Musiksammlung organisieren: So behalten Sie den Überblick über Ihr Album-Archiv

Wer sich viele Jahre lang mit Musik befasst, besitzt irgendwann eine stolze Sammlung. LPs, CDs, MP3s, FLAC und mehr. Doch wie lässt sich der Überblick über die ganzen Songs behalten?

Bild: Adobe Stock

Musik zu katalogisieren, war immer schon eine Herausforderung. Im Laufe der Jahre ist das Ganze aber ungleich komplizierter geworden, weil es neben physischen Tonträgern Musik auch in Form von Dateien oder Datenströmen gibt. Das zu organisieren, ist anspruchsvoll, weil hier ab einem gewissen Punkt zwei komplett verschiedene Konzepte greifen.

Analoges oder digitales Archiv: Wo liegt der Unterschied?

Ein Song ist erst einmal ein Song. Er hat einen Titel, einen Inhalt, einen Interpreten, gehört zu einem Album, das wiederum von einem Plattenlabel zu einem bestimmten Datum veröffentlicht wird. Zusätzlich gibt es weitere Kenndaten wie Dauer, Genre, Schlagwörter oder vielleicht sogar eine Sternebewertung oder (persönliche) Benotung. Üblicherweise gibt es zu den Alben auch noch das passende Cover. Wenn man also eine Datenbank nutzt, ist die zunächst unabhängig vom Tonträger ähnlich aufgebaut. Allerdings gibt es dennoch einen deutlichen Unterschied. Der besteht in der Art, wie die Daten in die Datenbank kommen. Denn bei digitalisierter Musik liegen im besten Fall die sogenannten Meta-Infos bereits in der Datei oder im Stream vor. Bei Schallplatten oder CDs müssen sie im schlechtesten Fall mühsam manuell eingetragen werden. Dankenswerterweise gibt es inzwischen Dienste, die diese Arbeit bereits geleistet haben; dazu später mehr.

Die wesentliche Differenzierung besteht dann aber im weiteren Umgang mit den Informationen aus der Datenbank. Bei physischen Tonträgern erschöpfen sich die Möglichkeiten im Ergänzen eines Lagerorts, während digitale Musik sich im direkten Zugriff der jeweiligen Datenbank befindet. Sie kann aber nicht nur direkt wiedergegeben, sondern eben auch in eigenen Playlists organisiert werden.

Warum es kein Supertool für die ganze Musiksammlung gibt

Aufgrund der Komplexität des ganzen Themas gibt es leider keine Universallösung für das komplette analoge und digitale Musikarchiv inklusive Streamingdiensten. Ein Grund dafür sind lizenzrechtliche Aspekte, weil sich gerade Streamingdienste nicht beliebig in andere Apps integrieren lassen, sofern die Streaminganbieter hier nicht mitspielen.

Umgekehrt wiederum ist es weniger problematisch. Die meisten Streaming-Apps können zumindest lokal eigene MP3- oder auch FLAC-Dateien importieren und wiedergeben. Hier gibt es aber eben auch keine rechtlichen Probleme, weil davon ausgegangen wird, dass das, was lokal an Musik gespeichert ist, einem auch gehört.

Es gibt hier ein paar wenige Ausnahmen, die bekannteste ist vermutlich das ehemalige iTunes. Eigentlich als Shop für den Kauf von Musik gedacht, verwaltete das Programm aber auch lokale Dateien und bot Zugriff auf die Apple-Music-Streaming-Inhalte. Inzwischen ist iTunes Geschichte, aber andere Programme wie MediaMonkey können beispielsweise neben lokalen Formaten noch die Bibliotheken von Spotify oder Deezer einbinden.

Was die meisten dieser Tools ebenfalls beherrschen, ist das Streamen von Musik in einem lokalen Netzwerk. Wer also einen zentralen Speicher (NAS, Medienserver) mit MP3s oder FLAC-Dateien betreibt, kann diese auch mit MediaMonkey & Co. verwalten und abspielen.

Eine besondere Stellung nimmt in diesem Kontext Roon ein; auch das ist ein serverbasiertes Konzept mit einem lokalen Server, kann aber gleichzeitig auch Streams von Tidal oder Qobuz zusätzlich bereitstellen. Übrigens gilt: Die Qualität der automatischen Erkennung aller Song-Informationen steht und fällt mit einem vernünftigen Tagging, also mit dem richtigen Einpflegen der entsprechenden Informationen beim Digitalisieren.

Musiksammlung mit CDs und Schallplatten organisieren

Alle bislang angesprochenen Lösungen sind für die Verwaltung digitaler Musik konzipiert. Doch wie sieht es mit Schallplatten, CDs oder Kassetten aus? Auch hier gibt es eine Reihe von Tools oder Onlinediensten, die über eigene Datenbanken verfügen. Discogs etwa und CLZ Music sind letztlich solche Onlinedatenbanken, die per Browser oder App genutzt werden können und das Erstellen einer eigenen Sammlung ermöglichen. Eine reine Datenbank ist MusicBrainz. Lokale Programme wie etwa My Music Collection für Windows oder Musiksammlung für Android bedienen sich unter anderem bei Discogs oder MusicBrainz.

Leider sind naturgemäß alle diese Tools und Plattformen nicht so komfortabel im Handling wie die für digitale Musik. Das liegt daran, dass die Daten der Tonträger bestenfalls teilautomatisiert erfasst werden können; die Informationen zu den einzelnen Liedern liegen dann im Idealfall in den Datenbanken von Discogs & Co. vor. Leider genügt es in der Regel nicht, Künstler- und Albumnamen einzugeben, um den entsprechenden Tonträger auswählen zu können. Je nach Erscheinungsland unterscheiden sich die Labels, manchmal auch die Alben selbst. Und nicht immer sind die entsprechenden Infos, die eingetragen wurden, dann auch korrekt. So finden wir beispielsweise bei My Music Collection über MusicBrainz bei der Suche „Rum, Sodomy and the Lash“ von den Pogues sechs verschiedene Labels und vier verschiedene Erscheinungsjahre. Ohne die CD zur Hand zu nehmen, wird die Klärung unmöglich.

Immerhin sind CDs hier einigermaßen dankbar, weil sie einen Barcode besitzen, den es bei Vinyl aus den 80ern oder früher noch nicht gibt. Die mobilen Apps von Discogs oder CLZ besitzen einen entsprechenden Scanner, My Music Collection kann den Strichcode mittels Webcam erfassen.

Schwieriger wird es bei Schallplatten ohne eine solche elektronisch erfassbare Kennung. Zwar haben auch die älteren Cover eine sogenannte Katalognummer, über die sich die entsprechenden Scheiben dann in den Datenbanken finden lassen. Aber die muss man eben erst einmal suchen und abtippen. Das führt dann in der Regel zum gewünschten Ergebnis, ist aber auch etwas umständlich. Mehr dazu am Ende.

Welche Tools für die Musikverwaltung gibt es?

Wir haben bereits einige Programme und Onlinedienste erwähnt, und bei einigen lohnt sich ein genauerer Blick.

MusicBee: Leider können von dem mächtigen, kostenlosen Tool MusicBee nur Windows-Nutzer profitieren. Die allerdings sehr, zumindest wenn es um digital gespeicherte Musik geht. Die „Musikbiene“ setzt voraus, dass sich die Musikdateien auf der Festplatte befinden, kann aber auch selbst CDs rippen.

Die Oberfläche ist eher schlicht und übersichtlich, was leider auch dazu führt, dass man sich bei der ersten Benutzung ein wenig Zeit nehmen sollte, um die ganzen Funktionen zu entdecken, die sich hinter der Fassade verbergen.

MusicBee legt den Fokus klar auf Organisation und Wiedergabe, bietet auf dem Hauptbildschirm viele Infos zu den Titeln. Aber es ermöglicht eben auch ein vernünftiges Tagging und umfangreiche Klanganpassungen während des Abspielens. Plug-ins können das Programm erweitern, wobei hier viele Ergänzungen schon eine Weile nicht mehr weiterentwickelt wurden.

Und auch wenn es von MusicBee keine mobilen Versionen gibt, so können die Playlists und Inhalte dennoch mit einer Vielzahl mobiler Player-Apps synchronisiert werden. Dazu gehören foobar2000 oder Poweramp. Zudem gibt es für Android und iOS jeweils eine Fernsteuer-App für die PC-Software.

MediaMonkey: Musikverwaltung für Windows und Android

MediaMonkey: Ebenfalls für Windows, aber auch für Android ist MediaMonkey erhältlich. Das Programm ist kostenlos, kann aber durch den Kauf einer Lizenz um weitere Funktionen ergänzt werden. So bietet es in der Gold-Version, die als lebenslange Lizenz 99 Euro kostet, unter anderem die Möglichkeit, anhand eigener Regeln Musik automatisch neu zu organisieren. Aber auch das Kontrollieren gerippter CDs mittels der AccurateRip-Datenbank ist in der kommerziellen Version möglich, um absolut fehlerfreie Aufnahmen zu garantieren.

Vom Erscheinungsbild ist MediaMonkey eine Mischung aus Dateiexplorer und Mediaplayer, wobei dann auf der zweiten Menüebene wie auch schon bei MusicBee zahlreiche Einstelloptionen zur Verfügung stehen.

In der Hauptansicht wird deutlich, dass es bei dem Programm sehr viel um das Verwalten von Musik anhand verschiedener Kriterien geht, auf die man direkt Zugriff hat – vom Genre bis hin zum Erscheinungsjahr. Das Ganze wird, wenn man es nicht anpasst, dadurch etwas unübersichtlich, dass zuvorderst das gesamte Archiv inklusive Hörbüchern oder Podcasts angezeigt wird, was aber auch rein auf Musik reduziert werden kann.

MediaMonkey kann direkt auf Streamingserver im eigenen Netzwerk zugreifen und Inhalte unter anderem per Chromecast auch drahtlos streamen oder auch selbst als DLNA-Server arbeiten. So lässt sich das Programm auch aus der Apple-Welt ansprechen, wobei – sofern man noch iTunes nutzt – auch eine direkte Synchronisation möglich ist.

Discogs: Die große Datenbank für Vinyl-Sammler

Discogs: Wer nach einer Möglichkeit sucht, seine Vinyl-Sammlung zu verwalten, wird vermutlich sehr schnell auf Discogs stoßen. Und wahrscheinlich erst einmal nicht darauf kommen, dass man hier Schallplatten verwalten kann. Tatsächlich sieht das Ganze aus wie eine wilde Mischung aus Onlineshop und Streamingportal mit allerlei populären „Neuvorstellungen“. Der Eindruck wird dadurch verstärkt, dass sich auch zwei der vier Menüpunkte um die Themen „Kaufen“ und „Verkaufen“ drehen und es auch ein Einkaufswagen-Symbol gibt.

Wer auf eine der angezeigten Platten klickt, landet auf einer Seite mit sehr ausführlichen Informationen zu diesem Tonträger, aber eben auch diversen Kaufoptionen, denn Discogs versteht sich als große Plattenbörse.

Innerhalb dieser Börse kann man eine Art eigenen Stand aufbauen und seine Platten „ausstellen“ – entweder nur für sich, auch für andere sichtbar oder aber auch, um sie zu verkaufen. Das Herzstück ist bei Discogs die Datenbank, die gefühlt sämtliche jemals auf diesem Planeten gepressten LPs umfasst. Die eigenen Tonträger findet man dabei wahlweise über die Datenbanksuche, einen Barcode oder auch die Katalognummer. Von der Handhabung ähnelt es Spotify oder Amazon Music: Die entsprechende Platte wird, nachdem man sie gefunden hat, der eigenen Sammlung zugeordnet, ähnlich einer Playlist.

CLZ Music: Sammlung per Datenbank verwalten

CLZ Music: CLZ steht für Collectorz Database Software und ist wie Discogs eine Onlineplattform, zu der es aber auch eine lokale App für iOS und Android gibt. Beides ist kostenpflichtig: Man kann monatlich zahlen; dann kostet der Webdienst 3,95 Euro/Monat und die App 1,95 Euro/Monat. Bei jährlicher Zahlweise werden 39,95 Euro bzw. 19,95 Euro fällig. Im Paket kostet die Jahresgebühr 49,95 Euro. Neben Musik gibt es bei CLZ andere Bereiche, etwa für Bücher oder Software. Jeder dieser Bereiche ist ebenfalls kostenpflichtig.

Vom Konzept ist CLZ mit Discogs ein Stück weit vergleichbar, wobei hier allerdings die Oberfläche eindeutig den Charakter einer Datenbank-Eingabemaske hat. Dennoch besteht eben auch die Möglichkeit, mit Platten oder CDs zu handeln. In CLZ lassen sich zahlreiche andere Sammlungen importieren, unter anderem auch die von Discogs. Die Verwaltung der Sammlung mit den vorgegebenen Ordnern, von denen einige als Favoriten festgelegt werden können, ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber strukturiert, wenn man das System einmal durchdrungen hat.

My Music Collection: Musik lokal organisieren

My Music Collection: Möchte man seine Daten lieber lokal verwalten, lohnt ein Blick auf die Windows-Software My Music Collection. Sie kostet in der Vollversion einmalig 39,95 Euro und bietet nicht nur wegen der schon erwähnten Suche über mehrere Datenbanken eine ganze Menge. Unter anderem unterstützt sie auch das Hinzufügen digitaler Alben.

Wer sich einigermaßen in den aktuellen Office-Versionen von Microsoft zurechtfindet, der dürfte mit der Bedienung von My Music Collection kaum Probleme haben; die Oberfläche ist bewusst daran angelehnt.

Von der Organisation her gibt es gerade für Audio-Enthusiasten ein paar pfiffige Features, zu denen unter anderem eine Zustandsbewertung gehört, aber auch das Festlegen eines bestimmten Covertyps und der Zahl der Audiokanäle sowie das Zuordnen der zum Einsatz kommenden Instrumente. Man kann so also auch nach allen Songs suchen, bei denen etwa ein Saxofon oder eine Kirchenorgel zum Einsatz kommen.

Ein weiteres praktisches Feature ist die Verleihverwaltung, ob und an wen eine Platte ausgeliehen wurde. Und wer noch mehr möchte, hat die Möglichkeit, das Tool mit zahlreichen individualisierbaren Feldern weiter anzupassen.

Wer Musiksammlungen verwalten will, hat dazu viele Optionen, zumal es noch einige Programme und Dienste mehr gibt als die hier vorgestellten. Allerdings werden viele auch seit geraumer Zeit nicht mehr weiterentwickelt, was nicht unbedingt ideal ist. Wichtig: Bei allen kostenpflichtigen Lösungen hier im Artikel gibt es zunächst kostenlose Testphasen. Es lohnt sich, diese auszunutzen.

Barcodes und Katalognummern schnell scannen: eine Anleitung

Zur präzisen Identifikation der richtigen Tonträger in den jeweiligen Datenbanken sind Barcodes auf den Cases und Covern oder bei älteren LPs auch die Katalognummern hilfreich. Barcodes sind unproblematisch, denn die mobilen Apps von Discogs oder CLZ nutzen die Smartphone-Kamera als Scanner, die PC-Software My Music Collection greift auf eine vorhandene Webcam zu. Um dagegen Katalognummern auszulesen, bedarf es einer Texterkennung (OCR). Das beherrscht im Prinzip jedes Smartphone, aber es gibt einen Haken: Der erkannte Text ist noch nicht in der Eingabemaske der jeweiligen Datenbank.

Wir sind auf der Suche nach einer Lösung bei der Firma TEC-IT fündig geworden, die mit Scan-IT to Office eine App für Apple und Android anbietet, die inklusive OCR mit der Handykamera scannen und die Ergebnisse direkt in ein Eingabefeld einer PC- oder Mac-Software senden kann. Für die rein mobile Anwendung unter Android gibt es zudem die App Scanner Keyboard, die eine Software-Tastatur mit OCR-Scanner auf dem Smartphone installiert. Sie kostet knapp 60 Euro, Scan-IT to Office kann man ab 15,99 Euro abonnieren; ein Jahresabo kostet 64,99 Euro. Beide Produkte lassen sich vor dem Kauf kostenlos testen.



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