Plattenspieler richtig einstellen: so gelingt die Justage!

Wer seinen Plattenspieler richtig in Schuss hat, holt mehr Klang aus seinen schwarzen Scheiben. Und das Beste: Viele Tipps kosten kaum mehr als etwas Sorgfalt und Aufmerksamkeit.

Plattenspieler Justage

Der Plattenspieler bietet jede Menge Ansatzpunkte für klangförderndes Null-Euro-Tuning. Und da reden wir gar nicht von aufwendigen Geräten, bei denen Laufwerk, Tonarm und Abtaster einzeln sind und erst aufwendig zusammengesetzt werden müssen. Nein, auch Geräte, die weitestgehend fix und fertig voreingestellt aus dem Karton kommen, danken einer kundigen Hand.

Immer wichtig: die korrekte Netzphase!

Was nämlich kaum jemand weiß: Der Klangverändert sich, je nachdem, wie herum der Netzstecker beziehungsweise das externe Netzteil in der Stromdose steckt. Denn nicht nur Verstärker oder Streamer profitieren klanglich davon, wenn die Netzphase auf der korrekten Seite liegt.

Wir erleben es immer wieder, dass die Räumlichkeit der Abbildung und die Natürlichkeit der Klangfarben zunehmen, wenn’s an dieser Stelle stimmt. Einfach mal ausprobieren und den Netzstecker in der Dose umdrehen. Es tönt mit Sicherheit anders – und vielleicht sogar besser, weil endlich die Phasen optimal anliegen.

Wie stellt man den richtigen Auflagedruck bei Platenspielern ein?

Außerdem ist selbst bei den meisten sogenannten Plug-and-Play-Drehern, die im Werk vorjustiert wurden, das schwere Gegengewicht auf das hintere Ende des Tonarms zu setzen und anhand seiner Skala auf den zum jeweiligen ­Abtaster passenden Wert zu stellen. Wer hier der Herstellerempfehlung folgt, hat gewiss nichts falsch gemacht.

Aber Tonabnehmer reagieren sensibel auf den Auflagedruck und erlauben so ein klangliches Feintuning. Erhöht man diesen um nur 0,5 Millinewton, also etwa von 18 auf 18,5 mN, erzielt man eine etwas farbigere, grundtonstärkere Wiedergabe. Andersherum, bei einer geringen Reduktion der Auflagekraft, gerät diese leicht, präsenter und durchsichtiger. So lässt sich über einen kleinen Dreh am Gewicht der Klang auf die individuellen Wünsche optimieren, ohne dafür den zulässigen Einstellbereich für den Druck zu verlassen.

Was ist Anti-Skating und wie sollte es eingestellt werden?

Und da wir schon dabei sind: Bitte die Anti-Skating, die der Kraft entgegenwirkt, die den gekröpften Tonarm auf der drehenden Platte nach innen zieht, per Testschallplatte einstellen. Deren praxisfern hohe Modulationen führen zur Überkompensation, die dem Abtaster, aber auch dem Klang schaden, weil eine zu starke Kraft auf sein Tonarmlager einwirkt. Da sich die Skating-Kraft ohnehin dauernd ändert, ist es absolut okay, bei der Einstellung der Bedienungsanleitung zu folgen, die einen nicht zu starken Mittelwert für den gewählten Auflagedruck anpeilt.

Die richtige Unterlage für den Plattenspieler

Eine feste, schwingungsarme Stellfläche dankt jeder Plattenspieler mit stabilerem, geordneterem Klang. Für diesen Zweck gedachte Unterstellbasen, die gerade auf wackeligen Regalen und Sideboards kleine Wunder bewirken können, gibt es von knapp 100 bis Tausende Euros. Oder man behilft sich mit einem ausgemusterten Küchenbrett.

Diese sind meist dick und aus schweren, dämpfenden Materialien – gern Holz – sowie groß genug, dass ein normaler Dreher daraufpasst. Einfach mal unterlegen und hören, was passiert! Bei Gefallen kann man das Brett mit schwarzem Papier oder einer Kunststofffolie umwickeln, damit die Sache nicht primitiv und nach „Do it yourself“ aussieht.

Richtige Einstellung eines Tonarms ist wichtig

Bei einem All-in-one-Plattenspieler samt eingesetztem Tonabnehmer darf man davon ausgehen, dass der Hersteller den Tonarm in der Höhe richtig justiert hat. Doch wenn man den Abtaster gegen einen anderen austauscht oder aber einen Dreher ohne Abtaster erwirbt, ist darauf zu achten, dass der Tonarm bei aufgesetzter Nadel parallel zur Schallplattenoberfläche verläuft – so die Empfehlung der meisten Tonabnehmerlieferanten. Doch dies zu erkennen ist gar nicht so einfach, zumal die Rundung des Tellers beim seitlichen Blick auf den Arm schnell mal die Perspektive verzerrt.

Dann hilft es, einen Gegenstand mit waagerechter Schrift hinter dem Armrohr zu platzieren und diese dann anzu­fixieren. Es gibt für diesen Zweck auch spezielle Anlageblöcke mit ­Linien darauf. Doch gemäß der hier geltenden Null-Euro-Strategie nehmen wir ein gängiges Geodreieck für den Matheunterricht und lehnen es möglichst gerade an den abgesenkten Tonarm. Nun lassen sich sehr genau dessen quer verlaufende Hilfslinien anpeilen und der Tonarm an ihnen gerade ausrichten.

Pflegeschaum macht Plattenspieler-Riemen fit

Draußen spielen viele ältere Plattenspieler mit Riemenantrieb. Doch im Laufe der Jahre wird das Gummi hart und spröde. Dann soll Ersatz her. Doch dieser ist zuweilen schwer zu kriegen. Also, was tun? Oft findet sich im Haushalt eine Dose mit Möbelpflegeschaum. Von diesem etwas auf ein weiches Tuch sprühen und den Riemen einige Male unter sanftem Zug durchziehen. Diese Prozedur hält nicht nur das Teil geschmeidig. Hernach klingt’s auch besser, weil das Timing flüssiger erscheint und leichte Rauigkeiten in den oberen Frequenzlagen verschwinden.

Es geht noch so viel mehr, womit man auch ohne Investitionen dem Plattenspieler klanglich auf die Sprünge helfen kann. Sie haben ein ungenutztes Cinch-Kabel? Damit tönt’s vielleicht besser, als mit dem zum Dreher gelieferten. Probieren Sie ruhig etwas herum. Man findet immer was zu tun!

Wichtiges Zubehör für Vinyl: eine Karbonfaserbürste

Sie sind immer noch im Umlauf: klebrige „Antistatiktücher“, mit denen schon zu Zeiten der Musiktruhe über LPs gewischt wurde, um Staub zu entfernen. Sie haben diesen aber eher erst so richtig in die Rille gedrückt. Viel besser geht es dagegen mit einer Bürste mit feinsten Karbonfiberhärchen, die Statik ableiten sowie bis auf den Rillengrund hinab säubern.

Bei sanftem Druck die Platte ein paar Umdrehungen darunter weglaufen lassen, langsam zur Seite hin abziehen – fertig. Das Teil gibt es bereits für wenige Euro im Zubehörangebot.



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