HiFi-Rack-Ratgeber: Warum das Fundament über den Klang entscheidet
Ein HiFi-Rack ist mehr als „nur“ ein Regal. Es ist ein funktionelles Möbelstück, das den darin verstauten Inhalt schützen und zugleich zur vollen Entfaltung bringen soll.

Das HiFi-Rack ist gewissermaßen das „Fundament“ des Klangs, ganz ähnlich, wie der sichere Stand im Kampfsport über Sieg oder Niederlage entscheidet. Das ist letztlich pure Physik.
In der High-End-Welt ist das Rack kein passives Möbelstück, sondern die mechanische Erdung der kompletten Anlage. Zudem ist der Arbeitsort mitunter eine eher feindliche Umgebung, da es hier durch Gehäuseresonanzen und Schallübertragungen, insbesondere bei hohen Lautstärkepegeln, Tritt- und Luftschall zu Mikrofonie und Erschütterungen kommt. Hiervor soll ein Rack die empfindlichen HiFi-Komponenten schützen. Denn sowohl die für die Stromversorgung wichtigen Transformatoren und Netzteile als auch die Bauteile auf den Elektronikplatinen reagieren auf Vibrationen. So haben Untersuchungen bis auf Bauteilebene herunter gezeigt, dass etwa Klirrverzerrungen bei Vibrationen während des laufenden Betriebs drastisch ansteigen.

Am leichtesten vorstellbar ist das für den Laien natürlich neben dem analogen Plattenspieler mit im Extremfall „hüpfender Nadel“ beim ebenfalls zum Teil (Laufwerk/Laserführung) mechanisch arbeitenden CD-Player. Hier muss die eingebaute Fehlerkorrektur wesentlich mehr „ran“, wenn das Gerät schwingt, als wenn es ruhig wie der Fels in der Brandung seine Arbeit verrichten darf.
Resonanzkontrolle: ableiten oder absorbieren?
Es gibt im Wesentlichen zwei Ansätze, um mit unerwünschten Schwingungen umzugehen. Da ist zum einen die „Ableitung“. Dabei geht es darum, Vibrationen in den Geräten selbst schnellstmöglich nach außen Richtung Boden abzuführen, sprich loszuwerden. Hier gilt das Prinzip der mechanischen Diode, bei der die Schwingungsenergie über eine winzige Fläche konzentriert abgeleitet wird. Das benötigte „Werkzeug“ ist hier der typische Spike aus harten Materialien, also etwa Keramik oder Metall. Der mit diesem Prinzip sowohl angestrebte als auch meist erreichte Klangcharakter ist mit den Attributen schnell, offen, präzise und dynamisch zu beschreiben, kann aber mitunter auch Richtung hart abdriften.

Der zweite Ansatz dient eher dazu, Schwingungen von außen abzufangen. Dies kann mit bedämpfenden Materialien wie Elastomeren oder Sorbothane, aber auch Federungssystemen (Luftfederung, Magnetlager, Subchassis) geschehen. Auch Füllmaterial, wie etwa Sand, soll dabei über Masse die klangschädliche Bewegungsenergie in Wärme umwandeln. Ziel ist ein schwärzerer Hintergrund mit natürlichem Timbre. Bei Übertreibung kann es hierbei allerdings zu Überdämpfung und Dynamikverlust kommen. Schon deshalb gibt es auch Mischformen, etwa wenn Aluminium oder Glas bedämpft wird, um unerwünschtes „Singen“ zu vermeiden.
Stabilität und Flexibilität: die richtige Bauweise
Dass ein Rack aus ordentlichen, sinnvollen Materialien besteht und eine gewisse Solidität und Stabilität sowie eine gute Verarbeitung mitbringt, um seinen Aufgaben gerecht zu werden, versteht sich von selbst. Man muss unbedingt darauf achten, dass die einzelnen Ebenen auch das avisierte Gewicht tragen können, genug Lüftung zulassen und eventuell sogar das Kabelmanagement erleichtern.
Ein insgesamt fest verschraubtes Rack ist logischerweise besonders verwindungssteif, standfest und stabil, während ein Rack mit frei stapelbaren Ebenen, sprich mit abnehmbaren einzelnen Etagen, besonders flexibel und variabel daherkommt. Ein maßgeschneidertes Rack kann bei Wechsel der Geräte der unmittelbaren Flexibilität im Wege stehen. Oftmals sind kleine Umbauten (höhere/niedrigere Ebenen) notwendig, aber mitunter auch sehr einfach zu bewerkstelligen, wenn der Hersteller das per Modularbauweise so vorsieht.

Einige Metall-Rack-Hersteller bieten auch eine Erdungsklemme an, um neben der mechanischen auch die elektrische Seite eines Racks zu beruhigen. Sie wird einfach mit dem entsprechenden Anschluss eines Vor- oder Vollverstärkers verbunden.
Sonderfall Wandhalterung und clevere Aufstellungstricks
Insbesondere der empfindliche Plattenspieler ist ein Kandidat für die Unterbringung auf einer Halterung an der Wand, wo er oft weniger Schwingungen ausgesetzt ist. In der Stadt aber kann das z. B. dank der Straßenbahn nach hinten losgehen.
Ob getunte Systemregale, Türstopper oder Schneidbretter aus dem Küchenshop: Wer sich intensiver mit der Aufstellung beschäftigen möchte, ist zu Experimenten ermuntert. Das hat jeder Redakteur der STEREO schon gemacht. Allerdings muss man sich vor Augen führen, dass die professionellen Rack- und Zubehöranbieter hier einen gewaltigen Vorsprung haben und man diesen auch hört.
Man hört ohnehin fast alles: Lauschen Sie mal einem Stück Ihrer Lieblings-CD. Anschließend legen Sie einen CD-Stapel auf den Player und hören noch mal. Oder Sie stellen eine volle Wasserflasche auf einen Lautsprecher. Hätten Sie gedacht, dass man das wahrnimmt?
Sie sehen, die Aufstellung ist völlig unterschätzt und kann in ihrer Bedeutung „Komponentenstatus“ erreichen.
Welche Materialien bestimmen den Klang eines HiFi-Racks?
Aluminium und Stahl, mitunter Holz, spielen für das „Skelett“ eines Racks die tragende Rolle. Rack-Ebenen können aus verschiedenen geeigneten Materialien bestehen, so beispielsweise verschiedenen (klanglich gnädigen) Hölzern, Carbon und Steinplatten. Unter Letzteren besitzt Schiefer bei ähnlicher Masse die mit Abstand günstigsten Dämpfungseigenschaften. Machen Sie mal im Vergleich zu Marmor oder Granit den Klopftest! Mitunter klingt das fast wie Glas! Apropos Glasplatten: Die gehen ohne spezielle punktuelle Dämpfung so gut wie gar nicht, allenfalls bestimmte Verbundgläser mit Einlage oder in Kombination mit anderen Materialien. Solche Ausnahmen gibt es etwa bei Naim, wo das Naim Fraim ein phänomenales Rack ist.

Die häufigste Bauform ist der Vierbeiner, wobei eine Nivelliermöglichkeit elementar ist, um ein Rack gerade auszurichten, also „ins Wasser“ stellen zu können. Wenig anfällig für „Schieflage“ sind die auch beliebten Dreibeiner, da hier immer alle drei Beine auf dem Boden stehen. Doch Nachteile gibt es auch. So ist es mit der Stabilität ein wenig vorbei, sobald man nach den Geräten greift, da die auf meist drei Punkten aufliegenden Ebenen dann kippeln können. Ferner ist die Verkabelung erschwert, da das dritte Bein im Weg ist.
