HiFi-Gebrauchtkauf: wichtige Tipps für die Praxis

Ökonomie oder Nostalgie? Es ist mutmaßlich beides, was zum Kauf gebrauchter Geräte führt. Selbstverständlich sollten sie trotzdem hundertprozentig funktionieren. Was ist zu beachten?

Die Sammelleidenschaft des Autors dieses Artikels, die die STEREO-Klassikerreihe „begünstigte“, ist Ausdruck eines gewissen Nachholbedarfs. Als Teenager konnte er sich manches Traumgerät nicht leisten. Später aufgrund von Einkommen und preislicher Talfahrt dann doch. Ohne das vielschichtige Thema hier erschöpfend behandeln zu können, gibt es einige Punkte, die beim „Gebrauchtkauf“ unbedingt zu beachten sind.

Geräte immer ausprobieren!

Machen Sie sich nach Möglichkeit „schlau“ über Ihr Wunschgerät, die bekannten Schwächen und die Gebrauchtpreise. Vor einem Kauf sollte man unbedingt grob überprüfen (können), ob ein Gerät „ans Netz geht“, sprich, ob sich nach dem Anschluss ans Stromnetz und dem Einschalten etwas tut. Geht das nicht (Flohmarkt) oder tut sich nichts, lassen Sie es am besten sein. Garagen- und Kellerleichen erkennen Sie an den Holz- oder Metalloberflächen, die angegammelt aus­sehen. Lassen Sie lieber die Finger davon, wenn es sich nicht gerade um ein Mega-Schnäppchen handelt.

Ideal wäre es, ein Gerät im laufenden Betrieb beim Besitzer ausprobieren zu können, um sich ein entsprechendes Bild zu machen. Hier fallen Defekte wie korrodierte Schalter, Kanalausfall, Brummen, Rauschen/Zwitschern, Knallen oder auch mechanische Defekte bei Schubladen oder Kassettenfach eher auf. Offensichtliche Schäden sollten vom Kauf zurücktreten lassen, es sei denn, Sie kennen sich aus und reparieren selbst. Springen Sie bei CD-Spielern auch mit der Fernbedienung mal etwa durch die Titel mehrerer CDs. Drehen Sie an Lautstärkesteller oder Klangregelung. Wenn es da kracht, ist das bei alten Geräten nicht ungewöhnlich, aber schöner ist es, wenn alles sauber läuft. Hier hilft das richtige (!) Kontaktspray weiter. Ist das Gerät komplett (Fernbedienung)? Nehmen Sie lieber einen sachkundigen Freund zum Kauf mit.

Die 220-/240-Volt-Problematik

1987 gab es so etwas wie eine kaum bemerkte Zäsur. Im Zuge der internationalen Harmonisierung fand nämlich eine Angleichung der nationalen Wechselstromsysteme und Spannungen statt. 

Das für uns hierzulande interessanteste System mit 220-Volt-Spannung und 50-Hertz-Frequenz sollte schritt­weise auf 230 Volt bei gleichbleibender Frequenz angehoben, das britische 240-Volt-Netz auf 230 Volt abgesenkt, beide also aneinander angeglichen werden. Zweifellos ein sinnvoller Schritt für den internationalen Handel zwischen Großbritannien und dem europäischen Kontinent. 

Die daraus resultierende Handlungsempfehlung, die wiederum nichts kostet, ist die, ältere Geräte, also solche vor 1987, nach Möglichkeit auf eine Spannung von 240 Volt einzustellen/umzuschalten, da sie bei einer Erwartung von damals 220 Volt nunmehr 230 Volt bekommen. Da stellen eingestellte 240 Volt einen Sicherheitspuffer dar. Die Toleranz für bis zu zehn Minuten wurde seit 1987 moderat angehoben und liegt jetzt für 230 Volt zwischen zulässigen 207 bis 253 Volt aus der Wandsteckdose. Betroffen sind heutzutage selbstverständlich mit bis zu knapp 40 Jahren „auf dem Tacho“ vor allem Klassiker der Unterhaltungs­elektronik. 

Müssen Netzteil-Elkos ausgetauscht werden?

Oftmals sagen Werkstätten, dass bei alten Geräten unbedingt die Netzteil-Elkos ausgetauscht werden müssen. Das sehen wir nicht zwingend so. Wenn ein Gerät Defekte zeigt, ist das etwas anderes. Aber in den meisten Fällen hat der Autor auf den Elkotausch verzichtet und hat die Elkos stattdessen gut und schonend „formiert“ (siehe nächster Punkt).

Wenn sich also noch keine Störungen wie Brummen/Rauschen zeigen und sich gar die Elko-Werte mit einem LCR-Meter noch innerhalb der Toleranzen messen lassen, sollte man sie drin lassen, zumal andere Typen (Marken) anders klingen. ­Aggressive Bauteile wie manche „Blagg Flagg“-Kondensatoren oder Klebstoffreste, die das Gerät von innen angreifen, sollten dagegen raus. Das weiß jede gute Werkstatt.

Hochfahren von HiFi-Geräten nach langer Standzeit

Gebrauchtgeräte, die lange Zeit im Tiefschlaf verbracht haben, müssen behutsam wieder in Betrieb genommen werden. Das hängt mit den Elkos zusammen, die wieder neu „angelernt“ werden müssen. Der technische Fachbegriff dafür lautet „formieren“. Schaltet man seit langer Zeit „ruhende“ Geräte einfach ein, kann das gut gehen, oftmals aber wird es leider einen Knall geben, und die Lichter gehen aus. Um das zu vermeiden, braucht man – Profis wissen und haben das – einen regelbaren Trafo. Hier stellt man eine niedrigere Ausgangsspannung ein – also statt 230 vielleicht die Hälfte oder etwas mehr – und schaltet das Gerät daran ein. Dann lässt man es mehrere Stunden einfach am Netz „nuckeln“ und fährt dann die Versorgungsspannung langsam und schrittweise auf 230 Volt hoch. Und auch dann kann man durchaus noch ein paar Stunden oder Tage im Leerlauf abwarten.

Wie umgehen mit gebrauchten Plattenspielern?

Das Angebot an gebrauchten Plattenspielern ist groß, doch viele Offerten haben versteckte Mängel. Hier einige Tipps, bevor Sie den Kauf tätigen. Die Liste können Sie auch hier als pdf herunterladen.

Lässt sich der Plattenspieler einschalten?

Bewegt sich nichts und ist auch kein leises Motorgeräusch zu hören? Dann ist ein Werkstattaufenthalt nötig.

Funktionieren alle Leuchten?

Hat der Plattenspieler Birnchen oder LEDs, sollten alle leuchten. Ist das nicht der Fall, vor Ort prüfen, ob das in Selbsthilfe ohne Lötkolben behoben werden kann.

Bewegt sich der Tonarm leicht, aber stabil?

Hat ein Tonarm einen mechanischen Lagerschaden, ist der Arm nur schwergängig nach innen zu bewegen. Auch das ist ein Grund, vom Kauf Abstand zu nehmen oder die Kosten für eine Reparatur einzukalkulieren.

Gibt es unerwünschte Geräusche?

Wenn keine Platte aufliegt und sich nur der Teller dreht, sollte im besten Fall nichts, maximal ein winziges Summen oder Surren des Motors hörbar sein. Falls Sie mehr hören, besser Finger weg!

Ist der Tonabnehmer defekt oder überaltert?

Einen krummen Nadelträger erkennt man auf den ersten Blick. Abgenutzte Diamanten oder ausgeleierte respektive verhärtete Gummilager für den Nadelträger nicht. Merke: Ist der Abtaster älter als zehn Jahre, sollte sein Austausch oder eine Ersatznadel in Erwägung gezogen werden.

Was tun, wenn kein Tonabnehmer montiert ist?

Als Einsteiger am besten die Finger davon lassen, in jedem Falle aber den Preis für die Neuanschaffung einkalkulieren!



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