Lackfolie vs. Vinyl: STEREO hört Burmesters PURE SOUND Mastercut

Analog-Fans kennen die vom Masterband geschnittene Lackfolie, gehört hat sie kaum jemand. STEREO kam dank Burmesters PURE SOUND Master Recordings in den Genuss.

Lackfolie anstatt Schallplatte

Die sagenumwobene Original-Lackfolie, auch Master-Disc genannt, die eigentlich zur Herstellung von Pressmatrizen genutzt wird, gilt Kennern als der heilige Gral. Denn auch wenn es wie eine gewöhnliche Vinylscheibe aussieht, unterscheidet sie sich doch grundlegend. Und das nicht nur wegen ihres weichen Materials, sondern weil sie sich eben dem folgenden Vervielfältigungsprozess, wofür sie eigentlich benötigt wird, entzieht.

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Woraus besteht die Lackfolie? Im Kern aus einer ca. 0,8 Millimeter dünnen, extrem glatt polierten Aluminium-Scheibe, die mit einer noch dünneren Schicht Lack, oder genauer Cellulose-Nitrat von ca. 0,2 Millimetern, beschichtet ist. Fertig ist das feine Rohmaterial, das nach dem verheerenden Brand von 2020 beim weltweit größten Anbieter Apollo Masters in Kalifornien nur noch bei Public Record Ltd. in Tokyo zu haben ist.

Eigentlich verrückt, wenn man bedenkt, dass alle auf traditionelle Weise hergestellten Vinylscheiben des Planeten dieses Rohmaterial brauchen, ausgenommen das heute meistgenutzte „Direct Metal Mastering“-Verfahren. All die Schritte danach kennt der Analog-Liebhaber in der Regel. Nach dem Lackschnitt in den Mastering-Studios geht es zur Galvanisierung, wo in einem elektrolytischen Prozess der „Nickel-Vater“ und davon wiederum der Stamper zum Pressen des Vinyls entsteht. Dieses aus heißem PVC-Granulat gepresste Vinyl ist robust, sieht man von feindlichen Heizkörpern oder Sonnenstrahlen ab.

Es hat sich auf dem Markt aus vielerlei Hinsicht, klanglich sowie haptisch verdient, durchgesetzt und wird in vielen Jahrzehnten immer noch seine Runden drehen.

Ohne Klangkorrektur: So entstand der STEREO-Hörvergleich

Wie uns Martin Diamant von Supersense aus Wien, die für Burmester PURE SOUND Mastercut-Recordings-Serie die Lackfolien verwenden, im Gespräch versicherte, werden bei der Überspielung der Bänder keinerlei Klangkorrekturen, Rauschunterdrückung oder Ähnliches vorgenommen. Alles, was auf den Masterbändern drauf ist, bleibt drauf. Man möchte so wenig wie möglich auf den natürlichen Sound der Aufnahmen Einfluss nehmen – und das lässt das audiophile Herz natürlich noch höher schlagen.

Fast das gesamte STEREO-Team fand sich bei brütender Hitze im Hörraum ein, war neugierig und nahm an dem besonderen Moment teil. Unser Messtechniker Roger Schult brachte eigens ein Otari-Tonbandgerät samt jungfräulichem Band zur Aufnahme mit, um später die klanglichen Unterschiede zum Vinyl direkt hintereinander hören zu können.

Klingt die Lackfolie besser als Vinyl?

Zuerst haben wir die deutsche Erstpressung von Oscar Peterson Trios „We Get Requests“ in Stereo (Verve V06-8606) gehört, die keine Wünsche offenließ, tonal ausbalanciert, alle drei Instrumente wunderbar konturiert, inklusive vollmundigem, druckvollem Bass Ray Browns. Der Wechsel zur Lackfolie brachte neue Facetten hinzu, eine entspannte, intime Atmosphäre kam plötzlich auf. Der Bass war zwar nicht mehr ganz so voluminös, dafür aber Petersons Klavier mit noch stärkeren Klangfarben. Die Beurteilung fiel gemischt aus, für einen Kollegen war schon nach kürzester Zeit klar, die Lackfolie sei überlegen. Andere bevorzugten wiederum den Klang des Vinyls.

Hier Haarspalterei zu betreiben, wäre eh fehl am Platz. Man geht ja auch bei Kunstwerken nicht mit Millimeterpapier ran, um zu sehen, ob die Linien gerade gezogen sind, sondern lässt das Werk auf sich wirken. Tatsächlich macht das Mastercut schon beim Auspacken aus der exquisit gefertigten Burmester-Box mit hochwertigem Booklet etwas mit einem. Weil man weiß, dass man 777 Euro bezahlt hat, aber auch weil diese aufwendige Scheibe in streng limitierter Auflage von nur 333 Exemplaren erhältlich ist, deren beide Seiten mit höchster Aufmerksamkeit und Liebe von einem Techniker in Echtzeit geschnitten wurde.

Wie lagert und pflegt man eine Lackfolie richtig?

Wer dieses besondere Vergnügen lange beibehalten möchte, sollte Folgendes beachten: berührungsfrei auf der Zentrierdorne in der Box mit Abstandshalter aufbewahren, nicht nass abspielen, keine Plattenwäsche, kühl und trocken lagern und die mitgelieferten Burmester Handschuhe benutzen.

Burmester PURE SOUND Mastercut Recordings Lackfolie ist ein musikalisches Kulturgut, das einem Respekt abverlangt. Wie erfrischend in Zeiten überfluteten Konsums.



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