Musik visualisieren: so wird das Wohnzimmer zum Konzertsaal
Für viele Menschen ist das Hören von Musik emotional. Musik spiegelt Stimmungen wider, kann diesen Ausdruck verleihen. Das richtige Licht schafft dazu die passende Atmosphäre.

Oft nimmt man sich in bestimmten Situationen Zeit, ein Album, eine Playlist bewusst zu hören. Vielleicht, um zu entspannen, den Kopf frei zu bekommen. Aber manchmal auch einfach, weil man gute Laune hat.
Neben dem, was aus den Lautsprechern schallt, spielt für die Wirkung von Musik aber auch das Ambiente eine wichtige Rolle. Dass der Kaufhausfahrstuhl, aus dem belanglose Popmusik plärrt, kein Ort ist, um die Seele baumeln zu lassen, versteht sich dabei von selbst. Aber auch die eigenen vier Wände bilden nicht immer die Stimmung ab, in der man sich gerade befindet. Hier allerdings lässt sich mit dem richtigen Licht nachhelfen.
Wie lässt sich mit Licht eine Atmosphäre schaffen?
Philips hat schon vor Jahren die Bedeutung von Licht im Hinblick auf die Atmosphäre bei Filmen erkannt. Bis heute erfreuen sich Fernseher mit Ambilight großer Beliebtheit, erzeugen sie doch auf der Wand, vor der das TV-Gerät steht oder hängt, ein farblich auf das Bild abgestimmtes Hintergrundlicht. Seltsamerweise ist dieses Kreieren einer Lichtatmosphäre beim heimischen Musikhören deutlich weniger verbreitet. Dabei gibt es gerade hier eine Vielzahl von Möglichkeiten, die noch nicht einmal teuer sein müssen. Und wer meint, dass Musik nicht unbedingt mit der richtigen Beleuchtung einhergehen müsse, kann beim nächsten Metallica-Konzert gern mal versuchen, sich vorzustellen, wie wohl „Nothing Else Matters“ ohne Lightshow wirkt.

Tatsächlich kommt es ja nicht von ungefähr, dass Bands, wenn sie auf Tour gehen, dem Lichtthema immens viel Bedeutung beimessen. Und die Generation Ü50 wird sich erinnern, dass, wer früher eine Lichtorgel im heimischen Partykeller hatte, ganz weit vorn war. Nicht nur, aber vor allem auch beim Klammerblues.
Statische Lösungen: RGB-Lampen und LED-Bänder
Die simpelste Variante, das Licht passend zur Musik zu ändern, ist die Verwendung von RGB-Lampen oder -Leuchtmitteln. Tischleuchten, Wandleuchten, Stehleuchten und eben Leuchtmittel, die sich gegen vorhandene austauschen lassen: Die Auswahl ist hier schier unendlich. Manche werden per Fernbedienung gesteuert, andere via WLAN mittels App. Oft lassen sich Farbe und Helligkeit nicht nur fest einstellen, sondern es besteht auch die Option, dynamische Effekte zu nutzen, die sich teils auch selbst erstellen lassen.
Das Ganze lässt sich auch indirekt mit LED-Bändern realisieren, die man zum Beispiel an der Rückseite des HiFi-Racks befestigen kann. Der Vorteil solcher Lösungen besteht darin, dass sie extrem günstig realisierbar sind. Per App steuerbare LED-Strips bekommt man teilweise schon für weniger als 20 Euro, vergleichbare Leuchtmittel in Glühbirnenform gibt es ab etwa 5 Euro.
Der Fernseher als Notlösung für Ambient-Licht
Auch der Fernseher kann als Lichtquelle herhalten. Das simpelste Vorgehen besteht hier darin, bei YouTube nach Ambient-Videos zu suchen und diese dann ohne Ton als Loop abzuspielen. Auch „Bildschirmschoner“-Apps erfüllen einen ähnlichen Zweck, ebenso das Wiedergeben von Fotos, etwa von einem USB-Stick.

Viele Smart-TVs, aber auch TV-Sticks wie der von Amazon besitzen auch selbst eine Ambient-Funktion. Die kann oftmals mit sehr vielen verschiedenen Themes gestaltet und einfach aktiviert werden, ohne dass auch die Musikwiedergabe über das Gerät erfolgen muss. Im Klartext: Man hört über die HiFi-Anlage, während der Fernseher sich praktisch nur um das Stimmungslicht kümmert.
Einfaches dynamisches Licht: Wenn die Lampe auf Musik reagiert
Den bisher genannten Lösungen ist gemein, dass sie zwar zum Teil dynamisch sind, weil sie mit sich verändernden Bildern oder Lichtfarben arbeiten. Was sie jedoch nicht machen, ist, sich dabei an der Musik zu orientieren, die gerade läuft. Doch auch hier gibt es ganz verschiedene Optionen, das zu lösen. So bieten einige smarte Lampen, die mit den populären Apps Tuya oder Smart Life gesteuert werden, einen sogenannten Musikmodus.
Von Ledvance gibt es mit Smart Wifi Neon Flex beispielsweise ein LED-Band für den Außenbereich, das so etwas auch beherrscht. Der zugehörige Modus findet sich in dem Menü, in dem auch Beleuchtungs-Szenarien oder die Zeitsteuerung aktiviert werden können. Es ist, wie schon gesagt, eine Funktion, die von der Lampe bereitgestellt werden muss, denn viele Lampen/Leuchtmittel sind beim Farbwechsel dafür zu träge und können daher nicht im Takt gesteuert werden. Für die Erfassung der Musik ist dann das Smartphone nötig; die App nutzt dessen Mikrofon. Immerhin reicht es, wenn man das Handy auch in einigem Abstand zu den Lautsprechern platziert. Zu hoher Schalldruck verringert den Effekt.

Viele Lampen und Lichtbänder mit externem LED-Controller verfügen über ein eingebautes Mikrofon. Hier lässt sich die Musiksteuerung dann hardwareseitig nutzen. Dafür ist in der Regel keine App nötig; es genügt, mittels Fernbedienung den entsprechenden Modus zu aktivieren.
Übrigens arbeiten die modernen LED-Nachfolger der einfachen Lichtorgeln nach dem gleichen Prinzip; auch so etwas ist eine Option, um Musik mit Licht zu hinterlegen. Der Vorteil hier ist, dass es zahlreiche Beleuchtungsvarianten gibt, die sehr viel mehr Möglichkeiten eröffnen als klassische LEDs. Der Nachteil ist, dass sich die Geräte nicht gut verstecken lassen und nicht für indirekte Atmosphärenbeleuchtung taugen.

Ambilight nachrüsten: Sync Boxes von Wiz, Ledvance und Philips Hue
Nun muss ja das Erleben von Musik auch ohne Ambient-Licht nicht immer nur eine rein akustische Erfahrung sein. Konzertfilme und Videos, audiovisuelles Erleben von immersiven Produktionen wie „Resonance“ von Boris Blank über die Surround-Anlage – es gibt gute Gründe, mitunter auch den Fernseher mit einzubinden. Und hier liegt es nahe, das mit „richtigem“ Ambilight zu verknüpfen.
Die bekanntesten Nachrüstsysteme kommen hier sicherlich von Ledvance, von Wiz und mit Hue von Philips selbst. Alle drei Systeme arbeiten nach einem vergleichbaren Prinzip: Eine Sync Box wird in das HDMI-Kabel vom Zuspieler – TV-Stick, Spielkonsole, Blu-ray-Player – zum Fernseher geschleift. Mit ihr wiederum ist dann ein RGB-Controller verbunden, der zum Beispiel einen Lightstrip steuert, der auf die Rückseite des Fernsehers geklebt wird. Auch das Adressieren weiterer Lampen aus dem System ist möglich. Dabei ist Hue das einzige System, dass HDMI 2.1 unterstützt und auch 8K-Videos verarbeiten kann.

Der Haken an den Sync Boxes ist, dass das Signal immer von außen kommen muss. Wer also die Smart-TV-eigenen Apps im Gerät nutzt, guckt sozusagen in die Röhre, denn die Synchronisation läuft über den Datenstrom. Hier hilft dann für bestimmte Anwendungsfälle nur der Umstieg auf einen TV-Stick. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Wer einen neuen Samsung- (ab 2022) oder LG-Fernseher (ab 2024) in Verbindung mit einer Hue-Bridge nutzt, kann, sofern für das jeweilige Modell verfügbar, eine App auf dem TV installieren, die dann die internen Signalinformationen aufgreift. Dadurch wird die HDMI-Box überflüssig, weil der Fernseher direkt die Bridge ansteuert.
Philips Hue und Spotify: Direkte Musiksynchronisation ohne Mikrofon
Noch offen ist die Frage, ob es auch die Option gibt, einen Audiostream direkt in Licht „umzuwandeln“, also ohne Mikrofon. Die Antwort lautet: bedingt. Vor allem, wenn es um praktikable Lösungen für zu Hause geht. Tatsächlich ist Philips Hue in der Lage, direkt auf Spotify zu reagieren, wenn man es mit seinem Konto verknüpft. Oder eben auf die Audiosignale, falls ein Blu-ray-Player für CD-Wiedergabe verwendet wird. Aber das Einschleifen in analoge, Koax- oder Toslink-Verbindungen ist nirgendwo vorgesehen.

Komplizierter wird die Sache bei der Verwendung von anderen Streamingdiensten mit Smartspeakern. Tatsächlich geht hier der Umweg über das Smartphone in Kombination mit Hue und einer App namens iLightShow, die direkt die Hue-Bridge adressiert. Parallel dazu lässt sich dann die Audiowiedergabe zum Beispiel auf ein Amazon Echo- oder Chromecast-Gerät umleiten.
Ambient-Licht über den PC: Hue, Skydimo und High-End-Audio
Ein gangbarer Weg besteht allerdings noch darin, den PC als Wiedergabegerät zu nutzen. Auch hier gibt es eine Software für Hue, aber auch eine günstigere Lösung von Skydimo, die vor allem auf Gaming zielt und für Ambient-Licht hinter dem Monitor gedacht ist. Und wem dabei die Klangqualität besonders wichtig ist, kann entsprechend einen High-End-USB-DAC verwenden und über gute Kopfhörer oder hochwertige Aktivlautsprecher hören.

DMX: Sound to Light für Profis und Nerds
Wer ganz groß auffahren will, sollte sich intensiver mit dem Thema DMX befassen. Das ist die Technik, die bei professionellen Lichtmischpulten auf Konzerten zum Einsatz kommt. Auch sie ist nicht wirklich für die Verwendung mit HiFi-Komponenten konzipiert, kann aber bei einem vorhandenen Line Out genutzt werden. Allerdings muss hier nicht nur das Leuchten-Set-up selbst konfiguriert werden, sondern im Zweifelsfall auch noch das detaillierte Verhalten der Lampen.

Für die meisten Wohnzimmer dürfte das allein aber schon deshalb untauglich sein, weil die gängigen DMX-Leuchten nach Bühne oder Disco aussehen und zudem mittels XLR verkabelt werden. Das ist eher das Gegenteil von elegant.
Fazit: Von der LED-Leiste bis zum Hue-System ist vieles möglich
Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, Musik visuell zu untermalen. Das Angebot reicht von diversen LED-Leuchten und -Strips, die per Mikrofon angesteuert werden und keine 50 Euro kosten, bis hin zu integrierbaren Lösungen wie Philips Hue, die inklusive passender Lampen schnell an der 1.000-Euro-Marke kratzen. Was sinnvoll ist, hängt sicher von Raum und Raumgröße sowie dem jeweiligen Anspruch ab.
Immerhin: Wie verschiedene Beleuchtungstypen wirken, kann man vorab ganz gut live sehen. Denn besonders die Produkte von Ledvance, Wiz und Philips Hue finden sich in vielen Möbelhäusern, Elektronikfach- oder auch Baumärkten.
