerdings mit ausgeprägten Pegelspitzen aufgrund der fehlenden Dämpfung. Das ergibt zwar einen glatteren Frequenzgang im Nutzbereich und sogar noch geringere Verzerrungen, erfordert aber auch mehr Sorgfalt und Komplexität bei der Frequenzweiche, um die schwach gedämpften Resonanzspitzen in den Griff zu bekommen.
Purifi ist mittlerweile sowohl für Endstufen als auch für Treiber bekannt – was kommt als Nächstes?
Wir haben uns der Verbesserung der gesamten Wiedergabekette verschrieben und werden die Schwachstellen in dieser Kette gezielt angehen. Wir werden sowohl im Bereich der Schallwandler als auch auf der Seite der Elektronik und Signalverarbeitung weiter forschen und neue Produkte entwickeln.
Wie würden Sie den „perfekten“ Lautsprecher mit Purifi-Treibern definieren – sofern es den gibt?
Der perfekte Lautsprecher ist einer, bei dem die Systemauslegung die klanglichen Einschränkungen durch Gehäuse, Bassabstimmung, Port und Frequenzweiche so weit wie möglich minimiert. Mit den Ushindi-Treibern werden genau solche Einschränkungen plötzlich viel gewichtiger. All das lässt sich natürlich realisieren – vom kompakten Zwei-Wege-Monitor bis hin zu jeder beliebigen Großkonstruktion.
