Was ist eigentlich Bluetooth? Technik und Codecs im Überblick

Was kann Bluetooth eigentlich, wo steht es heute und was sollte man beachten? STEREO hat die wichtigsten Grundlagen und Tipps gesammelt.

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Bluetooth ist ein praktischer Alltagsbegleiter und eine extrem weitverbreitete Technologie. Das gilt auch für die Übertragung von Musik bzw. Audio generell, trotz höher aufgelöster Alternativen wie WLAN. Doch wie funktioniert Bluetooth? Und was muss man beachten, wenn man Bluetooth nutzen will? Denn im Feld der (Audio-)Daten-Übertragung gerät man als Nutzer schnell in einen Dschungel mit Begriffen von „LE“ bis „AptX“ oder „LDAC“. Was diese bedeuten und was man sonst noch alles beachten muss, ­erklären wir hier.

Die Geschichte von Bluetooth

Erst mal kurz zu den Grundlagen, angefangen mit der Geschichte von Bluetooth. Die Technologie wurde 1998/99 eingeführt und seitdem konstant weiterentwickelt, verantwortet durch die „Bluetooth Special Interest Group“ („SIG“). Dieser Gruppe gehören viele der wichtigsten Firmen im Tech- und Handy-Markt an. Neben Mitgründern wie Intel, Nokia und Toshiba sind das inzwischen etwa auch Google, Microsoft und Apple. Der Name „Bluetooth“ sollte eigentlich ein Platzhalter sein, als man die Technologie umbenennen wollte, war er aber schon zu etabliert und bekannt, und der Name blieb. Die für eine Technologie eher untypische Bezeichnung leitet sich ab vom dänischen König Harald „Blauzahn“, der im zehnten Jahrhundert lebte – und teils als „Vereiniger Dänemarks“ stilisiert wird und somit zur Idee von Bluetooth als „Vereiniger aller Geräte“ passen soll. Auch das inzwischen weitbekannte Bluetooth-Logo ist eine Kombination aus den beiden Runen, die seine Initialen bilden.

Wichtiger Aspekt der Technologie ist die einfache Nutzung. Bluetooth muss zuerst auf den gewünschten Geräten (etwa Handy und Kopfhörer) aktiviert werden, was meist mit 1–2 Klicks erledigt ist. Dann folgt die Kopplung, in der Praxis einmal in den Einstellungen des Handys auf den Namen des gewünschten Empfängers klicken. Und schon kommt jeglicher Ton des Handys aus den Kopfhörern oder jedes anderen verbundenen Geräts. Da Geräte gespeichert werden, verbinden die beiden sich ab dem nächsten Mal komplett automatisch. In unserer Erfahrung aus Tests von Bluetooth-Geräten funktioniert das alles quasi immer problemlos und ist meist auch einfacher als die WLAN-Einrichtung eines Geräts.

Wie funktioniert Bluetooth eigentlich?

Ist die Verbindung aufgebaut, sendet Bluetooth kabellos ein Signal über elektromagnetische Wellen in einem bestimmten Frequenzbereich. Dafür nutzt es das relativ frei nutzbare „ISM“-Band mit Frequenzen um 2,4 GHz. In diesem Umfeld kommt es nicht etwa mit UKW-Wellen von Radios (87,5 MHz bis 108 MHz) oder Radar-Systemen in Kontakt. Das 2,4-GHz-Band wird aber auch von WLAN genutzt sowie von Mikrowellen, wodurch Interferenzen nicht ausgeschlossen sind.

Für die verschiedenen Funktionen von Bluetooth sind sogenannte „Profile“ wichtig, die bestimmen, welche Funktionen ein Gerät bietet. Die Audio-Übertragung hängt am Profil „A2DP“ („Advanced ­Audio Distribution Profile“), das in jedem Bluetooth-Audio-fähigen Gerät vorhanden sein muss. Es definiert unter anderem, dass die Verbindung aus Sender und Empfänger besteht. Aus diesem Grund kann nicht jedes Gerät beide Jobs erfüllen – falls doch, spricht man von „Bidirektionalem Bluetooth“. Ein praktisches Feature bei Musik-Streamern, die so Musik empfangen und an Kopfhörer weiterschicken können. Für die Funk-Übertragung muss das ursprüngliche Signal umgewandelt werden, einmal beim Senden und einmal beim Empfangen, wofür es diverse Optionen gibt, sogenannte „Codecs“. Diese bestimmen den Grad an Komprimierung des Signals, können also für die Audioqualität wichtig sein.

Bluetooth-Codecs bestimmen den Klang

Welcher Codec unterstützt wird, hängt vom Gerät ab. Den Standard-Codec „SBC“ müssen alle Geräte haben, „AAC“ wird auch meistens unterstützt, bei den Alternativen mit höheren Bitraten (z. B. aptX, LDAC) wird meist nur eine und nicht alle geboten. Die aptX-Codecs treffen wir dabei am häufigsten an, auch wenn es viele Geräte gibt, die keine dieser Optionen bieten. Sofern von Sender und Empfänger unterstützt, versuchen die meisten Geräte, den besten verfügbaren Codec zu nutzen, haben aber auch immer SBC oder AAC als Ausweichmöglichkeit für eine stabile Verbindung im Notfall.

Dementsprechend gibt es etwa bei iOS-Geräten keine Einstellungen für Codecs, bei Mac-Computern nur über Umwege mit Konsole und Terminal, was für Nutzer ohne große Technik-Kenntnisse möglicherweise zu komplex ist. Bei (aktuellen) Windows-PCs gibt es primär die Entscheidung zwischen normalem Bluetooth und LE Audio, sofern unterstützt. Auch Android bietet erst mal keine Auswahl – wenn man aber die etwas versteckten „Entwickleroptionen“ auswählt schon. Diese ermöglichen sehr viele detaillierte Einstellungen, inklusive Bluetooth-Codec. Hier sollte aber eigentlich standardmäßig das beste ausgewählt sein. Wie bei Mac auch sollte man in diesen Optionen mit viel Vorsicht vorgehen, da es dort viele technisch grundlegende Einstellungen des Handys gibt.

Manchmal unterstützen auch Empfänger selbst eine Auswahl zwischen verschiedenen Modi beziehungsweise Codecs. So kann etwa in Sony-Kopfhörern wie den WH-1000XM6 eingestellt werden, ob die Priorität auf einer stabilen Verbindung oder der Klangqualität liegen soll. Eine Wahl von „Klangqualität“ aktiviert dann die höheren Datenraten des Sony-eigenen LDAC-Codecs.

Was können moderne Bluetooth-Codecs?

Auch wenn Codecs inzwischen zu relativ hohen Bitraten fähig sind und teils „Lossless“ oder „Hi-Res“ versprechen, arbeiten alle bisherigen Modelle mit niedrigeren Raten als denen eines verlustfreien Ursprungssignals. Sie sind also mindestens auf dem Papier komprimiert, von Hi-Res ganz zu schweigen. Die Art der Komprimierung soll den Klang verbessern, sodass die Bitrate allein nicht alles über die Klangqualität aussagt.

Sei es durch geschickte Umwandlung oder psychoakustische Anpassungen, bestimmte Codecs sollen laut ihrer Entwickler teils bei gleicher Bit­rate besser klingen als andere, so etwa der neue Bluetooth-Codec LC3 im Vergleich zum Standard-Codec SBC. Will man wirklich verlustfrei streamen, oder sogar HiRes, wie es inzwischen etwa die Streamingdienste von Apple, Amazon oder Tidal und Qobuz anbieten, braucht es jedoch Alternativen: das Streaming über WLAN.

Mindestens am Rande muss natürlich erwähnt werden, dass der Klang auch vom konkreten Wiedergabegerät abhängt. Selbst die höchste Bitrate und ­Hi-Res-Musik werden einen 50-Euro-Kopfhörer nicht wie einen 1.000-Euro-Kopfhörer klingen lassen. Außer vielleicht Letzterer wird mit extrem komprimierter Musik befüttert. Nicht zu vergessen, dass auch der Sender den Codec unterstützen muss. Und dass die meisten höher aufgelösten Codecs adaptiv sind, also ihre Datenrate anpassen können, um die Verbindung stabil zu halten – und es dadurch in bestimmten Situationen zu Veränderungen der Klangqualität kommen kann.

Die Weiterentwicklung von Bluetooth

Ein großer Aspekt, weshalb Bluetooth weiterhin extrem viel genutzt wird, neben dem Fehlen von praktischen Alternativen, die einfacher und besser wären, ist die konstante Weiterentwicklung des Standards. Für die Zukunft seien etwa aktuell Verbesserungen bei Latenz (Verzögerung zwischen Absenden und Empfangen eines Signals) oder der übertragenen Datenrate in Arbeit.

Zurzeit (2025) plant Bluetooth damit, zwei große („Core-“)Updates pro Jahr zu veröffentlichen, das letzte war Bluetooth 6.1 im Mai 2025 mit Verbesserungen für Stromverbrauch und Datenschutz. Da Bluetooth sehr vielseitig ist, gibt es nicht immer Neuigkeiten für Audio, die letzte große Änderung kam hier 2020 mit Bluetooth 5.2: LE Audio.

Bluetooth LE Audio und Auracast im Überblick

Das wiederum ist Teil von Bluetooth LE („Low Energy“), was technisch gesehen ein zweites Protokoll ist, das komplett separat vom „normalen“ Bluetooth („Classic“) existiert. Aber keine Angst: In so ziemlich allen Fällen wird einfach beides unterstützt. Während viele der Aspekte von LE für Audio erst mal sekundär sind – etwa Ortung oder Aufbau von Mesh-Systemen –, hat LE Audio einige spannende Neuerungen parat, auch wenn es bisher eher wenig implementiert ist. Neben dem namensgebenden niedrigen Stromverbrauch führt LE Audio den LC3-Codec als höher aufgelöste Alternative für den vorherigen Standard-Codec SBC ein.

Zudem wird starker Fokus auf das Feature „Auracast“ gelegt, das vor ­allem bei Kopfhörern und Bluetooth-Boxen in letzter Zeit Verbreitung findet. Während es bei normalem Bluetooth-Audio eine feste Verbindung zwischen zwei Geräten braucht, kann bei Auracast ein Sender als „Broadcaster“ sein Signal an beliebig viele Empfänger gleichzeitig schicken.

Ob zur Kopplung von hundert Lautsprechern oder der Übertragung eines Konzerts auf alle Kopfhörer in der Nähe sind die möglichen Anwendungsfälle vielseitig. Auch für Nutzer von Hörgeräten könnte das durchaus ein „Game-Changer“ sein. In HiFi-Sprache könnte man sogar behaupten, dass so Multiroom mit Bluetooth möglich ist, sofern die Wände zwischen den Räumen das Signal nicht stören. Aber auch wenn die Liste an Geräten ständig wächst, sind bei Weitem noch nicht alle neuen Lautsprecher oder Kopfhörer mit dieser Technologie ausgestattet, geschweige denn passende Sender.

Das richtige Gerät für Bluetooth

Welche Geräte Auracast, LE Audio oder Codecs wie aptX oder LDAC unterstützen, lässt sich meist schnell herausfinden. Da diese neuen Technologien Verbesserungen bei der Audioqualität oder neue Features versprechen, werden sie in den meisten Fällen von Herstellern bei ihren Produkten benannt und beworben, sei es textlich oder über die entsprechenden ­Logos. Bluetooth selbst hat zudem online ein Verzeichnis von Auracast-Empfängern, auch Qualcomm hat eine Liste mit aptX-lizensierten Geräten.

Was bei diesen Listen auffällt, ist, dass die neuesten Standards größtenteils auf mobilen Geräten wie Kopfhörer stattfinden. Denn das ist die berechtigte Nische für Bluetooth, auch im HiFi. Trotz allen Verbesserungen bei der Bitrate ist diese bei Bluetooth deutlich geringer als bei Hi-Res-Streaming über das Netzwerk in der heimischen Anlage – aber unterwegs wiederum gibt es eben kein eigenes WLAN/LAN, und Kopfhörer oder Bluetooth-Boxen unterstützen das Internet sowieso nicht. Und mitunter dank Verbesserungen bei Bluetooth können auch mobile Kopfhörer heutzutage sehr hohe Klangqualität bieten.

Praktische Nutzen der Drahtlos-Technologie

Auch wenn die Übertragung von (Ton-)Dateien vor allem im Audio-Sektor die bekannteste Anwendung für Bluetooth ist, hat die Technologie doch viele weitere Nutzungsmöglichkeiten, auch für HiFi-Geräte. So statten etwa einige Hersteller ihre Fernbedienungen mit Bluetooth aus, sodass über diesen Standard die Steuersignale am Gerät ankommen. Im Gegensatz zu klassischen Infrarot-Fernbedienungen können diese dann möglicherweise auch ein Gerät aus dem Nachbarraum steuern, ohne dass die Remote auf die Anlage gerichtet werden muss.

Auch einige Steuerungs-Apps für Smartphones funktionieren über Bluetooth – etwa Geräte, die kein Internet haben, können so trotzdem per Handy bedient werden. Letztlich kann das Format auch bei der Einrichtung eines Streamers helfen: Gerät und Handy verbinden sich per Bluetooth, und die Telefon-App hilft dabei, das Gerät mit Internet zu versorgen.

Für alle Anwendungen, inklusive natürlich Audioübertragung, ist die Reichweite von Bluetooth wichtig. Und hier können wir in unserer Erfahrung von einer merklichen Verbesserung in letzter Zeit sprechen. Dank verbesserten Bauteilen und neuen Standards ist technisch gesehen die Zeit vorbei, in der zwei Geräte für eine BT-Verbindung direkt nebeneinanderliegen müssen. Bei unseren Tests von Bluetooth-Lautsprechern sind wir regelmäßig positiv überrascht, wenn die Verbindung zwischen Box und Handy auch bei einem Abstand von 50 Metern nicht abbricht und immer noch Musik spielt.

Doch das ist immer explizit mit nichts als Luft zwischen Handy und Lautsprecher. Denn das Signal kann durch vieles beeinflusst werden, inklusive der Stärke von Sender und Empfänger. Zusätzlich kann so ziemlich jedes Hindernis zwischen ihnen die Reichweite verringern, von Wänden und Türen bis zu Regen oder Menschen. Die Bluetooth SIG selbst spricht gar von einer Bluetooth-Reichweite von theoretisch „weniger als einem Meter bis zu über einem Kilometer“ – wobei der übliche Radius deutlich kleiner als Letzteres ist, vor allem bei Audioprodukten.

Was tun bei schlechtem Klang trotz guten Bluetooth-Kopfhörern?

Zum Abschluss ein Praxis-Tipp, falls es per Bluetooth schlechter klingt als erwartet. Viele Bluetooth-Kopfhörer haben eingebaute Mikrofone und sind damit auch Headsets. Bei der Nutzung als Headset per Bluetooth wird oft der Modus der Kopfhörer umgeschaltet, was die Audioqualität verringert, weil für Telefonie die Audioqualität eben nicht so wichtig ist wie für Musik. Falls Sie die Situation kennen: Man hört am Computer Musik, bekommt einen (Video-)Anruf und nimmt diesen an, und bevor man die Musik abschaltet, klingt diese kurz viel schlechter, was genau daran liegt.

Nun kann es aber auch sein, dass ein Programm oder Gerät die Kopfhörer direkt als Headset erkennt und den für Musik nicht geeigneten Bluetooth-Modus aktiviert, was zu schlechterem Klang führt. Die Lösung könnte sein, in den Einstellungen sicherzugehen, dass das Gerät als Kopfhörer und nicht als Headset definiert ist bzw. das Mikrofon der Kopfhörer dort zu deaktivieren. Oder natürlich das „Allheilmittel“ für technische Probleme: aus- und anschalten oder die Verbindung kurz trennen und wieder aufnehmen.

aptX & co.: Bluetooth-Codecs erklärt

SBC: Der „Standard-Codec“ für Bluetooth. Wie überall werden Signale umgewandelt und hier auf eine maximale Bitrate von 328 kbit/s komprimiert und damit nicht verlustfrei übertragen. Zum Vergleich: Die im Streaming oft als „Lossless“ bezeichnete Datenrate einer CD liegt bei 1.411 kbit/s.

AAC: Der neben SBC häufigste Codec ist AAC, mit einer Datenrate von meist maximal 256 kbit/s. Apple setzt bei Bluetooth mehr oder weniger exklusiv auf AAC und sagt, dass es dank der Implementierung bei sich „praktisch nicht zu unterscheiden“ von echtem verlustfreien Audio ist.

aptX: Die aptX-Standards der Firma Qualcomm, etwa aptX HD mit Datenraten bis 576 kbit/s. Dem folgte aptX Adap­tive. Bei einer maximalen Bitrate von 420 kbit/s verspricht es, dass Audio darüber mehr oder weniger genauso gut klingt wie echtes Hi-Res. Die neueste Entwicklung ist aptX Lossless, mit dem erstmals Audio in CD-Qualität von 16 Bit/44,1 kHz verlustfrei übertragen werden soll. Die effektive Bitrate liegt mit maximal 1.200 kbit/s etwas unter der CD-Bitrate, das Signal soll laut Qualcomm jedoch so übertragen werden, dass trotzdem alle Signalanteile vorhanden sind, was den Namen „Lossless“ recht­fertigen soll.

LDAC: Als eine Alternative bietet Sony den LDAC-Codec an. Wie auch aptX Adaptive, LC3 Plus und LHDC ist LDAC von der Japan Audio Society als „Hi-Res Audio Wireless” zertifiziert. LDAC überträgt dabei in einer maximalen Bitrate von 990 kbit/s und arbeitet mit Dateien bis zu 32 Bit/96 kHz.

LHDC: Der Savitech-Codec LHDC wirbt ebenfalls mit einer maximalen Bitrate von knapp 1.000 kbit/s. Dazu kann er laut Entwickler als erster Codec Dateien bis zu 24 Bit/192 kHz verarbeiten.

LC3: Als Nachfolger für SBC stellte Bluetooth 2020 LC3 vor, das auch bei gleicher Bitrate bessere Klangqualität als SBC bieten soll dank optimierter Verarbeitung. Neben geringerer Latenz und weniger Stromverbrauch soll auch höhere Musikqualität möglich sein, Dateien werden auf maximal 345 kbit/s komprimiert. Zudem gibt es LC3 Plus des Fraunhofer IIS, das Dateien mit bis zu 500 kbit/s pro Kanal sendet.



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