Ist Bluetooth-Strahlung in HiFi-Geräten schädlich?
Ist Bluetooth-Strahlung bedenklich, wie Gerüchte suggerieren? STEREO analysiert Fakten, erklärt Grenzwerte und fragt Experten.

Wir schauen bei HiFi-Geräten gern genau auf die Leistungsangaben und technischen Spezifikationen: Wie viel Watt hat ein Verstärker, wie viel Ohm, oder welchen Frequenzgang hat ein Kopfhörer? Die Verbreitung von drahtlosem Audio nimmt zu, und im Zusammenhang mit Bluetooth reden wir viel über Codecs, um mit möglichst gutem Klang hören zu können.
Und auch wenn hierbei Begriffe wie „drahtlos“ oder „Funk“ auftauchen, schaut man in der Regel nicht nach etwaigen Angaben für Strahlungswerte: Mit welcher Leistung strahlt mein drahtloses HiFi- oder Audiogerät? Daran hängt die Frage: Muss ich Bedenken haben, dass intensive Bluetooth-Nutzung meiner Gesundheit schadet? Immerhin haben manche Menschen stundenlang Bluetooth-Kopfhörer auf oder in den Ohren.

In letzter Zeit, so berichtete etwa die „Apotheken Umschau“, verbreiteten sich in den sozialen Medien Beiträge, in denen behauptet wird, dass Strahlung, die von Bluetooth-Geräten wie Kopfhörern ausgeht, das Gehirn schädigen und das Krebsrisiko steigern könne.
Worauf Bedenken gegen Bluetooth-Strahlung gründen
Diesbezügliche Ängste basieren oft auf Informationsschnipseln der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC). Diese hat hochfrequente elektromagnetische Felder tatsächlich als „potenziell krebserregend“ eingestuft.
Hier ist jedoch eine präzise Unterscheidung wichtig, um keine falschen Schlüsse zu ziehen: Zwar nutzt Bluetooth – genau wie WLAN – das 2,4-GHz-Frequenzband und fällt damit physikalisch in denselben Bereich hochfrequenter Felder. Doch das Risiko hängt nicht allein von der Frequenz ab, sondern maßgeblich von der Intensität.
Dr. Florian Kohn, Experte vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), gibt Entwarnung: „Bei Handy und Bluetooth-Geräten sorgen SAR-Werte für Sicherheit. Bluetooth-Kopfhörer haben aber im Vergleich zu Mobiltelefonen eine so geringe Leistung, dass sie technisch nicht an den zulässigen SAR-Höchstwert heranreichen.“ Er veranschaulicht dies mit der Reichweite: Ein Handy muss beim Senden im Extremfall mehrere Kilometer bis zum nächsten Sendemast überbrücken.
Ein Bluetooth-Kopfhörer dagegen funkt nur wenige Meter bis zum Smartphone in der Hosentasche oder zum Sender in der heimischen Wohnung. „Das sagt eigentlich alles über die Sendeleistung“, so Kohn.

Um potenzielle Auswirkungen auf die Gesundheit besser zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Physik. Bluetooth gehört, ebenso wie WLAN, zur sogenannten nicht ionisierenden Strahlung. Der entscheidende Unterschied zu ionisierender Strahlung, wie etwa Röntgen- oder radioaktive Strahlen, ist hierbei die Energie: Nicht ionisierende Strahlung besitzt schlichtweg nicht genug Energie, um Atome oder Moleküle zu verändern oder die DNA in unseren Zellen direkt zu schädigen.
Der einzige bekannte Effekt von hochfrequenten Feldern ist eine geringe Erwärmung des Gewebes – und selbst diese ist laut Forschung bei den schwachen Bluetooth-Signalen kaum messbar.
Strahlungsstärke-Kategorien in der Übersicht
Was man in diesem Zusammenhang kennen sollte, sind die drei Klassen, in die die Stärke von Bluetooth-Strahlung unterteilt wird:
Klasse 1: bis zu 100 mW (Reichweite ca. 100 Meter).
Klasse 2: maximal 2,5 mW (Reichweite einige Dutzend Meter).
Klasse 3: Maximal 1 mW (Reichweite unter 10 Meter).
Laut BfS gehören die meisten Kopfhörer und Lautsprecher den schwachen Klassen 2 und 3 an. Ihre Strahlung liegt, wie Dr. Kohn ausführte, weit unter den Schwellenwerten, für die bei Mobiltelefonen der oben genannte SAR-Wert ermittelt wird.
Dieser SAR-Wert gibt an, wie viel Strahlung der Körper durch Nutzung eines Geräts aufnimmt (Spezifische Absorptionsrate). Das Bundesamt für Strahlenschutz listet diese Werte auf seiner Website.
Für Bluetooth-Kopfhörer, um beim gebräuchlichsten Beispiel aus dem HiFi-Bereich zu bleiben, ist dieser Wert ob der schwachen Strahlung oft gar nicht ermittelbar. Nichtsdestotrotz gibt es auch hier bindende Grenzwerte, die durch die Bundesnetzagentur und die Verordnung über elektromagnetische Felder festgelegt werden.

Wer sich diesbezüglich schlaumachen möchte, sucht in den technischen Daten des betreffenden Gerätes nach der Sendeleistung in dBm (Dezibel Milliwatt) oder EIRP. Zur Veranschaulichung ein konkretes Beispiel eines Bluetooth-In-Ear-Hörers: Ein Wert von 9 dBm, wie in obigem Bild zu sehen, entspricht etwa 8 Milliwatt.
Der erlaubte Grenzwert im 2,4-GHz-Band liegt jedoch bei 100 Milliwatt (20 dBm). Zum Vergleich: Eine handelsübliche Mikrowelle arbeitet oft mit 1.000 Watt – was dem Hunderttausendfachen an Leistung entspricht.
Tipp zur Vorsorge
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die Angst vor gesundheitlichen Schäden durch HiFi-Geräte mit Bluetooth-Funktion ist nach aktuellem Stand der Forschung unbegründet. Das BfS sieht bei normaler Nutzung innerhalb der Klassen 2 und 3 keine Gefahr für den Menschen. Die oft zitierte IARC-Warnung bezieht sich primär auf intensives Mobiltelefonieren direkt am Kopf, nicht auf die extrem schwachen Bluetooth-Signale.

Wer dennoch vorsorglich seine Strahlungs-Exposition minimieren möchte, kann die Bluetooth-Funktion einfach deaktivieren, wenn sie nicht benötigt wird. Dies spart zudem auch Energie. Wie es ein Experte wie Dr. Florian Kohn privat mit der Nutzung von HiFi-Bluetooth-Geräten hält, lesen Sie in nachstehendem Interview.
Interview mit einem Strahlenschutz-Experten
STEREO sprach mit Dr. Florian Kohn vom Kompetenzzentrum Elektromagnetische Felder über deren Wirkung bei Bluetooth-Strahlung.

Herr Dr. Kohn, wie halten Sie es als Strahlenschutz-Experte persönlich mit Bluetooth-Kopfhörern?
Ich habe für mich privat Bluetooth-Kopfhörer. Ich nutze sie, weil ich es einfach angenehmer finde, als mit einem Kabel herumlaufen zu müssen..
Das sehen viele genauso. Wieder andere schrecken beim Begriff „hochfrequente elektromagnetische Felder“ hoch, wenn er im Zusammenhang mit Bluetooth fällt. Was entgegnen Sie denen?
Wenn man sich einmal prinzipiell anschaut, was eine elektromagnetische Welle ist, lässt sich die Physik, die dahintersteht, mit der bei Lautsprechern und deren Tonerzeugung vergleichen: Da schwingt die Luft, und damit wird der Ton übertragen. Und mittels der Frequenz kann man sagen, wie hoch oder tief der Ton ist. Über die Amplitude lässt sich bestimmen, wie laut der Ton ist.
Das alles können wir auch auf die elektromagnetischen Felder übertragen: Hier schwingt dann eben nicht die Luft, sondern ein gekoppeltes elektrisches und magnetisches Feld, und damit können Informationen übertragen werden. Das sichtbare Licht ist zum Beispiel genauso eine elektromagnetische Welle.
Und welche Bedeutung kommt dem Aspekt Hochfrequenz zu?
Von diesem Frequenzbereich, der Hochfrequenz, wissen wir, dass er unseren Körper erwärmen kann. Wenn zu viel Wärme von außen kommt, dann kann das Stress für unseren Körper bedeuten und gesundheitsrelevante Wirkungen auslösen. Damit diese Erwärmung, zum Beispiel bei Benutzung von Mobilfunktelefonen, aber auch von Bluetooth-Kopfhörern, klein bleibt, gibt es Grenzwerte und gesetzliche Regelungen.

Gibt es bei Geräten diesbezüglich etwas, auf das man achten sollte?
Man kann darauf achten, dass das Gerät ein CE-Zeichen hat. Viele der Gerätesicherheitsregelungen sind auf europäischer Ebene festgelegt. Mit diesem europäischen CE-Zeichen erklären die Hersteller, dass bei Geräten wie Mobiltelefonen oder Bluetooth-Kopfhörern die entsprechenden Regelungen eingehalten werden. Diese Zertifikate finden sich zum Beispiel in der jeweiligen Betriebsanleitung.
Spielen die verschieden starken Sendeleistungen in den drei Bluetooth-Klassen hier irgendeine Rolle?
Aus Strahlenschutzsicht: nein. Auch für die größeren Leistungen gelten Grenzwerte. Aber die Sendeleistung eines Bluetooth-Kopfhörers ist ohnehin so klein, dass man keinerlei Bedenken zu haben braucht.
