Guter Klang, kleiner Preis: So baut man eine HiFi-Anlage für unter 500 Euro
Wenig Platz und wenig Budget, aber trotzdem Spaß an gutem Klang? Das muss kein Widerspruch sein, wenn man etwas um die Ecke denkt und ein Smartphone oder Notebook besitzt.

Keine Frage: Ein eigener Hörraum ist so etwas wie ein Tempel des audiophilen Genusses, die höchstwertige Stereoanlage im Wert eines Mittelklassewagens der Altar. Und man muss kaum darüber diskutieren, dass das, was hier klanglich aus den Boxen kommt, qualitativ auf anderem Wege nicht zu erreichen ist.
Trotzdem bedeutet das nicht, dass man, wenn man entweder keinen Platz oder kein Geld für solchen akustischen Hochgenuss hat, auf immerhin noch guten bis sehr guten Klang verzichten müsste. Voraussetzung allerdings ist, dass man sich vom Gedanken an die klassische Stereoanlage verabschiedet und sich in die Computer- und Smartphone-Welt begibt. Gerade für das City-Appartement, das Büro, die Studentenbude, die Ferienwohnung oder sogar das Wohnmobil kann das Konzept „kompakt & preiswert“ viel Sinn ergeben.
Aktivboxen: das Herzstück der günstigen Anlage
Für unseren Ansatz ist es sinnvoll, mit den Lautsprechern zu beginnen. Die Idee ist, auf ein teures, separates Verstärkersystem zu verzichten und stattdessen gute aktive Regalboxen zu nutzen. Zum einen aus Platzgründen, denn darum soll es ja auch gehen. Aber vor allem deshalb, weil die Auswahl an guten Speakern hier im Preisbereich bis 1.500 Euro deutlich größer ist. Ein echter Geheimtipp sind hier die Triangle Elara LN01A. Die sehr wertigen und klanglich überzeugenden Boxen mit eigenem D/A-Wandler bekommt man je nach Gehäuseausführung schon ab knapp 320 Euro. Sie unterstützen Bluetooth, allerdings nicht mit den neuesten Codecs. Viel wichtiger ist aber, dass sie über einen optischen und damit einen digitalen Eingang verfügen, hinter dem ein Cirrus-Logic-Wandler hängt, der sich qualitativ durchaus hören lassen kann.

Einige Aktivlautsprecher lassen sich via USB auch direkt mit dem PC verbinden oder können auch mittels HDMI bespielt werden. Das ist die einfachste Variante der „Stereoanlage“. Und wer jetzt hier mit Schrecken an die klanglich höchst zweifelhaften Plastikdosen denkt, die früher in den Computerzubehör-Regalen der Elektronikmärkte zu finden waren, dem sei gesagt: Davon ist hier nicht die Rede. Es geht um Speaker wie die Elac Debut ConneX DCB41 oder die KEF LSX II LT, die sogar kabellos miteinander kommunizieren und netzwerkfähig sind. Neben den genannten haben auch weitere renommierte Audiohersteller, wie beispielsweise Canton, Nubert oder Magnat, entsprechende Systeme im Sortiment, ebenso Teufel, die ohnehin seit vielen Jahren auch im PC-Bereich unterwegs sind. Allerdings gehört auch zur Wahrheit, dass man hier sehr schnell zumindest die untere Preisliga verlässt.
Aber wie wir noch sehen werden, genügt eben auch ein optischer oder sogar ein analoger Eingang, weil je nach Bedarf die Wandlung auch extern erfolgen kann. Der Fokus sollte also auf dem Preis-Leistungs-Verhältnis hinsichtlich des Klangs liegen. Den integrierten Wandler, den heute praktisch jede Aktivbox besitzt, kann man dann immer noch testen und für gut oder weniger gut befinden.
Braucht man einen Subwoofer?
Wer gern die Bässe noch akzentuierter darstellen möchte, kann die Triangle ebenso wie die meisten anderen aktiven Regallautsprecher noch durch einen Subwoofer ergänzen. Dabei sollte man sich aber bewusst machen, dass das zulasten der Kompaktheit geht. Es gibt vergleichsweise wenige Bassboxen, die wirklich klein sind und sich dezent aufstellen lassen. Der Canton ASF 75 SC etwa ist ein Downfiring-Sub, der zum Beispiel unter einem Sofa platziert werden kann. Bei den klassischen „Würfeln“ lohnt ein Blick auf den Minx X201 von Cambridge Audio. Beide erfüllen auch preislich mit 250 bzw. 299 Euro die „Günstig“-Vorgabe.

Mit rund 600 Euro immer noch im Rahmen wäre auch der nuSub XW-800 Slim, der vom Prinzip dem flachen Canton ähnelt. Der Teufel T 6 wiederum kann ebenfalls liegend, aber auch stehend betrieben werden. Der Vorteil: Das Gerät ist längst nicht so tief wie die meisten Bassboxen. Das Konzept verfolgt beispielsweise auch der Focal Sub Air, wobei man sich darüber im Klaren sein muss, dass auch diese Modelle nach dem Frontfiring-Prinzip arbeiten und eben nicht in der schmalen Lücke zwischen Sofa und Wand verschwinden können. Kleiner Tipp: Ein kabelgebundener Aktiv-Subwoofer, der vor einigen Jahren einen guten Klang hatte, wird den auch heute noch haben. Wer also noch ein Exemplar aus einem älteren Surroundsystem auf dem Dachboden hat, kann das zumindest einmal testen. Für unser System etwa fand sich noch ein JBL Sub 135, der macht, was ein Subwoofer machen soll.
Der Zuspieler: Smartphone, Notebook oder Streamer?
Natürlich muss das, was die Boxen ausgeben sollen, irgendwo herkommen. Die vermutlich kompakteste und dabei recht günstige Option ist der WiiM Mini, ein winziger Streamer mit optischem Ausgang. Der nur 106 Euro teure Zwerg unterstützt gängige Streamingdienste wie Amazon Music Ultra HD, Qobuz, Spotify Connect oder Tidal Connect und wird mittels App bedient.
Die App wiederum setzt logischerweise ein Smartphone oder ein Tablet voraus. Und das taugt, ebenso wie ein Notebook, selbst auch als Zuspieler. Tatsächlich ist es dabei überhaupt nicht nötig, ein High-End-Gerät zu verwenden, denn das Optimieren der Audiowiedergabe erfolgt später mit zusätzlicher Hardware. Wichtiger ist es, auf einen aktuellen WLAN-Standard wie Wi-Fi 6 oder Wi-Fi 7 zu achten, damit es beim Streamen von HD-Audio keine Hänger gibt, sowie eventuell auf viel oder erweiterbaren Speicher, falls Musik lokal abgelegt werden soll. Bei Smartphones bedeutet das, dass ein SD-Kartenslot vorhanden sein sollte oder zumindest per USB-OTG (On-the-go) wie bei einem Notebook eine USB-3.0-Festplatte ergänzt werden kann. Grundsätzlich erfüllen die meisten halbwegs aktuellen Geräte diese Voraussetzungen. Wer also ein entsprechendes Gerät besitzt, spart sich die Investition in den Zuspieler. Im Falle eines Firmen-Handys oder -Notebooks ist allerdings die Voraussetzung, dass man entsprechende Rechte zur privaten Nutzung besitzt.
Welches Betriebssystem eignet sich am besten?
Hinsichtlich des Betriebssystems gibt es letztlich keine Vorgaben, wobei wir wegen der größeren Flexibilität eher zu Windows und Android tendieren. Zudem bekommt man hier gute Geräte schon für deutlich weniger Geld als in der Apple-Welt. Tatsächlich kann man sich längst für 400 bis 500 Euro ein durchaus brauchbares Windows-Notebook zulegen, das alles bietet, was für gute Audiowiedergabe nötig ist.
Einzige Ausnahme: Kaum noch ein Computer verfügt heute serienmäßig über ein optisches Laufwerk. Das würde man zugegebenermaßen wohl auch nicht für die CD-Wiedergabe verwenden, weil es allein vom Antrieb nicht auf den HiFi-Enthusiasten zielt. Aber es kann zum Rippen von CDs verwendet werden. So ein Laufwerk lässt sich bei Bedarf per USB anschließen und kostet etwa 40 Euro. Damit kann man dann Musik verlustfrei als FLAC konvertieren, sodass diese dann auch vom PC oder Smartphone wiedergegeben werden kann.
Wiedergabe-Software für den besten Klang
Wer Streamingdienste nutzt, ist in aller Regel auch auf deren Apps festgelegt. Das hängt schlichtweg mit dem Kopierschutz zusammen. Es gibt Ausnahmen: Tidal und Qobuz sind unter anderem auch bei Roon oder Volumio integriert, aber Spotify oder Amazon Music sind bei Wiedergabe-Apps kaum lizenziert. Wer dagegen auf lokal gespeicherte Dateien zugreift, ist freier in seiner Wahl. Eine gute, für alle Plattformen verfügbare und obendrein kostenlose Option ist hier der VLC-Player, den einige vor allem als Software für die Videowiedergabe kennen dürften. Allerdings funktioniert das ziemlich umfangreiche, konfigurierbare Programm auch für Audio sehr gut. Vor allem eben wegen seiner zahlreichen Optionen zur Klanganpassung.

Und dann gibt es insbesondere für Windows noch eine Reihe von Tools, die direkt auf die globale Audio-Ausgabe Einfluss nehmen können. Da wäre der recht einfache Equalizer FxSound zu nennen. Und wer vom Tüfteln nicht genug bekommt, kann sich mit dem komplexen Equalizer APO befassen, der aber viel Verständnis für Frequenzgänge, Delay und dergleichen voraussetzt. Beide Programme sind übrigens kostenlos, aber darum nicht weniger effektiv. Der Grund ist, dass Windows ein sehr offenes Treibermodell hat und die Equalizer entsprechend schon die digitalen Audiodaten modulieren. Auch das ist ein Argument, das für einen Windows-PC als Player spricht.

Für Android wiederum gibt es unter anderem die App PowerAmp, die in der Vollversion knapp zehn Euro kostet und auch als Equalizer für Amazon Music oder Spotify nutzbar ist. Auch hier sind für lokal gespeicherte Dateien andere Apps verfügbar, sodass wohl jeder seinen Wunsch-Sound recht gut erzeugen kann.
Die Schnittstelle: So kommt das Signal zu den Boxen
Die heikelste Frage ist am Ende, wie man eine hochwertige Verbindung zwischen dem PC und den Boxen hinbekommt, sofern diese eben nicht direkt per USB-Verkabelung exzellenten Sound liefern. Denn mit der Schnittstelle steht und fällt am Ende der Klang. Die schlechteste Option ist hier in den meisten Fällen ein Kabel vom Kopfhörer-/Audioausgang des Smartphones oder Computers zum analogen Eingang der aktiven Lautsprecher. Tatsächlich besitzen PCs in aller Regel selbst in mittleren Preiskategorien keine Soundkarten und Wandler, die mehr als das Prädikat „solide“ verdienen. Wer sich für Speaker entschieden hat, die nur einen analogen Eingang besitzen, sollte daher zu einem hochwertigen USB-DAC greifen wie dem iFi Go Bar oder dem AudioQuest DragonFly Cobalt.

Beide können sowohl am Smartphone als auch am Computer verwendet werden. Zwar sind sie in erster Linie für den Anschluss eines Kopfhörers gedacht, aber stattdessen können eben auch aktive Lautsprecher genutzt werden, wenn man deren Eingang nicht überpegelt. Da die USB-DACs kaum größer und schwerer sind als USB-Speicher-Sticks, empfiehlt es sich übrigens, diese mit doppelseitigem Tape an den Boxen oder deren Ständern zu befestigen und die Distanz zum Zuspieler per USB-Kabel zu überbrücken. So bleibt der Signalweg komplett digital, und man spart sich teure, aufwendig geschirmte Analog-Kabel, um größere Distanzen zu überbrücken. Die Störanfälligkeit lässt sich dadurch auf ein Minimum reduzieren.

Besser jedoch ist es, den DAC der Speaker zu nutzen, zumindest in unserem Fall in Kombination mit den Triangle. So lässt sich der Übertragungsweg voll digital realisieren, zumindest dann, wenn Smartphone oder Computer einen optischen Ausgang besäßen. Bei Ersteren war das aber noch nie der Fall, und bei Letzteren ist es aus der Mode gekommen, seit HDMI oder vielmehr noch USB-C als Audioschnittstellen genutzt werden. Ein Problem allerdings ist das nicht, denn es gibt entsprechende Konverter. Amazon ist voll von entsprechenden Geräten, die in aller Regel kaum mehr als 40 Euro kosten. Wir sind aber letztlich bei einem Produkt der Firma inLine gelandet, nachdem es mit dem Gintooyun-USB-zu-Optisch-Audio-Adapter, den wir als Erstes getestet haben, trotz vielfach guter Bewertungen zumindest im Testsystem immer wieder Probleme gab.

Bei dem Konverter von inLine sorgt ein Cmedia CM6631A-Chipsatz für eine Audioverarbeitung mit bis zu 24 Bit/192 kHz; der Chip gilt als eines der Flaggschiffe in der Konvertertechnik und wird von Windows 11 beispielsweise ebenso nativ unterstützt wie auch von Android oder Apple. Kostenpunkt: rund 50 Euro. Jetzt fehlt noch ein Toslink-Kabel, für das man eine Menge Geld ausgeben kann, aber nicht muss. Letztlich ist ein leistungsfähiges, fünf Meter langes optisches Netzwerkkabel, über das zuverlässig deutlich mehr Daten als im Audiobereich fließen und das aus zwei Lichtwellenleitern besteht, schon für rund sieben Euro zu haben. Insofern muss also auch ein Toslink-Kabel nicht viel teurer sein.
Tipp für Smartphone-Nutzer: Stromversorgung nicht vergessen
Zum Schluss noch ein Tipp für diejenigen, die sich für das Smartphone oder Tablet als Zuspieler entscheiden: Egal ob USB-DAC oder USB-Konverter – beide Geräte werden über die USB-3.x- oder USB-C-Schnittstelle mit Strom versorgt. Bei Notebooks, die am Netzteil hängen, kein Problem, bei Handys geht es auf den Akku. Hier bietet sich ein Y-Kabel an, das zusätzlich zum Anschluss der Überträger-Hardware noch den Anschluss eines Steckernetzteils erlaubt. Und wer nicht ständig umstöpseln möchte, schaltet einfach eine kleine USB-Dockingstation (ca. 25 Euro) dazwischen.

Es versteht sich, dass sich mit einem Budget unter 500 Euro keine audiophile High-End-Anlage realisieren lässt. Allerdings bekommt man gerade abseits des Hörraums für das Geld mit dem richtigen Ansatz viel mehr Klangqualität, als man aus dem Bauch heraus erwarten würde.
